GLIEDERUNG
1. EINLEITUNG 3
2. VOM ALLMÄCHTIGEN BEEINFLUSSUNGSINSTRUMENT ZUM
MACHTLOSEN INFORMATIONSAPPARAT 3
2.1. Massenmedien als mächtiges Instrument der Meinungsbildung 3
2.2. Der Einfluss der Massenmedien über den „opinion leader“ auf die „Masse“ 4
2.3. Die Bedeutung der Massenmedien in komplexen sozialen Netzwerken 4
2.4. Einfluss der Medien durch Cultivation 5
3. MEINUNGSBILDUNG UND IHRE PROZESSE 5
4. INTERPERSONALE KOMMUNIKATION 8
4.1. Interpersonale Kommunikation und Massenkommunikation 8
4.2. Interpersonale Kommunikation in Gruppen und Netzwerken 9
4.3. Eigenschaften von Meinungsführern 12
4.4. Meinungsführer in Gruppen und Netzwerken 13
5. INTERPERSONALE KOMMUNIKATION UND MEINUNGSBILDUNG 15
5.1. Interpersonale Kommunikation als bestimmender Faktor im
Meinungsbildungsprozess 15
5.2.Interpersonale Kommunikation als wirkungsschwacher Faktor im
Meinungsbildungsprozess 17
5.3.Das Wirkungsgefüge von interpersonaler Kommunikation und
Massenkommunikation 18
6. SCHLUSS 20
7. LITERATURVERZEICHNIS 22
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1. Einleitung
Das Verhältnis von interpersonaler Kommunikation und Massenkommunikation sowie ihr Zusammenwirken im Meinungsbildungsprozess sind Gegenstand dieser Arbeit. Im Zeitverlauf wurden den Massenmedien bzw. den interpersonalen Beziehungen recht unterschiedliche Möglichkeiten zur Beeinflussung des Meinungsbildungsprozesses zugesprochen. Diese Entwicklung soll zu Beginn kurz dargestellt werden. Anschließend werden die Meinungsbildung und die damit verbundenen Prozesse erläutert. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe Meinung und Einstellung definiert. Im vierten Kapitel erfolgt zunächst eine Abgrenzung von interpersonaler Kommunikation und Massenkommunikation. Außerdem wird auf zwischenmenschliche Beziehungen in Gruppen und Netzwerken eingegangen. Meinungsführer nehmen im Spannungsfeld zwischen interpersonaler Kommunikation und Massenkommunikation eine besondere Stellung ein. Daher wird im vierten Kapitel auch auf die Eigenschaften von Meinungsführern und ihre Bedeutung innerhalb von Gruppen und Netzwerken eingegangen.
Abschließend widmet sich diese Arbeit der Frage, welche Bedeutung den interpersonalen Beziehungen im Meinungsbildungsprozess zukommt. Verschiedene Ansätze, die Rolle der interpersonalen Kommunikation innerhalb dieses Prozesses zu erklären, werden hier geschildert.
2. Vom allmächtigen Beeinflussungsinstrument zum machtlosen Informationsapparat
2.1. Massenmedien als mächtiges Instrument der Meinungsbildung
Zu Beginn der Medienwirkungsforschung, bzw. der Publizistik im Allgemeinen, Anfang des 19. Jahrhunderts, sprach man den Medien eine fast „göttliche“ Allmacht im Hinblick auf die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Rezipienten zu. Man betrachtete den modernen Menschen, der nun zumeist in den immer stärker anwachsenden Städten lebte und in der Industrie arbeitete, als losgelöst aus herkömmlichen familiären Strukturen. Die Entwurzelung des Einzelnen aus dem althergebrachten Umfeld des ländlichen Lebens führte, so meinte man, zu einer Isolierung des Individuums. Er bildete sich demnach seine Meinung nicht mehr im direkten Kontakt zu anderen Personen, sondern direkt und unverändert aus den Massenmedien. (Transmission-Belt-Theory)
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Neuere psychologische und soziologische Forschungen ergaben jedoch, dass der Mensch nicht völlig atomisiert und isoliert lebte. Man entdeckte die Kleingruppe wieder und somit auch den Einfluss der interpersonalen Kommunikation im Meinungsbildungsprozess.
2.2. Der Einfluss der Massenmedien über den „opinion leader“ auf die
„Masse“
In einer Studie zum Wählerverhalten bei den Präsidentschaftswahlen der USA 1940 (Lazarsfeld und andere, 1948) stellte sich heraus, dass der Einfluss der Medien auf die Wählerentscheidung überraschend gering war. Bei eingehenderer Untersuchung, warum, wenn überhaupt, es zu Meinungsänderungen während des Wahlkampfes kam, kristallisierten sich die sogenannten „opinion leaders“ heraus. Diese Meinungsführer hoben sich weder durch Bildungsgrad, Vermögen oder andere Merkmale von den von ihnen beeinflussten Individuen ab. Der einzig nennenswerte Unterschied zwischen ihnen und den „Mitläufern“ war ein erhöhter Medienkonsum, ansonsten stellten sie ein repräsentatives Mitglied ihrer Gruppe dar. Interessant ist, dass in dieser Theorie des „two-step flow of communication“ der direkte Einfluss der Massenmedien noch einmal dadurch beschnitten wird, dass eine Änderung der Meinung bei Personen, die viele Medien konsumieren, geringer ist, als bei Personen, die nur im geringen Umfang Medien konsumieren. Sie haben im allgemeinen schon eine feste Meinung und lassen sich diese durch die Medien nur bestätigen. Diese nun bestätigte Meinung wird darauf an die Mitläufer weitergegeben, wodurch eine direkte Einflussnahme durch die Medien fast vollständig ausgeschlossen wird.
2.3. Die Bedeutung der Massenmedien in komplexen sozialen Netzwerken
Im Verlauf der weiteren Forschung bot aber auch die Theorie der Meinungsbildung durch den „opinion leader“ keine ausreichenden Antworten auf alle Fragen. Man erkannte, dass die Gesellschaft nicht so stark abstrahiert betrachtet werden konnte. Es wurde nun dem Umstand Rechnung getragen, dass eine spezielle Gruppe mit ihren Meinungsführern nicht isoliert untersucht werden konnte und dass auch zwischen den Gruppen untereinander Kontakte, Erfahrungs- und Meinungsaustausche bestanden. In diesem System der sozialen Netzwerke bleibt der Grundgedanke einer Gruppe mit Meinungsführer zwar grundsätzlich erhalten, zwischen deren Mitgliedern sogenannte „strong ties“ bestehen, dabei handelt es sich vor allem um Familie und den engeren Freundeskreis, aber durch „weak ties“ ist jede Gruppe durch einzelne Mitglieder auch mit Fremdgruppen verknüpft (z.B. Arbeitskollegen). Man geht nun davon aus, dass sich die jeweiligen Meinungsführer ihre Ansichten a) durch den Konsum von
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Medien, aber b) auch durch den Kontakt zu Meinungsführern anderer Gruppen bilden. Die generelle Möglichkeit zur Einflussnahme durch die Medien wird aber auch in diesem System insgesamt für eher klein gehalten, da im Prinzip die gleichen Beschränkungen für sie gelten wie im letzten Abschnitt.
Die Einflussmöglichkeiten der Medien werden allerdings durch die hohe Anzahl kommunikativ inaktiver Personen, „non-discussants“, die nach einer Repräsentativbefragung durch Robinson 1976/77 immerhin 51% der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, wieder verstärkt, da bei diesen Personen die Massenmedien als Meinungsgeber eine verstärkte Rolle spielen.
2.4. Einfluss der Medien durch Cultivation
Wie wir oben gesehen haben, wurde der Einfluss der Medien in den verschiedenen Medienwirkungssystemen nach und nach beschnitten. In der Cultivation-Theory hingegen, kommt wieder eine verstärkte Medienwirkung zur Geltung. Diese wirkt jedoch nicht als Meinungsbildung sondern eher als Vermittlung eines Weltbildes. In Studien wurden „Viel-und Wenigseher“, die Studie bezog sich ausschließlich auf Fernsehkonsum, über ihre Sicht der Welt befragt, z.B. jeder wievielte Bürger ihrer Meinung nach Polizist sei und ähnliches. In der Auswertung stellte sich heraus, dass die „Vielseher“ die Fernsehwelt in gewissem Umfang adaptiert haben und den realen Anteil der im Polizeidienst beschäftigten Personen stark überschätzten (verständlich, wenn man sich die Medienwelt im Fernsehen anschaut, in der der Beruf des Polizeibeamten stark überrepräsentiert ist).
Im Folgenden wird sich diese Arbeit auf die Wirkung der interpersonalen Kommunikation auf das Weltbild der Menschen konzentrieren und versuchen, darzulegen, inwieweit diese direkte „face to face“-Kommunikation die Meinungsbildung beeinflusst.
3. Meinungsbildung und ihre Prozesse
Meinungen bezeichnen die breite Klasse von Antizipationen und Erwartungen; Einstellungen bezeichnen die allgemeinen Orientierungen der Annäherung und Ablehnung gegenüber einem bestimmten Objekt. Als Meinungsklima versteht man (nach Noelle-Neumann) Vorstellungen der Menschen, welche Ansichten und Verhaltensweisen gebilligt bzw. abgelehnt werden. Diese Vorstellungen werden aus Umweltbeobachtungen gebildet: „[...] aus der unmittelbaren, originalen Beobachtung, die der einzelne in seiner Umwelt anstellt, und aus der Beobachtung
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der Umwelt, wie sie dem einzelnen durch die Massenmedien vermittelt wird [...]“ (Noelle-Neumann 1982, 224)
Der Unterschied zwische n Meinungen und Einstellungen besteht darin, dass Einstellungen oft unbewusst sind, während man Meinungen als verbalisierbar ansehen kann. Meinungen und Einstellungen sind in hohem Maße interaktiv (Naschold 1973).
Änderungen in der allgemeinen Orientierung der Annäherung und Ablehnung beeinflussen oft die Erwartungen gegenüber denselben Objekten. Umgekehrt können Änderungen in den Meinungen die allgemeinen Einstellungen eines Individuums modifizieren. Eine Vielzahl von Einstellungen ist vermittelt durch verbale Überzeugungen, Erwartungen und Beurteilungen. (Einstellungen werden auch als psychische Tendenzen zu bestimmten Arten von Verhaltensweisen aufgefasst.) Will man eine Änderung der Einstellung durch Kommunikationsstimuli erreichen, muss eine Veränderung solcher verbalen Reaktionen erfolgen.
„Meinungen werden als verbale Reaktionen eines Individuums gegenüber einem Kommunikationsstimulus aufgefaßt. Solche verbalen Reaktionen können sowohl explizite verbale Antworten wie auch eine implizite ‚inner speech’ sein. Normalerweise kann von einer Identität der offenen und inneren Reaktion des Individuums ausgegangen werden. Verzerrt das Individuum [...] seine offene Reaktion, so kann diese nicht als adäquater Indikator seiner Meinung angesehen werden. Deshalb muss von der impliziten und inneren Reaktion ausgegangen werden, um einen echten Meinungswandel feststellen zu können.“ (Naschold 1973)
Laut Hovland bestehen Meinungen solange, bis das Individuum neue Erfahrungen gemacht hat. Ist das Individuum einer Kommunikation ausgesetzt, die bei ihm eine neue Meinung bewirkt, so ist das eine Erfahrung, in der das Individuum eine neue verbale Gewohnheit erworben hat. Wichtig ist natürlich auch der Inhalt dieser Kommunikation, welcher beim Individuum kritische Fragen weckt und neue Antworten anbietet. Ist das Individuum in der Kommunikationssituation aufmerksam, so reagiert es in zweierlei Weise. Es überdenkt seine eigene ursprüngliche Meinung und vergleicht sie mit der Meinung, die vom Kommunikationsstimulus empfohlen wird. Die Wiederholung und Einübung dieses Inhalts einer Kommunikation reicht zur Änderung einer Meinung allerdings nicht aus, sondern dieser Inhalt muss auch akzeptiert werden. Diese Akzeptierung ist eine Funktion von Anreizen, die gegenüber den Anreizen, bei einer bestehenden Meinung zu verharren, eine stärkere Wirkung ausüben. In diesem Zusammenhang seien noch kurz die wichtigsten Anreize genannt: die
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Arbeit zitieren:
M. A. Teresa Cave, 2001, Die Rolle der interpersonalen Kommunikation im Meinungsbildungsprozess, München, GRIN Verlag GmbH
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