Inhalt
1 Einführung. 4
2 Was versteht man unter den Begriffen Angst, Ängstlichkeit und
Angstst örung 4
2.1 Angst als Zustand und als Disposition 5
2.2 Angststörung. 5
3 Angsttheorien. 7
3.1 Psychoanalytische Theorie von Freud 7
3.2 Behavioristische Theorien. 8
2-Phasen-Lerntheorie von MOWRER 9
Trieb -Habit-Theorie von SPENCE TAYLOR (1951, 1966) 9
3.3 Kognitive Theorien. 10
Kognitiv - emotionales Prozessmodell von LAZARUS 10
4 Entwicklung von Angststörungen. 11
4.1 Psychische Faktoren. 11
Temperament 11
Kognitive Faktoren. 12
Emotionale Faktoren 13
4.2 Soziale Faktoren. 13
Merkmale der Eltern und ihr Interaktions- und Erziehungsverhalten. 13
Kritische Lebensereignisse 14
Soziale Herkunft 14
5 Diagnostik 14
6 Angststörungen im jüngeren Schulalter. 15
6.1 Störung mit Trennungsangst. 15
6.1.1 Schulische Interventionen 18
6.2 Störung mit sozialer Angst 20
6.2.1 Schulische Interventionen 22
6.3 Leistungs- und Prüfungsangst 23
6.3.1 Schulische Interventionen 25
6.3.1.1 Baustein I: Lehrer- Schüler- Interaktion 25
6.3.1.2 Baustein II: Angst und Angstabbau. 25
6.3.1.3 Baustein III: Angstabbau durch Veränderungen im
Leistungsbewertungsprozess 26
6.3.1.4 Baustein IV: Lern- und Arbeitstechniken. 26
7 Literaturnachweis 28
1 Einführung
Ich habe in dieser Arbeit vor, die in der Schule am häufigsten auftretenden Angststörungen zu erfassen, Theorien und Erklärungsansätze zur Entstehung von Angststörungen darzulegen, sowie Möglichkeiten aufzuzeigen, wie insbesondere der Lehrer darauf Einfluss nehmen kann.
Im schulischen Kontext ist oft nur von Schulangst, also Angst in Leistungs- bzw. Prüfungssituationen die Rede. Diese spielt in unserer vom Wettbewerb geprägten und leistungsorientierten Gesellschaft ohne Zweifel eine große Rolle. Gerade im jüngeren Schulalter trifft man aber häufig auch auf Angststörungen mit Trennungsangst oder mit sozialer Angst.
Auf diese drei Erscheinungsbilder werde ich in meinen Ausführungen hauptsächlich eingehen, obwohl mir bewusst ist, dass es, auch im Kindesalter, weit mehr Angststörungen zu unterscheiden gibt.
2 Was versteht man unter den Begriffen Angst, Ängstlichkeit und Angststörung
Es gibt sehr viele unterschiedliche Auffassungen und Definitionen von Angst. Einig sind sich die meisten Wissenschaftler aber darin, dass Angst ein unangenehmer emotionaler Zustand ist. Des weiteren ist sie eine Reaktion auf eine Gefahrensituation (sie kann auch in Erwartung einer Bedrohung schon auftreten ). Angst manifestiert sich kognitiv als Einschätzung der Situation und emotional als Erregung. Sie wird von körperlichen Veränderungen begleitet.
HACKFORT & SCHWENKMEZGER 1 geben folgende Definition, die zum einen besagte Faktoren beinhaltet und zum anderen auch den kognitiven Aspekt von Angst berücksichtigt:
„Angst ist eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine
Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation.
Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Pers on
bezogene Gedanken anzuführen... Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte
Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit
Verhaltensänderungen einhergehen kann.“
1 M.Sörensen: Einführung in die Angstpsychologie
Es handelt sich bei Angst um ein hypothetisches Konstrukt, denn Angst kann zwar wahrgenommen und beschrieben werden, aber ist nicht messbar. Um den Grad von Angst bestimmen zu können , werden die Symptome, die durch Angst ausgelöst werden, vor dem Hintergrund von Dauer, Verlauf und Ausprägungsgrad erfasst.
2.1 Angst als Zustand und als Disposition
Wenn man von Angst spricht, muss man unterscheiden zwischen Angst als Zustand (Zustandsangst; A-state) und Angst als Disposition (Ängstlichkeit; A-trait).
Die Zustandsangst ist akut, von relativ kurzer Dauer und vorrübergehend.
Durch Erregung und erhöhte Reaktionsbereitschaft aufgrund einer Gefahren- oder Bedrohungssituation, wird der Mensch im Normalfall dazu angeregt, die eigene Situation zu verändern (z.B. Flucht, Angriff, ...).
Ängstlichkeit ist ein relativ stabiles und zeitlich überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal.
Personen mit dieser erworbenen Verhaltensdisposition zeigen eine chronische Erregungsbereitschaft und neigen dazu, Situationen häufig als bedrohlich einzuschätzen und dementsprechend zu reagieren.
2.2 Angststörung
Angst ist, allein betrachtet, keine psychische Störung, sondern ein normaler Teil unseres Lebens. Sie tritt demzufolge auch bei gesunden Personen auf, ohne dass damit ein Anlass zur Sorge gegeben ist. Angstreaktionen können, was sowohl die Intensität als auch die Form betrifft, sehr unterschiedlich ausfallen.
Anhaltspunkte zur Begründung einer psychischen Störung sind bestimmte Symptome und deren Kombination, sowie deren Anzahl, Stärke, Verlauf und Ausprägungsgrad. Außerdem wird angenommen, dass neben den psychischen Symptomen auch eine funktionelle
Beeinträchtigung (z.B. in psychosozialen Bereichen) vorliegen muss, damit von einer psychischen Störung ausgegangen werden kann (funktionaler Störungsbegriff) 2
Ch.Haase und M.Zachariah 3 geben drei Kriterien an, bei deren Vorliegen Angst ihre Funktionalität verlieren und zum pathologischen Symptom werden kann:
• Persistenz der Angst (Angstzustände bestehen über ihre Auslöser hinaus zu lange
• Zu hohe Intensität (macht adäquate Wahl von Anpassungshandlungen unmöglich)
• Anlassgeneralisierung
Man spricht dann von einer Angststörung, wenn die Symptome, die durch Angst ausgelöst wurden, die Person daran hindern, ein normales Leben zu führen und am Alltag teilzunehmen.
Man muss dazu sagen, dass die Grenzen oft nicht eindeutig sind. Beispielsweise können auch gesunde Personen zuweilen Einschränkungen erfahren.
Bei der Diagnostik von Kindern gibt es noch zusätzlich erschwerende Faktoren. Die meisten psychischen Störungen im Kindesalter weisen eine dimensionale Struktur auf und können nicht, klar abgegrenzten diagnostischen Kategorien zugeordnet werden. Weiterhin sind
bestimmte Verhaltensweisen entwicklungsabhängig. So ist Trennungsangst bei jungen Kindern z.B. normal, später kann d iese jedoch als Störung diagnostiziert werden. Es fehlen auch heute noch klar definierte Normen für die psychische und emotionale Entwicklung von Kindern. 4 So wird in dem aktuellen kategorialen Klassifikationssystem DSM-IV 5 ausschließlich die Trennungsangst als einheitliche Kategorie für Kinderängste angegeben und kann damit diagnostiziert werden, andere jedoch nicht bzw. unzureichend. Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist, dass einige Störungen im Kindesalter sich
nur in bestimmten Umgebungen oder gegenüber bestimmten Personen zeigen.
2 F.Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen Kinderpsychologie u. -psychotherapie
3 Ch.Haase, M.Zachariah: Angststörungen im Kindes- und Jugendalter, In: Nervenheilkunde 5/2000
4 F.Petermann: siehe 2
5 Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (1996) der American Psychiatric Association
3 Angsttheorien
Es wäre an dieser Stelle zu umfangreich, alle Theorien zur Angstentstehung anzuführen bzw. zu diskutieren. Daher möchte ich mich darauf beschränken, einen allgemeinen Überblick über die grundlegenden Richtungen zu geben.
3.1 Psychoanalytische Theorie von Freud
Freud stellte seiner Zeit zwei Theorien auf, die die Diskussion der Entstehungsursachen von Angst und deren Auswirkungen auf das Verhalten nachhaltig beeinflusst haben. In seiner ersten Theorie (1894) befasste er sich mit der „Angstneurose“. Angst entsteht demnach durch die Unterdrückung unbewusster Impulse. Anders ausgedrückt: Nicht entladene Libido bedeutet Verdrängung und wird in Angst umgewandelt. Angst wird also als Folge von Verdrängungsprozessen aufgefasst. Der Begriff „Angstneurose“ wird verwendet, um aufzuzeigen, dass es sich um Angst aus innerer Erregung heraus handelt, welche neurotisch ist und chronisch verläuft. ( ⇒ Ansatz: Angst als Disposition)
Anders dagegen ist der Affektzustand der Angst eine Reaktion auf einen äußeren Reiz und von kurzer Dauer. (⇒ Ansatz: Zustandsangst)
Mit seiner zweiten Theorie, auch „Signaltheorie der Angst“ genannt, revidierte er die erste. In dieser ist nicht mehr die verdrängte Sexualerregung die Ursache für die Angstentstehung, sondern Angst ist nun Voraussetzung für die Verdrängung, sowie auch für alle anderen Abwehrmechanismen. Angst entsteht hier als Folge eines unbewältigten Konflikts und bewirkt Verdrängungsprozesse.
Wenn das Ich mit einem von drei Bereichen (Es, Überich und Realität) in einen Konflikt gerät, produziert es Angst.
Besteht der Konflikt zwischen dem Ich und der Realität spricht Freud von Real-Angst. Das Ich reagiert auf tatsächliche Umweltgefahren.
Ein Konflikt zwischen dem Ich und dem Es ruft Es-Angst (neurotische Angst) hervor. Das Ich sieht sich dabei durch Ansprüche des Es (Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse und Triebregungen) gefährdet, wenn es diese nicht erfüllen kann.
Wird das Ich durch ein übermächtiges Überich bedroht, dessen Ansprüche es nicht erfüllen kann, so kommt es zur Überich-Angst (Gewissensangst).
3.2 Behavioristische Theorien
Die behavioristischen Theorien beruhen alle auf der Annahme, dass Angst aufgrund von Lernprozessen entsteht. Sie basieren in der Regel auf psychologischen und/oder neurophysiologischen Experimenten.
Ausgangspunkt bildet die Tatsache, dass auf einen Stimulus S (Reiz) eine Reaktion R erfolgt. Die Verknüpfung ‚Wenn S, dann R’ bedingt die Herausbildung einer Gewohnheit (Habit). Daraus kann man schlussfolgern, dass Menschen aus den Konsequenzen ihrer Handlungen lernen. Nach Meinung einiger Behavioristen wird ihr Verhalten deshalb auch durch „reinforcement“ (Verstärkung) beeinflusst. (⇒Erfolg/Misserfolg; Belohnung/Bestrafung) Die klassische Konditionierungstheorie besagt, dass neutrale Stimuli, die zeitgleich mit furchterregenden Reizen auftreten, nach ein oder mehrmaligen Auftreten, selbst Angst hervorrufen.
Die Stärke der Angstreaktion hängt von drei Faktoren ab:
• Anzahl der neutralen Stimuli, die mit furchterregenden, unkonditionierten
Reiz verknüpft sind
• Häufigkeit, mit der eine Assoziation von konditioniertem mit
unkonditioniertem Reiz auftritt
• Intensität der Emotion „Angst“, die durch den unkonditionierten Stimulus
hervorgerufen wird 6
Zusätzlich können sowohl Reize wie auch Reaktionen generalisiert (verallgemeinert) werden. Die durch spezifische Reize ausgelöste Angst kann sich durch Reiz-Generalisierung auch auf weniger spezifische Reize ausweiten, die dem ursprünglichen Reiz ähnlich sind oder mit ihm zusammen auftraten.
6 C.Ahmoi Essau, U.Petermann: Angststörungen; IN: F.Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen
Kinderpsychologie
Arbeit zitieren:
Steffanie Rosenhahn, 2001, Angststörungen im jüngeren Schulalter und Möglichkeiten einer schulischen Intervention, München, GRIN Verlag GmbH
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