INHALTSVERZEICHNIS
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INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
1. EINLEITUNG 4
EINE ANNÄHERUNG AN DIE SYSTEMTHEORIE 5
2.1 Entwicklungsphasen der Systemtheorie 5
2.1.1 Geschlossene Systeme 5
2.1.2 Offene Systeme 6
2.1.3 Die neuere Systemtheorie/ Die Theorie selbstreferentieller
Systeme 7
2.2 Organisationen als soziale Systeme 9
2.2.1 Soziale Systeme 9
2.2.2 Entscheidungskommunikationen als Besonderheit von
Organisationen 13
2.3 Das Sozialsystem Familie 17
2.3.1 Die Familie in der modernen Gesellschaft 17
2.3.2 Die Inklusion der ganzen Person als spezifische Funktion der
Familie 18
2. FAMILIENUNTERNEHMEN 20
3.1 Unterschiede von Familien und Unternehmen
aus systemtheoretischer Perspektive 20
3.2 Besonderheiten von Familienunternehmen 23
3. SCHLUSSBETRACHTUNG:
Chancen und Risiken von Familienunternehmen 25
LITERATURVERZEICHNIS 29
2
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
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Eine mögliche Einteilung von Systemen..................................................................9
3
1. EINLEITUNG
Im Rahmen der Diplomandenarbeitsgemeinschaft „Familienunternehmen und Corporate Governance“ (WS 01/02) am Lehrstuhl für strategische Unternehmensführung wurde sich u.a. auch mit Ansätzen der neueren Systemtheorie beschäftigt. Um eine Annäherung an Familienunternehmen aus der Perspektive dieser Theorie etwas eingehender darzustellen, zieht diese Arbeit ihre Motivation und soll gleichzeitig als Vorstufe zu einer Diplomarbeit dienen.
„Es gibt Systeme“ sagt Niklas Luhmann 1 . Es handelt sich also keineswegs um die konstruktivistische Auffassung, Systeme seien ein reines gedankliches Konstrukt unseres Verstandes. Mit diesem Ausgangspunkt soll im Folgenden zunächst ein - dem Rahmen dieser Arbeit entsprechenderkurzer Überblick über die historische und inhaltliche Entwicklung der Systemtheorie gegeben werde (Kapitel 2), wobei auch im Besonderen die Systemtypen Organisation und Familie herausgegriffen und vertieft werden sollen. Kapitel 3 stellt im Anschluss den Versuch einer Brücke zwischen diesen beiden Teilsystemen dar, zeigt deren Unterschiede auf und beschreibt die durch die Kopplung der beiden Systeme entstehenden Besonderheiten von Familienunternehmen. Es geht also um die Frage, was Familienunternehmen aus systemtheoretischer Perspektive sein könn(t)en. Der sicherlich nicht einfache Zugang zum Werk von Niklas Luhmann, das hier als Grundlage dienen und in besonderer Weise Berücksichtigung finden soll, setzt vom Leser jedoch gewisse Vorkenntnisse der systemtheoretischen Begrifflichkeiten voraus, da eine ausführliche und tiefgehende Darstellung sicherlich den hier gestellten Rahmen sprengen würde. Die Schlussbetrachtung lenkt schließlich den Blick auf die spezifischen Chancen und Probleme von Familienunternehmen. Letztlich soll diese Arbeit Familienunternehmen von einer etwas anderen Perspektive anleuchten, und eine systemperspektivische „Beobachtung 2. Ordnung“ als mögliche Betrachtungsebene von Familienunternehmen darstellen, die nicht nur akademischen Gewinn verspricht.
1 Vgl. Luhmann (1984), S. 30
4
2. EINE ANNÄHERUNG AN DIE SYSTEMTHEORIE
2.1 Entwicklungsphasen der Systemtheorie
Trotz des knappen Rahmens dieser Arbeit erscheint es v.a. im Hinblick auf das Verständnis angebracht, zumindest einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Systemtheorie zu geben, zumal sie keine ursprünglich soziologische Theorie darstellt und ihre Wurzeln in unterschiedlichen Disziplinen hat. 2 Besonders einflussreich für die sog. „neuere Syst emtheorie“ - also die Theorie selbstreferentieller Systeme - und Niklas Luhmann waren hierbei u.a. die Arbeiten der beiden chilenischen Biologen und Neurophysiologen Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela mit ihrem Konzept der Autopoiese, Talcott Parsons struktur- funktionale Systemtheorie, Spencer Browns „laws of form“ und von Foersters Kybernetik 2. Ordnung. Luhmanns erhebt einen Universalitätsanspruch an seine Theorie (keinen Absolutheitsanspruch), sie soll also multidisziplinär auf andere Wissenschaftsbereiche übertragbar sein, womit das erhebliche
Abstraktionsniveau seines Hauptwerkes „Soziale Systeme- Grundzüge einer allgemeinen Theorie“ von 1984 deutlich werden dürfte.
2.1.1 Geschlossene Systeme
Der klassische Systembegriff definiert System als etwas „Zusammengesetztes“ gegenüber dem Elementaren. 3 K. Boulding definiert den Systembegriff demnach auch durch negative Abgrenzung, wenn er meint : „Whatever is not chaos, is system“ 4 5 Was also als System angesehen wird hängt von den Definitionsgrenzen ab. In diesem Sinne ist die Summe der Elemente des Systems gleichbedeutend mit dem Ganzen.
Die Vorstellung von geschlossenen Systemen zeichnet sich nun dadurch aus, dass die Elemente des Systems nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern
2 Kybernetik, Physik (Thermodynamik), Kommunikationstheorie, Biologie u.a.
3 der Begriff System stammt aus dem Griechischen in wird im Brockhaus als „Ganzheitlicher Zusammenhang von Dingen, Vorgängen, Teilen der entweder in der Natur gegeben (...) oder von Menschen hergestellt ist (...)“ beschrieben. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 18. Band, F.A. Brockhaus Wiesbaden 1973, S. 406.
4 zitiert aus Gründer/ Ritter (1998), S. 863
5 Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Begriff ist Chaos ein Zustand, in dem alle folgenden Zustände bzw. Ereignisse gleichwahrscheinlich sind.
5
die Relationen dieser Elemente untereinander in den Blick rücken 6 . Die innere Ordnung eines Systems konstituiert sich demnach durch die Beziehung der Elemente zueinander, wobei die Teile zudem in einem strukturellhierarchischen Abhängigkeitsverhältnis unter den Zweck des Ganzen gedacht werden. 7 Das Ganze ist durch seinen Zweck definiert und die Teile, die lediglich als Mittel zum Zweck dienen, sorgen für die Produktion der systemerhaltenden Leistungen. Wichtig ist vor allem, dass sich ein geschlossenes System dadurch auszeichnet,
„daß es sich homöostatisch, also binnenstabil erhält und nach Erreichen eines gleichgewichtigen Zustandes nicht verändert. Ein solches System unterhält keine Austauschbeziehungen mit seiner Umwelt (...)“. (Kneer/ Nassehi 2000: 21)
Charakterist isch für geschlossene Systeme ist also, dass die Beziehungen zur Umwelt bei der Betrachtung vernachlässigt werden. Es interessiert nur das Zusammenwirken der Teile und des Ganzen und die Funktion des Teils für das Ganze. Dies ist der zentrale Unterschied zu dem Gedanken offener Systeme.
2.1.2 Offene Systeme
Der Biologe Ludwig von Bertalanffy beschreibt den Unterschied von geschlossenen und offenen Systemen folgendermaßen:
„Ein System ist dann geschlossen, wenn keinerlei stofflicher Träger von außen eingeht oder es verlässt; es ist offen, wenn es zwischen ihm selbst und der Umwelt einen stofflichen Austausch gibt (...)“ (zitiert aus Kiss 1990: 82)
Typisch für offene Systeme ist somit der Gedanke des Umwelteinflusses bzw. der Dynamik des Systems mit der Umwelt. A usgangspunkt dieser Überlegungen waren die Erkenntnisse des sog. 2. Gesetzes der Thermodynamik, was besagt, das in geschlossenen Systemen (also ohne Umweltkontakt) die Entropie stetig ansteigt - was letztlich zum Tod des Systems führt, da kein Unterschied zwischen System und Umwelt mehr vorliegt. 8 Die Umwelt wirkt beim Gedanken offener Systeme zwar nun auf das
6 Hier liegt der Gedanke zugrunde, das das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist.
7 Vgl. Kiss (1989), S. 90 ff.
8 was gleichbedeutend damit ist, dass das System keine „Identität“ mehr besitzt
6
System ein, es lässt sich aber keine lineare Kausalität zwischen Input in das System aus der Umwelt, und Output aus dem System in die Umwelt feststellen. Insofern wird das offene System wie eine „black box“ gedacht, eine unbekannte Maschine also,
„von der man annimmt, dass sie determinierbar ist, in der der determinierbare Mechanismus jedoch dem Blick entzogen ist.“ (Glanville 1988: 100f.)
Offene Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre interne Organisation bei Umweltänderungen selbst verändern und diese nicht von der Umwelt determiniert wird. Es geht also um Selbstorganisation. Damit ergibt sich aber eine - gegenüber geschlossenen Systemen - völlig veränderte Betrachtungsperspektive: Während in der Theorie geschlossener Systeme die Umwelt noch vernachlässigt wurde, ist für die Theorie offener Systeme die System- Umwelt Relation von konstitutiver Bedeutung. Allerdings wird die Unterscheidung von System und Umwelt fremdreferentiell bestimmt. 9 Dies ändert sich beim Übergang zur neueren Systemtheorie bzw. zur Theorie selbstreferentieller Systeme: Hier trifft das System selbst die Unterscheidungim Falle von Funktionssystemen durch sog. binäre Codes - zwischen System und Umwelt.
2.1.3 Die neuere Systemtheorie/ Die Theorie selbstreferentieller Systeme 10 Die sog. „neuere Systemtheorie“ integriert nun beide Ansätze. Unter das Etikett „neuere Systemtheorie“ fallen eine Reihe von Ansätzen aus unterschiedlichen Disziplinen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei v.a. das Autopoiese- Konzept von Maturana und Varela, die Arbeiten von Heinz von Foerster zur Kybernetik 2. Ordnung 11 , natürlich Niklas Luhmann mit seiner Theorie sozialer Systeme u.a..
Nach Luhmann zeichnet sich ein System ausschließlich durch die Abgrenzung von seiner Umwelt aus.
9 der Beobachter trifft also die Unterscheidung
10 vgl. Luhmann (1984), S. 25
11 wichtig bei von Foerster ist u.a. die Unterscheidung zwischen trivialen und nicht- trivialen Maschinen, die aufgrund ihrer Undeterminiertheit und doppelten Schließung eine „Geschichte“ haben (also historische Systeme sind).
7
„Konstitutiv für diesen Systembegriff ist somit die Vorstellung einer Grenze, die eine Differenzierung von Innen und Außen ermöglicht. Etwas ist entweder System (bzw. gehört zum System) oder Umwelt (bzw. gehört zur Umwelt).“ (Kneer/ Nassehi 2000: 38)12
Nach Luhmann ist der Unterschied - also die Grenze- zwischen System und Umwelt durch ein Komplexitätsgefälle (bzw. Sinn 13 ) „markiert“ 14 . Das System generiert und bestimmt die G renze allerdings selbst (deswegen Selbstreferenz). Da die Umwelt stets komplexer als das System ist (also über mehr Verweisungen und Relationen verfügt), besteht die Funktion des Systems in der Reduktion der Umweltkomplexität, 15 was durch die Selektion von Möglichkeiten bzw. die Reduktion von Relationen geschieht.
„Systembildung erfolgt durch Stabilisierung einer Grenze zwischen System und Umwelt, innerhalb derer eine höherwertige Ordnung mit weniger Möglichkeiten (also mit reduzierter Komplexität) invariant gehalten werden kann.“ (Luhmann
1970: 76)
Es gilt somit dasselbe wie im Falle der Entropie: ohne ein Komplexitätsgefälle gäbe es keinen Unterschied zwischen Umwelt und System (insofern also auch keine „Identität“ 16 ), was gleichbedeutend mit der Beendigung der Autopoiese und somit der Existenz des Systems ist. Ein System besteht nun auch in der Theorie selbstreferentieller Systeme aus Elementen. Unter einem Element versteht Luhmann folgendes: „Ein Element ist für das System jeweils das, was für ein System als nicht weiter auflösbare Einheit fungiert.“ (Luhmann 1984: S. 43) Damit ist eine Deontologisierung des Elementbegriffs verbunden, denn dadurch ist gesagt, dass ein Element erst ein Element durch die Integration (und die Relation zu anderen Elementen) i n das System wird. Es ist also nicht schon ein Element an sich.
12 Luhmann selbst schreibt hierzu: „Elemente müssen (...) entweder dem System oder dessen Umwelt zugerechnet werden. Relationen können dagegen auch zwischen System und Umwelt bestehen. Eine Grenze trennt also Elemente, nicht notwendigerweise auch Relationen.“ (Luhmann 1984: 52)
13 vgl. Luhmann (1971), S. 73ff.
14 vgl. Luhmann (1984), S. 249ff., also das „cross“ bei Spencer - Brown
15 dazu benötigt es jedoch den Aufbau einer gewissen Eigenkomplexität, siehe Luhmann (1984), S. 49
16 die eine Seite ist also jeweils nur im Unterschied (bzw. der Bezeichnung) der anderen Seite existent. Die Farbe „schwarz“ kann es beispielsweise nur dadurch geben, dass es auch noch andere Farben gibt.
8
Arbeit zitieren:
Alexander Jung, 2002, Eine Annäherung an Familienunternehmen aus systemtheoretischer Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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