Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Diplomarbeit
20 Jahre AIDS-Beratungsstelle am Gesundheitsamt Wiesbaden -
detaillierte Ergebnisse von 1996 bis 2004
eingereicht von:
Daniel Engel
August 2005
“Das die Gesundheit jeder einzelnen Nation von der aller anderen abhängt, ist kein frommer, leerer Wunsch, sondern ein epidemiologisches Faktum.“
Joshua Lederberg; Nobelpreisträger 1958 für Medizin
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS ... 6
TABELLENVERZEICHNIS ... 7
1 ZUSAMMENFASSUNG ... 8
2 EINLEITUNG ... 11
3 HINTERGRUND ... 13
3.1 AIDS-Beratungsstelle ... 13
3.2 HIV und AIDS ... 13
3.2.1 HIV und AIDS in der Historie ... 14
3.2.2 Infektionswege des HIV ... 15
3.2.3 Infektionswahrscheinlichkeit ... 16
3.2.4 HIV international ... 17
3.2.4.1 HIV-Infektionen weltweit ... 17
3.2.4.2 Derzeitige Entwicklung von HIV in Osteuropa und Zentralasien ... 18
3.2.5 HIV in Deutschland ... 20
3.2.5.1 Infektionsepidemiologische Erfassung von HIV-Infektionen in Deutschland ... 20
3.2.5.2 Aktueller Datenstand ... 21
3.2.5.3 HIV-Infizierte nach Risikogruppen in Deutschland ... 23
4 VORGEHEN UND METHODE ... 25
4.1 Ort und Zeitraum der Erhebung ... 25
4.2 Fragestellung und Ziel ... 25
4.3 Ablauf des Tests ... 26
4.3.1 Die Fragebogenvariablen ... 27
4.3.2 Das HIV-Testverfahren ... 27
4.4 Datenerhebung und Auswertung ... 28
4.4.1 Schema der Einteilung der Infektionsrisiken ... 28
5 ERGEBNISSE ... 30
5.1 Inanspruchnahme des HIV-Testangebots ... 30
5.1.1 Verteilung nach Infektionsrisiken ... 31
5.1.2 Verteilung der Partnerinnen und Partner der getesteten Personen mit Infektionsrisiko HETERO nach Infektionsrisiko ... 32
5.1.3 Anteil der Partnerinnen und Partner aus HPL der untersuchten Personen mit Infektionsrisiko HETERO stratifiziert nach Jahr des HIV-Tests ... 34
5.2 Verwendung von Kondomen ... 35
5.3 Ergebnisse des HIV-Tests ... 36
5.3.1 HIV-Testergebnisse nach Alter, Geschlecht und Wohnort ... 36
5.3.2 HIV-Testergebnisse nach Infektionsrisiko der Klienten ... 37
5.3.3 Verwendung von Kondomen bei Männern mit positivem HIV Antikörpertest ... 38
5.3.4 Risikovergleich MSM mit heterosexuellen Klienten ... 38
6 DISKUSSION UND SCHLUSSFOLGERUNG ... 40
6.1 Personen aus HPL und die Bedeutung für die HIV-Prävention in Deutschland ... 40
6.2 Kondomgebrauch im Kontext von aktuellen Entwicklungen in Deutschland ... 42
6.3 Interpretation des Relativen Risikos (RR) ... 43
6.4 Schlussbemerkung ... 44
LITERATURVERZEICHNIS ... 45
ANHANG ... 50
1 Zusammenfassung
Hintergrund: In Deutschland haben sich bis Ende des Jahres 2004 insgesamt 67.500 Menschen mit HIV angesteckt. Davon infizierten sich allein im Jahr 2004 1.830 Personen. Aufgrund eines verspäteten Ausbruchs der AIDS-Erkrankung seit Einführung der antiretroviralen Therapie, gewinnt die HIV-Fallerfassung zunehmend an Bedeutung. Deshalb kommt der Erhebung von Daten und HIVTestergebnissen bei Personen, die sich zum HIV-Test in einer AIDS Beratungsstelle vorstellen, besondere Bedeutung hinsichtlich der Epidemiologie und Prävention zu. Im Jahr 1985 wurde eine AIDS-Beratungsstelle am Gesundheitsamt Wiesbaden eingerichtet. Das vorliegende Manuskript stellt die erhobenen Daten von 1996 bis 2004 der AIDS-Beratungsstelle Wiesbaden dar und evaluiert die Ergebnisse in Bezug auf aktuelle Entwicklungen von HIV in Deutschland.
Methode: Das Gesundheitsamt Wiesbaden bietet seit Oktober 1985 eine anonyme Untersuchung von Blutproben auf HIV-Antikörper an. Der Nachweis der Antikörper erfolgt mit einem Antikörpersuchtest (ELISA) und bei positiver Reaktion der Blutprobe mit einem nachfolgenden Bestätigungstest (Westernblot). Mittels eines Fragebogens wurden die Daten der durchgeführten Untersuchungen gesammelt. Diese enthielten zusätzlich Angaben zu soziodemographischen Merkmalen, Infektionsrisiken und Kondomgebrauch der gestesteten Personen. Elektronisch erfasste Daten liegen von 1996 bis 2004 vor und wurden mittels Epi-Info 3.3 und SPSS 10.1.4 archiviert und ausgewertet werden.
Ergebnisse: Zwischen 1996 und 2004 kamen 7.241 Personen in die AIDS Beratungsstelle und haben sich auf HIV Antikörper testen lassen. Bei 24 Personen wurde eine HIV-Infektion diagnostiziert (0,3%). Durchschnittlich besuchten jährlich etwa 800 Personen die Beratungsstelle, wovon 73,6% in Wiesbaden wohnten. Das Durchschnittsalter lag bei 30 Jahren, davon waren 56,1% Männer. 14,6% der Männer hatten Sexualkontakte mit Partnern des gleichen Geschlechts. 83% der Männer die Sex mit Männern hatten (MSM) waren zwischen 15 und 39 Jahren alt. Einzelne Personen gaben intravenösen Drogengebrauch an oder stammten aus Hochprävalenzländern (HPL). Unter den getesteten, heterosexuellen Personen ist eine mäßige aber signifikante Zunahme des Anteils der Sexualpartnerinnen und -partner aus Regionen mit hoher HIV-Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung Allgemeinbevölkerung zu beobachten. So stieg der Anteil der Sexualkontakte von heterosexuellen Männern (n=3.397) mit Frauen aus HPL von 0,2% im Jahr 1996 auf 3% im Jahr 2004. Der Anteil der Sexualkontakte von heterosexuellen Frauen (n=3.046) mit Männern aus HPL stieg von 1,2% im Jahr 1996 auf 4,2% im Jahr 2004. Des Weiteren ging bei beiden Geschlechtern mit jeglicher Sexualpräferenz der Anteil derer, die immer Kondome verwendeten im Berichtszeitraum zurück (1996: 40,3%; 2004: 25,6%). Hingegen nahm der Anteil der Personen, die gelegentlich bzw. nie Kondome verwendeten zu (1996: 53,4%; 2004: 69,2%). Von 3.397 heterosexuellen Männern wurden seit 1996 bei fünf (0,15%) HIV-Infektionen nachgewiesen. Bei den 596 homosexuellen Männern waren es 18 (3,0%) HIV-Infektionen.
Von den 3.175 Frauen wurde bei einer (0,03 %) Person eine HIV-Infektion nachgewiesen. Diese Frau stammt aus einem HPL. Abschließend lässt sich sagen, dass homosexuelle Männer ein 21- fach erhöhtes Risiko einer HIV-Infektion hatten, verglichen mit heterosexuellen Männern in der untersuchten Population (RR 20,52; 95% CI: 7,65 – 55,06). Die HIV-Situation intravenös drogenabhängiger Personen kann aufgrund mangelnder Resonanz nicht eingeschätzt werden.
Diskussion: Das Beratungs- und Testangebot wird überwiegend von jungen Erwachsenen angenommen und erreicht auch die besonders gefährdete Subpopulation homosexueller Männer. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass homosexuelle Kontakte in der untersuchten Gruppe mit einem höheren Risiko und heterosexuelle Kontakte mit einem eher geringen Risiko der Übertragung von HIV einhergehen. Der Rückgang der HIV-Infektionsrate auf 0,3% in den letzten neun Jahren (von 1985 bis 1995 betrug die HIV-Infektionsrate 0,9%) spricht für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie, HIV-Infektionen durch Aufklärung zu vermindern, an der auch das Gesundheitsamt Wiesbaden aktiv mitwirkt. Betrachtet man Daten des Robert-Koch- Instituts (RKI) zu HIV-Infektionen in Deutschland, ergibt sich eine Parallele zu den Beobachtungen der AIDS Beratungsstelle in Wiesbaden. Das RKI, sowie die Erhebung des Gesundheitsamtes Wiesbaden, verzeichneten in den letzten Jahren eine Zunahme von Personen aus Ländern, in denen HIV sehr stark verbreitet ist. Während das RKI die HIVinfizierten Personen aus den HPL, die hierzulande leben betrachtet, beziehen sich die Ergebnisse des Gesundheitsamtes Wiesbaden auf die Sexualkontakte mit Personen aus HPL.
[...]
Arbeit zitieren:
Dipl.-Ges.wirt Daniel Engel, 2005, 20 Jahre AIDS-Beratungsstelle am Gesundheitsamt Wiesbaden - detaillierte Ergebnisse von 1996 bis 2004, München, GRIN Verlag GmbH
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