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Hauptseminararbeit, 2005, 27 Seiten
Autor: Thomas Jacob
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Entwicklungspolitik
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Institut für Erziehungswissenschaft)
Tags: Entwicklungszusammenarbeit, Interessenpolitik, Entwicklungszusammenarbeit-Theorien, Strategien, Berufsfelder
Jahr: 2005
Seiten: 27
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-39955-5
Dateigröße: 129 KB
Arbeit ist nicht deskriptiver Natur. Es wurde der Versuch unternommen, eine Untersuchungsfrage zu stellen und dieser durch eine genaue Analyse nachzugehen. Ist auch mehr oder weniger gelungen! Breiter Seitenrand
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6. Fachsemester
Ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
tatsächlich nur reine Interessenpolitik?
von: Thomas Jacob
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf Regierungsebene (RO) 2
2.1 Zielsetzung und Gründe deutscher Entwicklungshilfe in den ersten zwei Jahrzehnten 2
2.2 Motive für deutsche Hilfe in den weiteren Jahrzehnten 5
2.3 BMZ- Minister 7
2.4 Die Ära von E. Eppler- ein „Superminister“ deutscher Entwicklungspolitik? 11
3. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit der Nicht- Regierungs-Organisationen (NRO) 13
3.1 Einteilung und Entstehungsgeschichte 13
3.2 NROs und ROs im Vergleich 14
3.2.1 Allgemeine Unterschiede der NROs zu Regierungs-Organisationen (RO) 14
3.2.2 Spezielle Unterschiede 16
3.3 NROs als Hoffnung für die Zukunft?- eine kritische Betrachtung 17
3.4 Die Interessenbildung bei Entwicklungsprojekten- ein großes Dilemma? 20
4. Resümee 22
5. Literaturverzeichnis
1) Einleitung
Um die deutsche Entwicklungszusammenarbeit grob zu charakterisieren bzw. Etappen, Wege und Interessen herauszuarbeiten muss man sich zuallererst die Fragestellung verinnerlichen und überlegen, was man überhaupt untersuchen möchte bzw. wie die Frage allgemein zu deuten ist. Beim genauen Durchdenken verbirgt sich hinter der Fragestellung eine grundlegende Aussage. Als Grundfrage und Hintergrundinformation verbirgt sich die These, das die deutsche Entwicklungszusammenarbeit reine Interessenpolitik ist und somit ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Regeln i.S. von logisch-rationalem Agieren der Verhandlungspartner (Geber- Nehmerland) funktioniert. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht und ob die Grundfragestellung so stehen gelassen werden kann soll im ersten Abschnitt erläutert werden. Nachdem die Eingangsfragestellung (Grundthese) erläutert wurde, soll im weiteren Verlauf die eigentliche Fragestellung (s.o.), nämlich ob die Zusammenarbeit wirklich „nur“ auf reinen Interessensgrundlagen besteht, Thema der Arbeit sein. Im zweiten Punkt werden die nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen (NROs) betrachtet. Dabei wird eine Gegenüberstellung mit den Regierungsorganisationen vorgenommen. Im letzten Punkt soll der Interessenskonflikt in staatlichen wie auch in nichtstaatlichen Kreisen betrachtet werden und dabei der Grund der Uneinigkeit aufgezeigt werden. Wichtige Voraussetzung für diese Arbeit ist, dass die Hauptdenkweise, das sogenannte „rote Band“, die Verminderung der Armut und die Beseitigung der Massenarmut i.S. einer humanitären Hilfe sein soll. Das Hauptkriterium dieser Arbeit basiert also nicht auf einem wirtschafts- oder interessenpolitischen Hintergrund, sondern geht von humanitär-moralischem- ethischen Denkstrukturen aus. Dies gilt es im Sinne der Fragestellung zu berücksichtigen.
2) Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf Regierungsebene (RO)
2.1.) Zielsetzungen und Gründe deutscher Entwicklungshilfe in den ersten zwei Jahrzehnten
Um den Wahrheitsgehalt der Grundthese zu bestimmen, sollte man sich mit den Anfängerjahren der deutschen Entwicklungshilfe beschäftigen. Hierbei soll der Werdegang des neu zu entstehenden Politikfeldes aufgezeigt werden und Gründe, wie auch Motive erläutert werden. Außerdem werden die Epochen der einzelnen Minister des BMZ beschrieben und ihre jeweilige Politik beleuchtet. Den tatsächlichen Beginn der deutschen Entwicklungshilfe stellte zweifelsfrei das Auswärtige Amt, als es 1956 50 Mio. DM für "technische Hilfe an unterentwickelte Gebiete" bereitstellte. Einige Jahre davor (1952) hatte es erste Ansätze gegeben, als nämlich die Abteilung für Außenhandel des BMWi 500 00 DM erhielt, um einen Erfahrungsaustausch mit weniger entwickelten Gebieten zu gestalten. Grund war schon in diesem Fall die Suche nach Absatzmärkten für deutsche Produkte bzw. allgemein die Suche nach Förderung des deutschen Handels mit diesen Regionen1. Hier entdeckt man schon erste Anzeichen, dass wirtschaftliche Interessen und weniger humanitäre Argumente bei der Mittelbereitstellung eine Rolle spielten. Die ersten aktiven Bundestagsabgeordneten, die Entwicklungspolitik unterstützten, waren in der Tat humanitär motiviert. Die katastrophale soziale, wirtschaftliche und ökologische Lage in den 3. und 4. Welt Ländern als Gegensatz zum wirtschaftlichen Wohlstand der BRD motivierte sie sich aktiv für eine staatliche Hilfe einzusetzen.
Ausschlaggebend für die hohe Summe der Bereitstellung von "technischer Hilfe" der BRD waren jedoch aktive Reaktionen aus den USA. Diese drängten ihre antikommunistische Eindämmungspolitik mittels Entwicklungshilfe anderen Staaten quasi auf. Zum weiteren war es die Politik K. Adenauers, die Entwicklungshilfe als Mittel der Eindämmungspolitik gegenüber der DDR sah. Aufgrund der Hallstein- Doktrin sollten deshalb Zuschüsse weitgehend im Ausgleich der Ablehnung sozialistischer Einflüsse einhergehen. Dies gelang ihnen auch, jedoch mit dem einfach zu erklärenden Hintergrund, dass die DDR nicht viel bieten konnte und Reize in Form von finanziellen Mittel kaum vorhanden waren. Die weiteren Fragen, die sich alle Beteiligten stellten ist die, wie man die Anerkennung der DDR in der neutralen Welt begegnen könnte.
Die erste Phase der staatlichen Entwicklungspolitik wird als Improvisationsphase bezeichnet. Sie beträgt den Zeitraum von ca. 1956 bis 1967. Markant ist dieser Zeitraum für die gezielte, wenn auch zögernde Bereitstellung von Kapital an die Entwicklungsländer (Exportfinanzierung). Trotzdem es vorwiegend private Geschäftsinteressen waren, die den Gang in die 3. Welt in dieser Phase motivierten, erkannte man die Bedeutung der technischen Hilfe im Entwicklungsland2. Als Hinweise für den eigenen Vorteil beweisen die Belege, dass die Vergabepraxis der Hilfsprojekte nach Exportinteressen der BRD getätigt worden sind. Die Finanzierung berief sich auf dem Grundgedanken der Unterstützung strukturschwacher Branchen im Geberland. Ebenfalls sollte schon damals eine Bindung an die BRD erfolgen. Deutlich werden diese Lieferbindungen v.a. in der 2. Phase der deutschen Entwicklungspolitik beginnend im Jahre 1966/67, zu dem Zeitpunkt als die erste Wirtschaftsrezession eintrat.
[...]
1 Bellers, J., Haase, I., Deutsche Entwicklungspolitik. Fakten, Trends und Programme, in: Bellers, Haase, Dt. Entwicklungspolitik 1960-90, Heft 70, Siegen 2002, S.1.
2 Vgl. Bodemer, K., Programmentwicklung in der Entwicklungspolitik, in: Nuscheler, F. (Hrsg.), 3. Welt- Forschung. Entwicklungstheorien und Entwicklungspolitik, Opladen 1985, S. 283.
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