Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Begriffsdefinition
2. Bevölkerungsumfragen zu
Erziehungszielen
2.1 Was kö nnen Erziehungserhebungen
aussagen
3. Erziehungsziel „Selbstständigkeit“ und die
Erziehungsrealit ät
3.1 Selbstständigkeit im Kinderalltag
3.2 Einschränkung der Selbstständigkeit durch
ökonomische Probleme
4. Weltanschauliche Differenzen als
Konfliktpotenzial
4.1 Veränderungserleben gesellschaftlicher
Rahmenbedingungen
4.2 Politische Fragen als Streitanlässe
5. Erziehungspraktiken
5..1 Wandel im Erziehungsstil
5.2 Angestrebte Veränderungen in der
praktischen Erziehung
5.3 Strafpraktiken
III. Schlussgedanke
IV. Anhang (Tabellen und Schaubilder)
V. Literatur und Quellenverzeichnis
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I. Einleitung
„Familienerziehung - Gestern und Heute“ - ein Thema im Überblick der letzten Jahrzehnte, wie es facetten- und umfangreicher kaum sein könnte. Diese Arbeit möchte nun im Rahmen dieser Thematik den Fokus speziell auf die Erziehungsziele, -einstellungen und -praktiken richten. Da hier eine kaum überschau- und darstellbare Anzahl an Daten für die letzen 50 Jahre vorliegen, kann natürlich nur eine begrenzte Ansicht und Analyse der Forschung erfolgen. Interessant ist zum Auftakt die Vorstellung von diversen Elternbefragungen zu Erziehungszielen im Wandel der Zeit. Hier wird aber auch Wert auf eine kritische Sichtweise solcher Befragungen und Erhebungen gelegt. Um zu verdeutlichen wie wichtig auch eine
Begriffsdefinition der formulierten Erziehungsziele und -vorstellungen sein kann, und wie der zeitliche und wertebedingte Wandel diese verändern kann, zeigt sich am Beispiel „Selbstständigkeit“ (auch aus der Sicht der Kinder selbst). Aufschlussreich ist sicherlich auch der Aspekt „Weltanschauung als Konfliktpotenzial“. Um das Thema abzuschließen wird das Gebiet Erziehungspraktiken betrachtet. Selbstverständlich kann auch hier nur eine fokussierte Auswahl interessanter Aspekte dargeboten werden, da sonst der Rahmen dieser Arbeit gesprengt werden würde. Zur besseren Ansicht und vertiefenden Betrachtung der verschiedenen verwendeten Untersuchungen in Form von Tabellen und Schaubildern werden diese im Anhang einzusehen sein. Eine Kennzeichnung durch Klammern erfolgt im Textverlauf dieser Arbeit.
II. Hauptteil
1. Begriffsdefinition
Bevor ein Einstieg in die Thematik erfolgen kann sollten die wichtigen Basisbegriffe dieser Arbeit adäquat definiert und beschreiben werden. Was versteht man überhaupt unter Erziehungszielen? Brezinka gibt hierzu folgende Definition: Erziehungsziele sind „Idealvorstellungen“ von der Gesamtpersönlichkeit oder von einzelnen Persönlichkeitseigenschaften, die die Zu-Erziehenden verwirklichen sollen. (BMFSFJ 2001, S.96)
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Die empirische Erziehungszielforschung beschäftigt sich nun damit, Kenntnisse darüber zu gewinnen, welche Erziehungsziele bestehen, und worin ihre Unterschiede liegen. In diesem Forschungsprozess werden dann Fragen aufgeworfen, welche Bedeutung es für die
Persönlichkeitsentwicklung des Kindes hat, wenn der Erzieher bestimmte Ziele verfolgt. Nicht weniger wichtig ist es Erkenntnisse über die Mittel zur Verwirklichung der Erziehungsziele zu erhalten, wobei auch aufgedeckt werden soll warum gerade bestimmte Mittel erfolgreich sind, oder auch nicht. Um diese Forschung erfolgreich und fruchtbar durchführen zu können muss der Erziehungsprozess unter Berücksichtigung von Erzieher und Kind und in dem jeweiligen sozio-kulturellen und historischen Kontext gesehen werden. (BMFSFJ 2001, S.90)
2. Bevölkerungsumfragen zu Erziehungszielen
Erziehung findet natürlich in erster Linie in den Familien statt. Deshalb darf nicht vergessen werden, dass hier der Begriff Erzieher, neben der Profession, überwiegend synonym für Eltern und sonstige Personen im unmittelbaren Lebensumfeld des Kindes steht. Um nun allgemeine Erkenntnisse zu Erziehungszielen zu erhalten bietet sich an Bevölkerungsumfragen zu diesem Thema durchzuführen. Denn nicht nur Eltern und Erzieher haben eine Vorstellung von Erziehungszielen und deren Verwirklichung.
Das Allensbacher Institut für Demokopie hat in den Jahren 1967, 1977, 1982 und 1983 eine Liste mit Forderungen vorgelegt, „was man Kindern für ihr späteres Leben alles mit auf den Weg geben soll, und was Kinder im Elternhaus lernen sollen“ (Tab. 4). Die Befragung wurde dabei jeweils an einer Zufallstichprobe von 2000 Personen ab 16 Jahren in der Bundesrepublik erhoben. Hervorragend eignet sich diese allgemeine Befragung natürlich um zeitliche Einstellungsveränderungen und Tendenzen bei den Erziehungszielen aufzuzeigen. So wurden Toleranz und Durchsetzungsvermögen 1983 höher bewertet als 1967, wohingegen das Ziel „sich in eine Ordnung fügen, sich anpassen“ von 61% im Jahre 1967 auf 46% 1983 zurückging. Ein eindeutiges Anzeichen für eine Tendenz zu mehr
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Selbstständigkeit und freiem Willem. Diese These wird auch von einer EMNID Umfrage mit dem Titel „Erziehungsziele im Wandel der Zeit“ (Zeitraum von 1951 - 1991) (Tab. 7) unterstützt. Hiernach verlieren die Ziele „Gehorsam und Unterordnung“ über die Jahre hinweg kontinuierlich an Bedeutung. Demgegenüber steht das Ziel „Selbstständigkeit und freier Wille“, welches mehr und mehr als zu verwirklichendes Ziel formuliert w ird. Erkenntnisreich ist hier auch der Unterschied zwischen den Zielen bezüglich der Schulbildung der Befragten. So sprechen sich 52% der Personen mit niedriger Schulbildung für das Erziehungsziel „Selbstständigkeit und freier Wille“ aus (EMNID 1992). Bei den Befragten mit Abitur bzw. Hochschulstudium beträgt der Anteil immerhin 82%. (BMFSFJ 2001, S.91ff) Nach Sichtung der Tabellen der Umfragen wird auf jeden Fall ersichtlich dass ein Wandel der Erziehungsziele einherging mit dem Wandel der Werteorientierung, welcher Ende der 60er Jahre mit den
Studentenbewegungen und ihrer „antiautoritären“ Erziehungseinstellungen einherging (Tab. 10).
Im Jahre 1977 wurden an der Universität Marburg 112 Mütter sechsjähriger Kinder befragt (Tab. 14). Dazu wurden die Erziehungsziele in drei Dimensionen normkonformes Verhalten, emotionale Stabilität und integrierte Persönlichkeit erfasst. Auch hier ist ersichtlich, dass der Schichteinfluss bei den einzelnen Erziehungszielen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. In den höheren S chichten nehmen die Ziele Selbständigkeit, Lebensfreude, Interessiertheit und Beherrschtheit an Bedeutung zu. Die Tatsache, dass die Bedeutsamkeit von „Äußerlichkeiten“, wie Umgangsformen, Sauberkeit und Anständigkeit in der Unterschicht deshalb noch Vorrang haben, kann man dadurch erklären, dass niedrigen Schichten immer den traditionellen Zielen der höheren Schichten „nachhängen“, die diese schon „überwunden“ haben (BMFSFJ 2001, S.96).
Tabelle 18 zeigt die Rangreihen der Erziehungsziele aus zwei Erhebungen, die einmal 1974 (Grüneisen/Hoff) an 139 Eltern und einmal im Jahre 1983 (Paetzold) an 140 Eltern durchgeführt wurde. Im ersten Drittel der Rangreihe finden sich Erziehungsziele, die die Autonomie des Individuum betonten. Im letzten Drittel hingegen finden sich eher Wertvorstellungen, die Konformitätsansprüche der Eltern beinhalten. In der Mitte trifft man den
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Bereich der Sozialkompetenz. Gut ersichtlich sind die teilweisen Veränderungen der Mittelwerte und die dadurch erfolgten Veränderungen in den Rangplätzen der Ziele.
Bei einem weiteren Familiensurvey aus dem Jahre 1988 wurden 10000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt. Die Erziehungsziele wurde dabei in Itemlisten erhoben (Zustimmung - Ablehnung). Diese waren „Pflicht - Leistung“, „Kooperativer Individualismus“ und „Pflichterfüllung“. Personen ohne Kinder halten dabei die Erziehung zu Gehorsam, Pflichterfüllung und Leistungsorientierung für deutlich weniger wichtig als Eltern mit mehreren Kindern. Auch haben Frauen eine höhere Zustimmung zu „Selbstständigkeit“ als Männer. Altersgeschichtet nimmt die Zustimmung zu „Pflicht - Leistung“ mit zunehmenden Lebensalter deutlich ab, wohingegen „kooperativer Individualismus“ mit wachsendem Alter eher auf Ablehnung stößt. (BMFSFJ 2001, S.100)
2.1 Was können Erziehungserhebungen aussagen
Die Umfragen und Erhebungen, die in Punkt 2 vorgestellt wurden geben nun erste Aufschlüsse darüber welche Erziehungsziele in der Bevölkerung eine Rolle spielen und deren Verwirklichung gewünscht wird. Auch zeitliche Tendenzen über die Vorstellungen lassen sich gut und schlüssig daraus ableiten. Leider muss aber beanstandet werden, dass trotz der Datenfülle und Variationen der Erhebungen der Aussagewert von Elternbefragungen eingeschränkt bleibt. Wie kann dies sein, wird man sich fragen? Eine Untersuchung von Grüneisen/Hoff von 1974 (Sch. 27) soll nun eine Problematik aufdecken, wie sie aufgrund der Diskrepanz zwischen gewünschten Zielen und Wirklichkeit ersteht. Bei der Untersuchung werden Rangreihen gegenübergestellt, die sich einerseits aus der allgemeinen Beurteilung über die Wichtigkeit von Erziehungszielen ergaben und andererseits aus der Häufigkeit von Nennungen bei Konfliktsituationen, wie sie täglich im Erziehungsalltag anzutreffen sind (BMFSFJ 2001, S.102ff). Dies förderte nun interessante Ergebnisse zu Tage. Während in der Rangreihen allgemeiner Wertorientierungen solche an oberster Stelle stehen, die geeignet sind, die Autonomie der Kinder anzuerkennen und zu fördern,
Arbeit zitieren:
German Hondl, 2003, Erziehungsziele, Erziehungseinstellungen, Erziehungspraktiken, München, GRIN Verlag GmbH
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