Inhalt
Einleitung 3
1. Abgrenzung zu anderen Theorien 4
2. Komplexität der interaktionistischen Modelle zum Erstsprache rwerb
6 NA
3. Gemeinsame Grundzüge der interaktionistischen Modelle zum Erst-
spracherwerb 7
4. Sprache lernen in der Interaktion 9
4. 1 Die Partner der Interaktion 9
4. 1 1 Das Kind und seine Kompetenzen als Interaktionspartner 9
4. 1 2 Die Bezugsperson und ihre Kompetenzen als Interaktionspartner
11 NA
4. 2 Das Zusammenspiel der Partner bei der Sprachentwicklung 13
4. 2 1 Vorsprachlicher Bereich 13
4. 2 2 Sprachlicher Bereich 14
4. 3 Spracherwerb nach Tomasello 15
5. Fazit 17
Literatur 19
2 NA
Einleitung
Die Modelle, die den Erstspracherwerb von Kindern interaktionistisch erklären, gehen davon aus, dass das Erlernen von Sprache im gegen- seitigen Austausch mit Bezugspersonen vonstatten geht.
Die interaktionistischen Erklärungsmodelle zum Erstspracherwerb sind die heute in der Wissenschaft anerkannten Modelle. Die früheren Mo- delle, wie beispielsweise nativistische und kognitivistische Modelle, sind heute schon zumindest teilweise widerlegt und als unschlüssig verwor- fen.
Sowohl Nativismus als auch kognitivistische Erklärungen gehen von fa l- schen biologischen Voraussetzungen aus oder lassen wichtige Punkte außer acht.
Der Interaktionismus dagegen ist kein geschlossenes Modell, das wich- tige Erkenntnisse anderer Wissenschaften ausschließt oder ihnen sogar widerspricht, sondern enthält Beiträge aus vielen Wissenschaften. Da- durch wird es zu einem sehr vielseitigen und komplexen Konzept, des- sen Grundzüge und wichtige Erkenntnisse zum Erstspracherwerb hier vorgestellt werden sollen. Dabei ist zu beachten, dass die zahlreichen Einzelwissenschaften und auch die verschiedenen Wissenschaftler, die zu diesem Modell beigetragen haben, zum Teil recht divergierende Vor- stellungen von den Details des Spracherwerbs im Austausch mit Be- zugspersonen haben, sodass ich hier keine konkurrierenden Theoriean- sätze, sondern die gemeinsamen Ansätze und Modelle der Forschung zum Erstspracherwerb durch Interaktion darstellen werde. Eine Sonder- stellung kommt dabei dem Linguisten Michael Tomasello zu. Er ist ein wichtiger Vertreter der Interaktionismus-Verfechter, und deshalb stelle ich seine Überlegungen zum Erstspracherwerb etwas ausführlicher dar; beispielhaft für all die anderen zahlreichen Vertreter dieser Denkrich- tung.
3
1. Abgrenzung zu anderen Theorien
Wie in der Einleitung erwähnt gelten die interaktionistischen Modelle zum Erstspracherwerb heute als weitaus schlüssiger und logischer be- legt als andere. Um die andersartige Herangehensweise dieser Modelle herauszustellen, möchte ich zunächst den Vergleich zu anderen Theo- rien ziehen, die (zumindest teilweise) durch den Interaktionismus abge- löst wurden.
Zunächst ist da der Nativismus zu nennen, eine Theorie, die vor allem von Noam Chomsky entwickelt wurde. Dabei wird davon ausgegangen, dass nur eine Spezies, die genetisch genauestens darauf vorbereitet ist, Sprache erlernen kann. Chomsky nimmt an, dass „jedes Kind von An- fang an ein Wissen um Grammatik hat“ (KLANN-DELIUS 1999, 50). Da- bei muss es sich um eine Art ‚Universalgrammatik’ handeln, da erwiese- nermaßen jedes Kind in der Lage ist, eine beliebige menschliche Spra- che zu erlernen, unabhängig von der Muttersprache der Eltern. Das Kind muss Verständnis für alle Grammatiken der Welt als Anlage besit- zen. Dazu müssen Kinder noch in der Lage sein, richtige Äußerungen von falschen zu unterscheiden und so ihre spezifische Muttersprache erlernen können. All das ist laut Chomskys nativistischer Theorie zum Erstspracherwerb angeboren, die Bezugspersonen leisten beim Spracherwerb nichts oder nur sehr wenig.
Sprachliche Äußerungen sind Realisierungen eines zugrundeliegenden, abstrakten Kenntnissystems, der sprachlichen Kompetenz (ebd., 54.).
Problematisch an den nativistischen Theorien zum Erstspracherwerb ist ihre biologische Begründung, die so nicht nachweisbar ist. Eine Anlage zum Verständnis aller Grammatiken der Welt „als sprachliches, angebo- renes Wissen“ kann „nicht durch unabhängige Experimente als biolo- gisch real nachgewiesen werden [...], was jedoch zur Absicherung des Postulats notwendig ist (ebd., 60). Aber nicht nur Biologen, sondern auch Linguisten, Entwicklungspsychologen und Psycholinguistiker kriti-
sieren Chomskys Ansatz. Alle werfen ihm vor, bei seiner „Suche nach Universellem andere wesentliche Aspekte des Spracherwerb zu ignorie- ren. [...] In dieser Kritik wird der Nativismus als [Immunisierungsstrate-
gie] gegenüber der realen Vielfalt des Spracherwerbs b etrachtet (KLANN-DELIUS 1999, 87).
Eine andere Art von Theorie bietet der Kognitivimus.
Als kognitivitische Erklärungsmodelle werden diejenigen Spracherwerbskonzepte aufgefasst, in denen die sprachli- che Entwicklung eng an die kognitive Entwicklung des Kin- des gebunden wird (ebd., 93).
Bei diesen Modelle wird Jean Piaget mit seiner Entwicklungstheorie als wichtigster Vertreter genannt. In diesem Modell ist Denken streng an Handeln gebunden und damit Intelligenz etwas Aktives. Sprache als ein Teil von Intelligenz hat zwei Funktionen: repräsentieren und kommuni- zieren. Piaget geht davon aus, dass ein Kind erst Denken kann und daraus dann die Fähigkeit des Sprechens entwickelt. Weiterhin sieht er auch die soziale Komponente des Spracherwerbs, der die Kommunika- tion mit anderen ermöglicht und Kontakt sichert. Diese, laut Piagets Theorie vom Kind aktiv gesteuerte Entwicklung des Kindes, vollzieht sich in Stufen, genau wie die Entwicklung der Intelligenz (vgl. ebd., 94- 98). Daher nennt man Piagets Modell auch ‚Treppenmodell’. In gleich- mäßiger Stufung entwickelt sich, zunächst durch Nachahmen und dann verstärkt durch eigene Ausdifferenzierungen Sprache.
Auch die kognitivistischen Erklärungsansätze werden von anderen Wis- senschaftlern jedoch verstärkt kritisiert. Zum einen besitzen Säuglinge weit mehr Kompetenzen, als Piaget annimmt (vgl. 4. 1. 1). Außerdem blendet sein Treppenmodell die „hohe[r] individuelle[r] Variabilität“ aus, die jedes einzelne Kind besitzt. Weiterhin haben Beobachtungen von Kindern erwiesen, dass die Entwicklung von Sprache und kognitiven Fähigkeiten nicht so wie bei Piaget beschrieben einhergehen(vgl. ebd., 126f.). Ingesamt gelten heute nur noch wenige von Piagets Erklärungen als schlüssig.
5
Dagegen setzt sich eine andere Erklärungsrichtung immer mehr durch: der Interaktionismus. Um diesen soll es in der folgenden Arbeit gehen.
2. Komplexität der interaktionistischen Modelle zum Erst-
Wie bereits eingangs erwähnt, haben an den interaktionistischen Erklä- rungsmodellen zum Erstspracherwerb Forscher verschiedener Einze l- disziplinen mitgewirkt. Außerdem haben die Modelle sich im Laufe der Zeit natürlich immer weiter entwickelt.
Zunächst beobachteten Linguisten, dass Bezugspersonen Kindern stets eine „organisierte“ und auch „vereinfachte Sprache“ anboten (KLANN- DELIUS 1999, 179). Dadurch konnten sich die Kinder die Grammatik ihrer Muttersprache nach und nach durch Beobachten erschließen. Man kam zu dem Schluss, dass eine genetisch angelegte Universalgramma- tik, wie von Chomsky beschrieben, zum Spracherwerb gar nicht nötig und daher wohl nicht vorhanden war. Allerdings wurde aus dieser Beo- bachtung ein Konzept zum Erstspracherwerb entwickelt, das sich aus- schließlich auf Umwelteinflüsse berief und daher einseitig geriet. Später „wurden die im Kind liegenden Kompetenzen anerkannt“ (ebd.). Hierbei wurde aber ein Schwerpunkt auf gezieltes, intentionales Lehren durch die Bezugspersonen gesetzt, was nie nachgewiesen werden konnte. In der weiteren Entwicklung wurde der Interaktion beider Partner eine im- mer wichtigere Rolle zugeschrieben, am Anfang aber noch wenig kon- kret. Erst mit der Entstehung des systemtheoretisch-interaktionistischen Modells wurde genau erklärt, wie durch Entwicklung des Kindes einer-
Arbeit zitieren:
Mirja Schnoor, 2005, Das interaktionistische Erklärungsmodell zum Erstspracherwerb, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 22 Seiten
Die funktionalistische Theorie zum Spracherwerb nach Jerome Bruner
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 18 Seiten
Piagets und Chomskys Spracherwerbstheorie
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Die Spracherwerbstheorie nach Piaget im Gegensatz zu Behaviorismus und...
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Seminararbeit, 18 Seiten
Immanuel Kant und die Aufklärung
Eine Analyse seines Aufsatzes:...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hauptseminararbeit, 15 Seiten
Das Motiv des Festes im Nibelungenlied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 27 Seiten
Das linguistische Relativitätsprinzip – Ein Überblick über die Entwick...
Seminararbeit, 21 Seiten
Chomskys Universalgrammatik und ihre Bedeutung für die Generative Gram...
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
Sprachliche Relativität: Die Sapir-Whorf-Hypothese
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit, 31 Seiten
Im Dorf der Märchenerfinder - Kinder erfinden und erzählen sich Märche...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 16 Seiten
Anwendung und Wirkung von Filmmusik
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 26 Seiten
Zu: Irene Disches "Ein Job" - eine Aufarbeitung eines Romans...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit, 16 Seiten
Spracherwerb im Kleinkindalter
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
"ein magt gein triuwen wol gelobt": Zur Figur der surziere C...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 23 Seiten
Mirja Schnoor hat den Text Das interaktionistische Erklärungsmodell zum Erstspracherwerb veröffentlicht
Mirja Schnoor hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare