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2.1 Strophe L11,30
2.2 Strophe L12,6
2.3 Strophe L12, 18 S. 9
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Die Tatsache, daß der Ottenton so viele Jahrhunderte nach Walthers Schaffenszeit noch die Forschung beschäftigt und ihr vor allem für ganz gegenteilige Auslegungen annähernd gleich schlüssige Hinweise liefert, regt dazu an, einmal nicht die Frage nach dem Auftraggeber in den Mittelpunkt zu stellen, sondern viel allgemeiner die, ob Walther von der Vogelweide Otto IV. in diesen Sprüchen lobt oder kritisiert. Für die Untersuchung unter dem Gesichtspunkt 3DQHJ\ULN RGHU .ULWLN sollen einerseits die Meinungen Arthur Hattos und Matthias Nix’ gegenübergestellt und andererseits der Semantik des Textes unter Vernachlässigung der geschichtlichen Situation Beachtung geschenkt werden. Die Strophen, auf die ich dieses Verfahren anwenden werde, sind einzig die sogenannten Kaiserstrophen. Ich halte mich dabei an die Reihenfolge der Handschrift A. Die eindeutig antipäpstlichen Strophen können zwar auch im Interesse Otto IV. entstanden sein, enthalten aber semantisch kaum ihn preisende oder tadelnde Merkmale, da sie nicht in erster Linie von ihm handeln. Aus diesem Grund werden L11,6, L12,30 und L11,18 in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Doch auch sie würden der Schlußfolgerung aus der folgenden Betrachtung sicher nicht widersprechen. Denn man braucht nur die Exklusivität der Forscher aufzuheben, um zu der Erwägung zu gelangen, daß Walther in diesem Ton offiziell den Herrscher zu loben hatte, ob dies nun in dessen Auftrag geschah oder im Dienst der Fürsten, die Otto durch Schmeichelei gnädig stimmen wollten. Innerhalb dieser zum Teil nahezu vergötternden Strophen finden sich indes Passagen, die auf schwer nachweisbare Kritik hindeuten.
3
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2.1 Strophe L11,30
Sowohl Arthur Hatto als auch Matthias Nix verstehen den Empfang des Kaisers in L11,30 als Beifall für dessen Macht 1 . Für ersteren besteht die Intention, die den Dichter zur Äußerung dieses Spruchs veranlaßt, im aufrichtigen Lob des Herrschers in dessen Auftrag, für letzteren lediglich in der captatio benevolentiae mit dem eigentlichen Ziel, im weiteren Verlauf ein gutes Wort für die Fürsten einlegen zu dürfen 2 .
Nix sieht bereits in der Willkommensstrophe drei lobenswerte Kriterien herausgearbeitet. So betone der Text zuerst die „maiestas“ 3 , also die Tatsache, daß Otto IV. das höchste aller Ämter im Land bekleidet. Deshalb wird auch nur er als NeLVHU angesprochen. In den Versen ÄLXZHUKDQWLVWFUHIWHXQGJXRWHVYRO LUZHOOHQWEHORGHUZRO V{PDFVLEHLGLXUHFKHQXQGHO{QHQ³ preise der Dichter dann die „potestas“ 4 , die Strafgewalt des Herrschers: Aus dem Text geht hervor, daß dieser ganz allein entscheiden kann, ob er mit seiner kräftigen und wohlhabenden Hand jemanden bestraft oder belohnt. Schließlich hebt Walther laut Nix „in den Versen 11,36-12,1 seine DXFWRULWDV hervor, indem er auf die freiwillige Unterordnung [nur] der in Frankfurt versammelten Fürsten hinwies“ 5 . Demnach wird der Welfe in dieser Strophe auch für sein respekteinflößendes Auftreten gelobt.
Hatto dagegen sieht den Schwerpunkt der Strophe in der Erwähnung des Meißener Markgrafen Dietrich. Diese Ansicht begründet er damit, daß Walther neben dem Ottenton einen neuen Ton entwarf, „in dem er bei Otto Fürsprache für Hermann hält (105,13)“ 6 , also
1 Vgl. Hatto, Arthur: Die Ottonischen Gedichte Walthers von der Vogelweide. Eine neue Interpretation. In: Walther von der Vogelweide. Hrsg. von Siegfried Beyschlag. Darmstadt 1971 (WdF 1112) S.230-250, S.338 und Nix, Matthias: Untersuchungen zur Funktion der politischen Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide. Göppingen 1993 (GAG 592), S.122.
2 Vgl. Hatto: Die Ottonischen Gedichte, Anm. 3, S. 221. Hier zitiert Hatto Crick, dessen Schrift er für ausgezeichnet hält, und stimmt mit ihm überein, daß die Lobpreisung ein Versuch ist „Otto Sand in die Augen zu streuen“.
3 Nix: Untersuchungen, S.123.
4 Ebd.
5 Ebd., S.126.
6 Hatto: Die Ottonischen Gedichte, S. 235.
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Arbeit zitieren:
Martina Ochs, 2000, Panegyrik und Kritik in den Kaiserstrophen des Ottentons von Walther von der Vogelweide, München, GRIN Verlag GmbH
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