Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Fakultät für Physische Geographie
HS: Mittelmeerraum
7. Fachsemester
Der Klimawandel: Ursachen, Folgen und anthropogene
Anpassung unter besonderer Berücksichtigung
des Mittelmeer-Raums
von: Florian Dittmar
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Das derzeitige Klimawandel-Phänomen 3
II.1 Temperaturanstieg 3
II.2 Meeresspiegelanstieg 5
II.3 Historische Klimawandlungen und neue Erklärungsansätze 5
III. Modelle und Szenarien 7
IV. Anpassung an den Klimawandel 9
IV.1 Zum Begriff der „Anpassung“ 9
IV.2 Evolution und internationale Implementierung des Anpassungsgedankens 10
V. Physisch-geographische Einordnung des Mittelmeerraums 11
V.1 Klimaklassifikation 11
V.2 Vegetation und Landwirtschaft 12
VI. Klimawandel im Mittelmeerraum 13
VI.1 Rezente Entwicklungen 13
VI.2 Prognosen 14
VII. Auswirkungen des Klimawandels im Mittelmeerraum 15
VII.1 Klimawandel und mediterrane Küsten 15
VII.2 Folgen für den Tourismussektor 18
VII.3 Klimawandel und Landwirtschaft 20
VII.4 Problem der Wasserressourcen: Das Beispiel Mittlerer Osten 23
VIII. Zusammenfassung und Ausblick 28
Literaturverzeichnis 29
I. Einleitung
Es ist in der wissenschaftlichen Gemeinde weitgehend Konsens erreicht über einen in naher Zukunft eintretenden akuten globalen Klimawandel mit bereits heute spürbaren Auswirkungen. Anthropogen verursacht oder natürlichen Ursprungs, so wird dieser aller Voraussicht nach tief greifende Auswirkungen haben auf die verschiedensten Bereiche der menschlichen Umwelt, ein Umstand, welcher schon heute durch vermehrte Warnungen vor sich in Zukunft häufenden Katastrophenereignissen und strukturellen Beeinträchtigungen der Mensch-Umwelt-Beziehung zum Ausdruck kommt.
In der vorliegenden Arbeit wird besonders der Mittelmeerraum hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels im Blickpunkt stehen. Aufgrund seines alternierenden Klimaregimes und der hohen Variabilität verschiedener Klimafaktoren ist das Gebiet besonders fragil und anfällig für bereits geringe Wandel im Prozessgeschehen (vgl. JACOBEIT 2000, 22). Aus diesem Grund dürften sich denn auch Klimawandlungen gerade hier signifikant auswirken, wodurch die spezielle Untersuchung dieses Raumes von besonderem Interesse ist.
Um hierbei zu einer aussagekräftigen Darstellung zu kommen, werden zunächst Ursachen und mögliche primäre Auswirkungen des Klimawandels in allgemeiner Form behandelt werden. Nach einer kurzen physisch-geographischen Einordnung des Mittelmeergebietes wird sich dann eine Beschreibung und Einschätzung diverser sekundärer Folgen auf verschiedene Teilbereiche der der physischen und anthropogenen Umwelt sowie möglicher Anpassungsmaßnahmen hieran anschließen, wobei der Blickpunkt besonders auf die Mediterraneis gerichtet sein wird.
II. Das derzeitige Klimawandel - Phänomen
II.1 Temperaturanstieg
Betrachtet man die jährlichen Temperatur-Mittelwerte des 20. Jahrhunderts, so fällt dem Betrachter ein eindeutiger Trend auf, welcher bei dem Hauptteil der klimabezogenen Diskussionen der letzten Jahre im Mittelpunkt stand: die bodennahe Temperatur steigt. Hatte zunächst das Jahr 1990 noch den Rekord für die höchste globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Messungen (ca. 1860) gehalten, wurde es nur kurze Zeit später vom Jahr 1995 abgelöst, dieses von 1997, und dieses letzte schließlich vom Jahr 1998 (vgl. CUBASCH 2000, 8). Im Jahr 2003 schließlich wurden erneut Rekordwerte gemeldet: in einer nie dagewesenen Hitzewelle in Mitteleuropa erreichten die Temperaturen im Juni so z.B. in Südfrankreich Werte, welche 5-7°C über dem langjährigen Mittel lagen. Selbiger Juni 2003 wurde denn auch in der benachbarten Schweiz als der heißeste Monat seit mindestens 250 Jahren gemeldet (Pressemitteilung der WMO vom 2.7.2003). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in den vergangenen 100 Jahren die globale Durchschnittstemperatur um rund 0,6° C zugenommen hat, was in Abbildung 1 graphisch veranschaut wird. Gut erkennen lassen sich hier zwei große Erwärmungs-Schübe: eine erste Periode deutlichen Temperaturanstiegs lässt sich für den Zeitraum 1910 bis 1945 festmachen, eine zweite von 1976 bis zum Ende des Jahrhunderts.
Abb. 1: Veränderung der globalen Durchschnittstemperatur 1860-2000 (aus: CUBASCH 2000, 8) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Auffallend ist, dass sich die beschriebene Erwärmung der Atmosphäre nicht räumlich gleichmäßig verteilt, sondern vertikal wie auch horizontal differiert: Während die bodennahe Schicht sich - wie bereits ausgeführt - kontinuierlich erwärmt, kann in der unteren Stratosphäre ein gegenläufiger Trend festgestellt werden. Messungen ergaben in einer Höhe von 17-22 km seit den 70er Jahren eine Abnahme der Temperatur um durchschnittlich 0,35° C pro Jahrzehnt (vgl. CUBASCH 2000, 10). Temperaturminima wurden hier insbesondere während der letzten Jahre erzielt.
In einer horizontalen Differenzierung ist des Weiteren die räumliche Verteilung der bodennahen Temperaturänderungen in Bezug auf Breitenlage und kontinentaler/maritimer Verortung zu beachten. Hier ist insbesondere über den großen Landmassen eine weitaus höhere Erwärmung festzustellen als über den Ozeanen, wo zum Teil die Temperaturen sogar rückläufig sind. Der höchste Temperaturanstieg kann zwischen 40° und 70° nördlicher Breite verzeichnet werden, und hier speziell über Sibirien und Kanada (vgl. CUBASCH 2000, 12).
Doch nicht nur anhand von Temperaturdaten lässt sich der spürbare Klimawandel festmachen. Viele Beobachtungen bezüglich der verschiedensten Naturereignisse werden immer häufiger hierauf bezogen, obwohl sicherlich aufgrund der großen Komplexität der verschiedenen Wechselbeziehungen die genauen Ursachen nicht immer eindeutig bestimmbar sind. So wurde beispielsweise in den USA noch nie innerhalb eines Monats eine solch große Anzahl von Tornados registriert wie im Mai 2003 (562 - gefolgt von 399 im Juni 1992; Pressemitteilung der WMO 2.7.03). Noch wichtiger jedoch als die Zunahme verschiedener Katastrophenereignisse ist der Anstieg des Meeresspiegels, welcher im Folgenden besprochen wird.
II.2 Meeresspiegelanstieg
Seit Ende der letzten Eiszeit ist ein etwa linear verlaufender, kontinuierlicher Meeresspiegelanstieg zu verzeichnen, welcher im letzten Jahrhundert ca. 10-25 cm betrug und natürlichen Ursprungs ist (vgl. GORNITZ et al. 1982, 1612). Zu diesem natürlich bedingten und linearen Anstieg kommt jedoch nach Meinung einer Majorität der Forscher in naher Zukunft ein eher exponentiell sich darstellender, durch die Erwärmung der Atmosphäre verursachter beschleunigter Meeresspiegelanstieg hinzu. Die Ursachen des Meeresspiegelanstiegs - als globaler Durchschnittswert betrachtet - sind vor allem die thermische Expansion des Wassers (mit einem prognostizierten Potential von 28 cm bis 2100), weiter das Abschmelzen grönlandischer Inlandseisdecken (Potential von 6 cm), sowie das Schmelzen von Gletschern und Eiskappen mit einem Potential von 16 cm (vgl. BEHNEN 2000, 21ff). Eine wahrscheinliche zunehmende Eisakkumulation in der Antarktis - ausgelöst durch erhöhte Niederschläge - bremst den Prozess wohl ein wenig (vgl. ebd., 22). Bei sämtlichen derartigen Prognosen muss beachtet werden, dass die Entwicklungen auf regionaler Ebene sehr verschieden verlaufen können und von einer Vielzahl weiterer Faktoren abhängen.
II.3 Historische Klimawandlungen und neue Erklärungsansätze
Das Phänomen eines sich wandelnden globalen Klimas ist kein neues, und muss daher differenziert betrachtet werden. Im Laufe der Erdgeschichte kam es häufig zu Eiszeiten und Zeiten wärmeren Klimas, mit sich abwechselten Glazialen/Interglazialen, Stadialen/Interstadialen sowie kurzzeitigen Staffeln. Nach der Abschmelzzeit des letzten Glazials (Würm-Weichsel-Kaltzeit) vor etwa 10.000 Jahren befinden wir uns in einem Interglazial, welches bis heute anhält. Auch in dieser auf der geologischen Zeitskala als Holozän bezeichneten Etappe kam es immer wieder zu Phasen relativ warmen oder kalten Klimas. So konnte zwischen 300 v. Chr. und 400 n. Chr. beispielsweise, während des „Klimaoptimums der Römerzeit“, bis in einige heute im Dauerfrost liegende Alpenregionen hinein Landwirtschaft betrieben werden (vgl. SCHÖNWIESE 1995, 91).
[...]
Arbeit zitieren:
Florian Dittmar, 2004, Der Klimawandel: Ursachen, Folgen und anthropogene Anpassung unter besonderer Berücksichtigung des Mittelmeer-Raums, München, GRIN Verlag GmbH
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