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1. Einleitung
Diese Arbeit behandelt die wichtigsten Kategorien der semiotischen Theorie von Ferdinand de Saussure, sowie Kritik an seinem zweiseitigen Z eichenmodell und die logische Weiterentwicklung zum triadischen Zeichenmodell hin, die sich aus dieser Kritik heraus ergab.
Zunächst beschäftige ich mich mit dem Langue – Parole System der zwei Sprachebenen, um eine Grundlage zu bilden für die Auseinandersetzung mit dem Zeichensystem Saussures. Bei der Beschäftigung mit seinem Zeichenmodell war mir vor allem die Analyse der Eigenschaften des sprachlichen Zeichens wichtig. In dem letzten Kapitel schließlich skizziere ich die Weiterentwicklung des zweiseitige n Zeichenmodelles hin zum triadischen Modell durch Ogden und Richards.
2. Zwei Sprachebenen – Langue und Parole
3.3. Sprache als soziale Institution
Ferdinand de Saussure unterscheidet in seinem „Cours de linguistique générale“ 1 von 1916 zunächst zwischen den beiden Begriffen Langue und Parole. Diese werden in der deutschen Fachliteratur oft mit Sprache bzw. Sprechen wiedergegeben, allerdings ist diese Übersetzung nicht adäquat zu der Bedeutung, die Langue und Parole im Französischen haben. Aus diesem Grund werde ich in dieser Arbeit nach Möglichkeit die französischen Fachbegriffe verwenden.
Der Grund für die Einteilung Saussures zwischen Langue und Parole besteht darin, daß menschliches Sprechen zwar einerseits einen individuellen Akt darstellt, andererseits aber auch sozial bedingt ist. Sprache ist eine soziale Institution. Individuen beherrschen und verwenden Sprache, um mit anderen Individuen kommunizieren zu können. In diesem Zusammenhang meint Langue das soziale Faktum Sprache ( fait social), also Sprache im Sinne eines gemeinsamen Zeichenvorrates wie er sich zum Beispiel in einer Nationalsprache äußert, der allen Parole-Äußerungen zugrunde liegt. Saussure vergleicht diesen gemeinsamen Code einer Sprachgemeinschaft mit einem Wörterbuch, von dem jeder Angehörige eben dieser Sprachgemeinschaft ein Exemplar besitzt. Kommunikation funktioniert nach Saussure folgendermaßen: In diesem Wörterbuch sind alle images acoustiques (deutsche Entsprechung: Lautkette) enthalten, die den concepts (deutsche Entsprechung: Vorstellung), die der Sprecher ausdrücken möchte, entsprechen. Hörer und Sprecher müssen, um einmal bei diesem Bild zu 1 Im folgenden werde ich den Titel nur noch verkürzt mit Cours wiedergeben.
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bleiben, über dasselbe Wörterbuch verfügen, sonst ist eine Kommunikation untereinander nicht möglich. Um dieses Bild ein wenig verständlicher zu machen, seien hier eine Person A vorgestellt, die nur Deutsch spricht und versteht sowie eine Person B, welche wiederum nur des Englischen mächtig ist. Diese beiden Personen werden sich nicht mittels gesprochener Sprache verständigen können, da der gemeinsame Zeichenvorrat einfach fehlt. Nebenbei, vorstellbar wäre in diesem Fall nur eine nichtsprachliche Kommunikation. Saussure verwendete in seinem Cours folgende metaphorische Analogie, um den Kommunikationsvorgang zu verdeutlichen: Der Sprecher äußert eine Lautkette, der Hörer schlägt nach Aufnahme dieser Lautkette im Wörterbuch nach, um die dazu gehörigen Vorstellungen zu entschlüsseln. 2
3.4. Langue vs. Parole
Während Langue also den sozialen Aspekt der Sprache bezeichnet, steht der Begriff Parole für den individuellen Akt des Sprechens, in welchem die Kommunikationsteilnehmer von dem gemeinsamen Zeichenvorrat Gebrauch machen. Parole ist gleichzeitig der Akt der Sprachverwendung, das „Äußern“ wie auch Produkt dieses Aktes, nämlich der „Äußerung“. Diese beiden Begriffe, Langue und Parole, bedingen einander, stellen jedoch gleichzeitig einen Gegensatz dar, vergleichbar mit dem Beispiel des Blattes Papier, das Saussure hat. 3
gebraucht Abhängigkeitsbeziehung, was auch mit einschließt, daß keine der beiden Ebenen Vorrang vor der anderen hat.
3. Das Zeichenmodell
3.1. Formaspekt und inhaltlicher Aspekt
Nachdem Saussure zwischen den beiden Sprachebenen Langue und Parole unterschieden hatte, definierte er den Zeichenbegriff. Er stellt in seinem Cours ein zweiseitiges (dyadisches) Zeichenmodell auf, in dem das sprachliche Zeichen sich aus den beiden Bestandteilen Vorstellung (concept) und Lautbild (image acoustique) 4 zusammensetzt. Diese beiden Teile des sprachlichen Zeichens sind durch Assoziation miteinander verknüpft und ebenso wie
2 Vgl. Pelz, Heidrun, Linguistik. Eine Einführung, Hamburg, 1996, S. 58.
3 Vgl. Saussure, S. 134.
4 Die hauptsächlich von mir verwendete deutsche Terminologie entnahm ich Pelz, Heidrun, Linguistik. Eine Einführung, Hamburg, 1996. und Prechtl, Peter, Saussure zur Einführung, Hamburg, 1994. Die Terminologie differiert stark in der Fachliteratur, doch am geeignetsten erscheinen mir die Übersetzungsvorschläge von Heidrun Pelz. Ansonsten bemühe ich mich, die deutschen Begriffe nur zur leichteren Verständlichkeit des Inhalts zu verwenden.
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Langue und Parole untrennbar verbunden. In der deutschen Literatur finden sich auch die Begriffe Ausdruck und Inhalt. Die Vorstellung stellt für Saussure das Bezeichnete dar (französisch signifié), und das Lautbild das Bezeichnende (bzw. Bezeichnung), französisch signifiant, d.h. es wird eine Unterscheidung zwischen dem Formaspekt und dem inhaltlichen Aspekt des sprachlichen Zeichens gemacht. Auch hier heben die gewählten Ausdrücke einen Gegensatz hervor, kennzeichnen aber gleichzeitig, daß beide Teile eines Ganzen sind. Dieses zweiseitige Modell ist hier natürlich sehr einfach dargestellt, dadurch könnte der Eindruck entstehen, Saussure hätte diese Theorie für eine ideale Sprache entwickelt, in welcher eine Eins- zu-Eins-Entsprechung 5 zwischen dem Zeichen und dem bezeichneten Gegenstand existierte. Bei den natürlichen Sprachen kann das überhaupt nicht der Fall sein, ein Zeichen kann hier für verschiedene Dinge in der außersprachlichen Wirklichkeit stehen. 6 Doch das war keineswegs Saussures Intention, was er dem Leser am Anfang seines Cours 7 auch deutlich zu verstehen gibt. 8
3.2. Die psychische Natur des sprachlichen Zeichens
Das sprachliche Zeichen ist bei Saussure rein psychischer Natur. Es setzt sich nicht aus einer Sache und einem Namen für diese Sache zusammen, sondern aus der Vorstellung von dieser Sache (eben dem concept) und dem Lautbild (image acoustique). Die Vorstellung (concept) wiederum meint nicht etwa den wirklichen Gegenstand selbst, sondern eine Abstraktion dieses Gegenstandes. Saussure brachte, um diese Konstruktion zu verdeutlichen, das schöne Beispiel mit dem Stuhl: wenn ein Sprecher den Begriff Stuhl gebraucht, bezieht sich dieses Wort zwar im Gespräch auf einen ganz bestimmten Stuhl, doch der Begriff selbst ist eine Abstraktion von allen wirklich existierenden Stühlen. 9 Schließlich können Stühle ganz verschieden aussehen, einer hat beispielsweise einen Metallrahmen, ein anderer wiederum besteht aus Holz mit einem Plüschbezug. Aber all diese verschiedenen Modelle werden mit dem abstrakten Begriff Stuhl gekennzeichnet.
Ebenso meint das Image acoustique nicht etwa die wirkliche, gesprochene Lautkette, sondern die psychologische Vorstellung davon, d.h. die Vorstellung von den Lauten.
5 Aliquid stat pro aliquo = Eines steht für etwas anderes
6 Zu der Zeichentheorie des „Aliquid stat pro aliquo“ vgl. auch Trabant, Jürgen, Elemente der Semiotik, Tübingen und Basel, 1996, S. 22f.
7 Saussure, Grundlagen der allg. Sprachwissenschaft, S. 76f.
8 Vgl. dazu auch Kapitel 2.3.2, Arbitrarität, dieser Arbeit.
9 Vgl. Pelz, Heidrun, Linguistik. Eine Einführung, S. 44.
Arbeit zitieren:
Ines Jachomowski, 2003, Das Zeichensystem Ferdinand de Saussures, München, GRIN Verlag GmbH
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