Inhalt:
1. Einleitung Seite 1
1.1 Problemaufriss Seite 2
1.2 Historie der Wirtschaftsethik Seite 3
2. Modelle der Wirtschaftsethik Seite 7
2.1 Dominanz der Wirtschaft über die Ethik Seite 7
2.2 Dominanz der Ethik über die Wirtschaft Seite 8
2.3 Interdependezkonzept Integrative Ethik Seite 11
3. Schlussbetrachtung Seite 17
3.1 Kritische Würdigung Seite 17
3.2 Ausblick Seite 18
4. Literatur Seite 21
„Es ist immer wieder gesagt worden, der Mensch habe im Mittelpunkt der Wirt
schaft zu stehen. Diese Aussage ist sicher richtig, nur kommt es jetzt darauf an,
1
diesen allgemeinen Satz zu präzisieren “
zit. nach Ulrich Integrative Wirtschaftsethik, 11
1 Müller-Armack Die zweite Phase der sozialen Markwirtschaft,
Wirtschaftsethik
Ein Versuch über drei Modelle
1. Einleitung
„Die vordringlichste Schwierigkeit unserer Generation ... ist es, dass unsere Leistungen auf der ökonomischen Ebene unseren Fortschritt auf der politischen Ebene in einem solchen Maß überholt haben, dass unsere Ökonomie und unsere Politik ständig und weit auseinander fallen.“ 2
Was sich liest wie der Einstieg zu einem kapitalismus- und ökonomiekritischen Werk der jüngsten Zeit, ist in Wirklichkeit entnommen dem renommierten Wirtschaftsblatt Economist und zwar aus dem Jahre 1930. „Solche Unkenrufe gibt es immer wieder und sind ein Topos in der Geschichte“ könnten Verteidiger der herrschenden Wirtschaftsordnung jetzt erwidern, schließlich haben wir in den letzten 50 Jahren einen nie gekannten Reichtum und wirtschaftliche Prosperität erreicht. Dennoch scheint ein kritischer Blick auf die Wirtschaft vor dem Hintergrund von Geschehnissen wie dem Enron-Skandal (immerhin die größte Firmenpleite in der Geschichte der USA) angebracht. Zunächst scheint es, als seien nach dem Ende des Kalten Krieges sämtliche Zweifel an der Richtigkeit, ja Unfehlbarkeit des herrschenden kapitalistischen Systems ausgeräumt. Mittlerweile jedoch häufen sich Bestechungs-skandale, Bilanzbetrügereien etc., so weit, dass die Wall-Street sogar einen Gesetzentwurf forciert hat, der die verantwortlichen Manager von börsennotierten Unternehmen dazu zwingt, ihre Geschäftszahlen zu beeiden. Dies ist ein eher unbeholfen wirkender Versuch, der Entwicklung Herr zu werden. Dabei stellt sich die Frage, ob diese und ähnliche Vorfälle wirklich bedauerliche Einzelfälle darstellen?
2 Economist, 11. Oktober 1930, S. 652 zit. nach Kennedy, 1993
1
In einer Wirtschaftswelt, in der Share-Holder-Value wichtiger geworden ist als Werte wie Arbeitsplatzerhalt, Umweltschutz und gesamtgesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Konzernen, nimmt es nicht wunder, dass der Erhalt und die Steigerung des Unternehmenswertes zu verzweifelten Maßnahmen führt. Diese Argumentation folgt letztlich den Apologeten der freien Wirtschaft, die, gefragt nach den ethischen Konsequenzen ihres Handelns, abwinken, mit den Worten, die Regeln des freien Marktes zwingen leider zu Arbeitsplatzabbau, Produktion in Billiglohnländern, umweltschädlicher Produktion etc. Nimmt man diese Argumentation an, dann kann man schlüssig behaupten, dass Fälle von Bilanzbetrügereien und Abzockerei, dem kapitalistischen System immanent sind. An dieser Stelle setzt der St. Galler Wirtschaftsethiker Peter Ulrich mit seiner Integrativen Wirtschaftsethik an, indem er eine radikale Kritik 3 der herrschenden Verhältnisse vornimmt.
In der vorliegenden Arbeit soll Ulrichs St. Galler Ansatz der Integrativen Wirtschaftsethik als radikaler Neuansatz vor dem Hintergrund der Ansätze von Karl Homann und Horst Steinmann besprochen werden. Zunächst stelle ich diese Vorschläge vor, um ausgehend von der Kritik des „Reflexionsstopps“ den Vorschlag Peter Ulrichs zu besprechen.
1.1 Problemaufriss
Kaum ein Tag, an dem man die einschlägigen Wirtschaftsblätter wie die Financial Times oder die Börsenzeitung aufschlägt und nicht irgendwo einen Artikel über Bilanzfälschungen oder Bestechungen bei großen Unternehmen findet. Entsprechend wird immer wieder der Ruf nach mehr und schärferen Kontrollen laut, nach härteren Strafen und anderen Werkzeugen, den Schurken das Handwerk zu legen. Auch die ethische Grundbildung der Führungskräfte stand dabei immer wieder im Mittel-
3 radikalim Wortsinn, als „von der Wurzel her beginnend“
2
punkt. Nach einer Blütezeit des Fachs Wirtschaftsethik an den Universitäten und Hochschulen in den letzten zehn bis 20 Jahren des 20. Jahrhunderts scheint es, als sei das Interesse wieder erstorben.
Interessant ist dabei, dass gerade der Grund für das zunehmende Unbehagen vieler an der Weltwirtschaft und der daraus resultierende Wunsch nach mehr Kontrolle, nämlich die starke und immer stärker werdende Internationalisierung der Wirtschaft gleichzeitig auch das stärkste Argument gegen die Umsetzbarkeit vieler Forderungen ist. Häufig wird gesagt, in einer Wirtschaft, die nicht mehr der Gesetzgebung von Nationalstaaten unterworfen ist, sondern in der transnationale Großkonzerne, sogenannte Global Player, die Macht an sich gerissen haben, ist es nicht möglich, ethische Forderungen durchzusetzen. Eine Antwort auf diese Frage lässt sich sicherlich nicht auf wenigen Seiten geben, dennoch ist es der Anspruch dieser Arbeit dem Problem nachzugehen und zumindest durch einen eigenen Standpunkt Denkanstösse zu geben.
Wirtschaft und Ethik einerseits zu erklären und andererseits zu zeigen, dass es möglich ist, diese zu beheben. Zunächst jedoch soll gezeigt werden, dass Ökonomie nicht, wie so häufig behauptet, ein ethikfreier Raum ist.
Das menschliche Handeln ist sowohl Gegenstand der Ökonomik als auch der Ethik. Ethik will das Streben nach dem Guten begründen und definieren was das Gute ist.
Beide Wissenschaften wollen Regeln zum vernunftgemäßen Handeln aufstellen. Ethische wie auch ökonomische Regeln sollen als Richtlinie für richtiges Handeln dienen, sie sind also beide normativ und daher durchaus auf der gleichen Ebene angesiedelt. Man kann also nicht behaupten, Wirtschaft sei ein ethikfreier Raum, da sie sich selber bei genauer Betrachtung den Regeln einer normativen Ethik, nämlich der Ökonomik beugt.
Doch auch wenn Ökonomie und Ethik heutzutage eher als Gegensätze denn als Ergänzung gesehen werden, standen ethische Überlegungen schon bei der Entwicklung der Grundlagen einer Wirtschaftstheorie Pate. Der Begründer der Nationalökonomie, Adam Smith (1723 - 1790) denkt vor allem als Moralphilosoph, wenn er in dem auf natürlichen Egoismus gründenden Selbstinteresse die entscheidende Triebfeder menschlichen Handelns sieht. Es ist dabei Smiths Interesse, einen Rahmen zu finden, der moralisches Handeln erleichtert, und zwar unabhängig vom moralischen Empfinden Einzelner.
Denn „nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen“ 5 . Mit diesem wohl berühmtesten Satz seines Werks „Inquiry into the Nature and Causes of The Wealth of Nations“(1776) 6 begründet er den allgemeinen Wohlstand, der durch Wirtschaftswachstum hervorgebracht wird, nicht auf dem moralischen Handeln der Individuen, sondern auf einen freien Markt mit Arbeitstei-
4 Mankiw,Volkswirtschaftslehre, S. 4
5 Smith, S. 17
6 dt.: „Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Reichtums der Völker“ 1776-1792
4
lung und Wettbewerb. Smith hat mit seinem Werk den Grundstein der klassischen Nationalökonomie gelegt und gilt als Vater der modernen freien Wirtschaft. Jedoch hat Smith sich gerade als Ethiker besondere Meriten erworben, indem er aus seiner „Theory of Moral Sentiments“ (1759) 7 den Satz „Handle so, dass ein unparteiischer Beobachter mit Dir sympathisieren kann“ postuliert und die unwillkürliche Sympathie als maßgebliches Gefühl für das Entstehen des Moralgefühls einführt. Die Rücksicht auf den eigenen Nutzen trete erst später hinzu.
Unter anderem war Thomas Hobbes, dessen Staatsverständnis aus dem Leviathan Pate stand bei der Festschreibung der Pflichten des Staates in „Wealth of Nations“. Vorbild für Smith. Hobbes, stark geprägt durch die blutrünstigen Ereignisse der Cromwellzeit, postulierte das bekannte „homo homines lupus est“. Urzustand der Menschheit sei der Krieg aller gegen alle, es sei daher vorrangige Aufgabe des Staates, mit Rechtssicherheit und Gesetzen dafür zu sorgen, dass ein friedliches und humanes Leben für alle möglich wird.
Smith sieht in „Wealth of Nations“ den Staat ebenfalls als Garanten für Ruhe und Ordnung, aber seine Befugnisse beschränken sich auf den Rahmen, indem er z.B. gerechte Gesetze erlässt. Alles Weitere regele sich von selber und durch die <
Der weitere Verlauf der Wirtschaftsgeschichte wurde gerade in England, aber auch in anderen Teilen Europas entscheidend durch die protestantische Ethik geprägt. Schon vorher war wie mit der Emanzipation des Bürgertums und der „Entzauberung der Welt“ durch das von der Aufklärung verbreitete rationale Weltbild der Über- 7 dt.:„Theorie der moralischen Gefühle“ 1770
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Arbeit zitieren:
Wilhelmine E. Dohmen, 2002, Wirtschaftsethik. Ein Versuch über drei Modelle, München, GRIN Verlag GmbH
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