OTTO-VON-GUERICKE-UNIVERSITÄT MAGDEBURG
INSTITUT FÜR SPORTWISSENSCHAFT
PROSEMINAR: Vorläufer und Entstehungsgeschichte des modernen Sports
5. Semester
Die Begründung der modernen Olympischen Spiele
und des Olympismus durch Pierre de Coubertin
von: Tobias Jantz
INHALTSVERZEICHNIS
1 GRUNDLEGUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG 1
1.2 BEGRIFFSKENNZEICHNUNG: OLYMPISMUS 2
2 DIE GENESE DER MODERNEN OLYMPISCHEN SPIELE 3
2.1 WEGBEREITER DES MODERNEN OLYMPISMUS 3
2.1.1 Zappas und die griechischen Olympien 3
2.1.2 Brookes und die Wenlock-Spiele in England 5
2.2 DER BEGRÜNDER DES MODERNEN OLYMPISMUS - PIERRE DE COUBERTIN 6
2.3 DER WEG BIS ZUM GRÜNDUNGSKONGREß 8
2.4 DER GRÜNDUNGSKONGREß VON 1894 9
2.4.1 Der Verlauf des Kongresses 9
2.4.2 Die Arbeiten und Ergebnisse des Kongresses 10
2.5 DIE VORBEREITUNGEN AUF DIE ERSTEN INTERNATIONALEN OLYMPISCHEN SPIELE DER NEUZEIT IN ATHEN 13
3 SCHLUSSBETRACHTUNG 15
LITERATURVERZEICHNIS 16
1 GRUNDLEGUNG
1.1 Problemstellung
Die Olympischen Spiele sind das Sport- und Medienereignis schlechthin. Allein bei den letzten Sommerspielen in Sydney kämpften 10500 Athleten aus 199 Ländern in 300 Wettbewerben um die größte Ehre, die einem Sportler zuteil werden kann. Aber diese Popularität mußte sich die Olympische Bewegung hart erarbeiten. In der vorliegenden Arbeit soll der Weg aufgezeigt werden, den die Verfechter der Olympischen Idee, allen voran Baron Pierre de Coubertin, gegangen sind, um das wichtigste Sportfest der griechischen Antike neu zu beleben. Neben Coubertin soll aber auch auf die in Vergessenheit geratenen Personen und Aktivitäten eingegangen werden, die für den olympischen Neuanfang ein begünstigendes Klima geschaffen haben. Es soll dargestellt werden, daß Coubertin bei weitem nicht der alleinige Urheber der modernen Olympischen Spiele ist. Im Gegenteil! Im Laufe der Neuzeit gab es insgesamt 13 verschiedene Olympische Spiele und Coubertin war streng genommen sogar der letzte, der sich um eine Neugründung bemühte. Nun kann und soll es aber nicht die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, auf alle diese Vorläufer einzugehen. Gegenstand sind lediglich die Olympischen Spiele, die direkten Einfluß auf Coubertin und seine Idee hatten. Somit erstreckt sich der zeitliche Rahmen der Arbeit von 1850, dem Jahr der ersten Olympischen Spiele unter William P. Brookes, bis hin zum Jahr 1896, dem Jahr der ersten Coubertinschen Olympischen Spiele.
Literatur zum Thema steht dem Forschenden in großer Fülle zur Verfügung. Die Neubegründung der Olympischen Spiele wurde in der neueren Forschung sowohl unter historischen als auch unter soziologischen Aspekten ausführlich untersucht. Im Jahre 1996, dem Jahr der 100jährigen Wiederkehr der modernen Olympischen Spiele, sind eine Reihe von Beiträgen erschienen. Vor allem Karl Lennartz et al.(1996) haben sich als Herausgeber einschlägiger Literatur hervorgetan. Für den Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist ebenfalls das Werk von Konstantinos Georgiadis (2000) obligat, da es sehr tiefgreifend ist und der Autor viele griechische Quellen nutzt, die in anderer Literatur nicht zu finden sind. Richard Mandell (1976) berichtet ebenfalls ausführlich zum Thema, jedoch verfällt er gelegentlich in Erzählungen, die seine zweifellos wissenschaftliche Arbeit z.T. episch wirken läßt. Geradezu verpflichtend sind auch die Schriften Pierre de Coubertins, dem Initiator der Wiederbelebung. In dieser Arbeit wurden die Olympischen Erinnerungen verwendet. Es ist aber zwingend daran zu denken, daß Coubertin sie erst 1931 niederschrieb, als er mit Abstand und der Gewißheit des Erfolges auf die Gründungszeit zurückblickte. Außerdem ist zu bedenken, daß Coubertin die Entwicklung subjektiv betrachtet und nur von Ereignissen berichtet, die ihn in einem positiven Licht erscheinen lassen.
1.2 Begriffskennzeichnung: Olympismus
Es gibt keine allgemein gültige Definition für Olympismus im engeren Sinne. Der moderne oder Neo-Olympismus ist eine Erscheinung, die durch Pierre de Coubertin Einzug in die Gesellschaft erhielt. Er wollte die Erneuerung der Menschheit durch den Sport und die damit verbundene körperliche und sittliche Vervollkommnung der Jugend in Training und Wettkampf vorantreiben. Olympismus kann als eine philosophische Doktrin verstanden werden, die das Wesen des Olympischen Gedankens definiert (vgl. Schönknecht, 1996, S. 35). Folgende Elemente sind nach Lenk (1972) für den Olympischen Gedanken charakteristisch:
1. Die kultisch-religiöse Feier
2. Die künstlerische und geistige Gestaltung
3. Die Idee der Elite und der Chancengleichheit
4. Die Höchstleistung und der Wettkampf
5. Das Fair play und die Rit terlichkeit
6. Der regelmäßige mehrjährige Rhythmus verbunden mit der Idee des Burgfriedens
7. Die Internationalität der Spiele auf der Grundlage nationaler Eigenständigkeit
8. Die Gemeinschaft aller Sportarten
9. Der Amateurgedanke
10. Die olympische Unabhängigkeit durch ein autonomes IOC
11. Das antike Vorbild des modernen olympischen Sports
Dieser Katalog an „Werten“, dessen inhaltliche Zielsetzungen eher vage bleiben, kann seine gleichsam religiöse Bedeutung kaum über einen Fokus an inhaltlicher Übereinstimmung der Teilnehmer erreichen. Dieser kritischen Einschätzung war sich auch Coubertin früh bewußt, so daß er sich schon in den ersten Jahren der olympischen Bewegung für die Etablierung „kultischer Rituale“ und „Symbole“ einsetzte, die er als wichtiger einschätzte als die Präzisierung der Olympischen Idee.
2 DIE GENESE DER MODERNEN OLYMPISCHEN SPIELE
2.1 Wegbereiter des modernen Olympismus
2.1.1 Zappas und die griechischen Olympien
Nach der Unabhängigkeit Griechenlands im Jahre 1822 wurde bei der Gestaltung einer neuen griechischen Kultur auf wichtige antike Vorbilder zurückgegriffen. Die Wiederbelebung der Olympischen Spiele spielte hierbei eine bedeutende Rolle. Der Mann, der die Verwirklichung dieser Idee ermöglichte, war Evangelis Zappas1. Zappas (1800-1865) stammte aus dem Norden Griechenlands. Er nahm am griechischen Freiheitskampf von 1821 teil und ließ sich später in Rumänien nieder, wo er als Arzt und Großgrundbesitzer ein beträchtliches Vermögen anhäufte (vgl. Georgiadis, 2000, S. 45). 1858 bot Zappas Kg. Otto von Griechenland eine große Stiftung zur Erneuerung der Olympischen Spiele an, woraufhin dieser per Dekret ein Olympisches Komitee ernannte2. Das Komitee war für die Organisation der Olympien verantwortlich, die „alle vier Jahre stattfinden und neben Ausstellungen landwirtschaftlicher und industrieller Produkte auch Sportwettbewerbe umfassen sollten“ (Georgiadis, 2000, S. 47).
[...]
1 Kunst- und Kulturwettbewerbe nach antikem Vorbild wurden zwar schon vorher ausgetragen, aber durch die Initiative Zappas kam es zu den ersten sportlichen Wettkämpfen.
2 Das vollständige Dekret und eine deutsche Übersetzung bei Decker (1996, 45ff).
Arbeit zitieren:
Tobias Jantz, 2003, Die Begründung der modernen Olympischen Spiele und des Olympismus durch Pierre de Coubertin, München, GRIN Verlag GmbH
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