Gliederung
Einleitung 1
1. Voraussetzungen und Ausgangsbedingungen
1.1 Die kriegerische Politik der sächsischen Herrscher gegenüber den Elbslawen 2
1.2 Die politische Situation an der südlichen Ostseeküste
bis Anfang des 12 Jahrhunderts 3
2. Aufruf Verlauf und Ergebnis des Wendenkreuzzuges
2.1 Der Aufruf und die Organisation des Wendenkreuzzuges
und die Rolle Heinrichs des Löwen dabei 5
2.2 Bernhards von Clairvaux und die Devise Tod oder Taufe
und die Vorstellungen Eugens III zum Wendenkreuzzug 6
2.3 Die Motive Heinrichs des Löwen zur Teilnahme am Wendenkreuzzug 9
2.4 Die Reaktion Niklots auf den Aufruf zum Wendenkreuzzug 11
2.5 Die Spaltung des Heeres:
Die Belagerungen von Dobin Demmin und Stettin 12
2.6 Zum Ergebnis und der Bewertung des Wendenkreuzzuges 15
2.7 Die Gründe für das Scheitern des Wendenkreuzzuges 17
3. Ausblick und Fazit
3.1 Ausblick auf die Ostpolitik Heinrich des Löwen nach 1147:
der sächsisch-oboritische Konflikt 1160 18
3.2 Fazit 21
Quellen und Literatur 22
II
Einleitung
Mit dem Ausdruck „Wendenkreuzzug“ wird das Nebenunternehmen 1147 des Zweiten Kreuzzuges bezeichnet, welches zum Ziel hatte, die heidnischen Slawen, die jenseits der Elbe
lebten, zu missionieren, 1 obwohl keine genaue Vorstellung über die Ausbreitung der „Heiden des Nordens“ bestand.
In der vorliegenden Hausarbeit wird die Ereignisgeschichte des Wendenkreuzzugs skizziert und nach der Rolle Heinrich des Löwen darin gefragt. Dabei zeigt der erste Teil der Arbeit die Voraussetzungen und die politischen Verhältnisse, während sich der Hauptteil der Arbeit der
Ereignisgeschichte des Wendenkreuzzuges und der Rolle Heinrich des Löwen zuwendet. Gefragt wird insbesondere, welche Rolle Heinrich beim Zustandekommen und der
Durchführung des Wendenkreuzzuges tatsächlich eingenommen hat. Zum Abschluss wird ein Ausblick auf die weitere „Ostpolitik“ Heinrich des Löwen gegeben und eine Bewertung des
Wendenkreuzzuges im Rahmen dieser Politik stehen.
Im Vergleich zum Orientzug sind wenig Quellen überliefert, die uns über den
Wendenkreuzzug berichten, eine Zeichnung fehlt gänzlich. Die wichtigste Quelle, die über den Wendenkreuzzug berichtet, ist die Slawenchronik von Helmold von Bosau, die in ihrem
ersten Buch die Slawenbekehrung von Otto dem Großen bis 1163 behandelt. Ferner dienten als Quellengrundlage für diese Arbeit die Magdeburger und Pöhlder Annalen, die
Sachsengeschichte des Widukind von Korvei, die Kreuzzugsbulle Divini dispensatione Eugens III., die Briefe von Bernhard von Clairvaux, die Chronik von Siegbert von Gembloux, die Annalen des Vinzens von Prag, die Chronik des Thietmar von Merseburg und die Taten
Friedrich I. von Otto von Freising, der Brief Nr. 150 von Wibald von Stablo und die Annalen von Rolduc.
Als maßgebliche Literatur seien neben der aktuellen Dissertation von Hans-Otto Gaethke „Herzog Heinrich der Löwe und die Slawen nordöstlich der unteren Elbe“ die Abhandlungen von Friedrich Lotter und Hans-Dietrich Kahl genannt.
Offen bleiben bei dieser Hausarbeit eine Reihe von Fragen, die es wert gewesen wären, weiter verfolgt zu werden, den Rahmen einer Hausarbeit aber gesprengt hätten:
1 Helmold von Bosau sieht drei Zweige von ein und dem selben Unternehmen, wenn er im 59. Kapitel seines
ersten Buches folgenden Worte formuliert: Visum autem fuit auctoribus expedicionis partem exercitus unam
destinari in partes orientis, alteram in Hyspaniam, terciam vero ad Slavos, qui iuxta nos habitant, Helmoldus I,
59, 115.
1
Welcher Zusammenhang bestand zwischen der Beteiligung Heinrichs des Löwen am
Wendenkreuzzug und seinem Pilgerzug 1172 ins Heilige Land? Welche Rolle im Missionswerk Heinrich des Löwen spielte der Wendenkreuzzug?
1. Voraussetzungen und Ausgangsbedingungen
1.1 Die kriegerische Politik der sächsischen Herrscher gegenüber den Elbslawen
Eine kriegerische Politik gegenüber den Elbslawen war 1147 alles andere als neu: schon
Heinrich I., der erste sächsische Herrscher, leitete gegenüber den Elbslawen eine
ausgesprochen kriegerische Politik ein, 2 Heinrich I. ging schon im Winter 928/9 bei der Eroberung des slawischen Ort Gana äußerst brutal gegen die gesamte erwachsene Bevölkerung vor: er ließ die Bevölkerung ausrauben und Knaben und Mädchen in
Gefangenschaft abführen, so dass den Feinden, wie es Widukind beschreibt nur noch „Tod
und Flucht“ übrig blieb. 3 Diese aggressive Politik wurde von Otto dem Großen fortgesetzt, der 955, nachdem er die
Ungarn besiegt hatte, e inen Überfall mit einem Vergeltungszug gegen die Elbslawen
beantwortete, der die Slawen in Ostmecklenburg vernichtend schlug. 4 Am Morgen nach der Schlacht habe Otto 700 gefangene Slawen hinrichten lassen, einem Slawen wurden die Augen
ausgestochen und die Zunge herausgerissen, bevor man ihn hilflos liegen ließ 5 Auch mehrere Jahre nach der Ungarnschlacht auf dem Lechfeld, verfuhr Otto I. immer noch äußerst brutal: Als er erfuhr, dass die slawischen Bewohner von Zwenkau die Rüstung seines damals am Lech gefallenen Schwiegersohnes Herzog Konrad verwahrten, ließ Otto alle Bewohner dieses
Ortes aufknüpfen, obwohl keineswegs erwiesen war, dass die gehängten Besitzer wirklich ihre Beutestücke im Kampf erlangt hatten oder nachträglich in ihren Besitz kamen. Die
Schuld habe schon allein deshalb bestanden, weil die Slawen diesen Besitz verheimlicht
hatten. 6
2 Krabbo, 253.
3 Ex hoc caedi fugaeque tota die hostes patebant (...) Captivi omnes postera die, ut promissum habebant,
obtruncati. Widukind I., 36, in SS. rer. Germ. 53f.
4 Krabbo, 256.
5 Postera luce vel caput subreguli in campo positum, circaque illud septingenti captivorum capite caesi, eiusque
consiliarius oculis erutis lingua est privatus in medioque cadaverum inutilis relictus. Widukind III., 55, in SS.
rer. Germ, 135.
6 Sed hoc ignoro, utrum danc eiusdem interemptores sumpserint, an sic casu accidente, necis eius inculpabiles,
invenerint, et quia hoc ullatenus celare presumpserunt, digna morte poenas persolverunt, Thietmar II, 38. 42f.
2
Dennoch hatte Otto der Große im ersten Jahrzehnt seiner Regierung seine Macht über die
Slawen soweit gefestigt, dass er 948 innerhalb des dem Reiche einverleibten Liutenlandes zur
Gründung der Bistümer Brandenburg und Havelberg schreiten konnte. 7 Durch diese ottonische Kirchenpolitik waren die verschiedenen Slawenvölker unterschiedlichen Diözesen zugeordnet, und es gab in der Mitte des 11. Jahrhunderts zur Zeit des Erzbischofs Adalbert
drei bremische Missionsdiözesen: Oldenburg, Ratzeburg und Mecklenburg. 8 Aus dem beschriebenen Vorgehen der sächsischen Herrscher bei den militärischen Operationen ist abzuleiten, dass die Missionare auf Unwillen bei der Bevölkerung stießen, so dass es 983 und
1066 zu großen Wendenaufständen kam, die einen Großteil der Erfolge Ottos I. wieder
zunichte machten. 9
1.2 Die politische Situation nordöstlich der unteren Elbe im 12. Jahrhundert
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts waren an der südlichen Ostseeküste im Bereich des späteren Ostholstein, Mecklenburg und Vorpommern eine Reihe verwandter westslawischer Stämme ansässig. Zwischen der Grenze des sächsischen Siedlungsgebietes und der Warnow
saß der Großstamm der Oboriten mit seinen Untereinheiten der Wagrier, Polaaben und
Oboriten im engeren Sinne. 10 Schon während des Pontifikats des machtvollen Erzbischofs
Adalbert aber hatten gentilreligiöse Reaktionen das Erreichte Stück für Stück vernichtet. 11 1127 gelang es zwei slawischen Fürsten, Pribislaw und Niklot sich im Aboritenreich
durchzusetzen und die Macht unter sich aufzuteilen. Sowohl Niklot als auch Pribislaw waren
unter Umständen noch Heiden 12 , erkannten aber die Oberhoheit Heinrich des Löwen an. 13 Helmold beschreibt die Bräuche der Slawen unglaubwürdig brutal, sie sollen ihren Göttern
gar christliche Menschenopfer gebracht haben. 14 Dabei sollen die Slawen den Tod Jesu Christi am Kreuz dadurch verhöhnt haben, dass sie Christen ans Kreuz schlugen. 15 Bereits im Sommer 1138 überfiel Pribislaw die ersten sächsischen Siedlungen, die in der Nähe von
7 Krabbo, 255.
8 Peterson, 144.
9 Lotter, Konzeption, 50.
10 Peterson, 144.
11 Peterson, 144.
12 Als „Heide“ werden in dieser Arbeit Menschen bezeichnet, die einem polytheistischen Glauben nachgehen.
13 Bei Niklot, dessen Name von dem christlichen Name Nikolaus abgeleitet werden konnte, kann mit einer
frühen Taufe gerechnet werden. Heinricus dux terram Scavorum hostiliter intravit, ferro et igne totam destavit,
principem eorum Niculath qui et Nicolaus trucidavit, ipsos rebelles sibi subiogavit. Annales Magdeburgenses,
MGH SS, XVI, 191.
14 Helmoldus I, 52, 102.
15 Quanta enim mortium genera Christicolis intulerint, relatu diffilie est, cum his quidem viscera extrorserint
palo circumducentes, hos cruci affixerint, irridentes signum redemptionis nostrae. Helmoldus I, 52, 103.
3
Segeberg entstanden waren und zerstörte auch das Stift selbst. 16 Adolf von Holstein, der nicht
nur diese Burg wieder aufbaute, sondern auch die Stadt Lübeck gründete, wurde in dieser Zeit
der wichtigste Stützpunkt Heinrich des Löwen. 17 Gleichzeitig mit diesem Wiederaufbau der
Burg, warb Graf Adolf für die Besiedlung von Wagrien, worauf eine Reihe von Familien
reagierte und ihr versprochenes Land in Anspruch nahm. 18
Unter der Herrschaft von Pribislaw und Niklot begann sich ein „Götzendienst“ und eine
„abergläubische Irrlehre“ wieder auszubreiten, 19 bis zu Beginn der vierziger Jahre des 12.
Jahrhunderts erstarkte die heidnische Religion so stark, dass zu diesem Zeitpunkt keine
christliche Kirche mehr im obodritischen Slawenland stand. 20 Aber durch die Propaganda und
den Erfolg des Ersten Kreuzzuges erstarkte das Selbstbewusstsein und das
Überlegenheitsgefühl der Kirche und der Christenheit gegenüber den Heiden. Man war nicht
länger gewillt den instabilen Zuständen im Elberaum tatenlos zuzusehen. 21
2. Aufruf, Verlauf und Ergebnis des Wendenkreuzzuges
2.1 Der Aufruf und die Organisation des Wendenkreuzzuges und die Rolle Heinrichs
des Löwen
Der Aufruf zu einem Kreuzzug gegen „die Heiden des Nordens“ war 1147 nicht neu. 1108
wurde eine anonyme Aufforderung zu einem Kreuzzug gegen die Wenden im Raum
Magdeburg bekannt. Auch wenn dessen Bewertung strittig ist , 22 ist hier zu sagen, dass immerhin damit erstmals die Konzeption des Kreuzzuges – verbunden mit dem Gedanken der
Landnahme – auf die heidnischen Elbslawen übertragen wurde. 23
16 ...Pribislaw de Lubeke occasionem nactus assumpta manu suburbium Siegeberg et omnia circumiacentia, in
quibus Saxonum erant contubernia, penitus demolitus est. Helmoldus I, 55, 107.
17 Jordan, Heinrich der Löwe, 30.
18 Ad hanc vocem surrexit innumera multitudo in variis nacionibus, assumptis familiis cum facultatibus venerunt
in terram Wairensium ad comitem Adolfum, possessuri terram, quam eis pollicitus fuerat. Helmoldus I, 57, 111f.
19 Invaluitque in diebus illis per universam Slaviam muliplex ydolorum cultura errorque supersticionum.
Helmoldus I, 52, 102.
20 Peterson, 144.
21 Lotter, Konzeption, 59.
22 Bünding-Naujoks ist der Ansicht, dass in diesem Aufruf bereits alle Symptome eines Kreuzzugsaufrufes
enthalten seien. Ihr widerspricht Beumann, der darin in erster Linie die persönlichen Interessen des
Magedeburger Erzbischofs sieht. Bünding-Naujoks, 90. Beumann, 120ff.
Insgesamt glaubt Bünding-Naujoks in der wirtschaftlichen Entwicklung im 12. Jh. einen „Zug nach dem Osten“,
zu sehen. Ihre Beurteilung ist äußerst kritisch zu betrachten, da die ihr Werk „Imperium Christianum“ 1940
erschien.
23 Lotter, Konzeption, 59.
4
Aber erst der Fall Edessas am Weihnachtsabend des Jahres 1144 an den Emir von Mossul,
löste eine neue Kreuzzugsbewegung aus. Der Gedanke, dass die heiligen Orte, wo der Heiland gelebt und gelitten hatte, von den Feinden erobert und geschändet wurde, erregte die
Gemüter im Abendland in hohem Maße. 24 Ende des Jahres überstürzten sich die Ereignisse, die zu einem neuen Kreuzzug führten und die ihren Ausgang am französischen Königshof
und der päpstlichen Kurie haben sollten. 25 Mit einigem zeitlichen Verzug rief Papst Eugen III. in seiner Papstbulle Quantum praedecessores zu diesem Zweiten Kreuzzug ins Heilige Land
auf. 26 Dabei warb Bernhard von Clairvaux um personelle Unterstützung für den neuen Kreuzzug und fand diese Unterstützung bei König Konrad III., bei dem zu diesem Zeitpunkt noch
jungem Herzog Friedrich III. von Schwaben, bei Welf VI., und dem Bischof Otto von
Freising, um an dieser Stelle nur einige zu nennen. 27 Nach Helmold soll Bernhard eine sehr leidenschaftliche Rede im Dom zu Speyer am 27. Dezember 1146 gehalten haben. Wenn Helmold im 59. Kapitel seines ersten Buches von der Kreuznahme berichtet, erwähnt er bereits neben dem Zug in den Orient auch schon den Zug nach Spanien und gegen die
Slawen. 28 Es ist aber davon auszugehen, dass der Plan einen separaten Zug gegen die Elbslawen zu organisieren zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell feststand, sondern erst
Ende März 1147 vor der Fürstenversammlung in Frankfurt am Main öffentlich wurde. 29 Es ist nahe liegend, dass der Reichstag zu Frankfurt die Zusammenkunft war, bei der die
sächsischen Fürsten ihre Weigerung am Orientzug teilzunehmen, offiziell formulierten, wie uns Otto von Freising darüber informiert:
Saxones vero, quia quasdam gentes spurcitiis idolorum deditas vicinas habent, ad orientem proficisci
abnuentes cruces itidem easdem gentes bello attemptaturi assumpserunt... 30
Ziel des Reichstages zu Frankfurt war, vor allem die Reichsangelegenheiten zu regeln, die
sich während der Abwesenheit von Konrad III. ergeben würden. Aus diesem Grund waren neben den schon erwähnten Sachsen auch die namenhaftesten Landesherren
Norddeutschlands anwesend – wie Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär mit seinen Söhnen Otto und Hermann, Pfalzgraf Friedrich v on Sachsen oder Graf Adolf von Holstein sowie
24 von Heinemann, Albrecht der Bär, 158.
25 Hehl, 120.
26 Dabei gehen Quellen nicht von einer Initiative des Papstes, sonders des französischen Königs auf, Hehl 120.
27 von Heinemann, 158.
28 Helmoldus I, 59, 114.
29 Geathke, 76.
30 Otto von Freising, I. 42, 61. Dabei können wir ausgehen, dass inoffiziell das Vorhaben schon länger bekannt
war, so Geathke, 77.
5
Arbeit zitieren:
M.A. Sandra Tauer, 2004, Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147, München, GRIN Verlag GmbH
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