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1. Das Kulturindustriekonzept der Dialektik der Aufklärung 2
Kulturindustrie oder Massenkultur?
2. Kulturindustrie als Konsequenz der Aufklärung 3
Aufklärung ist totalitär - Kulturindustrie auch
3. Die Theorie der Kulturindustrie als philosophisches Fragment 5
Standardisierung und Pseudoindividualität
4. Veränderung im Warencharakter der Kunst 7
Eine kritische Betrachtung
5. Referenzen 11
6. Literatur 12
1
Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll. Theodor W. Adorno
1. Das Kulturindustrie -Konzept der Dialektik der Aufklärung
Kulturindustrie oder Massenkultur?
Der Begriff Kulturindustrie allein verweist bereits auf einen kulturkritischen Standpunkt und deutet die Perspektive an, aus der Populärkultur erforscht wird. Betont wird die Übermacht des technischen Apparates 1 , welchen die Kulturindustrie darstellt, über die geistigen und sozialen Gehalte von Kultur. Das Augenmerk richtet sich vor allem auf die Maschinerie, die Mechanismen und Strukturen, welche die Populärkultur verwalten und betreiben und weniger auf deren spezifische Inhalte. Den ursprünglichen Gebrauch des Begriffs, wie er von der Kritischern Theorie geprägt wurde, erläutert am besten Adorno selbst:
Das Wort Kulturindustrie dürfte zum ersten Mal in dem Buch Dialektik der Aufklärung verwendet worden sein, das Horkheimer und ich 1947 in Amsterdam veröffentlichten. In unseren Entwürfen war von Massenkultur die Rede. Wir ersetzten den Ausdruck durch Kulturindustrie, um von vornherein die Deutung auszuschalten, die den Anwälten der Sache genehm ist: Dass es sich um etwas wie spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele, um die gegenwärtige Gestalt von Volkskunst. Von einer solchen unterscheidet sich Kulturindustrie aufs Äußerste. Sie fügt Altgewohntes zu einer neuen Qualität zusammen. In all ihren Sparten werden Produkte mehr oder minder planvoll hergestellt, die auf den Konsum durch Massen zugeschnitten sind und in weitem Maß diesen Konsum von sich aus bestimmen 2 .
Begriffe wie Massenkultur oder Populärkultur, wie sie von Löwenthal und anderen Mitarbeitern des Frankfurter Instituts für Sozialforschung verwendet werden, sind Adorno und Horkheimer nicht radikal genug, weil sie den Manipulationszusammenhang verschweigen, in dem Kulturindustrie unterm privaten Kulturmonopol 3 steht. Mit seiner scharfen Abgrenzung gegenüber den Anwälten der Sache macht Adorno
gleichsam sich selbst zum Richter über die Massenkultur. Gezeigt werden soll, dass die Kulturindustrie eben keine Massenkultur in Sinne einer Volkskunst ist, sondern gerade die willentliche Integration ihrer Abnehmer von oben 4 . Kulturindustrie bedeutet, dass die Produktion und der Absatz von Kulturgütern sich durch ein geschlossenes System derart verselbständigt hat, dass die Konsumenten nur noch als Objekt der Kulturindustrie 5 fungieren: Jeder ist nur noch, wodurch er jeden anderen ersetzen kann: Fungibel, ein Exemplar. Er selbst, als Individuum, ist das absolut Ersetzbare, das reine Nichts…. 6 .
Dieser rückläufigen Tendenz, der Abschaffung des Individuums, wird ein Ausdruck wie Massenkultur nicht gerecht. Dass das Individuum im Industrialisierungsprozess Schaden nimmt, liegt im Wesen der Aufklärung begründet, deren Ziel von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen 7 den Grundstein legte für den herrschenden Fortschrittsglauben. Wie sehr sich dieses Ziel ins Gegenteil verkehrte, soll im Folgenden gezeigt werden.
2. Kulturindustrie als Konsequenz der Aufklärung Aufklärung ist totalitär - Kulturindustrie auch 8
Aufklärung als Massenbetrug lautet der Untertitel des Kapitels in der Dialektik der Aufklärung. Er erscheint auf den ersten Blick widersprüchlicher als der Titel Kulturindustrie selbst: Aufklärung, stets der Wahrheit verpflichtet, als Massenbetrugwie ist das zu verstehen? Die Antwort kann nur lauten: dialektisch. Alles enthält auch sein Gegenteil. So werden die Glücksgüter selbst zu Elementen des Unglücks 9 , der Fortschritt schlägt in den Rückschritt um 10 und Aufklärung schlägt in die Mythologie zurück 11 . Somit erklärt sich Kulturindustrie als Synthese aus der Dialektik der Aufklärung und ihrer Antithese, dem Massenbetrug. Diese Dialektik erläutern Horkheimer und Adorno in der Vorrede zur Dialektik der Aufklärung:
Wir hegen keine Zweifel (…), dass die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken untrennbar ist. Jedoch glauben wir, ebenso deutlich erkannt zu haben, dass der Begriff eben dieses Denkens, nicht weniger als die konkreten historischen Formen, die Institutionen der Gesellschaft, in die es verflochten ist, schon den Keim zu jenem Rückschritt enthalten, der heute überall sich ereignet. Nimmt Aufklärung die Reflexion auf dieses rückläufige Moment nicht in sich auf, so besiegelt sie ihr eigenes Schicksal 12 .
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Arbeit zitieren:
Joern Beck, 2005, Kultur(?)Industrie - Aufklärung als Massenbetrug, München, GRIN Verlag GmbH
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