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Humboldt-Universität zu Berlin
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1 H. P. Martin / H. Schumann: Die Globalisierungsfalle, S. 25
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Inhalt
1. Einleitung
2. Auf dem Weg zu einer Interkulturellen Philosophie
2.1. Entstehung der Interkulturellen Philosophie
2.2. Interkulturelle Philosophie heute
3. Interkulturelle Hermeneutik
3.1. Interkulturelle Hermeneutik (R. A. Mall)
3.2. Der universelle Aspekt der Hermeneutik (H. G. Gadamer)
4. Resümee
5. Bibliographie
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Die Welt wächst unweigerlich zusammen, während kulturelle Differenzen aufeinanderprallen und sich wie bei einer Kontinentalverschiebung im Laufe der Gezeiten wieder vereinigen und verschmelzen - doch der Preis ist hoch. Wir bemerken weltweit eine nie da gewesene globale Völkerwanderung derer, die von Naturkatastrophe, Armut, Krankheit und Unterdrückung gepeinigt sintflutartig an Europas und Nordamerikas Küsten stranden. Bei einer Angleichung eines kulturell verschiedenen Menschen an die westliche Denkweise wird schnell das Eigene zum Fremden und das Fremde zum Eigenen. Dabei besteht die Gefahr der unbewussten Relativierung des Selbstverstehens, das Annehmen fremden Gedankenguts, ohne die Tradition der eigenen kulturellen Identität mit einzubinden. Dass während der Kolonialzeiten die eroberten Gebiete mit den IUHPGHQ :LOGHQ willkürlich mit eigenen Maßstäben neu konstituiert wurden und im weiteren durch Philosophen wie Hegel oder Husserl als Bedrohung für die Existenzsicherung des autoritären europäischen Geistes angesehen wurden, erscheint auf den ersten Blick als vollkommen natürlicher Schutzmechanismus. Wie beim Tier zeigt sich des Menschen Instinkt zwiespältig, einerseits Fremdes kritisch als mögliche Gefahr anzusehen, andererseits das Eigene zu überwinden und mit Neugier zu neuen Ufern aufzubrechen. Näher hingesehen zeigt sich jedoch eine höchst inhumane Menschenverachtung, die jenseits von Toleranz die „Seele des Südens“ bluten lässt.
Anhand der Interkulturellen Philosophie von R. A. Mall und der Hermeneutik bei H. G. Gadamer möchte ich im folgenden näher auf naturgegebene und kulturbedingte Verstehensbarrieren hinweisen, dabei jedoch Möglichkeiten aufzeigen, aus dem Kreis auszubrechen, ohne der Vereinheitlichung und dem HXUR]HQWULVFKHQ Universalismus zu verfallen.
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Bevor ich anhand des deutsch-indischen Philosophen R. A. Mall und seinem Werk „Philosophie im Vergleich der Kulturen“ zu einem konkreten Verständnis einer Interkulturellen Philosophie mittels deren Begriffsbestimmung beitragen möchte, halte ich es vorweg für sinnvoll und auch notwendig, das Zustandekommen dieser Disziplin, die „noch in den Kinderschuhen steckt“ 2 , im Hinblick auf die Expansion des europäischen Geistes im historischen Verlauf zu klären.
Seit jeher liegt es in der Natur des Menschen, die Welt zu entdecken, an einem Ort sesshaft zu werden, und sich gegen andere fremde Völker zu schützen und zu verteidigen. Im Laufe der Zeit entsteht durch das gegenständliche Denken des Menschen Kultur, d. i. Sprache, Schrift und Kunst, wobei Philosophie mittels erfundener Begriffe die Naturgegenstände zu einem besseren Verständnis erklärt, wie schon Platon mit seiner Ideenlehre feststellte. Die Fähigkeit einer Reflektion, der bewussten Entfremdung von der Natur, liefert neue Denkansätze, die eben je nach Kultur anders ausgeprägt sind. Abgesehen von dem anthropologischen Gesichtspunkt der Differenz, spricht der klimatologische davon, dass der Standort einer Kultur aufgrund unterschiedlicher geographischer Beschaffenheiten und Vorraussetzungen für eine konstruktive Entwicklung des Geistes mit verantwortlich sein kann. Den Umständen entsprechend können für den Menschen extreme Naturbeschaffenheiten von Nachteil sein. So kann man sich gut vorstellen, dass auf der südlichen Seite des Globus die Hitze und Dürre und damit die Unterernährung das Entwickeln einer unbefangenen Denkkultur beeinträchtigen können.
Kultur stellt für den Menschen die Identität dar, an welcher sich das jeweilige Volk erkennt und von anderen unterscheidet. Die Folge dieses dinglichen Ausdruckes
2 R. A. Mall: Philosophie im Vergleich der Kulturen, S. 1
Arbeit zitieren:
Stefan Ginter, 2000, Interkulturelle Philosophie und deren Hermeneutik, München, GRIN Verlag GmbH
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