Prolog 1
1. Was ist ein Stereotyp?
1.1. Begriffserklärung 2
1.2. Stereotyp versus Vorurteil 4
1.3. Stereotyp versus Kulturstandard 6
2. Nutzen bzw. Gefahren bei stereotypem Denken
2.1. Positive Funktionen des Stereotyps 7
2.2. Negative Funktionen des Stereotyps 9
3. Stereotype im interkulturellen Training 11
Epilog 16
Quellenangabe
II
Prolog
Da man im heutigen Arbeitsleben immer mehr darauf angewiesen ist, mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden aus dem Ausland zu kooperieren, werden interkulturelle Trainings immer unumgänglicher. Doch leider können einige Firmen nur wenig oder gar keine Unterstützung hinsichtlich interkultureller Aspekte der Zusammenarbeit zur Verfügung stellen. Wenn innerbetriebliche Schulungen oder Beratungen auf diesem Gebiet angeboten werden, so kommen selten alle Betroffenen in deren Genuss. Daher sind viele auf sich selbst angewiesen und müssen die unterschiedlichen Normen, Regeln und Verhaltensweisen im Alleingang entdecken. Diese Menschen müssen sich einzig und allein auf das Bild verlassen, das ihnen durch die Medien, die öffentliche Meinung, die Erziehung der Familie oder Informationen aus zweiter Hand vermittelt wurde. Ein Rückgriff auf Stereotype ist im Regelfall die einzige Möglichkeit, sich in der fremden Kultur zurechtzufinden. Die Gefahr besteht darin, dass zuviel Gewicht auf die Stereotype gelegt wird und vergessen wird, dass sie auch falsch sein könne n. Dies kann dazu führen, dass Missverständnisse aufkommen und ein offener, unvoreingenommener Umgang mit den Menschen der Gastkultur ausbleibt. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass interkulturelle Trainings auf Stereotype aufmerksam machen und sie relativieren anstatt sie zu verstärken.
Die vorliegende Hausarbeit möchten wir mit einer Definition des Begriffs Stereotyp beginnen. Nachdem die Entstehung und Natur dieses Begriffes erläutert wurde, möchten wir im folgenden Unterpunkt den Stereotyp, das Vorurteil und den Kulturstandard gegeneinander abgrenzen, da es in der Praxis häufig zu Unklarheiten i n der Begriffsbestimmung zwischen diesen Termini kommt. Um den Nutzen bzw. die Risiken, die mit der Verwendung von Stereotypen verbunden sind, aufzuzeigen, möchten wir uns anschließend mit den positiven als auch mit den negativen Aspekten von Stereotypen beschäftigen. Denn nur wenn man sich beider Seiten bewusst wird, können Stereotype sinnvoll im interkulturellen Training angewendet werden. Abschließend werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie man mit Stereotypen in interkulturellen Trainings umgehen sollte. Hier möchten wir einige Arbeits-und Vorgehensweisen aufzeigen, damit stereotypes Denken im Ausland nicht zum Hindernis wird.
1
1. Was ist ein Stereotyp?
1.1. Begriffserklärung
„Deutsche sind sehr ordentlich und pünktlich.“
Die meisten Menschen werden diese stereotype Aussage über Mitglieder des deutschen Kulturkreises schon gehört haben, ob sie nun Ausländer sind oder selbst der deutschen Kultur angehören. Ob in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, im Kulturaustausch, im Tourismus oder beim Erwerb einer Fremdsprache, überall werden wir mit Stereotypen konfrontiert. Doch was genau ist eigentlich ein Stereotyp und wie kommt es zu solch einer Auffassung, dass alle Deutschen pünktlich seien? Im Folgenden möchte ich einige Definitionen über den Begriff des Stereotyps aufzeigen, um zu verdeutlichen, woher der Terminus stammt, wie ein Stereotyp zu Stande kommt und was genau unter einem Stereotyp zu verstehen ist.
Der Begriff Stereotyp stammt aus dem griechischen und setzt sich aus stereos: fest und typos: Zeichen zusammen. Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff Stereotyp im Buchdruckergewerbe verwendet. Dort bezeichnete stereotyp den Druck mit feststehender, unveränderlicher Schrift. Er beschreibt einen mechanisch determinierten Prozess, der beliebig wiederholbar ist. 1922 machte der Journalist Walter Lippman den Versuch, den Begriff Stereotyp näher zu definieren, indem er die Diskrepanz zwischen „den Bildern in unserem Kopf“, also den inneren Vorgängen des Wahrnehmens und Denkens, und der Realität, den äußeren Vorgängen in der Welt, gegenüber stellte:
„We are told about the world before we see it. We imagine things before we experience them and those preconceptions govern deeply the whole process of perception.” 1
Später wurde der Begriff des Stereotyps in die Soziologie übernommen und spielt heute in der interkulturellen Kommunikation eine wichtige Rolle. In der Soziologie bedeutet Stereotyp die Verewigung eines vereinfachten Bildes einer Kategorie von Personen und Kulturen. Der Ausdruck Stereotyp hat im Allgemeinen eine negative Bedeutung und ist eng mit dem Vorurteil verbunden, was auch in der folgenden Definition von Quasthoff deutlich wird: „A stereotype is the verbal expression of a conviction about social groups or individual persons as members [of those groups]. It has the logical form of a judgement that ascribes to or denies a class of persons certain characteristics or patterns of behaviour
1 www.ikk.de/publikationen
2
in an unjustifiably simplistic or generalized way and with a tendency toward emotional valuation.” 2
Dennoch ist es wichtig den Begriff Stereotyp zum Begriff Vorurteil abzugrenzen. Ich verweise an dieser Stelle auf den Punkt 1.2. In der folgenden Definition beschreibt Bausinger den Begriff Stereotyp wie folgt:
„...[...]Stereotype sind unkritische Verallgemeinerungen, die gegen Überprüfung abgeschottet, gegen Veränderungen relativ resistent sind. Stereotyp ist der wissenschaftliche Begriff für eine unwissenschaftliche Einstellung.“ 3 Zur Entstehung von Stereotypen ist anzumerken, dass sie „...[...]nicht nur als etwas Überliefertes über verschiedene Sozialisationsinstanzen...[...]“ 4 gelten, sondern dass auch ständig neue Stereotype entstehen. Stereotypenbildung findet im alltäglichen Leben statt, sei es nun im Elternhaus, in der Schule, am Arbeitsplatz oder in den Medien. Stereotype entstehen nicht auf induktivem 5 Wege, „...[...]sondern beruhen auf Generalisierungen, auf zwangsläufig mehr oder minder verzerrten Urteilen,...[...]Gerüchten und deren unreflektiertem Weitergeben, Anekdoten, Witzen usw.“ 6 An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass es nicht nur Stereotype in interkulturellen Beziehungen gibt, sondern dass es natürlich auch stereotypes Denken in Bezug auf Berufsgruppen („Der zerstreute Professor“) oder auch in Bezug auf das Geschlecht („Frauen können nicht gut Auto fahren“) gibt. Durch Stereotype entstehen nicht nur Quasi-Aussagen wie zum Beispiel „Italiener sind laut“, sondern auch so genannte Pseudo-Be griffe wie zum Beispiel „Spaghettifresser“. Außerdem werden Stereotype in Autostereotype und Heterostereotype unterschieden, dabei sind Autostereotype Selbstbeschreibungen, also wie die Deutschen sich selbst beschreiben, und Heterostereotype sind Beschreibungen anderer Kulturen über die Deutschen (siehe dazu auch Punkt 2.1.).
2 Knapp, M./Enninger, W./Knapp-Potthoff, A.; Monton de Gruyter: Analyzing Intercultural Communication; Berlin; 1987; Seite 67
3 Bausinger, Hermann; Iudicum-Verlag: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache Band 14; Tübingen; 1998; Seite
160
4 www.ikk.de/publikationen
5 Herleitung von allgemeinen Regeln aus Einzelfällen
6 www.ikk.de/publikationen
3
1.2. Stereotyp versus Vorurteil
Bei der Recherche zu dem Thema Stereotype fiel auf, dass die Begriffe Stereotyp und Vorurteil oft synonym verwendet wurden. So gibt beispielsweise der Duden Das Fremdwörterbuch folgende Definition eines Stereotyps: „eingebürgertes Vorurteil mit festen Vorstellungsklischees innerhalb einer Gruppe [...]“ 7 . Die Brockhaus Enzyklopädie bezeichnet ein Stereotyp als „vereinfachende, verallgemeinernde, s chematische Reduzierung einer Erfahrung, Meinung oder Vorstellung auf ein (meist verfestigtes, oft ungerechtfertigtes und gefühlsmäßig beladenes) Vorurteil über sich selbst [...] oder über andere [...].“ 8 Selbst die hinzugezogene Primär- und Sekundärliteratur tut sich offensichtlich schwer mit der genauen Abgrenzung der beiden Begriffe. Wie folgendes Beispiel zeigt, spricht Hermann Bausinger 9 i n Stereotypie und Wirklichkeit beispielsweise immerzu von Stereotypen, verwendet aber plötzlich im darauf folgenden Satz synonym das Wort Vorurteil: „[...] dass allein schon eine Auslandsreise die entsprechenden Stereotype zu Fall bringe, ist durch eine ganze Anzahl psychologischer Untersuchungen in Frage gestellt worden; in vielen Fällen wurden Vorurteile höchstens geringfügig [...].“ 10
Aus den dargelegten Gründen ergibt sich, dass es zunächst erforderlich ist, den Begriff Stereotyp gegenüber dem Vorurteil und dem Kulturstandard abzugrenzen, b evor darauf eingegangen werden kann, welche Rolle Stereotype in interkulturellen Trainings einnehmen bzw. wie man mit ihnen umgehen sollte.
Natürlich hat der Stereotyp mit dem Vorurteil viele Dinge gemein. So zeichnen sich beide Termini durch die Dauerhaftigkeit und Resistenz gegen Veränderungen aus. Informationen, die dem Stereotyp bzw. dem Vorurteil „[...] widersprechen, [werden] entweder ignoriert oder als Ausnahme der bestehenden Regel verarbeitet [...].“ 11 Unsere Wahrnehmung wird demnach durch Stereotype und Vorurteile beeinflusst; vernünftige Argumente ze igen im Regelfall kaum Wirkung und selbst gegenteilige Erfahrungen bestätigen die eigene Meinung.
7 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion; Dudenverlag: Duden Das Fremdwörterbuch, 5. Auflage; Mannheim; 1990; Seite 742
8 Brockhaus Enzyklopädie, Leipzig
9 Hermann Bausinger, deutscher Volkskundler, beschäftigt sich vor allem mit der Erforschung der Alltagskultur, der Landeskunde und der Kultur- und Sozialgeschichte. Bausinger gilt als einer der führenden Köpfe der Nachkriegsvolkskunde und leitete mit seinem Abschied vom Volksleben eine programmatische Wende hin zur empirischen Kulturwissenschaft ein. Vgl. http://lexikon.freenet.de/Hermann_Bausinger
10 Bausinger, Hermann; ludicium-Verlag: Stereotypie und Wirklichkeit. In: Wierlacher, Alois (Hrsg.); Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache Band 14; Tübingen; 1998; Seite 165
11 Andersen, Anne-Marie; Attikon-Verlag: Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Europa, Paderborn;
1997; Seite 82
4
Arbeit zitieren:
Simone Zimmermann, Nathalie Hepp, 2005, Stereotype - Nutzen und Gefahren bei stereotypem Denken, München, GRIN Verlag GmbH
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