Michaela Hofmann Die Position Gregors VII im Investiturstreit mit Heinrich IV Seite 2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Einführung in das Thema Seite 3
2. Der Investiturstreit als historischer Hintergrund Seite 3
3. Die Person Gregor VII Seite 5
4. Drei Quellen in Darstellung Seite 8
4.1 Das Papstwahldekret von 1059
4.2 Der Dictatus Papae
4.3 Ein Brief Gregors VII an Hermann von Metz
5. Darstellung und Interpretation der Position Gregors VII Seite 11
6. Die Bedeutung des Themas in der Folgezeit und bis heute Seite 15
7. Abschließende Bemerkungen Seite 17
8. Literaturangaben Seite 18
Michaela Hofmann „Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV.“ Seite 3
1. Einleitung und Einführung in das Thema
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Position Gregors VII. im Investiturstreit. Da neben Gregor VII. Heinrich IV. einer der Hauptakteure und Gegenspieler Gregors war, kann auch sein Standpunkt in diesem Streit nicht außer Acht gelassen werden. Die Benennung der Auseinandersetzung als „Investiturstreit“, der zeitlich im 11. und 12. Jahrhundert einzuordnen ist, ist heute nicht unumstritten 1 , ging es doch neben der bzw. mit ausgelöst durch die Investitur durch Laien um das Verhältnis von kirchlicher und weltlicher Macht. Im Mittelpunkt dieses Konfliktes standen zu Beginn des 11. Jahrhunderts Heinrich IV. und Gregor VII. Anhand dreier Quellen (Papstwahldekret von 1059, Dictatus Papae, Brief an Hermann von Metz) soll im Folgenden die Position des letztgenannten herausgearbeitet und dargestellt werden. Zuvor bedarf es aber einer Beschreibung der Person Gregors VII. sowie des sogenannten Investiturstreites im Allgemeinen, dessen Auswirkungen im Anschluss an die Quellenarbeit geschildert werden.
2. Der Investiturstreit als historischer Hintergrund
Die durch Simonie 2 , Nikolaitismus 3 und Laieninvestitur 4 verweltlichte Kirche sah sich ab dem 10. Jahrhundert als reformbedürftig und bekämpfte deshalb besonders die drei genannten Abweichungen vom asketischen Ideal des Klerikerlebens. Auftrieb erhielt die Reformbewegung durch 1 Vgl. Engelberger, Johann: Gregor VII. und die Investiturfrage: quellenkritische Studien zum angeblichen Investiturverbot von 1075, Köln- Weimar-Wien-Böhlau 1996, S. 256 und Fuhrmann, Horst: Gregor VII., Gregorianische Reform und Investiturstreit, in: Greschat, Martin (Hrsg.): Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1984, S. 155. 2 Ämterkäuflichkeit, Name nach Apg 8,18ff.
3 Priesterehe, Name nach Apk 2,6.
4 Investitur = lat.: „Einkleidung“, im MA Einsetzung in ein hohes kirchliches Amt.
Michaela Hofmann „Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV.“ Seite 4
chaotische Verhältnisse in Rom, wo zeitweise drei Päpste (Benedikt IX., Silvester III., Gregor VI.) gleichzeitig amtierten und allesamt von Heinrich III. zugunsten Clemens II. abgesetzt wurden. Mit Gregor VI. ging auch der spätere Gregor VII. ins Exil nach Deutschland, was später näher erläutert wird.
Durch die Einsetzung von Mitgliedern des deutschen Reichsepiskopats, die als Päpste ihre Bistümer beibehielten, was zuvor nicht gern gesehen wurde, da der Papst allein Bischof von Rom zu sein hatte, nahm die Kirche unter diesen Päpsten zwischen 1046 und 1073 ihre weltliche Leitungsaufgabe zunehmend wichtiger. Mit Leo IX. und Nikolaus II. begann das Reformpapsttum durch Schaffung eines Kardinalskollegiums, welches mit dem später zu beschreibenden Papstwahldekret von 1059 die alleinige Befugnis zur Papstwahl erhielt.
Der eigentliche Konflikt wurde ausgelöst durch unterschiedliche Kandidaten von Heinrich IV. und Papst Alexander II. für das Bischofsamt von Mailand, was zu Bannung fünf königlicher Räte von Seiten Alexanders II. führte. Gregor VII., nach dem Tod Alexanders II. seit 1073 Papst, forderte Heinrich IV. nach erneuter Provokation durch den deutschen König zur Trennung von den gebannten Räten auf. Daraufhin erhob der König auf dem Reichstag in Worms 1076 in einem Brief schwere Vorwüfe „[a]n Hildebrand 5 , nicht mehr Papst, sondern an den falschen Mönch“ 6 und forderte ihn auf: „Wir, Heinrich, König von Gottes Gnaden, mit all unseren Bischöfen sagen dir: steige herab, steige herab.“ 7 Als der Brief Gregor VII. auf einer Fastensynode erreichte, setzte er seinerseits Heinrich IV. ab und exkommunizierte ihn in Form eines Gebets, worauf die deutschen Bischöfe und Fürsten eine Neuwahl des Königs mit Hilfe des Papstes innerhalb eines Jahres in Augsburg planten. Heinrich reiste daraufhin dem Papst entgegen und erreichte in Canossa, auf der Burg von Markgräfin Mathilde von Tuszien, 5 Hildebrand war der Geburtsname Gregors VII (vgl. S. 5).
6 Ritter, A.M.: Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Band 2: Mittelalter, S. 91f.
Michaela Hofmann „Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV.“ Seite 5
einer Anhängerin Gregors, nach dreitägiger Buße seine Rekommunikation. Die deutschen Fürsten wählten jedoch trotzdem einen Gegenkönig, den Schwaben-Herzog Rudolf von Rheinfelden. Drei Jahre lang behielt der Papst daraufhin eine neutrale Position, bis er auf der römischen Fastensynode von 1080 schließlich Heinrich erneut exkommunizierte. Heinrich ließ Erzbischof Wibert von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III. wählen und zog 1083 mit seinem Heer in Rom ein. Dort musste sich Papst Gregor VII. in der Engelsburg verstecken und flüchtete schließlich nach Salerno, wo er 1085 starb. Heinrich wurde von Clemens III. zum Kaiser gekrönt.
Der berühmte „Gang nach Canossa“, der vordergründig als taktischer Sieg Heinrichs IV. erscheint, da dieser seiner Absetzung zuvorkam, führte aber eigentlich zum Machtgewinn des Papstes: Das Verbot der Laieninvestitur konnte ausdrücklich auf Könige und Kaiser ausgedehnt werden, denn Heinrich hatte mit seinem Bußgang gezeigt, dass „auch der König [...] als sündiger Mensch unter der Kirchenhoheit des Papstes [steht]“ 8 . Die zweite Exkommunikation Heinrichs jedoch muss als Niederlage Gregors verbucht werden, denn sie nahm ihm die Macht und trieb ihn ins Exil.
Ein Ende fand der Investiturstreit erst mit dem Wormser Konkordat von 1122, in dem der Kaiser auf Investitur mit Ring und Stab verzichtet.
3. Die Person Gregor VII.
In der Literatur werden Gregor VII. und sein Wirken höchst unterschiedlich beurteilt und benannt. Einerseits als „religiöses Genie“, „Revolutionär“ und „zweifellos einer der größten aller 7 Ebenda.
8 Fuhrmann 1984, S. 171.
Arbeit zitieren:
Michaela Hofmann, 2003, Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Bedeutung des Investiturstreits
Konflikt um die rechte Ordnung...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 12 Seiten
Der Canossagang von 1077 - eine Niederlage für Heinrich IV.? -
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Papst Gregor VII. und seine Rolle im “Investiturstreit”
Quod illi liceat imperatores d...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Jean-Jacques Rousseau als Kulturkritiker
Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Investiturstreit - Ursachen, Verlauf und Bedeutung
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Große Griechische Kolonisation: Einflüsse und Bedeutung von Religi...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hauptseminararbeit, 17 Seiten
Syrakus - Die Gründung einer griechischen Kolonie auf Sizilien
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 28 Seiten
Der mittelalterliche Investiturstreit und König Heinrichs Gang nach Ca...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Krisis und Kairos - Rilkes Sprachscheu und ihre produktive Wendung
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Magisterarbeit, 304 Seiten
Die Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 30 Seiten
Karl der Große - Kaiser wider Willen ?
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 10 Seiten
Summerhill: Funktionsfähiges Konzept oder pädagogische Utopie?
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Thukydides - der Geschichtschreiber des Peloponnesischen Krieges
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 13 Seiten
Michaela Hofmann hat den Text Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV. veröffentlicht
Michaela Hofmann hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare