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Probleme bei der Implementierung ethischer Grundsätze in Unternehmen

Hausarbeit, 2002, 24 Seiten
Autor: Michael A. Braun
Fach: Wirtschaft - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Details

Veranstaltung: Große Hausarbeit
Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Probleme, Implementierung, Grundsätze, Unternehmen, Etik, ethische Grundsätze
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2002
Seiten: 24
Note: 1,25
Literaturverzeichnis: ~ 34  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V42770
ISBN (E-Book): 978-3-638-40724-3
ISBN (Buch): 978-3-640-27750-6
Dateigröße: 243 KB

Zusammenfassung / Abstract

[...] Heute herrscht mehrheitlich die Überzeugung, dass die Gesellschaft das Recht hat, moralisch akzeptables Verhalten von der Wirtschaft und ihren Akteuren zu erwarten. Viele dahinter liegende Fragen bleiben jedoch offen: Was ist unter spezifischen Umständen ‘moralisch richtiges Verhalten‘ oder ‘ethisches Handeln‘? Was genau ist das ‘Gute‘ und zu welchem Preis oder anderen sozialen Kosten? Antworten auf diese Fragen sind häufig komplex und abhängig von kulturellen und persönlichen Werten. Ethische Beurteilungen sind in Fällen offensichtlicher Verfehlungen oder Verstößen gegen Gesetze leicht zu fällen, schwierig wird es jedoch in den Grauzonen. Da das Thema ‘soziale Verantwortung in Unternehmen‘ oder kürzer: ‘Unternehmensethik‘, sehr umfassend ist, grenze ich ein. In dieser Ausarbeitung befasse ich mich hauptsächlich mit den ‘Schwierigkeiten bei der Einführung ethischer Grundsätze in Unternehmen‘. Um sinnvoll zum Thema hinzuführen ist es jedoch notwendig, einleitende Vorbemerkungen und Definitionen zu machen. Diese finden sich in den Kapiteln eins und zwei. Zur Methode ist Folgendes zu sagen: Ich habe mich vorab intensiv theoretisch vorbereitet. Auf dieser Basis habe ich dann im Kurs ‘Unternehmensplanung‘ eine Präsentation mit dem Thema ‘Implementation of Corporate Ethics within modern companies‘ gehalten. Dabei hat sich herausgestellt, dass ich mein Hauptaugenmerk in der schriftlichen Ausarbeitung am besten auf den oben genannten Bereich der Schwierigkeiten bei der Einführung lege. [...]


Textauszug (computergeneriert)

Ausarbeitung

Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, Hamburg

Probleme bei der Implementierung

ethischer Grundsätze in Unternehmen

Kurs Unternehmensplanung ­ Sommersemester 2002

Michael A. Braun

Der praktische Teil dieser Ausarbeitung wurde im Rahmen eines einmonatigen

Praktikums bei der Firma

Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe

erstellt.


Probleme bei der Implementierung ethischer Grundsätze in Unternehmen

Ausarbeitung

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung

1.1. Begriffsdefinitionen

1.1.1. Moral

1.1.2. Ethos

1.1.3. Ethik

1.2. Corporate Integrity

1.2.1. Compliance

1.2.2. Integrität

1.2.3. Unternehmenskultur

1.3. Basisüberlegungen ­ Individuelle und kollektive Sichtweise

1.3.1. Gesunder Menschenverstand und humane Normen

1.3.2. Was ist gutes und gerechtes Handeln im unternehmerischen Kontext?

1.3.3. Soziale Verantwortung in Unternehmen?!

2. Gründe für die Implementierung ethischer Grundsätze

2.1. Individualebene

2.1.1. Der Mensch als ganze Persönlichkeit ­ Bewältigung der Veränderungsprozesse

2.2. Kollektivebene

2.2.1. Markt und soziales Umfeld

2.2.2. Wertemanagement als präventive Maßnahme

2.2.3. Selbstverpflichtung vorbeugend externer Regulierung

2.2.4. Globale und verbindliche Wertorientierungen

3. Schwierigkeiten bei der Einführung

3.1. Twelve Steps for Implementing a Code of Business Ethics - Zwölf Schritte der

Einführung eines Unternehmensleitbildes

3.1.1. Integration

3.1.2. Endorsement

3.1.3. Circulation

3.1.4. Breaches

3.1.5. Personal Response

3.1.6. Affirmation

3.1.7. Regular Review

3.1.8. Contracts

3.1.9. Training

3.1.10. Translation

3.1.11. Distribution

3.1.12. Annual Report

3.2. Grundsätzliche Anforderungen an Leitbilder nach Bleicher

3.3. Macht

4. Fazit

5. Anhang

5.1. Quellenverzeichnis

5.2. Verzeichnis der Interviewpartner

5.3. Weitere nicht integrierte Anlagen

2


Probleme bei der Implementierung ethischer Grundsätze in Unternehmen

Ausarbeitung

1. Einleitung

Wenn heutzutage von ethischem Handeln bzw. dem `Guten und Richtigen` in der

Gesellschaft gesprochen wird, verbindet man damit meist theoretische Abhandlungen aus

Wissenschaft oder Kirche. Dass sich darüber hinaus auch die Wirtschaft mit diesem

Thema befasst wird häufig verkannt. Gerade hier wird angenommen, dass Ethik im harten

Wirtschaftsleben keinen Platz hätte. Allerdings sind sich Unternehmen oft sehr wohl

bewusst, dass sie als Teil einer Gesellschaft deren Normen, Wertvorstellungen und

Erwartungen unterworfen sind. Diese nicht zu beachten wäre somit ethisch fragwürdig

und ökonomisch unproduktiv. So führen uns aktuelle Entwicklungen vor Augen, dass die

Suche nach einer ethischen Orientierung weder eine ′Schönwetterveranstaltung′ noch ein

Modethema ist. Im Gegenteil: Sie ist eine Voraussetzung, um unternehmerische Freiheit

und Wettbewerbsfähigkeit unter heutigen Bedingungen zu sichern.

Dafür lassen sich fünf Gründe nennen: Erstens die Bedeutung des Menschen als ′ganze

Persönlichkeit′ für einen nachhaltigen Erfolg. Zweitens die Bedingungen am Markt und im

sozialen Umfeld des Unternehmens. D.h. es ist oft sogar betriebswirtschaftlich sinnvoll,

ethisch zu handeln. Unternehmen wollen dadurch eine langfristige Vertrauensbasis mit

ihren Stakeholdern aufbauen. Drittens kann Wertemanagement als eine präventive

Maßnahme gegen unethische Handlungen der Mitarbeiter1 angewandt werden. Viertens

ist durch freiwillige Selbstverpflichtungen die Mitgestaltung der globalen wirtschafts- und

sozialpolitischen Rahmenordnung möglich. So werden Regulierungen gemieden und die

unternehmerische Freiheit gewahrt. Und fünftens mangelt es Gesellschaften heutzutage

an allgemeinverbindlichen und global gültigen Werten auf nationaler wie internationaler

Ebene. Im Klartext heißt das, vielen Menschen fehlt einfach die Orientierung im Leben.

Heute herrscht mehrheitlich die Überzeugung, dass die Gesellschaft das Recht hat,

moralisch akzeptables Verhalten von der Wirtschaft und ihren Akteuren zu erwarten. Viele

dahinter liegende Fragen bleiben jedoch offen: Was ist unter spezifischen Umständen

`moralisch richtiges Verhalten` oder `ethisches Handeln`? Was genau ist das `Gute` und zu

welchem Preis oder anderen sozialen Kosten? Antworten auf diese Fragen sind häufig

komplex und abhängig von kulturellen und persönlichen Werten. Ethische Beurteilungen

sind in Fällen offensichtlicher Verfehlungen oder Verstößen gegen Gesetze leicht zu

fällen, schwierig wird es jedoch in den Grauzonen.

Da das Thema `soziale Verantwortung in Unternehmen` oder kürzer: `Unternehmensethik`,

sehr umfassend ist, grenze ich ein. In dieser Ausarbeitung befasse ich mich

hauptsächlich mit den `Schwierigkeiten bei der Einführung ethischer Grundsätze in

Unternehmen`. Um sinnvoll zum Thema hinzuführen ist es jedoch notwendig, einleitende

Vorbemerkungen und Definitionen zu machen. Diese finden sich in den Kapiteln eins und

zwei.

Zur Methode ist Folgendes zu sagen: Ich habe mich vorab intensiv theoretisch vorbereitet.

Auf dieser Basis habe ich dann im Kurs `Unternehmensplanung` eine Präsentation mit

dem Thema `Implementation of Corporate Ethics within modern companies` gehalten.

Dabei hat sich herausgestellt, dass ich mein Hauptaugenmerk in der schriftlichen

Ausarbeitung am besten auf den oben genannten Bereich der Schwierigkeiten bei der

Einführung lege.

1 Aus Platzmangel und um Unlesbarkeit vorzubeugen verzichte ich in der Ausarbeitung auf die korrekte, nach Geschlecht getrennte

Schreibweise. Stattdessen verwende ich die männliche Form und schließe in der Argumentation selbstverständlich Frauen mit ein.

3


Probleme bei der Implementierung ethischer Grundsätze in Unternehmen

Ausarbeitung

Um nicht zu theoretisch zu werden und um auch Praxisluft zu schnuppern, entschied ich

mich zur Bearbeitung im Rahmen eines einmonatigen Praktikums. Dieses habe ich bei

der Firma Energie Baden-Württemberg AG in Karlsruhe durchgeführt. Dabei konnte ich

mit zahlreichen Mitarbeitern unterschiedlichster Bereiche persönliche Interviews zur

Fragestellung führen. So habe ich das Unternehmen umfassend kennen gelernt und am

Ende des Praktikums eine fundierte Einschätzung zum Thema `Unternehmensethik in der

EnBW` weitergeben können.

Den Betrieb habe ich bewusst ausgewählt. Nicht nur, weil ich die Branche spannend

finde, sondern auch einige Entscheidungen des Managements haben mich fasziniert. So

gab es innerhalb der letzten zehn Jahre drei intensive strukturelle Einschnitte. Sie alle

wurden zum stärkeren Einbezug ethischer Grundsätze genutzt. Erstens hat 1993 ein

neuer Vorstand `das Steuer` bei der Badenwerk AG übernommen. Damit einher ging eine

komplette Neuorganisation des Unternehmens. Unter anderem wurden damals

sogenannte `Leitlinien` und `Führungsgrundsätze` eingeführt. 1996 kam es dann zu einer

weiteren Veränderung. Die Badenwerk AG fusionierte mit der EVS - Energieversorgung

Schwaben AG. Dies kam einem Kulturschock gleich. Zwei gänzlich unterschiedliche

Unternehmen und Volksgruppen (Schwaben und Badener) gehen zusammen. Auch hier

wurden ethische Grundsätze von Anfang an beachtet und integriert. Es kam z.B. zu

keinen betriebsbedingten Kündigungen und einer Weiterentwicklung der Leitsätze in

Richtung unbedingter Kundenorientierung. Und die dritte Veränderung ergab sich durch

die Liberalisierung des deutschen Strommarktes 1998.

Mittlerweile ist die EnBW AG mit 131,9 Mrd. KWh (2001)2 drittgrößter Energieversorger

Deutschlands. Der Konzern beschäftigt europaweit 44.500 Mitarbeiter und ist in den

Geschäftsfeldern Energie, Entsorgung sowie Industrie und Services tätig.

1.1. Begriffsdefinitionen

Um nicht bereits zu Beginn begriffliche Verwirrung zu stiften, grenze ich nachfolgend

einige Begriffe ab. So sind meines Erachtens nach `Moral` als Individualethik, und `Ethos`

als Kollektivethik zu sehen. `Ethik` im allgemeinen hingegen als die Antwort und deren

Begründung auf die Frage nach dem Vernünftigen, Wünschenswerten und Sinnvollen.

1.1.1.

Moral

Der Begriff `Moral` steht für die unterschiedlichen Antworten, die Menschen als Individuen,

als Mitglieder bestimmter Religionen und Kulturkreise im Laufe der Geschichte auf die

Frage nach dem Unterschied zwischen `Gut` und `Böse` gefunden haben. Unter `Moralität`

oder `Sittlichkeit` versteht man die persönliche Grundhaltung, die zweierlei umfasst: zum

einen das individuelle Bekenntnis für das moralisch `Richtige` und zum anderen die

lebenspraktische Orientierung daran.

1.1.2.

Ethos

Ethos ist verwandt mit dem Begriff Moral, jedoch kein Synonym im eigentlichen Sinne. Er

bezeichnet vielmehr die Gesamtheit der Normen, Wertvorstellungen und Prinzipien

ebenso wie die Sitten, Riten und Gebräuche, die sich im Laufe der Zeit innerhalb eines

sozialen Systems herausgebildet haben und dessen spezifische Kultur ausmachen.

Neben dem Ethos, welches das Zusammenleben in Lebensgemeinschaften oder auf der

gesellschaftlichen Ebene bestimmt, lassen sich spezifische Normen und Werte finden, die

nur zeitweilig zum Tragen kommen (z.B. Wirtschaftsethos, Arbeitsethos, Berufsethos).

2 Summe aller Energiearten sowie aller Gesellschaften zusammen. Quelle: Geschäftsbericht 2001

4


Probleme bei der Implementierung ethischer Grundsätze in Unternehmen

Ausarbeitung

1.1.3.

Ethik

Die Ethik hingegen hat im Unterschied zu Moral und Ethos eine normsetzende Funktion.

Ihre Aufgabe ist die Begründung von Werten und Prinzipien, die menschliches Handeln

innerhalb eines sozialen Systems bestimmen. Also im Sinne von Moralphilosophie das

`Sein-Sollen`.3 Dies setzt die Beschäftigung mit den herrschenden Moral- und

Wertvorstellungen einer Gesellschaft, Kultur oder Person voraus. Dieses Ethos wird dann

auf seine Passgenauigkeit mit Handlungsorientierungen, die durch zweierlei bestimmt

sind, überprüft: Erstens auf ihre Bezugnahme auf einen übergeordneten, letzten Maßstab,

wie etwa die ′Idee des Guten′ (Platon), die ′Idee eines gelingenden Lebens′ (Aristoteles)

oder die ′reine praktische Vernunft′ (Kant). Und zweitens auf einen begründeten Anspruch

auf Allgemeingültigkeit (Universalisierbarkeit), der sie für das Handeln und Verhalten aller

Menschen zu allen Zeiten, unter allen Umständen und in allen Bereichen gelten lässt. Bei

Werten, Normen und Prinzipien, die mindestens dem ersten dieser beiden Kriterien

genügen, handelt es sich um ethische Orientierungen, d.h. um begründete moralische

Standards. Erst deren Einhaltung ermöglicht ein friedliches und menschenwürdiges

Leben. Sofern sie auch dem zweiten entsprechen, können sie zugleich unbedingt gültige

Pflichten des Menschen sein. Ethik befasst sich jedoch nicht nur mit deren Aufstellung,

sondern praxisbezogen, z.B. i.S. von Unternehmensethik, mit der Umsetzung im Leben.

Wobei hier drei Ebenen zu unterscheiden sind. Zum einen die Systemebene

(Makroebene) mit der sogenannten Wirtschaftsethik. Hier werden die Rahmenordnungen,

z.B. die Art des Wirtschaftssystems und die Gesetze festgelegt. Zum zweiten die

Organisationsebene (Mesoebene), also die Unternehmensethik. Hier werden interne und

externe Beziehungen (Unternehmensleitbild, Führungsgrundsätze) definiert. Und drittens

die Individualebene (Mikroebene), auch Führungsethik genannt. Dabei spielen das

Vorbildverhalten, der Führungsstil und persönliche Werte der Leiter4 die wesentliche

Rolle.

Somit hat Ethik stets eine doppelte Bedeutung: Einerseits indem sie auf die

fundamentalen Fragen des Menschen begründete Antworten zu geben versucht - auf

Fragen wie: ′Was soll ich tun?′, ′Was ist das Vernünftige, Richtige und Gute?′, ′Worin

besteht das Ziel menschlichen Seins?′ Die Beschäftigung mit Ethik entspricht damit dem

natürlichen Bedürfnis des Menschen nach Sinn und Orientierung. Und andererseits indem

sie Handlungsorientierungen vorgibt und damit ein konfliktfreies Zusammenleben von

Menschen auf der Basis demokratischer Grundwerte wie Menschenwürde, Freiheit,

Selbstbestimmung und Gerechtigkeit sicherstellt. Ethik, so lässt sich zusammenfassen, ist

unverzichtbar, damit Gesellschaften reibungslos und effizient funktionieren.

Allgemein gesprochen fragt die Unternehmensethik danach, was in einer bestimmten

Situation im unternehmerischen Kontext ein moralisch gutes und gerechtes Verhalten

darstellt, also was richtig und was falsch ist. Unternehmensethik hat zum Ziel,

handlungsleitende Normen im Sinne einer Selbstverpflichtung - d.h. über die geltenden

Gesetze hinaus - in Kraft zu setzen. Den Menschen, die sich damit befassen, bürdet dies

die Verantwortung auf, moralische Prinzipien zu verstehen, Güter abzuwägen und für das

eigene Verhalten Kriterien zu schaffen und anzuwenden.

3 H. Kreikebaum, Grundlagen der Unternehmensethik, Stuttgart 1996, Seite 8-12

4 In der EnBW wird das Wort Vorgesetzter des negativen Untertons wegen nicht verwendet. Stattdessen sind die ′Leiter′ in der

Führung verantwortlich. EnBW-Hierarchie: Vorstand, Geschäftsführer, Leiter 1, Leiter 2, Mitarbeiter.

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