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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Seite
Einleitende Bemerkungen 3
1. Methodologische und begriffliche Betrachtungen 4
1.1. Soziolinguistik 4
1.2. Der Begriff der Varietät 5
1.3. Der Dialekt-Begriff 7
2. Die Einordnung der Eisenacher Sprachvarietät in die sprachräumlich
übergeordneten Zusammenhänge 9
2.1. Das Hochdeutsche 9
2.2. Das Mitteldeutsche 10
2.3. Das Ostmitteldeutsche 11
2.4. Das Thüringische 11
2.5. Das Westthüringische 13
2.6. Die Umgangssprache im Westthüringischen 14
3. Die sprachliche Varietät in Eisenach 16
3.1. Mundart oder Umgangssprache? 16
3.2. Die Eisenacher Mundart 20
3.2.1. Lautlehre 20
3.2.2. Das Substantiv 22
3.2.3. Das Adjektiv 24
3.2.4. Das Numerale 24
Abschließende Betrachtungen 25
Literaturverzeichnis 26
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Einleitende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte, die systematisch aufeinander aufbauen und auf den hauptsächlichen Untersuchungsgegenstand hinführen. Im ersten Teil geht es um die Einordnung in den wissenschaftstheoretischen Zusammenhang. Dabei soll in bezug auf die Methodologie der Soziolinguistik und der dieser Disziplin zuzurechnenden Dialektologie besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. An dieser Stelle werden auch zentrale Begriffe geklärt, wie Varietät und Dialekt. Es wird nach der Methode verfahren: vom Allgemeinen zum Konkreten. Der zweite große Abschnitt wird gebildet von der unverzichtbaren Einordnung der Eisenacher Mundart in die übergeordneten sprachlichen Zusammenhänge. Dabei wird wie schon im ersten Abschnitt, so auch hier nach dem selben Prinzip verfahren: von den größeren zu den kleineren Sprachgemeinschaften. Der logische Aufbau ist demnach: Hochdeutsch-Mitteldeutsch-Ostmitteldeutsch- Thüringisch-Westthüringisch-Eisenachisch. An diesem Muster orientiert sich dann auch der Fortgang der Arbeit. Spätestens bei dem Sprachgebiet des Westthüringische n wird man mit der Problematik der Umgangssprache konfrontiert. Bei der Charakterisierung der Umgangssprache wird größtenteils auf die ganz hervorragenden Forschungsergebnisse von Karl Spangenberg und Wolfgang Lösch zurückgegriffen, welche als die bedeutendsten Experten auf dem Gebiet der Dialektforschung in Thüringen angesehen werden müssen. Hier soll auch das Verhältnis von Umgangssprache und Mundart beleuchtet werden. Der dritte große Abschnitt schließlich beschäftigt sich ganz explizit mit der sprachlichen Varietät in Eisenach. Hier muß zunächst die ganz grundlegende Frage gestellt werden, ob es sich bei dem Eisenachischen nun um eine Umgangssprache oder eine Stadtmundart im klassischen Sinne handelt, wobei hier die zuvor erarbeiteten theoretischen Erkenntnisse zum Tragen kommen und konkret auf die Eisenacher Sprachvarietät angewandt werden. Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich fast ausschließlich auf die unschätzbaren Forschungsergebnisse des Eisenacher Germanisten Prof. Dr. Rudolf Flex, ohne dessen Arbeiten die schon am Ende des 19. Jahrhunderts niedergehende Eisenacher Stadtmundart vermutlich unwiederbringlich verlorengegangen wäre. Die Arbeit schließt mit einer Auswahl von Sprachcharakteristika der Eisenacher Mundart, um einen ersten Eindruck dieser Sprachvarietät wiederzugeben.
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1. Methodologische und begriffliche Betrachtungen
1.1. Soziolinguistik
Unter Soziolinguistik ist die wissenschaftliche Disziplin zu verstehen, die sich mit den Beziehungen zwischen den beiden Faktoren Sprache und Gesellschaft befaßt. Sie wird oft als Oberbegriff für Sprachsoziologie verwandt. In diesem Fall wird die Soziolinguistik als Teildisziplin der Linguistik angesehen, die sie interdisziplinär mit der Soziologie verbindet. 1 Die Bezüge der Soziolinguistik zur Soziologie sind sowohl inhaltlicher Art, wenn Sprache primär als soziales Phänomen verstanden wird, beschreibbar nur unter Bezugnahme auf die gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen ihrer Sprecher; als auch methodischer Art, indem man die Soziolinguistik als empirische Wissenschaft versteht. Demzufolge werden die Sprachdaten, auf die sich die Soziolinguistik stützt, mittels spezieller, aus der Soziologie entlehnter Interviewtechniken oder im Rahmen von Feldforschungen gewonnen. Hierbei überwiegen die quantitativ ausgerichteten Forschungen, die mit großen Sammlungen von gezielt erhobenen Sprachdaten arbeiten und deren Ergebnisse statistisch auswerten. Zunehmend gewinnen aber auch qualitativ orientierte Vorgehensweisen an Bedeutung, bei denen die möglichst intensive und detailbezogene Analyse einzelner Sprachereignisse im Vordergrund steht und mit starker Berücksichtigung der untersuchten Person einhergeht. Ganz generell ist die Möglichkeit der apparativen Aufzeichnung und Konservierung von Sprache, wie sie in den letzten Jahrzehnten problemlos möglich geworden ist, für die soziolinguistische Forschung von außerordentlicher Bedeutung. 2 Es gibt verschiedene historische Vorläufer der Soziolinguistik, die auch heute noch teilweise Unterdisziplinen bilden. Die Wichtigsten, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind, sind die folgenden:
1. Die soziale Dialektologie beschäftigt sich seit spätestens Ende des 19. Jahrhunderts mit Fragen der Sprachschichtung und der sozialen und situativen Variation von Dialekt und Standardvarietät. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Untersuchungen von Stadtdialekten und Fragen nach der Dialektveränderung. 3
1 AMMON, S. 645.
2 L/N/P, S. 294.
3 AMMON, S. 645.
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Arbeitsmethoden sind vor allem die teilnehmende Beobachtung und die Erhebung von authentischem Sprachmaterial in natürlichen, nicht experimentellen Situationen. Die soziale Dialektologie hat sich aus der traditionellen Dialektologie entwickelt und paßte ihre Untersuchungs- und Auswertungsmethoden den heterogenen, sich schnell verändernden urbanen Gemeinschaften an. Die Entwicklung der sozialen Dialektologie ist eng verbunden mit dem Namen von W. Labov und dessen Arbeiten über die Varietäten des Englischen in New York. Der Schwerpunkt der sozialen Dialektologie liegt auf der Erforschung sprachlicher Prozesse: auf der Beschreibung der sprachlichen Heterogenität mit der Zielsetzung, Korrelation und Kovariation zwischen sprachlichen und soziologischen Mustern zu erstellen und Sprachveränderungsmechanismen zu erkennen. 1 2. Die Sprachkontaktforschung, wie sie von U. Weinreich Anfang der 1950er Jahre entwickelt wurde, untersucht vor allem die soziolinguistischen Aspekte des Prestiges von Sprachen, Domänen ihrer Verwendung, Spracherhalt und Sprachwechsel. 3. Die Forschung über Sprachbarrieren. Hier spielt vor allem die Kodetheorie eine große Rolle, auf die aber hier nicht näher eingegangen werden kann.
4. Die Dialektsoziologie im engeren Sinne, die nicht nur die soziale Verteilung von Dialekt und Standardvarietät untersucht, sondern auch, beeinflußt von der Sprachbarrierentheorie, die sozialen Schwierigkeiten von Dialektsprachen. 5. Die Variationslinguistik, die unter anderem wichtige Aspekte des Sprachwandels 2 aufgedeckt hat, insbesondere Beschreibungsmethoden wie Variablenregeln, Implikationsskalen und eine Grammatik koexistierender Systeme. Durch die Variationslinguistik wurden auch die von der Sprachbarrierenforschung und Dialektsoziologie untersuchten sprachlichen Schichtenunterschiede neu bewertet. 3
1.2. Der Begriff der Varietät
Unter dem Begriff der Varietät ist zunächst einmal der Teil einer Sprache zu verstehen. 4
1 RAITH, S. 644 f.
2 Vgl. Rudi Keller: Sprachwandel - Von der unsichtbaren Hand in der Sprache (2. Aufl.), Stuttgart 1994.
3 AMMON, S. 645 f.
4 Ebenda, S. 771.
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Mit diesem Begriff wird der Tatsache Rechnung getragen, daß man innerhalb einer Sprache, zum Beispiel des Deutschen, verschiedene Sprachgebrauchsformen unterscheiden kann, die sich wiederum als Summe spezifischer sprachlicher Charakteristika beschreiben lassen. Diese Charakteristika können auf allen sprachlichen Ebenen angesiedelt sein: sehr oft auf der Ebene der phonologischphonetischen Eigenschaften oder der Lexik. Oft werden auch spezifische Formen des kommunikativen Sprachhandelns, zum Beispiel das Gesprächsverhalten, untersucht. Aber auch die syntaktische und morphologische Ebene der untersuchten Varietät kann relevante Unterschiede aufweisen, auch wenn diese seltener und meist in geringerem Umfang auftreten. 1 Die soziolinguistische Relevanz des Begriffs der Varietät ergibt sich nun weniger durch das erfaßte Set sprachlicher Charakteristika, sondern vielmehr durch die Anbindung dieses Sets an eine durch außersprachliche Faktoren definierbare Gruppe von Sprechern, so daß man zum Beispiel von einer Eisenacher Mundart sprechen kann als sprachlicher Varietät, die von den Angehörigen einer sozialen Gruppe, in diesem Fall also die Einwohner der Stadt Eisenach, gesprochen wird. Mit dem Begriff der Varietät verbinden sich allerdings auch einige Probleme, die insbesondere die Definition und Abgrenzung betreffen. Hierbei stellt sich etwa die Frage nach der Definitions-Größe einer Varietät, also die Frage, welche linguistischen Bedingungen erfüllt sein müssen, um von einer Varietät zu sprechen: Genügt zum Beispiel die Unterscheidung nach einem linguistischen Merkmal, oder müssen es mehrere sein? Sind phonologisch-phonetische Unterscheidungen relevanter als solche des Lexikons oder der Syntax? Genügt es hierbei, wenn wir Unterschiede auf einer sprachlichen Ebene feststellen, oder müssen alle Ebenen berücksichtigt werden? Kann man auch schon von einer Varietät sprechen, wenn nur eine kleine Gruppe von Sprechern die charakteristischen Sprachformen aufweist, oder nur dann, wenn es sich handelt? 2 um größere Teilgruppen einer Sprachgemeinschaft Diese
Differenzierungsprobleme des Varietäten-Begriffs führen zum nächsten, in diesem Zusammenhang relevanten, Begriff, der hierbei als spezifizierender Unterbegriff zu verstehen ist.
1 L/N/P, S. 303.
2 Ebenda, S. 304.
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1.3. Der Dialekt-Begriff
Unter dem Begriff des Dialekts versteht man eine besondere Sprech- und zum Teil auch Schreibweise innerhalb einer National- oder Standardsprache. Die Besonderheit erstreckt sich auf alle Sprachebenen: Phonologie, Morphologie, Lexik, Syntax, Idiomatik, hat aber vor allem in Phonologie-Phonetik und Lexik eine deutliche Ausprägung, die von anderen Sprechern der Standardsprache als abweichend oder auch von den Sprechern des Dialekts selbst so wahrgenommen wird. 1 Der Begriff ist eng mit dem außersprachlichen F aktor des Sprachraumes verbunden. In diesem Zusammenhang läßt er sich deshalb auch in bezug auf die Nachbarbegriffe Umgangssprache und Standardsprache definieren. Die Standardsprache ist gekennzeichnet durch den Faktor der Überregionalität, wogegen die Umgangssprachen eine mehr oder weniger weit reichende, grundsätzlich jedoch regional begrenzte Ausdehnung aufweisen. Die Dialekte dagegen sind die Sprachformen, die eine relativ geringe regionale Ausdehnung haben und im minimalsten Fall als eine Ortsmundart beschreibbar sind. Eine solche kleinste Dialektvarietät stellt zum Beispiel die Eisenacher Mundart dar. Ein Dialekt ist also definierbar als die Summe spezifischer sprachlicher Charakteristika, die das Sprachsystem oder den Sprachgebrauch einer räumlich abgrenzbaren Sprachgemeinschaft bestimmen. 2 Wie bei Sprachen generell galt und gilt der Dialekt seit Menschengedenken als Herkunftskennzeichen. Er referiert über die gesamten kulturellen und historischen Gegebenheiten eines Raumes, der damit als umgrenzter Sprach- und Kulturraum erscheint. Kennzeichen bedeutet immer auch gleichzeitig Identifikation, so daß sich der Dialekt als die Besonderheit der Sprecher und deren Verbindung zu ihrer Geschichte, ihren Sitten und Gebräuchen darstellt. „Als ‚einheimisch‘ werden Dialekt und Kultur gegen das Übergeordnete, nämlich Standardsprache und Nation, aber auch das Fremde überhaupt abgegrenzt. Diese können gegenüber dem Dialekt als ‚gekünstelt‘, als nicht bodenständig erscheinen, wie überhaupt die Dialekte als ‚echte‘, autochthone Sprachen angesehen werden.“ 3
1 KNOOP, S. 151.
2 L/N/P, S. 305.
3 KNOOP, S. 151.
Arbeit zitieren:
Ruben von der Heydt, 2003, Zur Sprachvarietät in der Stadt Eisenach im Zusammenhang mit soziolinguistischen und sprachräumlichen Überlegungen, München, GRIN Verlag GmbH
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