Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Globalisierung 4
2.1 Begriffsklärung 4
2.2 Globalisierung der Wirtschaft 4
3. Te xtil- und Bekleidungsindustrie. 5
3.1 Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen für die Textil- und
Bekleidungsindustrie. 6
a) Das Multifaserabkommen 7
b) Die Uruguay-Runde 8
c) The Agreement on Textiles and Clothing 9
d) Integration und Regulierung des Textil - und Bekleidungshandels
durch die Europäische Union. 9
3.2 Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der deutschen Textil- und
Bekleidungsindustrie. 10
3.3 Die Konkurrenz 13
4. Globalisierung - Chance oder Risiko für die deutsche Textil- und
Bekleidungsindustrie 16
5. Ausblick. 22
Abk ürzungsverzeichnis 24
Anhang 25
Literaturverzeichnis. 36
Versicherung 38
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Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie
1. Einleitung
Globalisierung ist heutzutage allgegenwärtig und wird äußerst kontrovers diskutiert. Befürworter sehen in ihr eine Chance für ein effizienteres Wirtschaften durch Abbau von Handels - und Wettbewerbsbeschränkungen. Kritiker hingegen bemängeln eine fehlende gesellschaftliche Kontrolle von international operierenden Unternehmen und eine Verstärkung der Gefahr, dass sich die wirtschaftliche Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern weiter vergrößert.
In Deutschland wurde i n den letzten Jahren über die voranschreitende Globalisierung und ihre Chancen und Risiken für die deutsche Wirtschaft diskutiert. Anhand der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie soll unte rsucht werden, welche Auswirkungen Globalisierungsprozesse auf die deutsche Wirtschaft haben und wie diese in Zukunft das wirtschaftliche Handeln beeinflussen werden. Dazu wird zunächst die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie in Bezug auf ihre rechtlichen Rahmenbedingungen, ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage und die Konkurrenz, die ihr gegenüber steht, charakterisiert. Im Anschluss erfolgt die Abwägung von Chancen und Risiken der fortschreitenden Globalisierung für die Branche. Den Abschluss der Untersuchung bildet ein Blick in die Zukunft der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie.
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Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie
2. Globalisierung
2.1 Begriffsklärung
Der Begriff der Globalisierung ist ein Schlagwort der Politik, der Ökonomie und der Soziologie. Er bezieht sich auf die zunehmende Verflechtung von Nationen und Menschen auf der ganzen Welt, welche aus Handel, Investitionen, Reisen, kulturellen Kontakten und anderen Wechselbeziehungen resultiert. Als treibende Kräfte der Globalisierung werden häufig:
§ die Liberalisierung von Märkten und Marktzutritten,
§ technischer Fortschritt und § die Internationalisierung von Geld- und Gütermärkten
genannt. Globalisierung ist kein neues Phänomen. Bereits im Mittelalter gab es transeuropäischen Handel. In der Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg wird eine der zentralen Ursachen der Globalisierung gesehen. Multinationale Zollreduktionen im Rahmen der GATT-Verhandlungen und die Errichtung einer Europäischen Freihandelszone durch den EU-Vertrag hatten einen wesentlichen liberalisierenden und wachstumsfördernden Effekt. Zudem wurde eine zunehmende Öffnung vorher abgeschotteter Volkswirtschaften bewirkt, besonders bei Staaten des ehemaligen Ostblocks und Ostasiens.
2.2. Globalisierung der Wirtschaft
,,Die Globalisierung der Wirtschaft ist einer der wichtigsten Aspekte der wirtschaftlichen Diskussion der 90er Jahre und des neuen Jahrtausends und äußert sich in einer verstärkten Integration und Vernetzung der Weltmärkte, einer Inte nsivierung des weltweiten Wettbewerbs und einer ansteigenden Volkswirtschaften.“ 1 Auf den internationalen Interdependenz einzelner
Finanzmärkten werden heutzutage ca. 1,5 Billionen Dollar 2 täglich bewegt. Aufgrund der Verschä rfung des Wettbewerbs in einer globalen Wirtschaft sind die Unternehmen gezwungen, sich ständig mit einem hohen Informationsfluss über Märkte und Wettbewerber auseinander zu setzen und daraus an die Situation
1 Quelle: ,,Internationalisierungsstrategien“ André Schneider
2 Quelle: Microsoft Encarta Professional 2003
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Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie
angepasste Instrumente und Strategien zu entwickeln. Von großer Wichtigkeit sind dabei die Verlagerung von Produktionsstätten und der Abschluss strategischer Allianzen.
Die Globalisierung ist ein Prozess, der tief greifende Veränderungen in unseren Arbeitsbedingungen und in unserer Lebensweise mit sich bringt. Getragen wird dieser Prozess vom Einsatz und der ständigen Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechniken. Das World Wide Web z.B. ermöglicht es, jeder Zeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Andererseits entziehen sich multinationale Unternehmen durch weltweite Produktionsverlagerung den Gesetzen ihrer Heimatländer. Schätzungen zu Folge werden heutzutage rund zwei Drittel der weltweiten Verkäufe und Käufe über rund 63000 multinationale Unternehmen abgewickelt, deren Anteil an der weltweiten Produktion fast 30 Prozent (gemessen am Bruttosozialprodukt) beträgt 3 . Besonders problematisch sind die Tätigkeiten von Unternehmen in Entwicklungs-und Schwellenländern, in denen Gesetze für Umweltschutz, Menschrechte oder Arbeitsrecht nicht oder nur sehr schwach existieren.
Im Zuge der Globalisierung wurde in den letzten Jahren strittig diskutiert, ob der Standort Deutschland, besonders im Vergleich zu anderen westlichen Industrieländern und Staaten Südostasiens, noch attraktiv ist. Folgen dieser Diskussionen waren unter anderem ein Abbau von Arbeitnehmerrechten, Einschnitte in den sozialen S icherungssystemen und Reallo hnverluste. Der Unterschied in den Arbeitskosten zwischen Hoch- und Niedriglohnländern und die dadurch hervorgerufene Umverteilung der Produktion haben zu einem enormen Beschäftigungsabbau in Deutschland und der EU geführt.
3 Quelle: Unctad - UN-Konferenz zu Handel und Entwicklung
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Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie
3. Die Textil- und Bekleidungsindustrie
Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, welche weitgehend mittelstä ndisch strukturiert 4 ist, ist nach dem Ernährungsgewerbe die größte Konsumgüterbranche in Deutschland. Die meisten Textil- und Bekleidungshersteller in Deutschland bestehen bereits seit 33, 50 oder mehr Jahren.
Im Allgemeinen teilt man den Output der Textil- und Bekleidungsindustrie in 3 Bereiche 5 ein:
1. Bekleidung (z.B. Damen-, Herren- und Kinderoberbekleidung, sowie Berufs-und Sportbekleidung)
2. Haushalts- und Heimtextilien (z.B. Handtücher, Gardinen und Teppiche)
3. Technische Textilien (z.B. Transport- und Verpackungstextilien, Industrietextilien, Medizintextilien, Filterstoffe und Geotextilien)
Charakteristisch für die Herstellung von Bekleidung und textilen Erzeugnissen sind die Mehrstufigkeit und die Abhängigkeit der Verarbeitungsschritte. Da diese nur nacheinander durchgeführt werden können, spricht man auch von der sog. „textilen Kette“. Die Unternehmen der Textil- und Bekleidungsindus trie sind in der Lage die einzelnen Stufen der Fertigung auszulagern. Für die jeweiligen Fertigungsstufen 6 können so individuelle Standortentscheidungen getroffen werden. Bereits Anfang der siebziger Jahre begann die Textil- und Bekleidungsbranche mit Produktionsverlagerungen ins Ausland. Seitdem hat sich die Branche zu einem der am stärksten in die internationale Arbeitsteilung eingebundenen Industriezweige entwickelt.
4 Siehe Anhang Nr. 4
5 Quelle: ,,Globalisierung und Strukturwandel der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie“ Michael Grömling / Jürgen Matthes
6 1. Stufe: Spinnstoffaufbereitung ( Vorbereitung der Textilien auf den Spinnereiprozess) 2. Stufe: Spinstoffverarbeitung (Herstellung von Garnen im Spinnprozess) 3. Stufe: Garnverarbeitungsstufe
4. Stufe: Konfektionsstufe (Weiterverarbeitung der veredelten textilen Flächen)
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3.1 Wichtige rechtliche Rahmenbedingungen für die Textil- und Bekleidungsindustrie 7
a) Das Multifaserabkommen
Seit den 60er Jahren wird der internationale Handel mit Textilien und Bekleidung im Rahmen des Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade - GATT) durch verschiedene Abkommen geregelt. Grund für die Sonderbehandlung des Textilsektors durch das GATT war der erhöhte Wettbewerbsdruck auf den Märkten der Industrieländer, welcher in den 60er und 70er Jahren durch den Importdruck asiatischer und südamerikanischer Länder ausgeübt wurde. 1 962 wurde auf Initiative der USA das Vorläufige Baumwolltextilabkommen ( Short Term Arrangement - STA) abgeschlossen, welches noch im gleichen Jahr in das Langfristige Bauwolltextilabkommen (Long Term Arrangement Regarding International Trade in Cotton Textiles - LTA) geändert wurde. Dieses wurde mehrmals verlängert und blieb bis 1973 in Kraft. Im Laufe der Zeit traten dem Abkommen insgesamt 40 Länder bei. Es wurde dem Einfuhrland ermöglicht, seinen Markt gegenüber einzelnen Lieferländern durch Kontingente zu schützen. Dadurch wurde allerdings gegen das allgemeine GATT-Prinzip der Nichtdiskriminierung verstoßen. Das LTA, als Alternative zu diesen einseitigen Schutzmaßnahmen, ermöglichte eine Abweichung von den festgeschriebenen Regeln im Rahmen von bilaterale n Abkommen. Aufgrund der zunehmenden Verwendung von synthetischen Fasern wurde 1967 die erste Verlängerung des Long Term Arrangement Regarding International Trade in Cotton Textiles beschlossen. 1970 erfolgte eine zweite Verlängerung des LTA. Die zahlreich abgeschlossenen bilateralen Verträge der USA mit einigen asiatischen Ländern und dem daraus resultierenden Importdruck auf andere Einfuhrländer, waren nur ein weiterer Impuls für Neuverhandlungen zwischen den GATT-Mitgliedern. 1974 mündeten diese Verhand lungen im Multifaserabkommen (Multifibre - MFA) als Nachfolger des LTA. Das Abkommen sollte ursprünglich 1977 auslaufen, wurde aber mehrmals verlängert und erst 1995 durch das ATC-Abkommen (The Agreement on Textiles and Clothing) abgelöst. Dem MFA traten insgesamt 43 Länder bei.
7 Siehe Anhang Nr. 2
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b) Die Uruguay-Runde
Die Uruguay-Runde (1986-1994) war die achte multilaterale GATT-Verhandlungsrunde. 8 Grund für die Einleitung dieser war die Aktualisierung und Erweiterung der GATT-Regelungen des internationalen Handels und die Diskussion über die weitere Beseitigung bzw. den weiteren Abbau von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen. Als grundsätzliche Leitlinie für den Handel mit Textilien und Bekleidung sollte eine Rückführung des internationalen Textilha ndels in das allgemeine Regelwerk des GATT und somit eine Beendigung der Sonderstellung der Textil- und Bekleidungsbranche erreicht werden. Das Ergebnis der Uruguay-Runde war eine Vereinbarung über das Auslaufen des MFA und dem Inkrafttreten des ATC-Abkommens ( Agreement on Textiles and Clothing). Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand ebenfalls die Modifizierung und Neuformulierung des Anti-Dumpingkodex des GATT. Um den Missbrauch von Anti-Dumpingmaßnahmen als protektionistisches Mittel zu vermeiden, wurde u.a. die Geltungsdauer für Anti-Dumpingmaßnahmen auf 5 Jahre begrenzt, die Deminimis-Klausel 9 eingeführt, sowie eine Sonderregelung für neu gegründeten Unternehmen, um ihnen den Markteintritt zu erleichtern 10 . Neben den bereits genannten Vereinbarungen des 94er Urug uay-Abkommens, wurden weitere Vereinbarungen über Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen 11 und zum Schutz von geistigem Eigentum (TRIPS - Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) getroffen.
Um die Regelungen in ihren nationalen Gesetzgebungen umzusetzen, wurde Entwicklungsländern ein Zeitraum von 10 Jahren eingeräumt. Zudem einigten sich die GATT-Mitgliedsstaaten in der Uruguay-Runde auch über die Einrichtung der Welthandelsorganisation ( World Trade Organization - WTO) als neuen institutionellen Rahmen für das multilaterale Handelssystem.
8 vorangegangene Verhandlungsrunden: Genf (1947), Annecy (1949), Torquay (1951), Genf (1956), Dillon (1960-61), Kennedy (1964-67), Tokio (1973-79)
9 In dieser wurde festgelegt, dass kein Dumping vorliegt, wenn die Dumping-Rate eines Produkts weniger als 2% des Exportpreises oder der Mengenanteil des Produkts weniger als 3% vom gesamten Importvolumen des entsprechenden Produkts im Importland beträgt.
10 Dumping liegt demnach nicht vor, wenn sich der Export unter Preis auf den Zeitraum von einem Jahr beschränkt und der Mengenanteil des Produkts weniger als 20% vom Umsatzvolumen des exportierenden Unternehmens beträgt.
11 Der Geltungsbereich des Anti-Subventionskodex bezieht sich ausschließlich auf handelswirksame Subventionen. Legitime Subventionen sind in einer ,,Grünen Liste“ kategorisiert. Bei Verstoßen ist es dem geschädigten Einfuhrland gestattet, Ausgleichszölle zu erheben.
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Annica Witt, 2005, Globalisierung - Chancen und Risiken für die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, München, GRIN Verlag GmbH
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