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=HLW 2.2.1 Ordnung 2.2.2 Dauer 2.2.3 Frequenz
0RGXV 2.3.1 Distanz 2.3.2 Erzählung von Ereignissen 2.3.3 Erzähler/Personenrede und Bewusstseinsdarstellung 2.3.4 Fokalisierung
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2.4.1 Zeitpunkt des Erzählens 2.4.2 Ort des Erzählens 2.4.3 Stellung des Erzählers zum Geschehen 2.4.4 Subjekt und Adressat des Erzählens /LWHUDWXUYHU]HLFKQLV 3.1 Primärliteratur 3.2 Sekundärliteratur
3
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Botho Strauß gehört zu den zentralen Dramatikern der Nachkriegsgeneration innerhalb der deutschen Literatur.
Seine Ästhetik wurde stark vom Denken der Frankfurter Schule, insbesondere von der Theorie Theodor W. Adornos, geprägt. Sie äußert sich in der schockhaften Durchbrechung eingespielter Wahrnehmungsformen und in der zynischen Überhöhung bürgerlicher Glücksvorstellungen.
Neben Theaterstücken verfasste er auch herausragende Prosasammlungen wie „Paare, Passanten“ (1981). Die Sammlung mit Prosagedichten fand in „Niemand anderes“ 1987 ihre Fortsetzung. Die daraus entnommene Kurzgeschichte „Drüben“ soll nun im Folgenden mit den Kategorien der formalen Textanalyse beschrieben werden.
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2.1 Textelemente
Die fiktionale Erzählung „Drüben“ von Botho Strauß ist dem Buch mit dem Titel „Niemand anderes“ entnommen und nimmt in diesem die Seiten 15 - 21 für sich in Anspruch. Es erschien 1987 in München/Wien.
Die Erzählung umfasst 108 Zeilen, die sich ungleichmäßig auf die 14 Absätze verteilen. Während der erste Abschnitt beispielsweise 17 Zeilen lang ist, besteht der zweite nur aus insgesamt zwei Zeilen. Optisch hebt sich deutlich der letzte Abschnitt hervor. Es handelt sich um einen Erzählerkommentar, den ein Strich von den voranstehenden Absätzen der Kurzgeschichte trennt. Seine Funktion wird näher unter der Kategorie des Modus und der Stimme erläutert werden. Auffällig ist ebenfalls die Syntax, die Botho Strauß für seine Erzählung gewählt hat. Bis auf wenige Ausnahmen findet man bei der Erzählung von Ereignissen fast ausschließlich einen parataktischen Satzbau vor. Die Sätze werden dabei entweder ohne formale Markierung nebeneinander gestellt („Die alte Frau hat sich nach dem
4
Mittagessen umgezogen. Sie trägt jetzt ein russichgrünes Kostüm [...] .“ 1 ) oder sie werden mittels koordinierender Konjunktion verbunden („Sie hält den Kopf aufgestützt und ein Finger liegt zwischen den lautlos sprechenden Lippen.“ 2 ). Gegenteilig verfährt Strauß bei der Erzählung von Worten; hier verknüpft er die Sätze durch Unterordnung miteinander:
„[...] da fällt es doch nun der Tochter ein [...], daß sie bei der Mutter erwartet werden.“ 3 .
Das hypotaktische Satzgefüge nutzt der Autor zur „Verdeutlichung temporaler bzw. logischer Beziehungen durch unterordnende Konjunktionen“ 4 . Aber auch bei der Erzählung von Worten ist stellenweise ein parataktischer Satzbau anzutreffen:
„Der Schwiegersohn spricht von auswärts und entschuldigt sich.“ 5 Sowohl auf die Präsentation von Figurenrede, der Erzählung von Worten, als auch auf die Erzählung von Ereignissen werde ich unter der Kategorie des Modus näher eingehen.
2.2 Zeit
Wie bereits in der Kategorie „Textelemente“ erwähnt, umfasst die Erzählzeit des fiktionalen Textes „Drüben“ sechs Seiten. Die erzählte Zeit ist deutlich länger zu bemessen. Jedoch lässt sich die „Dauer der erzählten Geschichte“ 6 nicht genau bestimmen. Im Text finden sich mehrere Angaben, die darauf schließen lassen, dass die erzählte Zeit mindestens einem Umfang von vierzig Jahre entspricht: „Seit bald vierzig Jahren lebt sie in dieser Wohnung [...].“ 7 Doch durch Angaben wie „in früherer Zeit“ 8 kann man den „Zeitraum, über den sich die Handlung erstreckt“ 9 nicht präzise festlegen. Mit Sicherheit kann man sagen, dass die Abweichung der Erzählzeit von der erzählten Zeit relativ groß ist.
1 Strauß, Z. 4 - 6
2 Strauß, Z. 18 - 19
3 Strauß, Z. 66 - 67
4 Gfrereis, S. 87
5 Strauß, Z. 77 - 78
6 Martinez/Scheffel, S. 31
7 Strauß, Z. 9
8 Strauß, Z. 31
9 Best, S. 160
5
Die Gliederungspunkte Ordnung, Dauer und Frequenz sollen nun nacheinander die Beziehung zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit verdeutlichen.
2.2.1 Ordnung
Der Erzähler hält im Großen und Ganzen die chronologische Reihenfolge der Ereignisse ein. Er schildert den Verlauf eines Sonntagnachmittags, an welchem eine alte Frau auf die Ankunft ihrer Tochter und deren Mann, die zum Kaffee trinken eingeladen sind, wartet. Doch die Chronologie dieser Geschichte wird durch Anachronien in Form von Analepsen und Prolepsen unterbrochen. Die ersten Analepsen finden sich gleich zu Beginn der Kurzgeschichte. Nachdem der Erzähler die Eingangsszene beschrieben hat, macht er folgende Einschübe: „Der Tisch ist seit langem für drei Personen gedeckt [...]. Die alte Frau hat sich nach dem Mittagessen umgezogen. [...]. Sie hat ein Ohrengänge mit Rubinen angelegt und die Finger matt lackiert.“ 10 Mit Hilfe dieser kleinen aufbauenden Rückwendungen reicht er dem Leser Informationen nach, die Auskunft über die aufwendigen Vorbereitungen der alten Frau geben.
Gleich darauf macht das erzählende Subjekt einen weit größeren Sprung in die Vergangenheit:
„Seit bald vierzig Jahren lebt sie in dieser Wohnung im obersten Stockwerk [...]." 11
Hier wird deutlich, dass „der Erzähler in seiner Geschichte [...] nicht an das Jetzt -und - Hier des (erzählten bzw. erlebten) Geschehens gebunden ist.“ 12 Ein weiteres Beispiel für diesen Sachverhalt ist folgende Passage: „Sie meint, dort werde sie dann - später einmal! - auf das Haus hinübersehen, in dem sie mehr als ihr halbes Leben zugebracht hat, auf die Fenster der vierten Etage hinübersehen, in der sie mit ihrer Mutter, ihrem Mann, den aufwachsenden Kindern so lange gewohnt hat. [...].“ 13
10 Strauß, Z. 2 - 7
11 Strauß, Z. 9 - 11
12 Vogt, S. 118
13 Strauß, Z. 37 - 45
Arbeit zitieren:
Susanne Lifka, 2002, Formale Erzähltextanalyse: Botho Strauß: Drüben, München, GRIN Verlag GmbH
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