Inhaltsverzeichnis
Einführende Worte 03
1. Klassenlehrer Fachlehrer (geschichtlicher Rückblick) 04
2. Klassenlehrermodelle 08
2.1 Modell: Mädchen für Alles 08
2.2 Modell: Ruhender Pol 09
2.3 Modell: Geschäftsführer 11
2.4 Trendmeldungen aus verschiedenen Schularten 13
3. Perspektiven und Anregungen für eine bessere Schul- u Unterrichtsgestaltung 16
4. Zusammenarbeit zwischen (Klassen-)Lehrern Schülern und Eltern 20
4.1 Zusammenarbeit mit Eltern 20
4.2 Zusammenarbeit zwischen Klassenlehrer und Schüler 21
Literaturverzeichnis 23
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Einführende Worte
Schülerinnen und Schüler benötigen weitaus mehr als eine perfekte Lernorganisation. Es genügt nicht, wenn der Lehrer nur den Stoff vermittelt und nicht auf die eigentlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingeht.
Daher benötigen Schülerinnen und Schüler insbesondere einen Klassenlehrer, mit dem sie sich austauschen und über ihre Probleme sprechen können. Der Klassenlehrer ist daher im Besonderen die Bezugsperson für die einzelnen Schülerinnen und Schüler.
Allerdings muss immer wieder festgestellt werden, dass die Umsetzung der einzelnen pädagogischen Belange zumeist sehr schwer fällt. Allzu oft unterrichten zu viele Lehrkräfte – insbesondere Fachlehrer – in einer Klasse, sodass der Klassenlehrer zu selten in der Klasse ist, um auch erzieherisch tätig werden zu können. Die einzelnen Lehrkräfte geben sich also die Türklinke sprichwortartig nacheinander in die Hand; die Schule gleicht allzu oft einer bloßen Anstalt der Wissensvermittlung und ist nicht mehr Erziehungs- und Bildungsstätte zugleich. Kapitel 1 thematisiert daher – ausgehend von einem geschichtlichen Rückblick – Veränderungen im Einsatz von Klassenlehrern und Fachlehrern. Im darauffolgenden 2. Kapitel stehen die verschiedenen Klassenlehrermodelle, welche auf ihren Einsatz und ihre Brauchbarkeit untersucht werden, im Vordergrund. Kapitel 3 beschäftigt sich dann mit Perspektiven und Anregungen, welche es dem Klassenlehrer ermöglichen könnten, eine bessere Schul- und Unterrichtsgestaltung auszuführen. Das abschließende 4. Kapitel ist als Ergänzung zu den vorherigen Themenkomplexen zu verstehen und erläutert, durch welche Faktoren die Zusammenarbeit zwischen (Klassen-)Lehrer und Eltern einerseits und Schülern andererseits verbessert werden könnte.
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1. Klassenlehrer – Fachlehrer (geschichtlicher Rückblick)
Ursprünglich waren sowohl Volksschullehrer als auch Studienräte fachliche Allround - Men. Sie waren ´Klassenlehrer´, welche sich durch enge Beziehungen zu wenigen Schülern auszeichneten und in der Regel alle Fächer eigenständig unterrichteten. Dies waren teilweise
15 Fächer bei bis zu 40 Schülern. Nicht selten begleitete der zuständige ´Klassenlehrer´ seine
Schülerinnen und Schüler die ganze Schulzeit hindurch; er unterrichtete, erzog und prägte sie.
Abb.1 Klassenlehrerprinzip 1
Das Fachstudium des Lehrers hatte also einen bloßen allgemeinbildenden oder exemplarischen Charakter. Die ´Klassenlehrer´ konnten daher auf die Nöte und Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen und somit den erforderlichen pädagogischen Bezug nicht nur auf eine befristete Zeit, sondern auf Dauer herstellen und entsprechend ausbauen.
Bis 1970 änderte sich in allen Bundesländern – der Entwicklung in Gymnasien und Realschulen nachfolgend – auch die Ausbildung der Grund- und Hauptschullehrer in Richtung des ´Fachlehrerprinzips´. Zurückzuführen ist dies auf den Deutschen Bildungsrat, welcher 1970 die Notwendigkeit eines Fachstudiums betonte:
„In der (fachlichen) Ausbildung ist das Ziel die Fähigkeit zur Vermittlung des jeweiligen Sachbereichs.“ 2
1 Krüger, 1985, 15.
2 Krüger, 1985,13.
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Aus dieser entscheidenden Veränderung ergab sich somit auch für den Volksschullehrer der Anspruch, seine unterrichtliche Tätigkeit zumeist auf die eigens studierten Fächer zu begrenzen und für ´nicht studierte´ Fächer unzuständig zu sein. Somit hatte nun auch der Volksschullehrer – wie vor ihm bereits auch der Gymnasial- und Realschullehrer – eine Mehrzahl von Klassen und demzufolge auch mehrere Schüler zu unterrichten.
Abb.2: Fachlehrerprinzip 1
Dieses Konzept der ´Fachlehrertätigkeit´ wird heute zumeist heftigst kritisiert. Kritikpunkte werden vor allem in der zunehmenden Spezialisierung des ´Fachlehrers´ gesehen, welche eine wachsende Entfremdung vom Schüler zur Folge hat, da sich der ´Fachlehrer´ - aufgrund seiner Tätigkeit in mehreren Klassen – nicht mehr um die persönlichen Belange und Wünsche seiner Schülerinnen und Schüler kümmern kann. Das Fachlehrerprinzip, welches vom einzelnen Lehrer die tagtägliche Betreuung einer viel zu großen Schülerzahl verlangt, setzt also „den bereits erzogenen, nicht verhaltensauffälligen, nicht gestörten, nicht benachteiligten,
nicht behinderten, nicht mit Ausfallerscheinungen behafteten Schüler voraus.“ 2
Die Realität weicht von diesem optimistischen Bild allerdings in beträchtlicher Weise ab, da die Schulen heute eine stetig wachsende Anzahl von neurotisch gestörten und erzieherisch unterversorgten Schülern registrieren.
Die Schule, die diese erzieherischen Probleme eigentlich aufgreifen und lösen sollte, begeht jedoch einen Weg, der in die völlig entgegengesetzte Richtung weist. Scheinbar degradiert sie zu einer bloßen Anstalt der Wissensvermittlung, bei der die Bewältigung von ´Stoff´ im
1 Krüger, 1985, 15.
2 Struck, Peter, 1981: Pädagogik des Klassenlehrers. Hamburg: Erziehung und Wissenschaft.
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Vordergrund zu stehen scheint; ein Gesichtspunkt, welcher sich auch in zahlre ichen Äußerungen von Eltern und Schülern wiederfindet.
• „Die sehen nur ihr Fach. Über anderes können die überhaupt nicht sprechen.
• Nachdem der Fachlehrer die Schule absolut bestimmt, ist das Empfinden dafür
verlorengegangen, wie eine Schulwoche, ein Schultag ... gestaltet werden müßten.
• Die Lehrer sind eben menschlich gar nicht auf einen eingegangen. Eigentlich hatte ich den
Eindruck, daß es (ihnen) egal war, ob man fortging oder blieb.“ 1
Auch einige Lehrer sind – zumindest teilweise – mit diesem Prinzip der Fachlehrertätigkeit unzufrieden und bemerken die Negativkritik, welche von außen auf sie einströmt:
„Meine Schüler nehmen meine Angebote nicht an, weil ich mich nicht auf ihre jeweilige Lage
einstellen kann! Ich habe sie nur zweimal in der Woche. Ich lehre pädagogisch blind.“ 2
Belastung erfährt der Fachlehrer darüber hinaus noch durch die ohnehin unsinnige 45 - minütige ´Zerstückelung´ seiner Unterrichtseinheiten, in welchen der Lehrer prinzipiell zunächst einmal durch pädagogisches Fingerspitzengefühl die Schülerinnen und Schüler sensibilisieren muss, Interesse und Motivation für das zu behandelnde Thema aufzubringen. Somit verbleibt dem Lehrer entweder keine Zeit, seine fachwissenschaftlichen Ziele und Inhalte zu vermitteln oder er greift auf das bereits beschriebene Verfahren zurück und führt einen Unterricht, in welchem die Bedürfnisse und Interessen der Schüler unberücksichtigt bleiben.
Vergleicht man die einzelnen Schularten, so ist die Kritik am Prinzip der Fachlehrertätigkeit besonders an Grund-, Haupt- und Gesamtschulen am höchsten, im Gymnasium dagegen am niedrigsten. Dies ist vermutlich auf die spezifischen Schul- und Schülerschwierigkeiten zurückzuführen, die insbesondere in der Hauptschule am größten sein dürften.
1 Krüger, 1985, 14f.
2 Krüger, 1985, 16.
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Arbeit zitieren:
Björn Fehrenbacher, 2001, Das Klassenlehrerprinzip - Geschichte, Vor- und Nachteile und Vorstellung moderner Formen der Unterrichtskooperation, München, GRIN Verlag GmbH
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