Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 3
Intention der vita Seite 5
Erstes und zweites Kapitel Seite 6
Die Reichsinsignien als bildhafte Übersetzung Seite 8
seines Herrscherbildes
Widmung an die Nachfolger Seite 9
Herkunft Seite 10
Der christliche Glaube in der vita Seite 10
Autobiographischer Teil: Karls Berufung für Seite 12
sein späteres Amt
Schlussbetrachtung Seite 14
Anhang Seite 16 16
Quellenverzeichnis Seite 22
Literaturverzeichnis Seite 22
2 NA
Einleitung
Die vita Karls IV ist das bemerkenswerte Werk eines mittelalterlichen Herrschers. Es ist ein- zigartig, weil es keine derartige Autobiographie aus dieser Zeit gibt. Kein Kaiser des römi- schen Reiches hat je eine Autobiographie verfasst, man könnte hier lediglich noch die Tri- umphromane Kaiser Maximilians nennen, die in dieselbe Richtung gehen, aber keineswegs vergleichbar sind. Für den Historiker allerdings ist dieses Zeugnis eines Lebens weniger als Quelle interessant, denn als Indiz dafür, wie Karl seine Aufgabe als Herrscher auffasste. Zwar hält man eine Autobiographie auf den ersten Blick für authentisch und wahrheitsgemäß, doch bei genauerer Überprüfung der geschilderten Sachverhalte in Karls vita bemerkt man Fehler: Als Beispiel sei hier seine Schilderung der Krönung Ludwigs des Bayern 1328 in Rom ge- nannt. Dieser habe gegen den Willen Papstes Johannes XXII’ vom Bischof von Venedig die Kaiserkrone und die Weihe empfangen. In Wirklichkeit handelte es sich um den Laien Sciarra Colonna, was einen noch größeren Affront gegen die Kirche bedeutete
1
. Wollte man die vita
als Quelle behandeln, so würde sich auch das Problem der genauen Datierung stellen. Im Text selbst jedoch ist nicht vermerkt, wann er verfasst wurde, der Historiker ist gezwungen seine Rückschlüsse aus dem Text zu ziehen. Dazu gab es immer wieder verschiedene Ansätze, ex- emplarisch soll hier der Versuch einer zeitlichen Einordnung Böhmer und Friedjungs genannt werden. Dieser bezieht sich auf Karls Widmung an seine Nachfolger auf den beiden Thronen im ersten Kapitel der vita. Beide Historiker sahen in ihnen Söhne Karls. Böhmer dachte dabei an einen Zeitpunkt, an dem Karl zwei Söhne ansprechen konnte, da hier der Plural verwendet wird, nämlich nach 1368, dem Geburtsjahr Sigismunds. Friedjung datierte die vita schon auf den Januar 1350, nach der Geburt des ersten Sohns Wenzel. Loserth lehnte diese Ansätze je- doch mit der Begründung ab, dass sich diese Widmung an die Nachfolger überhaupt richtet. Dem hat sich die Forschung weitgehend angeschlossen 2 und man geht heute davon aus, dass
das Spätjahr 1350 der Entstehungszeitpunkt der vita sein muss. Damals war Karl schwer krank und hatte Zeit sie zu diktieren. Außerdem liegt dieser Zeitpunkt vor der Kaiserkrönung, denn davor muss die vita fertiggestellt worden sein, da das diadema imperale nur in Zusam- menhang mit Ludwig erwähnt wird 3 .
In die Beurteilung der vita muss auch einfließen, dass ein autobiographischer Bericht zunächst ein Zeugnis individueller Existenz und zugleich ein Dokument der Zeitgeschichte des Autors ist. Dazu kommt, dass ein solches Werk einen Ausschnitt seiner Umwelt darstellt, auf die er
1
Seibt, Ferdinand, Kaiser Karl IV. Ein Kaiser in Europa. 1346-1378, München, 1978.S.113, 114.
2
Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.19.
3 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.31
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einwirkt und die ihn beeinflusst. Das Besondere hierbei ist jedoch, dass der Leser es mit ei- nem Autor von hohem sozialem Rang zu tun hat 4 . Es handelt sich um einen Herrscher, der im unruhigen Europa des 14. Jahrhunderts über 30 Jahre lang politische Verantwortung getragen hat und als Kaiser im römischen Reich die höchste weltliche Autorität verkörperte 5 . Karl IV wurde am 16. Mai 1316 als erster von drei Söhnen geboren, insgesamt hatte er noch sechs weitere Geschwister 6 . Er war der Sohn Johanns von Luxemburg und Elisabeths, der Tochter des letzten Böhmenkönigs aus dem Geschlecht der Premysliden, Wenzel II. 1323 zog Karl an den französischen Königshof, da der Vater ihm dort eine fürstliche Erziehung ange- deihen lassen wollte, 1330 kehrte der 14-Jährige zurück ins Reich. In den folgenden Jahren übernahm er politische Verantwortung in Italien, kehrte aber nach Misserfolgen 1333 zurück ins vom Verfall gezeichnete Böhmen. Dort gelang es ihm, das Land wieder zu ordnen und un- ter seine Herrschaft zu bringen, bis er 1335 von seinem Vater aus Misstrauen entmachtet wur- de. Bis Karl 1340 Peter von Fécamps kennen lernte, war er in Böhmen, Schlesien und Bayern diplomatisch und militärisch aktiv. Ab 1341 verwaltete er unter anderem erfolgreich Böhmen, bevor er 1346 von den Kurfürsten zum deutschen König gewählt wurde 7 . Diese Wahl war sehr umstritten, da Karl ein Gegenkönig zu Ludwig darstellte und seine Herrschaft auch auf Drahtziehern im Hintergrund beruhte, wie dem Erzbischof von Trier. Sie markiert aber auch das Ende der vita, es muss sich hier um den Zielpunkt des autobiographischen Berichtes han- deln. Alle überlieferten Handschriften berichten nur bis zu diesem Ereignis, und es gibt keine einzige, die nicht bis zu diesem Zeitpunkt berichtet 8 .
An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass die vita in zwei Teile zerfällt. Das 15. Ka- pitel bricht die subjektive ich- Erzählung über Begebenheiten von 1340 ab, Das 16. Kapitel setzt bei einem Ereignis, dass eineinhalb Jahre später stattgefunden hat, mit der objektiven Er- zählweise wieder ein 9 . Es gilt als gesichert, dass der König dieses letzte Drittel nicht mehr selbst verfasst hat, aus diesem Grund bezieht sich die vorliegende Arbeit hauptsächlich auf die Kapitel 1-15 10 .
4
Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.18.
5 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.13.
6 Seibt, Ferdinand, Kaiser Karl IV. Ein Kaiser in Europa. 1346-1378, München, 1978. S.115 7 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.10-17. 8 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.22.
9 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.14. Siehe auch Anhang, Abb.8) 10 Seibt, Ferdinand, Kaiser Karl IV. Ein Kaiser in Europa. 1346-1378, München, 1978.S.113
4
Intention der vita
Um aus der Autobiographie Karls IV Rückschlüsse über sein Herrscherbild ziehen zu können, müssen zunächst einige Formalien näher beleuchtet werden. Zu einer Beurteilung muss auch die Intention, mit der die zwanzig Kapitel verfasst wurden, erörtert werden. Dazu sollte die Datierung noch einmal herangezogen werden, da diese die Absicht der vita entscheidend be- einflusst haben könnte. Am Ende des Lebens, bzw. der politischen Arbeit könnte man sie als Rückblick auf das Geleistete verstehen, also eine Bewertung des eigenen Lebenswerkes. Mit- ten aus der politischen Tagesarbeit heraus oder zum Auftakt der Regierung ginge das Werk wohl eher in die Richtung eines politischen Programms
11
. Wie bereits eingangs beschrieben, gibt es mehrere Theorien über die genaue Datierung des Werks, wobei man sich weitgehend darauf geeinigt hat, dass sie wohl nach Karls Krönung zum deutschen König und vor der Er- langung der Kaiserwürde, höchstwahrscheinlich während der schweren Krankheit des Herr- schers, entstand. Legt man der Datierung diese Annahme zugrunde, so muss die vita also im Spätjahr 1350 verfasst worden sein
12
. Vom Jahr 1351 ist uns bekannt, dass Karl seine politi- sche Tätigkeit wieder aufgenommen hat. Diese Tatsache könnte erklären, warum der Böhme die letzten Kapitel nicht mehr selbst geschrieben hat. Von diesem Entstehungszeitpunkt soll hier im Folgenden ausgegangen werden. Die Autobiographie stammt also aus der Zeit nach der umstrittenen Wahl Karls zum König des römischen Reichs
13
. Fünf von sieben Kurfürsten wählten Karl, seine Gegner sahen die Wahl jedoch als unrechtmäßig an. Sie führten vor allem an, dass die Krönung nicht am richtigen Ort, also in den Krönungsorten Aachen oder Frank- furt, stattgefunden hat, sondern in Bonn. Ein weiteres Argument gegen Karl war das Fehlen des äußerlichen Glanzes (consueta
pompositate)
und der Reichsinsignien bei der Krönung. Man warf dem neuen König vor, dass bei seiner Einberufung und Wahl nicht das Gemein- wohl (rei publicae bonum generale) entschieden hätte, sondern Eigeninteresse (particularis commoditas). Einer der schärfsten Kritiker war Wilhelm Occam, der vor allem am Gehorsam- seid Anstoß nahm, den Clemens IV am 29. November 1347 allen Gläubigen in Deutschland abverlangte: “Ich werde dem römischen König Karl, der von der Kirche als römischer König anerkannt wurde, folgen und gehorchen.“ Occam kritisiert, dass der Papst dazu nicht berech- tigt sei. Außerdem stellt er fest, dass Karl weder deutscher oder böhmischer König noch lu- xemburgischer Graf sei. Er habe den Anspruch auf Herrschaft grundsätzlich verwirkt. Als Begründung führt Occam an, dass Karl ein Aufrührer gegen das Reich (rebellis
imperii)
sei, des weiteren stamme er aus einem Geschlecht von Aufrührern gegen das Reich (de
genere re-
11
Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.19
12
Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.31.
13 siehe auch Anhang Abb.5)
5
bellium ecclesie) und habe sich als Begünstiger von häretischen Lehren erwiesen (fautor here- ticorum). Seine Kritik geht aber auch in die Richtung der Kurie in Avignon. Mit dieser war Karl eng verbunden, man denke nur an Peter von Fécamps, der sein Lehrmeister war und spä- ter Papst wurde. Für Wilhelm Occam sind diese Geistlichen Ketzer, die die Christen entzwei- en wollen: „Glaubt Karl selbst, dass seine Königsherrschaft aus lauter Liebe geschah, welche die Geistlichkeit in Avignon ihm gegenüber hegt? Sicherlich nicht! Es geschah allein, um Zwietracht unter die Christen zu bringen und um das Heilige Römische Reich zu zerstören!“. Demzufolge benutzen die Kleriker Karl nur für ihre Zwecke: “Und die weltlichen Großen, die sehen und hören, wie Karl verspottet wird, nennen ihn den Pfaffenkönig oder den Söldner dieser Kleriker.“ 14 . Karl selbst stellt dieser Polemik das Bild eines eigenverantwortlich herr- schenden Königs gegenüber, der darüber hinaus das Signum der Auserwähltheit trägt 15 . Man
kann jedoch feststellen, dass Karl mit der vita sicherlich auch bezweckt hat, sich in die Dis- kussion um die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft einzuschalten oder sich gar zu rechtferti- gen 16 .
Erstes und zweites Kapitel
Am meisten erfahren wir über das Herrscherbild Karls IV in den ersten zwei Kapiteln. Sie beinhalten eine Reflexion über die Begriffe „Leben“ und „Herrschaft“
17
und haben so gut wie
keinen autobiographischen Charakter. Diese Passagen erinnern eher an eine Predigt. Dieser Eindruck entsteht zum einen deshalb, weil darin biblische Texte interpretiert werden, vor al- lem Evangelien, die dann auf das Leben eines Christen und eines christlichen Herrschers ü- bertragen werden. Diese Projektion ist jedoch nicht als Vorbild, sondern eher als eine Art Ap- pell zu verstehen, was in der Widmung gleich zu Beginn deutlich wird 18 : „Ich widme dieses
Werk den Nachfolgern, die auf meinen zwei Thronen sitzen, damit sie beide Formen des irdi- schen Lebens erkennen und die bessere wählen.“ 19 . Seine herausragende Stellung erlaubt es
dem Herrscher in diesem Kapitel, einen Katalog von Prinzipien für eine moralische Lebens- führung aufzustellen. Diese basieren hier jedoch auf der zu dieser Zeit vorherrschenden Ideo- logie. Seine Aufstellung erscheint jedoch nicht dogmatisch, es besteht die freie Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu wählen, wobei die biblischen Grundsätze hier wenig Spielraum
14
Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.25. und Seibt, Ferdi- nand, Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen, München, 1978.S. 73.
15 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.59. 16 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.32. 17 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.15. 18 Ölsner, Ludwig, Blaschka, Anton, u.a., Vita Karoli Quarti. Karl IV. Selbstbiographie, Prag, 1978.S.181. 19 Hillenbrand, Eugen, Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV, Suttgart, 1979.S.67.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Held, 2002, Darstellung des Herrscherbildes Karls IV anhand seiner Vita, München, GRIN Verlag GmbH
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