Universität Hamburg Institut für Germanistik II Neuere deutsche Literatur und Medienkultur Sommersemester 2000
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(LQOHLWXQJ 6 $VSHNWHGHU:HUNGHXWXQJ 6 2.1 Inhaltsangabe S. 3 2.2 Erzählanalyse S. 4
2.3 Kommentierende Auseinandersetzung mit den Interpretationen von Ernst RIBBAT und Richard KIMPEL S. 8
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Während einer Erzählanalyse von Ludwig Tiecks 'HU 5XQHQEHUJ drängten sich verschiedene inhaltliche Schlußfolgerungen auf, die in der vorliegenden Arbeit vorgestellt werden. Diese hypothetischen Betrachtungen des ersten Hauptteilkapitels sollen im zweiten Abschnitt durch die Resultate zweier literaturwissenschaftlicher Untersuchungen ergänzt, vertieft oder revidiert werde. Der erste zu Rate gezogene und kritisch zu kommentierende Aufsatz stammt von Ernst RIBBAT, der zweite von Richard KIMPEL.
Mit Hilfe des gewählten Verfahrens wird keineswegs versucht, das Werk auf eine vom Autor intendierte Botschaft zu reduzieren, vielmehr soll die Vielschichtigkeit von 'HU 5XQHQEHUJ zum Vorschein kommen, wobei jedoch einige meiner Meinung nach abwegige Ansätze eher zurückzuweisen sind.
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2.1 Inhaltsangabe
Christian, der Protagonist der Erzählung, erlebt, nachdem er aus Unzufriedenheit und Sehnsucht sein Heimatdorf in der friedlichen Ebene verlassen und im Gebirge Arbeit bei einem Förster gefunden hat, die Einsamkeit der Bergwelt. Durch einen plötzlich auftauchenden Wanderer, dem er sein Gefühl der Verlassenheit beschreibt, wird Christian dazu angeregt, den Runenberg, von dem er bereits unheimliche Dinge vernommen hat, zu besteigen. In einem alten, hell erleuchteten Saal auf dem Gipfel erwartet ihn eine mysteriöse Zelebration. Eine überirdisch schöne Frau tanzt und singt von Kristallen und Geistern, bevor sie dem Helden eine mit Edelsteinen verzierte Tafel überreicht. Halb im Schlaf stürzt er mit dem Schatz in die Tiefe und erwacht ohne denselben auf einem weit entfernten Hügel. Von dort aus begibt er sich in ein nahes Dorf, lernt dort eine nettes Mädchen kennen, das er heiratet und das ein Jahr später ein Kind von ihm gebiert. Nach fünf Jahren wachsenden Wohlstandes gibt ihm ein Fremder Gold zur Verwahrung. Das Zählen und Behüten des Goldes, die Gier nach dem Gold übermannt Christian. Er fühlt sich von dem grausigen Waldweib angezogen, weil er in ihr die Bergschöne wiedererkennt. Er folgt diesem Wesen für immer in Wälder und Bergwerke, während seine Familie moralisch und finanziell zugrunde geht.
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2.2 Erzählanalyse
Bei der Untersuchung der &KURQRORJLH 2UGQXQJ 1 der Geschichte sowie der 2UGQXQJ der Erzählung fallen, je nach Auslegung, zwölf $QDOHSVHQ auf, von denen sich acht auf den ersten sechs Seiten, also von Seite 25 bis 31 oben, befinden. Auf den restlichen 20 Seiten, von Seite 31 oben bis Seite 50, lassen sich indes nur vier Rückblicke aufdecken.
So wie der Textfluß bis zum Runenbergerlebnis von $QDOHSVHQ, welche die 2UGQXQJ der Erzählung aufweichen, durchbrochen ist, so unstet verlief Christians Leben bis zu jenem Zeitpunkt der Geschichte.
Anschließend beginnt Christian, nach einer kurzen rückblickenden Erinnerung an seine Herkunft, sein geregeltes, fast immer nach vorn gerichtetes Leben, das erst nach dem Erscheinen des Fremden und der Berührung mit dem Gold wieder in Unordnung gebracht wird, so daß auch in der Erzählung wieder $QDFKURQLHQ in Form von Rückgriffen auftauchen. Die nachfolgenden Seiten ohne $QDOHSVHQ signalisieren wiederum durch die Art der Erzählordnung, daß das Leben des Helden hier erneut zukunftszugewandt ist. Es gibt kein bedeutendes Zurück mehr aus dem Bund mit dem Waldweib, er wird für den Rest der Geschichte beim ihm bleiben.
Die 'DXHU der Erzählung, also die Art, in welchem Maß die Erzählung die Ereignisse rafft oder dehnt, gibt Auskunft über die Bedeutsamkeit der erzählten Passagen für die Charaktere und ihre Entwicklung. So findet sich die stärkste Raffung denn auch in Bezug auf Christians Lebensende, das in einem einzigen Satz angedeutet ist. Von Beginn seines Eremitendaseins an ist von ihm keine Entwicklung, keine Wendung in seinem Verhalten mehr zu erwarten. Trotz augenscheinlicher Wehmut beim letzten Zusammentreffen mit Elisabeth kehrt er zu seinem Waldweib zurück. Im Gegensatz dazu ist die Beschreibung des gesamten Gebirgserlebnisses wesentlich ausführlicher, was in einem angemessenen Verhältnis zu der Bedeutung steht, welche diese Erfahrung für die Entwicklung von Christians ganzem Leben darstellt.
Für den Rest der Erzählung gilt eine bestimmte Regelmäßigkeit. Nachdem Christians neues Leben bei Elisabeth mit all den dazugehörigen Umwälzungen in dem Gemüt des Jünglings nachvollziehbar vorgestellt ist, vollzieht sich eine starke Raffung der zahlreichen Jahre des Familienglücks. In ihnen geschieht weniges, was Christians Evolution vorantreiben oder umkehren könnte. Bezeichnenderweise werden innerhalb dieser Jahre jeweils die das friedliche
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Glück unterbrechenden Passagen, in denen in irgendeiner Form Steine oder Metalle eine Rolle spielen, kaum gerafft und in den hier stark vertretenen Dialogen sogar zeitdeckend erzählt. In nahezu jedem Dialog geht es um den Gegensatz zwischen Steinen und Pflanzen und um den Zauber, den die Königin aller Steine auf Christian fortwährend ausübt.
Entsprechend der 'DXHU der einzelnen Abschnitte von Geschichte und Erzählung finden sich, was die )UHTXHQ] betrifft, in der im ganzen VLQJXODWLYHQ Erzählung einige kürzende, LWHUDWLYH Wendungen, so zum Beispiel in:
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5HSHWLWLY erzählt ist vor allem die Einsamkeit des Gebirges, zur Illustration sollen drei Beispiele genügen:
Ä>@LQGHPGDV5DXVFKHQGHU*HZlVVHUXQGGHV:DOGHVLQGHU(LQVDPNHLWW|QWH³6 Ä>@ZLHLKPSO|W]OLFKGLH(LQVDPNHLWVRVFKUHFNOLFKYRUJHNRPPHQVHL>@³6 Ä>@XQGN|QQWZRKOGLH6WUHQJHGHU(LQVDPNHLWQRFKQLFKWHUWUDJHQ>@³6
Entscheidend ist auch, daß Christian mindestens zweimal, wenn auch mit unterschiedlichen Worten, erklärt, daß er das Gefühl hat, nicht selbst Herr seiner Seele und seines Denkens gewesen zu sein:
Ä>@ZLHPLWIUHPGHU*HZDOWDXVGHP.UHLVHPHLQHU(OWHUQ>@KLQZHJJHQRPPHQPHLQ*HLVWZDUVHL QHU VHOEVW QLFKW PHKU PlFKWLJ ZLH HLQ 9RJHO GHU LQ HLQHP 1HW] JHIDQJHQ LVW XQG VLFK YHUJHEOLFK VWUlXEWVRYHUVWULFNWZDUPHLQH6HHOHLQVHOWVDPHQ9RUVWHOOXQJHQXQG:QVFKHQ³6
ÄHU IKOWH VLFK EHL GHQ KHLOLJHQ :RUWHQ ZLH YRQ HLQHU XQVLFKWEDUHQ *HZDOW GXUFKGUXQJHQ XQG GDV 6FKDWWHQELOGGHU1DFKWLQGLHWLHIVWH(QWIHUQXQJZLHHLQ*HVSHQVWKLQDEJHGUFNW>@>(U@GDQNWH*RWW >@GDHULKQRKQHVHLQ9HUGLHQVWZLHGHUDXVGHQ1HW]HQGHVE|VHQ*HLVWEHIUHLWKDEH³6 Hier wird der Einfluß, den die wundersamen Dinge, die finsteren Mächte in den Augen der Romantiker auf das reale Leben ausüben, sichtbar. Sie sind Teil der Wirklichkeit, können aber nicht mit der reinen Vernunft erklärt werden.
1 Die kursiv markierten Fachausdrücke entstammen alle der Terminologie von: Martinez, Matias und Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München: Beck 1999 (C.H. Beck Studium)
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Arbeit zitieren:
Martina Ochs, 2000, Ludwig Tieck: Der Runenberg, München, GRIN Verlag GmbH
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