INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 2
EINORDNUNG DES FAMILIENBRETTS IN DIE SKULPTURVERFAHREN 2
THEORETISCHER HINTERGRUND 4
DAS VERFAHREN 5
Durchführung 6
Interventionen 7
Außensetzung 7
Dynamisches Spielen 7
Zusatzfiguren 8
Vergleichende Konfrontation 8
Zirkuläres Stellen 8
Interpretation 8
Dokumentation 10
Gütekriterien 10
BEISPIELE AUS DER PRAXIS 11
Das Familienbrett in der Entgiftungsbehandlung 11
Fallbeispiel 13
Das Familienbrett in Organisationsberatung und Supervision 16
GRENZEN UND KRITIK 19
LITERATURVERZEICHNIS 21
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G: Dips 38352 Das Familienbrett doc 09 06 05
EINLEITUNG
Wir haben in der Veranstaltung Diagnostik II bereits einige Verfahren kennengelernt, deren Gegenstand die Beziehungen in Gruppen ist, so z.B. das Genogramm, das So- ziale Atom oder SYMLOG. Über Skulpturverfahren haben wir bisher nur wenig erfahren. Ich werde deshalb, bevor ich mich näher mit dem Familienbrett befasse, zunächst kurz erklären, was man sich unter Skulpturverfahren vorstellen kann, und das Fami- lienbrett innerhalb der gebräuchlichen Verfahren einordnen. Danach beschreibe ich den theoretischen Hintergrund, Aufbau und Anwendung sowie Gütekriterien, Gren- zen und Kritik. Zum Abschluß möchte ich an zwei Beispielen die Anwendung in der Praxis veranschaulichen. Ich habe dafür zwei Bereiche ausgewählt, mit denen ich hoffe, den unterschiedlichen Interessensgebieten unseres Matrikels gerecht zu wer- den: den klinischen Bereich und die Organisationsberatung.
EINORDNUNG DES FAMILIENBRETTS IN DIE SKULPTURVERFAHREN
Unter Skulpturverfahren versteht man, daß Mitglieder einer Gruppe, z.B. einer Fami- lie, ihre Beziehungsstruktur im Raum abbilden. Das Ziel dabei ist, die Gruppenstruk- tur und die Interaktionen der Gruppenmitglieder zu verdeutlichen. Frühe Formen dieser Aufstellungen waren das Rollenspiel und die Inszenierungen beim Psycho- drama (Moreno, 1946). Diese Verfahren wenden vor allem Schulen an, die sich an Gestalttheorie und Humanistischer Psychologie orientieren, wie z.B. die wachs- tumsorientierte Familientherapie (Satir, 1964) und teilweise auch der strukturalisti- sche Ansatz (Minuchin, 1974). 1 Sie können - besonders auch auf nonverbaler Ebe- ne - therapeutisch sehr wirksam sein, weil sie mit unmittelbarem affektivem Erleben verbunden sind und sprachgebundene Abwehrstrategien wegfallen.
Der Vorteil der Aktualisierung der dargestellten Situation bei Methoden mit realen Personen als Protagonisten kann aber auch zu einem Nachteil werden, da es wenig Möglichkeiten zur emotionalen Distanzierung gibt. Bei einer „realen“ Skulptur kann außerdem jedes Mitglied die Aufstellung nur aus dem Blickwinkel seiner Position
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verfolgen. In den letzten Jahrzehnten sind deshalb mehrere Techniken entstanden, mit denen man soziale Strukturen veranschaulichen kann, die aber mehr Möglich- keiten für eine emotionale Distanzierung bieten.
Je nach Schwerpunkt des jeweiligen Skulpturverfahrens wird dieses als strukturell 2 , interaktionell 3 oder projektiv kategorisiert. Arnold et al. ordnen das Familienbrett den strukturellen Verfahren zu. 4 Meiner Meinung nach könnte es aber auch - je nach Zielsetzung - als projektives oder interaktionelles Verfahren bezeichnet werden.
Tab. 1: Einteilung der Skulpturverfahren nach den Kriterien strukturell, interaktionell und projektiv 5
Das Familienbrett zählt weiterhin zu den Figurenskulpturverfahren und ist somit ein evokatives Testverfahren, d.h. aufgrund des Aufforderungscharakters des Testmate- rials werden Handlungs- und Deutungschemata auf- oder hervorgerufen. Figuren- skulpturverfahren erfassen die subjektiven Ansichten der Aufstellenden, erlauben aber auch eine direkte Beobachtung des interaktionellen Verhaltens beim Aufstel- lungsprozeß. Die inhaltliche Validität erfolgt unmittelbar aus der Instruktion und er- weist sich weiterhin an der allseits überprüfbaren Darstellung. 6
1 vgl. Ludewig, Kurt. In Ludewig und Wilken (2000) S. 15 f.
2 Abbildung der Beziehungsstruktur 3 verdeutlichen die Interaktionen der Gruppenmitglieder 4 vgl. Arnold, Stephan et al. In Cierpka (1996), S. 339 5 ebd. S. 340 6 vgl. Ludewig, Kurt. In Ludewig und Wilken (2000) S.16
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THEORETISCHER HINTERGRUND
Das Familienbrett wurde 1978 von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Kurt Ludewig in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätskran- kenhauses Hamburg-Eppendorf parallel zur Entstehung der Systemischen Therapie konzipiert. Man benötigte damals ein Verfahren, mit dem die Komplexität von Ver- läufen und Ergebnissen bei Familientherapien möglichst unverfälscht dokumentiert werden konnte. Das Familienbrett basiert auf der praktischen Anwendung des sys- temischen Denkens. Wesentlich bei dieser Denkweise ist die Funktion des „Beob- achters“, auf den alle Realitätsaussagen zurückgeführt werden:
„Die Welt der Beobachter besteht aus Beschreibungen, die in Interaktion mit anderen Beob- achtern entstehen und konsensualisiert werden. Der Maßstab für Wahres liegt hiernach nicht in den Dingen, sondern in sprachlich hervorgebrachten Kohärenzen. Beobachter erzeugen keine objektiven, sondern ‚kommunikative Wirklichkeiten‘.“ 7 Im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten in den Jahren 1979 - 1993 wurde bald deutlich, daß die Möglichkeiten des Familienbretts weit über das ehemalige Ziel der Dokumentation hinausgehen. Mittlerweile wird es in Forschung, Diagnostik sowie im therapeutischen und beraterischen Bereich eingesetzt.
Ludewig bezeichnet das Familienbrett heute als ein Mittel für die Kommunikation über soziale Systeme. Es ist sozusagen die „Miniaturversion“ einer Familienskulptur, eine symbolisierte Kommunikationsebene, die einen Unterschied zu jener der realen Personen erzeugt. Damit schafft es einen Rahmen für die (Meta)Kommunikation. 8 Es fördert außerdem Kommunikationen, die allein durch Verbalisierung schwerer durchzuführen sind, vor allem bei Menschen, die ihre inneren Bilder nur schwer ausdrücken können oder im Gebrauch der Sprache ungeübt sind. 9
Aus kommunikationstheoretischer Sicht müssen die Probanden bei einer Aufstellung Informationen zu einem bestimmten Thema auswählen und das Familienbrett als Medium für deren Mitteilung verwenden. Sie entwerfen damit ein Bild ihrer subjekti- ven Vorstellungen über Struktur und Funktionsweise des Systems und machen die-
7 Ludewig, Kurt. In Ludewig und Wilken (2000) S.21
8 vgl. Ludewig, Kurt. In Ludewig und Wilken (2000), S. 14
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se dadurch kommunizierbar. Der Beobachter ist wiederum gefordert die ausge- drückte Mitteilung zu verstehen. Dabei muß er beachten, daß die verwendeten Zei- chen analog und deshalb mehrdeutig sind. Deshalb kann die Aufstellung selbst auch nur eine Anregung zur Kommunikation sein. 10
Nach bisherigen Erfahrungen neigen Probanden dazu, je nach Fragestellung und Anleitung, ein „Grundmuster“ aus den vielen spezifischen Situationen der System- geschichte zu synthetisieren. Es wird scheinbar eine Beschreibung oder eine Ge- schichte (Narrativ) erarbeitet. Bei der Endaufstellung handelt es sich demnach um eine „statische Interpunktion eines komplexen dynamischen rekursiven Prozes- ses“ 11 , die auch nur als solche diagnostiziert und dokumentiert werden kann.
Dennoch wirkt die Anordnung auf dem Brett auf die Beteiligten zurück und hat somit gute Chancen, das System zu verstören und zu einer Veränderung anzustoßen. Denn die Aufstellungen auf dem Familienbrett fördern eine Kommunikationsform, die den typischen Fragetechniken der Systemischen Therapie entspricht: zirkuläres, konstruktives, reflexives und lösungsorientiertes Fragen. 12
Das Familienbrett besteht aus einem 50 x 50 cm großen Kasten mit einem 5 cm breiten Rand auf der oberen Fläche sowie Holzfiguren mit angedeutetem Gesicht in zwei Größen (7 und 10 cm) und zwei Formen (rund und eckig). Für besondere Zwe- cke gibt es drei farbige sechseckige Figuren. Die Figuren sind absichtlich im Ausse- hen äußerst sparsam gehalten, um möglichst viel Spielraum für Eigengestaltung bzw. Projektionen oder Evokationen der Probanden zu ermöglichen.
9 vgl. ebd. S. 23
10 vgl. Ludewig und Wilken (2000) S. 166 f.
11 vgl. Ludewig, Kurt. In Ludewig und Wilken (2000) S.21 12 vgl. ebd. S. 24
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Kommunikationpsychologin Petra Bühler, 2004, Das Familienbrett nach Ludewig - Ein Skulpturverfahren für Forschung und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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