Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Romanisches Seminar
Hauptseminar:
Das Spanische im Kontakt mit anderen Sprachen
Sprachenpolitik in Katalonien:
Das Gesetz 1/1998, llei de política lingüística
und die aktuelle Situation des Katalanischen in Katalonien
WS 2004/2005
Katharina Kirsch
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung ...3
2. Die besondere Rolle der Sprache in Katalonien ...4
3. Der Weg zum sprachenpolitischen Gesetz 1/1998, llei de política lingüística ...4
4. Das Gesetz 1/1998 als Maßnahme von Sprachenpolitik ...6
5. Die Auswirkungen des Gesetzes 1/1998, der llei de política lingüística ...7
5.1 Ziel und Gegenstand ...7
5.2 Llengua pròpia und llengües oficials ...7
5.3 Öffentliche Verwaltung ...8
5.4 Justiz und Recht ...9
5.5 Onomatologie ...10
5.6 Bildung ... 11
5.6.1 Nicht-universitäre Ausbildung ...11
5.6.2 Universitäre Ausbildung ...12
5.6.3 Erwachsenenbildung ...13
5.7 Rundfunk und Fernsehen ...14
5.8 Presse ...16
5.9 Bücher und Literatur ...16
6. Die Entwicklung der Sprachkenntnisse in der Bevölkerung ...17
6.1 Die Bevölkerung spanischer Nationalität ...18
6.2 Die Bevölkerung ausländischer Nationalitäten ...19
6.3 Gesamtbetrachtung ...20
7. Der Gebrauch des Katalanischen ...21
8. Schlussbemerkungen ...24
ANHANG ...25
LITERATURVERZEICHNIS ...38
1. Druckmedien ...38
2. Internetquellen ...38
1. Einleitung
Die spanische, d.h. kastilische Sprache ist mehreren Ländern der Welt Landessprache und wird in Mittel- und Südamerika sowie in Spanien gesprochen. Das Kastilische ist in all diesen Ländern in verschiedenster Form mit anderen Sprachen in Kontakt getreten, und dieser Kontakt hat die spanische Sprache maßgeblich beeinflusst. Betrachtet man heutzutage die Kontaktsprachen des Kastilischen in Spanien, so fallen vor allem das Baskische und das Katalanische auf. Katalonien besitzt eine sehr bewegte Geschichte, die nicht erst mit Francos Tod beginnt. Aber erst nach 1975 durften die katalanische Kultur und ihre Sprache nach einer langen Zeit der Unterdrückung wieder gelebt und gepflegt werden. Das Leben einer katalanischen Identität beginnt und endet für die Katalanen mit dem Sprechen ihrer Sprache.
Der großen Bedeutung, die der katalanischen Sprache im Bemühen um die katalanische Kultur zugemessen wird, wird vor allem durch die Pflege der Sprache Rechnung getragen. Der herausragenden Stellung der Sprache in Katalonien ist im Rahmen dieser Arbeit ein eigenes Kapitel gewidmet. Das Bemühen um die katalanische Sprache fand in den letzten 30 Jahren nicht zuletzt durch die Gesetzgebung statt. In diesem Zusammenhang sind neben dem Autonomiestatut für Katalonien vor allem die beiden sprachenpolitischen Gesetze, die llei 7/1983, de 18 de abril, de normalizació lingüística1, und die llei 1/1998, de 7 de gener, de política lingüística2, zu nennen.
Letzteres soll in dieser Arbeit in seinen wichtigsten Aspekten angesprochen und seine Wirkungsweise dargelegt werden. Für die Untersuchung der Auswirkungen des Gesetzes 1/1998 wurden mehrere von der Generalitat Kataloniens herausgegebene sprachenpolitische Berichte verwendet. Neben dem Gesetz selbst dienten der Informe de política lingüsitica von 2003, der Cens lingüístic von 2001 und die Estadística d’usos lingüístics a Catalunya von 2003 der Beurteilung der linguistischen Situation Kataloniens. Vorweg sollte aber die Frage geklärt werden, ob das Gesetz von 1998 unter die begriffliche Definition von „Sprachpolitik“ bzw. „Sprachenpolitik“ zu subsumieren ist.
2. Die besondere Rolle der Sprache in Katalonien „El català es cosa de tots“
Während des diktatorischen Regimes Francos waren alle Regionalsprachen Spaniens geächtet und nur das Kastilische als Landes-, Amts- und Umgangssprache erlaubt, was nahezu zu einem gänzlichen Verschwinden der katalanischen Sprache aus dem öffentlichen Leben geführt hatte3. In den 80er Jahren konnten die Katalanen eine merkliche Wende feststellen, die vor allem von der katalanischen Tageszeitung AVUI und der Generalitat durch permanente Kampagnen und merkliche Änderungen, das tägliche Leben betreffend forciert wurde.
Die katalanische Sprache wurde schon vorher im Kampf um die Autonomie Kataloniens als Werkzeug eingesetzt, nach ihrer Wiedererlangung aber wurde die katalanische Sprache zu einer Art Symbol der katalanischen Identität. Die enormen Anstrengungen, die unternommen worden sind, um das Katalanische wieder zur Sprache des täglichen Lebens zu erheben, lassen sich mit zweierlei Zielsetzung erklären: Einerseits geht es dabei um die Aufwertung der katalanischen Sprache, besonders im Konflikt mit dem Kastilischen; andererseits bezwecken diese Anstrengungen die Aufwertung der Geschichte Kataloniens, besonders im Konflikt mit den Inhalten der nationalen spanischen Einheit und Identität. Gerade in Katalonien ist die Sprache ein bedeutendes und zudem wirksames politisches Werkzeug:
„The repeated victory of the nationalist coalition Convergència i Unió, together with the nationalistic revindications which are a feater of the political programmes of the Catalan political parties, is proof of the central role played by the Catalan language in the political and social dynamic of this region.”4.
Die besondere Bedeutung der katalanischen Sprache wird in der Präambel zum Gesetz
1/1998 ausdrücklich betont:
„La lengua catalana es un elemento fundamental de la formación y la personalidad nacional de Cataluña, un instrumento básico de comunicación, integración y cohesión social de los ciudadanos y ciudadanas, con independencia de su origen geográfico, y el vínculo privilegiado de Cataluña con las demás tierras de habla catalana, con las que forma una comunidad lingüística que ha aportado a lo largo de los siglos, con voz original, una valiosa contribución a la cultura universal. Además, ha sido el testimonio de fidelidad del pueblo catalán hacia su tierra y su cultura específica.“.
3. Der Weg zum sprachenpolitischen Gesetz 1/1998, llei de política lingüística5
Das erste Sprachengesetz, llei de normalització lingüística, von 1983 hatte zum Ziel, das Autonomiestatut Kataloniens in Bezug auf die Amts- und Landessprachen umzusetzen und den Gebrauch des Katalanischen in verschiedenen Bereichen zu konkretisieren. Dazu gehörten vor allem die Normalisierung des Katalanischen in den Bereichen der öffentlichen Verwaltung, des Schulwesens, der Massenmedien und vor allem des täglichen
Lebens. Nach der Einführung des LNL entwickelte sich die Sprechersituation in Katalonien zunächst wie folgt:
Competencia activa y pasiva del catalán6:
entienden catalán saben hablar catalán
1981 79,00 % 64,00 %
1991 95,40 % 68,30 %
1996 94,97 % 75, 30 %
Obwohl die llei de normalització lingüística von 1983 die Verbreitung des Katalanischen erfolgreich gefördert hat, wurden 1997 Stimmen laut, die ein neues, weiter reichendes Gesetz forderten. So forderte die Associació Per a les Noves Bases de Manresa am 16. 04. 1997 in ihrem Manifest Per a un nou estatut social de llengua catalana den katalanischen Monolinguismus für Katalonien und eine “nova llei valenta”. Auf Initiative mehrerer katalanischer Bischöfe wurden die Kastilischsprechenden am 20. 04. 1997 dazu aufgefordert, dem Katalanischen mehr Respekt zu erweisen und Katalanisch zu lernen.
Die Plataforma per la Llengua erstellte ein Manifest, das am 21. 04. 1997 vom Schriftsteller Joan Rendé im Centre de Cultura Contemporània in Barcelona vorgetragen wurde. Darin forderten verschiedene Intellektuelle vom katalanischen Parlament die volle Anerkennung und Gleichstellung des Katalanischen in allen Lebensbereichen, wie beispielsweise in den Gebieten Justiz, Produktetiketten, audiovisuelle Kommunikationsmittel und neue Technologien. Die Plataforma warb für ihr Vorhaben mit dem Motto „Volem viure plenament EN CATALÁ“.
Die Forderung nach einem neuen, weiter reichenden Gesetz wurde weiterhin unterstützt durch zahlreiche katalanistische Organisationen, wie z. B. die katalanische Tageszeitung AVUI, die sich durch gezielte Kampagnen für die neue Gesetzgebung einsetzte, die katalanische Partei CiU (Convergència i Unió) und die Kirche, die beispielsweise auch forderte, dass der Segen „urbi et orbi“ auf Katalanisch gehalten werden sollte. Zahlreiche Bischöfe vertraten die Meinung, dass das Katalanische die Sprache der Kirche sei und sagten: „Parlar en català és parlar en cristià“.
Am 23.07.1997 wurde ein Entwurf des neuen Gesetzes durch die Mitglieder der ponència del catalá, welche einen Kompromiss zwischen CiU und PSC darstellte, präsentiert. Das neue Sprachengesetz für Katalonien, die llei de política lingüística wurde am 30.12.1997 durch das katalanische Parlament mit einer 80prozentigen Mehrheit und nicht mit Einstimmigkeit wie 1983 bei der llei de normalització lingüística verabschiedet.
[...]
1 Im Folgenden genannt: Gesetz 7/1983.
2 Im Folgenden genannt: Gesetz 1/1998.
3 Etxebarria, 2002, 114.
4 Pradilla, 2001, 63.
5 Vergl. Zu diesem Kapitel: Gergen, 1999, 129 – 137.
6 Tabelle entnommen aus: Griley, 2000, 65.
Arbeit zitieren:
Katharina Kirsch de Fernandez, 2005, Sprachenpolitik in Katalonien: Das Gesetz 1/1998, llei de política lingüística und die aktuelle Situation des Katalanischen in Katalonien, München, GRIN Verlag GmbH
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