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Der Kulturkampf: Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche

Seminararbeit, 2000, 18 Seiten
Autor: Monika Goerke
Fach: Geschichte - Deutsches Kaiserreich, Imperialismus

Details

Veranstaltung: Staatsverfassungen
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Historisches Institut)
Tags: Kulturkampf, Konflikt, Verfassungsstaat, Kirche, Staatsverfassungen
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 18
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V43526
ISBN (E-Book): 978-3-638-41295-7

Dateigröße: 224 KB


Textauszug (computergeneriert)

Der Kulturkampf: Ein Konflikt zwischen modernem
Verfassungsstaat und katholischer Kirche

von: Monika Goerke

2. Semester

 


- INHALTSVERZEICHNIS -

A. EINLEITUNG  I

B. URSACHEN UND ANLÄSSE DES KULTURKAMPFES  II

I. Standpunkte der Beteiligten  II
II. Die Ursachen des Kulturkampfes in der historischen Forschung 
III. Die Anlässe des Kulturkampfes 

C. DER VERLAUF DES KULTURKAMPFES 

I. Staatliche Maßnahmen  VII
II. Reaktionen der katholischen Kirche  X

D. AUSGANG UND FOLGEN DES KULTURKAMPFES  X

I. Die Beendigung des Kulturkampfes 
II. Die Auswirkungen des Kulturkampfes 

E. RESÜMEE  XIII

I. Der Erfolg der beteiligten Parteien  XIV
II. Die Bewertung des Kulturkampfes in der historischen Forschung  XIV

F. LITERATURVERZEICHNIS  XVI


 

A. Einleitung

Während der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts kam es im Deutschen Reich zu einem Konflikt zwischen dem gerade (1871) entstandenen Verfassungsstaat mit der katholischen Kirche. Die folgende Ausarbeitung nimmt sich dieses Themas an und stellt es in vier Kapiteln vor.

Der Begriff Kulturkampf wurde 1873 von dem Reichstagsabgeordneten der Fortschrittspartei Rudolf Virchow geprägt und bezeichnet den Grund satzkonflikt1 zwischen Staat und katholischer Kirche. Wichtig hierbei ist, dass der Kulturkampf kein deutsches, sondern ein gemeineuropäisches Phänomen in der Zeitspanne von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende war2. Seinen Anfang hatte er in Frankreich, breitete sich dann über ganz Europa aus und kehrte schließlich zur Jahrhundertwende in sein Ursprungsland zurück3. Die folgenden Ausführungen werden sich allerdings auf das Deutsche Reich beschränken, hier entzündete sich der Kulturkampf 1870/71. Die beteiligten Parteien waren der Staat sowie die liberalen Parteien einerseits und die katholische Kirche andererseits. Gegenstand des Konfliktes war das „Verhältnis von politischem Herrschaftssystem und christlichen Amtskirchen“4 mit aufeinanderprallenden Machtansprüchen und gegensätzlicher Weltanschauung. Beendet wurde der Kulturkampf 1886/87 durch die Friedensgesetze und eine Erklärung Papst Leo XIII.

Die Gliederung des Referats folgt dem klassischen historischen Analyseschema: Zunächst werden in Kapitel B die Ursachen und Anlässe des Kulturkampfs in Deutschland dargelegt. Dabei werden zunächst die unterschiedlichen Standpunkte der Beteiligten vorgestellt. Daran anschließend erfolgt die Darstellung der Ursachen, wie sie in der historischen Forschung gesehen wird, bevor als Abschluss des Kapitels die konkreten Anlässe, die den Konflikt gleichsam ausgelöst haben, erläutert werden. In Kapitel C wird der Verlauf des Kulturkampfes, wie er sich in den staatlichen Maßnahmen und der Reaktion der katholischen Kirche widerspiegelt, geschildert. Kapitel D beschäftigt sich mit Ausgang und Folgen des Kulturkampfs. Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche Dabei wird zunächst die formale Beendigung des Konflikts dargestellt, im Anschluss daran folgt die Erläuterung der Auswirkungen. Kapitel E schließlich stellt eine Abschlussbetrachtung dar, in der der Erfolg der beteiligten Parteien aufgezeigt sowie die Bewertung des Konflikts in der historischen Forschung geschildert wird.

B. Ursachen und Anlässe des Kulturkampfes

Allgemein gesprochen resultierte der Kulturkampf aus dem Gegensatz zwischen Kirche und Staat. So ist der sich im 19. Jahrhundert entwickelnde moderne Rechtsstaat von seinen Prinzipien her religionsneutral und weltlich orientiert. Er definiert Recht und Loyalitäten unabhängig von religiösen Leitsätzen. Die Kirche hingegen sah sich immer noch als eigentlicher Lebensmittelpunkt, mit dem Recht, in das Leben der Gläubigen weitgehend einzugreifen (insbesondere durch Kirchenstrafen). Bei den Gründen für den Kulturkampf in Deutschland müssen die tieferliegenden Ursachen für den Konflikt, wie sie in den unterschiedlichen Standpunkten der Beteiligten begründet liegen, von den unmittelbaren Anlässen, die letztendlich zum Kampf führten, unterschieden werden.

I. Standpunkte der Beteiligten

Zu den Beteiligten des Kulturkampfes zählen auf der Seite des Staats in Deutschland die liberalen Parteien und Reichskanzler Otto von Bismarck. Die katholische Kirche wird durch die römische Kurie und die deutschen Bischöfe verkörpert. Verdeutlicht man sich die unterschiedlichen Auffassungen der Beteiligten, so wird erkennbar, daß in diesen die Ursachen für den Kulturkampf liegen.

So sind die Liberalen überwiegend evangelisch geprägt 5. Sie wollen nach ihrer Ansicht die Leistungen der Reformation gegenüber der noch mittelalterlichen katholischen Kirche verteidigen. Mit ihrem unbedingten Glauben an Kultur, Wissenschaft und Fortschritt sehen sie sich als Modernisierer des Reiches an. Zu ihren politischen Hauptzielen zählt die Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien – auch und gerade gegenüber hergebrachten Institutionen/Traditionen6. Gerade dies bildet einen Kontrapunkt zur katholischen Kirche, die ihre eigene Rechtsprechung gegenüber den Gläubigen nicht aufgeben will. Nach Meinung der Liberalen hat die Ein Konflikt zwischen modernem Verfassungsstaat und katholischer Kirche individuelle Freiheit Vorrang vor der Autorität der Kirche, die die Gläubigen bevormunden und an der Verwirklichung ihrer Freiheit hindern will. Reichskanzler Otto (von) Bismarck, als das Zentrum der Politik im Deutschen Reich, will seine Machtposition sichern. Diese sieht er bedroht insbesondere durch den politischen Katholizismus, der sich auf Reichsebene 1870 in Form der Partei des Zentrums gründet. Bismarck zufolge stellt die Partei auf eine „romhörige“ Politik ab, die die Einheit des gerade erst gegründeten Deutschen Reiches gefährden könnte.

[...]


1 Wehler, Hans-Ulrich (Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 3: Von der „deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des 1. Weltkriegs 1849 – 1914, München 1995), S. 892

2 Nipperdey, Thomas (Deutsche Geschichte, Band 2: Machtstaat vor der Demokratie, München 1992), S. 364

3 Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S.892

4 Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S.892

5 Wehler (Deutsche Doppelrevolution, 1995), S. 893

6 Loth, Wilfried (Das Kaiserreich, Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung, München 21997), S. 50


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