2
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Hauptteil 3
II.1. Der Schreibstil der Autorin 3
II.1.1. Metaphern und Vergleiche 4
II.1.2. Personifizierungen und Symbole 5
II.2. Die Erzählperspektive 6
II.2.1. Malapropismus 7
II.2.2. Allusionen 7
II.3. Sprachvarietäten 9
II.3.1. Black English 9
II.3.2. Andere Soziolekte/ Umgangssprache 11
II.3.3. Kindersprache/ Slang 13
II.4. Anredeformen 14
II.5. Realia 16
II.6. Der Titel 17
III. Schlusswort 18
IV. Literatur 20
3
I. Einleitung
Das Thema meiner Hausarbeit im Rahmen des Übersetzerseminars “Literarische Übersetzung” ist die Übersetzung des Romans To Kill a Mockingbird von Harper Lee. Das Ziel dieser Arbeit bestand darin, die deutsche Übersetzung mit dem englischen Original zu vergleichen und auf ihre Angemessenheit zu überprüfen. Ich habe daher für meine Untersuchung den übersetzungskritischen Ansatz gewählt. Bei der Analyse der ausgesuchten Textauszüge bin ich in zwei Schritten vorgegangen. Zunächst habe ich versucht, auf Besonderheiten des Romans und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten im Hinblick auf die Übersetzung aufmerksam zu machen. Anschließend habe ich die deutschen Lösungsvorschläge vor diesem Hintergrund analysiert und bewertet.
Zu den wichtigsten Aspekten, die bei der Übertragung des Buches in die Zielsprache zu beachten sind, habe ich den Schreibstil der Autorin ( Kapitel II.1. ), die Wiedergabe der Erzählperspektive ( Kapitel II.2. ) und die Verwendung von Sprachvarietäten ( Kapitel II.3. ) gezählt. Ebenso von Bedeutung schienen mir Anredeformen ( Kapitel II.4. ), Realia ( Kapitel II.5. ) und nicht zu vergessen der Titel ( Kapitel II.6. ). Auf der Grundlage dieser einzelnen Kapitel habe ich darüber hinaus versucht, der Frage nachzugehen, wie die Übersetzerin mit der engen Einbettung des Romans an eine bestimmte Zeit und vor allem an eine bestimmte Kultur umgegangen ist. Denn sowohl die Thematik als auch die Atmosphäre sind untrennbar verbunden mit der amerikanischen Kultur, genauer gesagt der der Südstaaten. Dies durch eine Übersetzung für eine andere Kultur verständlich zu vermitteln, ohne dass an Authentizität verloren geht, war sicherlich keine leichte Aufgabe, auf jeden Fall aber eine Herausforderung.
II. Hauptteil
II.1. Der Schreibstil der Autorin
Harper Lees Schreibstil ist durch sehr unterschiedliche Merkmale gekennzeichnet. So ist einer der wichtigsten Einflüsse, der sich in ihrer Schreibweise bemerkbar macht, der sog. Realismus. Die Sprache in To Kill a Mockingbird ist klar und präzise, d.h. Menschen, Orte
4
und Gegenstände werden detailliert und möglichst ”realistisch“ beschrieben. Die wohlorganisierte Struktur des Romans und die häufige Verwendung von Vokabular aus dem Bereich der Rechtswissenschaften verraten zudem den juristischen Hintergrund der Autorin.
Darüber hinaus zeichnet sich Harper Lees Schreibstil aber vor allem durch den Gebrauch verschiedener Stilmittel aus. Dazu zählen in erster Linie Metaphern und Vergleiche, die ihrer Art und Weise zu schreiben eine gewisse Lebendigkeit verleihen. Personifizierungen und der Einsatz von Symbolen, die besonders im Hinblick auf die Handlung von großer Bedeutung sind, sowie Malapropismus und Allusionen ( s. Kapitel 2.2. ) tragen ebenso dazu bei. Im folgenden habe ich mich daher auf die erstgenannten Stilmittel konzentriert, da diese meiner Meinung nach den größeren Einfluss auf den charakteristischen Stil der Autorin haben.
II.1.1. Vergleiche und Metaphern
Der folgende Vergleich entstammt der Charakterisierung Calpurnias, der schwarzen Köchin und Hausangestellten der Familie Fink:
“ ... ; her hand was wide as a bed slat and twice as hard.“ ( Lee, 97, S. 6 ) Die deutsche Übersetzung lautet:
“Ihre Hand war so breit wie eine Bettlatte und doppelt so hart.“ ( Lee, 2000, S. 15 ) Hierbei handelt es sich um eine wörtliche Übersetzung des Vergleichs aus der Ausgangssprache. Die Übersetzerin hat denselben Gegenstand gewählt um Calpurnias Hand, die die Strenge der Hausangestellten verrät, zu beschreiben. Dadurch wird die sprachliche Originalität der Autorin gewahrt.
In einer der Gerichtszenen wird Atticus’ Vorgehensweise bei der Befragung eines Zeugen Durch folgende Metapher beschrieben:
„... it seemed to me that he’d gone frog sticking without a light”. ( S. 195 )
5
In der Übersetzung heißt es:
“... mir kam es vor, als sei er ohne Licht auf die Froschjagd gegangen.“ ( S. 285 ) Ähnlich wie bei der Übersetzung der Vergleiche wurde hier dasselbe Bild aus dem Englischen ins Deutsche übernommen, um den Eindruck, den die Erzählerin von Atticus Taktik bei der Befragung hat, wiederzugeben. Wieder ist die Strategie der Übersetzerin sinnvoll, denn auch der deutsche Leser kann sich vorstellen, dass jemand, der ohne Licht auf die Froschjagd geht, nur unzureichend für sein Vorhaben ausgerüstet ist. Der Eindruck, dass Atticus sich scheinbar nicht genügend vorbereitet hat, wird im Deutschen daher genauso deutlich. Darüber hinaus bleibt auch hier der charakteristische Stil der Autorin erhalten.
II.1.2. Personifizierungen und Symbole
Die von Harper Lee häufig verwendeten Personifizierungen haben zwei Funktionen. Zum einen unterstreichen sie die kindliche Erzählperspektive ( s. Kapitel II.2 ). Zum anderen heben sie den Symbolcharakter vieler im Buch beschriebener Gegenstände oder Orte hervor. Beispiele hierfür finden sich in der Beschreibung des benachbarten Radley Grundstücks, in der es u.a. heißt:
”The remains of a picket drunkenly guarded the front yard - …” ( S. 9 ) Die Übersetzung dieses Satzes lautet:
“Die Überreste eines betrunken schwankenden Lattenzauns schützten den verwahrlosten Vorplatz, ...“ ( S. 19 )
Die Personifizierung wird hier eindeutig aus der Ausgangssprache übernommen. Der Zustand der Betrunkenheit, der normalerweise nur mit Menschen in Verbindung gebracht wird, wird auf ein Objekt, nämlich auf den Lattenzaun bzw. auf seine Überreste übertragen. An einer anderen Stelle heißt es in der Originalversion: “The old house was the same, droopy and sick, …” ( S. 16 )
6
Übersetzt wurde dies mit:
“Das alte Haus stand unverändert da, brüchig und hinfällig.” ( S. 28 ) In diesem Fall wurde im Deutschen keine Personifizierung verwendet, denn die Adjektive ”brüchig” und ”hinfällig” werden im Gegensatz zu “droopy and sick“ üblicherweise nicht im Zusammenhang mit Personen, sondern bei der Beschreibung von Gebäuden benutzt. Dies scheint daher nicht weiter ins Gewicht zu fallen, da es sich im englischen Ausgangstext ja tatsächlich um die Beschreibung eines Gebäudes bzw. eines Grundstücks handelt und nicht um die eines Menschen. Der deutsche Leser kann sich den Zustand, in dem sich das Haus befindet, also durchaus vorstellen. Dennoch geht bei dieser Übersetzung etwas verloren. Denn bei der Beschreibung des Radley Grundstücks handelt es sich ebenso um eine indirekte Charakterisierung seiner Bewohner. “The Radley house with its closed doors and shutters and austere front represents the privacy and isolation and unfriendliness of the Radley family.” ( Sims, 2000, S. 65 ) Genau das wird in der Originalversion durch die verwendete Personifizierung erzielt. In der deutschen Übersetzung hingegen geht dieser Effekt in diesem Fall verloren.
II.2. Die Erzählperspektive
Bei der Erzählperspektive handelt es sich um eine erlebnisbetonte Ich-Erzählung im Rückblick. In diesem Fall bedeutet das, dass die mittlerweile erwachsene Erzählerin Scout Finch, eine der Hauptfiguren in To Kill a Mockingbird, auf sich selbst als Kind zurückschaut, d.h. sich wieder in ihre Kindheit hineinversetzt. Im Vordergrund steht dabei eher wie sie die Geschichte erlebt und weniger was im Einzelnen geschieht. Scout schildert die Ereignisse aus ihrer damaligen Perspektive, die durch Naivität und Unschuld gekennzeichnet ist. Einerseits weiß der ( erwachsene ) Leser daher oft mehr als die Erzählerin und versteht deshalb das Verhalten der einzelnen Figuren besser. Andererseits verfügt Scout über ein besonderes Wissen, dass selbst der erwachsene Leser nicht unbedingt hat und zwar vor allem wenn er nicht aus dem Kulturkreis stammt, in dem der Roman angesiedelt ist. So lässt sie neben der Erzählung der Geschichte immer wieder ihre Kenntnisse in Form von Anspielungen sowohl über die Geschichte und Literatur der USA als auch die typische Lebens- und Denkweise der Südstaatler einfließen. Gleichzeitig
Arbeit zitieren:
Diplomübersetzerin Helena Schneider, 2002, Die Übersetzung des Romans "To Kill a Mockingbird" von Harper Lee, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Kopftuchstreit in Deutschland
Ein diskursanalytischer Blick ...
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Hausarbeit, 31 Seiten
Carl Schmitt und die Theorie des Freund-Feind-Schemas
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Der Transrapid als ergänzendes Verkehrsmittel in Deutschland am Beispi...
Seminararbeit, 46 Seiten
Cicero - Ein Totengräber der R...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 12 Seiten
Ciceros` Zehnte Philippische Rede
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Kopftuch-Debatte in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Magisterarbeit, 95 Seiten
Wirtschaftspolitik und -entwicklung: Der nationalsozialistische Vierja...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Grundrechtsdogmatische Analyse der Kopftuchentscheidung des Bundesverf...
Jura - Öffentliches Recht / Staatsrecht / Grundrechte
Seminararbeit, 29 Seiten
Zur Symbolik des Kopftuchs in ...
Magisterarbeit, 89 Seiten
Die Rolle des Islam in Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Diplomarbeit, 46 Seiten
Helena Schneider's Text Die Übersetzung des Romans "To Kill a Mockingbird" von Harper Lee ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Helena Schneider hat den Text Die Übersetzung des Romans "To Kill a Mockingbird" von Harper Lee veröffentlicht
Helena Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare