Inhalt
1 Einleitung. 2
2 Definition. 2
3 Akteure der Gentrification. 3
4 Ursachen der Gentrification 4
5 Phasen der Gentrification 5
6 Folgen der Gentrification 5
7 Untersuchung am Beispiel Westdeutschland 6
7.1 Städtebauliche Entwicklung 6
7.2 Prozess der Gentrification 7
7.2.1 Gebiet A. 7
7.2.2 Gebiet B. 8
7.2.3 Gebiet C. 8
8 Untersuchung am Beispiel Ostdeutschland. 9
8.1 Modellübertragung 10
8.2 Städteb auliche Entwicklung 10
8.3 Prozess der Gentrification 11
8.3.1 Bauliche Aufwertung. 11
8.3.2 Soziale Aufwertung 12
8.4 Folgerung 13
9 Fazit 14
10 Literatur 15
1
1 Einleitung
Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in den USA erstmals das Phänomen der „Gentrification“ beobachtet. Es handelt sich hierbei vor allem um ein Untersuchungs feld der Soziologie oder auch der stadtsoziologischen Forschung. Im Laufe der Jahre häufte sich die Anzahl der Untersuchungen und das Forschungsfeld dehnte sich bis nach Deutschland aus.
Den Begriff „Gentrification“ führte Ruth Glass im Jahre 1963 1 ein. In den 80er Jahren wurde das Phänomen zum ersten Mal in Europa, vor allem im Westen Deutschlands beobachtet. Die Modelle der amerikanischen Forschung wurden überprüft, an die deutschen Gegebenheiten angepasst und schließlich übertragen. „So stammt beispielsweise die erste deutsche Studie aus dem Jahr 1988“ 2 . Im Kern dieser Arbeit liegt die Beschäftigung mit der Entwicklung und den Auswirkungen des Phänomens. Zunächst soll in einem ersten Hauptteil das Modell der Gentrification vorgestellt und erklärt werden. Im Anschluss folgt eine konkrete Darstellung des Prozesses anhand von Fallbeispielen. Hier soll erst am Beispiel einer westdeutschen Stadt die ursprüngliche Entwicklung in Deutschland vorgestellt werden. An einem zweiten Beispiel wird untersucht, ob sich die Entstehung der Gentrification auch in ostdeutschen Städten beobachten lässt.
2 Definition
Den Einstieg in die Arbeit stellt eine begriffliche Klärung der Thematik dar. Dies erweist sich insofern als problematisch, da es keine einheitliche Definition des Begriffs gibt. Zwar ähneln sich die Versuche der Erklärung des Abstraktums, doch unterscheiden sie sich gleichzeitig in ihrer Schwerpunktsetzung.
Gentrification lässt sich im Hinblick auf zwei Bereiche feststellen. Hierbei handelt es sich um die bauliche sowie die soziale Ebene. Bei genauerer Betrachtung der Veränderungen auf baulicher Ebene lässt sich eine Umgestaltung und Aufwertung des Wohnbestandes durch „Modernisierung, Umwandlung von Miet-in
Eigentumswohnungen und [den] Neubau von Eigentumswohnungen“ 3 feststellen. Die sozialen Veränderungen, die sich bei diesem Prozess vollziehen, können sowohl als
1 Blasius, J. & Dangschat, J.: Gentrification. Die Aufwertung innenstadtnaher Wohnviertel. Frankfurt am
Main, New York 1990. S. 11. Im Folgenden zitiert als: Blasius & Dangschat 1990.
2 Friedrichs, J. & Kecskes, R.: Gentrification. Theorie und Forschungsergebnisse. Opladen 1996. S. 7. Im
Folgenden zitiert als: Friedrichs & Kecskes 1996.
3 Blasius & Dangschat 1990. S. 11.
2
Ursache wie auch als logische Folge der baulichen Veränderungen angesehen werden. Es kommt zu einem qualitativen Bevölkerungsaustausch. Das heißt, dass die zum Ausgangspunkt ansässige Bewohnerschaft, meist „Arbeiter, Arme, Ausländer und Alte“ 4 , die den Standort aufgrund günstiger Mieten wählten, durch eine neue Bewohnerschaft verdrängt werden. Bei dieser handelt es sich um häufig gut verdienende junge Leute, welche „die nach der Modernisierung verlangten hohen Mieten bezahlen können“ 5 . Untere Einkommensgruppen werden also durch den Zuzug wohlhabenderer Schichten verdrängt, während sich gleichzeitig eine „Qualitätsverbesserung im Gebäudestand“ 6 feststellen lässt.
3 Akteure der Gentrification
Die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die an dem Prozess der Gentrification sowohl aktiv als auch passiv beteiligt sind, sollen nun zur besseren Übersicht kategorisiert werden. Die Einteilung erfolgt in drei Gruppen: die „Pioniere“, die „Gentrifier“ und die „Anderen“ bzw. „Sonstigen“ genannt. Diese Gruppen sollen im Folgenden eingehender dargestellt werden.
Die Pioniere sind im Durchschnitt 27 Jahre alt und ledig. 7 Ihr Pro-Kopf-Nettoeinkommen liegt unter 1000 €. Die Pioniere haben mindestens das Abitur; es handelt sich überwiegend um Studenten und Künstler, also eher risikobereite Personen. In ihren Haushalten lebt außerdem maximal ein Kind. Pioniere sind gegenüber den Gentrifiern eher Mieter und nicht Eigentümer 8
Die Gentrifier sind durchschnittlich 36 Jahre alt und leben allein oder in Partnerschaft. 9 Ihr Pro-Kopf-Nettoeinkommen übersteigt 1000 €. Auch in ihren Haushalten lebt maximal ein Kind.
Die letzte Gruppe wird meist als „Sonstige“ bezeichnet. Zu ihnen zählen alle Personen, die nicht die Definitionsmerkmale der Pioniere und Gentrifier aufweisen. Sie haben von allen Gruppen den schlechtesten Schulabschluss, häufig höchstens den
4 Blasius & Dangschat 1990. S. 354.
5 ebd.
6 Heineberg, Heinz: Grundriß Allgemeine Geographie: Stadtgeographie. Paderborn 2000. S. 18. Im
Folgenden zitiert als: Heineberg 2000.
7 Friedrichs & Kecskes 1996. S. 107.
8 ebd. S. 98.
9 ebd. S. 107.
3
Abschluss der Hauptschule. 10 Diese Gruppe besteht vor allem aus ökonomisch schwachen Personengruppen, also Alte, Arme, Arbeitslose, Ausländer und Arbeiter.
4 Ursachen der Gentrification
Für den Prozess der Gentrification lassen sich mehrere Ursachen feststellen. Im Rahmen dieser Arbeit soll aber nur der wichtigste Grund genauer dargestellt und analysiert werden, während die weniger dominanten Ursachen hier nur kurz angeschnitten werden.
Zunächst lässt sich ein Übergang von einer Produktions-zur Dienstleistungsgesellschaft aufweisen; dieser Wandel zog ein höheres
Arbeitsplatzangebot in der Innenstadt mit sich und lockte somit die Arbeiter an, welche einen Wohnplatz nahe der Arbeitsstädte bevorzugten. Steuerliche Vorteile, welche beim Erwerb von Altbauten geboten wurden, beeinflussten zusätzlich die Standortwahl. Hinzu kam, dass seit der Veränderung der Finanziellen Förderung seit 1977 Sanierungen vermehrt durch private Investoren finanziert wurden. Der Standort Innenstadt gewann insgesamt also zunehmend an Bedeutung. Am auffälligsten erscheint aber eine Veränderung in der Nachfrage, welche vor allem aus den veränderten Lebensstilen der Bevölkerung resultiert. Eine neue Generation mit veränderten Vorstellungen bestimmt den Wohnungsmarkt. Bevorzugt werden nun innenstadtnahe Wohnungen; dieses Phänomen wird auch als „neue Urbanität“ 11 bezeichnet. D iese neuen Haushaltstypen können als das Ergebnis „veränderter sozialer Werte, veränderter Einstellungen und veränderten Verhaltens, sowie von demographischen Prozessen“ 12 angesehen werden. Dieser Prozess des gesellschaftlichen Wandels hat neue Lebensstile zur Folge. Diese lassen sich bereits an den oben beschriebenen Akteuren feststellen. Ein-Personen-Haushalte nehmen zu, die Geburtenrate sinkt, die Heiratsquote stagniert. Die alleinlebenden, kinderlosen Paare oder solche mit einem Kind haben andere Standort-Präferenzen als größere Familien 13 , es kommt zu einem extremen Rückgang des zuvor dominierenden Suburbanisierungsprozesses.
10 Dangschat, J. & Friedrichs, J.: Gentrification in der inneren Stadt von Hamburg. Eine empirische
Untersuchung des Wandels von drei Wohnvierteln. Hamburg 1988. S. 109. Im Folgenden zitiert als:
Dangschat & Friedrichs 1988.
11 Blasius & Dangschat 1990. S. 69.
12 Dangschat & Friedrichs 1988, S. 12.
13 Blasius & Dangschat 1990. S. 70.
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Arbeit zitieren:
Linda Giesecke, 2004, Gentrification in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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