Angststörungen und Depression in Kindheit und Adoleszens
- Interventions- und Präventionsmöglichkeiten im Rahmen
des MindMatters-Programms
von: Stefan Dannheiser
5. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Depressionen (kind- und jugendspezifisch) 3
2.1 Begriffsbestimmung und Klassifikation 3
2.1.1 Major Depression / depressive Episode 4
2.1.2 Dysthyme Störung 4
2.2 Epidemiologie, Verläufe und Nosologie 5
2.2.1 Epidemiologie 5
2.2.2 Verläufe 6
2.2.3 Nosologie 6
2.3 Erklärungsansätze und Risikofaktoren 7
2.3.1 Biologische Faktoren 7
2.3.2 Psychische Faktoren 8
2.3.3 Soziale Faktoren 9
3. Angststörungen (kind- und jugendspezifisch) 10
3.1 Begriffsbestimmung und Klassifikation 10
3.1.1 Störungen mit Trennungsangst 11
3.1.2 Panikstörungen 12
3.1.3 Phobische Störungen 13
3.1.4 Generalisierte Angststörungen 15
3.1.5 Posttraumatische Belastungsstörung 16
3.2 Epidemiologie, Verläufe und Nosologie 17
3.2.1 Epidemiologie 17
3.2.2 Verläufe 18
3.2.3 Nosologie 19
3.3 Erklärungsansätze und Risikofaktoren 20
3.3.1 Biologische Faktoren 20
3.3.2 Psychische Faktoren 21
3.3.3 Soziale Faktoren 21
4. Interventions - und Präventionsmöglichkeiten im Rahmen des MindMatters-Programms 24
4.1 Was ist MindMatters? – Eine Kurzbeschreibung 24
4.2 Wie kann sich Schule partizipieren? 24
5. Kritische Würdigung und Fazit 27
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich primär mit der Darstellung der psychischen Störung Depression sowie der der Angststörungen. Der wesentliche Schwerpunkt liegt hierbei auf der Betrachtung von kind- und jugendspezifischen Aspekten dieser Störungen. Im ersten Abschnitt dieser Arbeit wird zunächst eine allgemeine sowie eine kind- und jugendspezifische Begriffsbestimmung und eine Klassifikation der Depressionen vorgenommen, bevor die beiden Formen Major Depression bzw. depressive Episode und Dysthyme Störung anschließend differenziert betrachtet und dargestellt werden. Dem folgt eine detaillierte Abhandlung bezüglich Epidemiologie, möglicher Verläufe und Nosologie. Ergänzend sollen danach mögliche Erklärungsansätze anhand relevanter Risikofaktoren vorgestellt werden. Ebenfalls bilden erwähnte Risikofaktoren die Basis für eine spätere Argumentation bezüglich des Ansatzes vom unter Punkt 4 vorgestellten MindMatters- Programm.
Im zweiten Abschnitt der Arbeit findet eine Bestimmung bzw. Klassifikation der kind- und jugendspezifischen Angststörungen statt. Hierzu werden ebenfalls verschieden (Unter- )Formen differenziert vorgestellt. Eine weiterführende Darstellung der diversen Angststörungen vollzieht sich in Analogie zum Aufbau des ersten Abschnitts. Im dritten Teil dieser Arbeit sollen nach einer lakonischen Zusammenfassung bzw. Einleitung mögliche Präventions- bzw. Interventionsmöglichkeiten unter den Maßgaben des ganzheitlichen Schulansatzes des MindMatters-Programms auf die zuvor dargestellten psychischen Krankheiten Depression und Angststörungen bezogen und angewendet werden. Den Abschluss der vorliegenden Arbeit bildet das Fazit, indem resümierend die wichtigsten Aspekte und Faktoren nochmals zusammengetragen werden. Letztlich erfolgt eine kritische Betrachtung des vorgestellten MindMatters-Programms u.a. hinsichtlich der praktischen Umsetzbarkeit.
2. Depressionen (kind- und jugendspezifisch)
2.1 Begriffsbestimmung und Klassifikation
Ähnlich wie bei den Angststörungen galt nach Petermann/Essau (2000:292) auch hinsichtlich der Depression bis vor dreißig Jahren die Annahme, dass Kinder und Jugendliche aufgrund unzureichender kognitiver Reife bzw. entwicklungsphasentypischer Phänomene nicht von ihnen betroffen sein können. Heute ist jedoch anerkannt, dass auch Kinder und Jugendliche Merkmale von Depressionen aufweisen können. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass im ICD-10 explizit auf kinder- und jugendspezifische diagnostische Kriterien hingewiesen wird. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier bei der depressiven Episode (ICD-10: F32.0ff.) sowie beim Analogon des DSM-IV, der Major Depression. In beiden Klassifikationssystemen sind die diversen Formen depressiver Störungen unter den Affektiven Störungen verzeichnet.
Wesentliches Merkmal der depressiven Störungen ist nach Petermann/Essau (2000:292) die depressive Verstimmung, welche mit diversen psychischen und somatischen Symptomen kombiniert auftritt. Die Autoren postulieren, dass „alle Kriterien der affektiven Störungen […] auch auf Kinder und Jugendliche zutreffen [können]; für manche Störungen liegen jedoch kind- und jugendspezifische Modifikationen vor.“1 Die Autoren /Essau (2000:292) gliedern die affektiven Störungen grob in depressive Störungen (Major Depression, Dsythyme Störung und Nicht näher bezeichnete depressive Störung) und bipolare Störungen (Bipolar I Störung, Bipolar II Störung, Zyklothyme Störung und Nicht näher bezeichnete bipolare Störung). In dieser Arbeit liegt der Fokus auf den depressiven Störungen bzw. Angststörungen. Deshalb sollen die bipolaren Störungen lediglich lakonisch erwähnt werden. Die Autoren betonen, dass die Major Depression sowie die Dysthyme Störung die im Kindes- und Jugendalter am häufigsten auftretende depressive Störungen sind (vgl. Petermann/Essau (2000:295)).
2.1.1 Major Depression
Die Major Depression ist nach Petermann/Essau (2000:295) eine schwere akute Form der depressiven Störung. Sie kann diagnostiziert werden, wenn mindestens fünf von neun Symptomen2 täglich und über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen auftreten. Die Symptome können sowohl durch Selbsteinschätzung als auch über die Beobachtung durch andere Personen gewonnen werden (vgl. ebd.). Eines der geforderten fünf Symptome muss entweder depressive Verstimmung (bzw. gereizte Stimmung bei Kindern und Jugendlichen) oder Verlust von Interesse bzw. Freude beinhalten. Zudem müssen die Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen bzw. beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen als massive Belastungen erlebt werden (vgl. ebd.). Weiter bedarf es einer Differentialdiagnose (vgl. 3.1) zur eindeutigen Feststellung dieser Störung, d.h. in diesem Fall muss z.B. die unmittelbare Einwirkung einer Substanz (z.B. Drogen) ausgeschlossen werden, auch darf die Störung nicht besser durch eine einfache Trauerreaktion (z.B. in Folge von Verlust oder Tod einer geliebten Person) erklärt werden können, etc.3 (vgl. ebd.).
2.1.2 Dysthyme Störung
Die dysthyme Störung ist durch eine chronische depressive Verstimmtheit bzw. durch eine chronische reizbare Verstimmtheit speziell bei Kindern und Jugendlichen charakterisiert (vgl. Petermann/Essau (2000:295); DSM-IV). Bei Kindern und Jugendlichen wird im DSM-IV eine Dauer von einem, wohingegen bei Erwachsenen eine Dauer von mindestens zwei Jahren gefordert. Im Vergleich zur Major Depression bzw. zur Depressiven Episode ist die dysthyme Störung weniger stark ausgeprägt (vgl. ebd.). Zu den wichtigsten Symptomen zählen nach Petermann/Essau (2000:295) Appetitverlust bzw. gesteigertes Bedür fnis zu essen; Schlaflosigkeit bzw. übermäßig gesteigertes Bedürfnis zu schlafen; Energielosigkeit bzw. Erschöpfung; reduziertes Selbstwertgefühl; Konzentrationsschwierigkeiten bzw. Entscheidungslosigkeit; Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Für eine Diagnose müssen mindestens zwei der sechs Symptome zusätzlich zur depressiven bzw. reizbaren Verstimmung vorliegen. Weiter dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht länger als zwei Monate in Folge symptomfrei sein. Zudem müssen die Symptome soziale, schulische bzw. berufliche Funktionsbereiche beeinträchtigen (vgl. ebd.). Ferner ist auch hier eine Differentialdiagnose4 zu stellen.
Die Autoren Petermann/Essau (2000:296) weisen daraufhin, dass gerade aufgrund der sehr ähnlichen Kernsymptome die Diagnose erschwert ist. „Kennzeichnend für die Major Depression sind eine oder mehrere depressive Episoden mit ausgeprägter Symptomatik, welche sich in der Regel klar vom Normalzustand differenzieren lassen. Die dysthyme Störung hingegen ist durch eine weniger schwere depressive Verstimmung [bzw. reizbare Verstimmtheit bei Kindern und Jugendlichen, S.D.] gekennzeichnet “ (zit. n. Petermann/Essau (2000:296)). Weiterhin besteht laut den Autoren die Möglichkeit, dass nach dem ersten Jahr die dysthyme Störung von Phasen einer Major Depression überlagert wird. In diesem Fall können beide Diagnosen gestellt werden (vgl. ebd.).
2.2 Epidemiologie Verläufe und Nosologie
2.2.1 Epidemiologie
[...]
1 Demzufolge kann das Hauptmerkmal, die depressive Verstimmung, bei Kindern und Jugendlichen auch in Form von gereizter Stimmung äußern. Ebenfalls finden sich Differenzen in der Zeitspanne im Vergleich zu Erwachsenen (vgl. Petermann/Essau (2000:292).
2 Symptome der Major Depression nach DSM-IV: 1. depressive Verstimmung (auch gereizte Stimmung bei Kindern und Jugendlichen); 2. deutlich vermindertes Interesse oder kaum Freude an (fast) allen Aktivitäten, die früher als positiv empfunden wurden; 3. signifikanter Gewichtsverlust (>5% des Körpergewichts in einem Monat; verminderter / gesteigerter Appetit, ausbleibende entwicklungstypische Gewichtszunahme bei Kindern; 4. Schlaflosigkeit / vermehrter Schlaf; 5. psychomotorische Unruhe / Verlangsamung bzw. He mmung in Bezug auf Sprache, Denken und Bewegung (muss von anderen beobachtbar sein); 6. Müdigkeit / Energieverlust; 7. Gefühl von Wertlosigkeit, übermäßige / unangemessene Schuldgefühle; 8. verminderte Denk- und Konzentrationsfähigkeit, Entscheidungsschwierigkeit; 9. wiederkehrende Gedanken von Tod, Suizidvorstellungen, Suizidversuch oder -planung (vgl. Petermann/Essau (2000:292; 298ff.)
3 Näheres bzw. Spezifisches bezüglich der Differenzialdiagnose zur Major Depression findet sich in ICD-10 bzw. DSM-IV
4 Näheres bzw. Spezifisches bezüglich der Differenziald iagnose zur dysthymen Störung findet sich in ICD-10 bzw. DSM-IV sowie Petermann/Essau (2000:296).
Arbeit zitieren:
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser, 2005, Angststörungen und Depression in Kindheit und Adoleszens - Interventions- und Präventionsmöglichkeiten im Rahmen des MindMatters-Programms, München, GRIN Verlag GmbH
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