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Philipps -Universität Marburg
Fachbereich 03: Politikwissenschaften
Sommersemster 2001
Studienbegleitende Prüfungsarbeit
Zum PS „Von der Ära Kohl zur rot-grünen Koalition“ (SS 2000)
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1) Einleitung 02
2) Definition des Begriffs „Terrorismus“ 03
3) Auftreten des Terrorismus in Deutschland von den 60er Jahren bis heute 04
3.1) Studentenunruhen Ende der 60er Jahre 04
3.2) Die Rote Armee Fraktion (RAF) 07
3.2.1) Welche Ursachen hatte die Gründung der RAF? 07
3.2.2) Taten der RAF 08
3.2.2.1) Die erste Generation 08
3.2.2.2) Die 2. und 3. Generation 10
3.2.2.3) Die RAF in den 80er Jahren 11
3.3) Die „Bewegung 2. Juni“ 12
3.4) Die Revolutionären Zellen 12
3.4.1) die Rote Zora 14
3.5) Die „Antiimperialistische Zelle“ 14
4) Was sind die politischen und gesellschaftlichen Ursachen für den Rückgang des
Terrorismus in der Gegenwart? 15
5) Heutige Formen des Terrorismus 16
5.1) Formen 16
5.2) Wirkungskreise 17
5.3) Mittel 17
6) Fazit 18
Literaturverzeichnis S 21
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Zum PS „Von der Ära Kohl zur rot-grünen Koalition“ (SS 2000)
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Mit dem Begriff „Links-Terrorismus in Deutschland“ verbindet man vor allem die 70er Jahre und Organisationen wie die RAF. Wie kommt es, dass der Terrorismus in dieser Zeit seinen Höhepunkt erlebte? Was waren die politischen und gesellschaftlichen Ursachen dafür? Dies ist die Hauptfrage, der ich mich in der Hausarbeit „Links-Terrorismus in Deutschland - Eine Motivations- und Ursachenanalyse“ widmen werde. Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang interessant sein dürfte, ist folgende: Warum hat der Terrorismus in Deutschland keine Gegenwart? Um mich diesen Fragen zu nähern, werde ich folgendermaßen vorgehen: Zuerst werde ich versuchen, den Begriff „Terrorismus“ zu definieren bzw. einzugrenzen, damit eine Basis geschaffen wird, auf der ich dann fortfahren werde. Anschließend beschreibe ich das Auftreten des Links-Terrorismus in Deutschland von den 60er Jahren bis in die heutige Zeit. Dabei werde ich mich insbesondere mit der Roten Armee Fraktion (RAF) befassen, da sie, meiner Meinung nach, eine Schlüsselrolle in dieser Zeit gespielt hat. Im speziellen gehe ich dabei auf die Ursachen der Gründung und ihre Hauptaussagen ein.
Anschließend werde ich mich mit den heutigen Entwicklungen auf diesem Gebiet beschäftigen und dabei die Frage behandeln: Was sind die politischen und gesellschaftlichen Ursachen für den Rückgang des Terrorismus in der Gegenwart? In diesem Zusammenhang beschreibe und analysiere ich die heutigen Formen des Links-Terrorismus. Am Ende werde ich ein Fazit ziehen und die Frage beantworten, warum der Schwerpunkt des Links-Terrorismus in den 70er Jahren lag und er in Deutschland in dieser Form keine Gegenwart besitzt.
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In einem Punkt sind sich die Autoren, die über den Terrorismus geschrieben haben, einig: Es ist fast nicht möglich, den Begriff zu definieren. Walter Laqueur meint, dass er in so vielfältiger Art auftritt, dass er nur in seinen offensichtlichen Merkmalen
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übereinstimmt: er hat stets mit Gewalt oder der Androhung von Gewalt zu tun. 1 Andere Autoren grenzen den Terrorismus weiter ein: Terrorismus ist ein „gewaltsames
Vorgehen gegen eine politische Ordnung“, er ist planmäßig und aus dem Untergrund vorbereitet; er ist eine „Gewaltstrategie schwacher Gruppen“, die zu schwach seien, um „Teile einer Stadt oder eines Landes militärisch zu besetzen.“ Terroristen planen „spektakuläre, gut organisierte Anschläge, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen“. 2
In die gleiche Richtung zielt die Definition zum Begriff „Terrorismus“ im Bericht „Deutscher gewaltorientierter Linksextremismus in Berlin“ ab: „Terrorismus zielt auf die Beseitigung des demokratischen Verfassungsstaates mittels systematischer Anwendung massiver Gewaltakte ... Dabei handelt es sich um eine Strategie politisch relativ einflußarmer, die Legalität und die Legitimität der bestehenden Ordnung abstreitender Minderheiten. Mit ihren Aktionen wollen Terroristen Furcht und Schrecken bei den aus ihrer Sicht zu bekämpfenden gesellschaftlichen Gruppen erregen, gleichzeitig aber auch Aufmerksamkeit wecken und (längerfristig) Sympathie bei breiten Bevölkerungskreisen für ihre politischen Ziele bewirken. Terroristen erhoffen sich eine massenmobilisierende und revolutionierende Wirkung mit ihren Aktionen. In der Regel soll das politische System destabilisiert und schließlich durch ein Regime der eigenen Wahl ersetzt werden“. 3 Dies kommt einer Zielsetzung näher als einer Definition des Begriffs „Terrorismus“, aber er enthält, meiner Meinung nach ein paar wichtige Punkte, die beim Eingrenzen des Begriffs helfen. Terrorismus ist eine gewalttätige politische Äußerung. Terroristen wollen ein bestehendes System erschüttern und im ‚Idealfall‘ stürzen. Dies ist der kleinste gemeinsame Nenner, den alle Formen des Terrorismus gemein haben. Ansonsten taucht er in den unterschiedlichsten Formen auf. Bernhard Rabert schreibt, dass Reinhard Rupprecht in seinem Bericht „Terrorismuseine Bedrohung unserer Zeit“ den Terrorismus unterteilt hat in sozialrevolutionären
1 Laqueur, Walter: Die globale Bedrohung, S. 10
2 Waldmann, Peter: Terrorismus - Provokation der Macht, S. 10f
3 Landesamt f. Verf.schutz: „Deutscher gewaltorientierter Linksextremismus...“, S. 7
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(RAF oder Rote Brigaden), nationalen, seperatistischen (ETA), rassistischen und neonazistischen Terrorismus. 4
In unserem Fall ist der sozialrevolutionäre Terrorismus von Interesse. Auf ihn paßt nun wiederum die Definition des Landesamtes für Verfassungsschutz.
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Die Kinderstube des deutschen Terrorismus liegt in den 60er Jahren. Den Anfang bildeten die Studentenunruhen. 5
Man muß sich zuerst fragen, warum die Studentenunruhen ausgebrochen sind. Was veranlaßte die Jugend in den 60er Jahren, ihr Wort zu erheben und für ihre Meinung auf die Straße zu gehen?
Es gab sowohl politische als auch gesellschaftliche Gründe für diese Entwicklung. Ich will nun zuerst auf die gesellschaftlichen Aspekte eingehen. Die Generation, um die es in diesem Zusammenhang geht, ist eine Nachkriegsgeneration. Sie haben den 2. Weltkrieg nicht mehr miterlebt und sind in der Zeit des Wirtschaftwunders aufgewachsen. Salewski und Lanz drücken es negativ aus: Die Gewalttäter der 70er hätte alle den Krieg und die Aufbauarbeit nicht mehr mitbekommen, sondern nur die Zeit des Kampfes um Wohlstand und Konjunktur, die Sucht nach Reichtum und die daraus resultierende innere Vereinsamung. 6 Für die Menschen war es nun wichtig, materielle Sicherheit und Wohlstand zu erlangen. Sie mußten viel und lange arbeiten, um sich diesen Wohlstand leisten zu können. Die Kinder wurden dabei vernachlässigt. 7 Die Menschen wurden vermehrt zu Einzelgängern
4 Rabert, Bernhard: Terrorismus in Deutschland. S. 12
5 Moreau/Lang: Linksextremismus, S. 330
6 Salwski/Lanz: Die neue Gewalt, S. 54
7 Salwski/Lanz: Die neue Gewalt, S. 54
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nach der durchorganisierten Massengesellschaft des Dritten Reiches 8 und in diesem Zuge zerfiel das alte Familiengefüge, in dem 3 Generationen unter einem Dach lebten und sich die Großeltern um die Kinder kümmerten, wenn die Eltern nicht da waren. 9 Mit dem Ende des 2. Weltkrieges änderte sich aber nicht alles im Staat, wie es zuerst den Anschein hatte. Es wurden einige wenige Verantwortliche in den Nürnberger
Prozessen 1945/46 verurteilt; viele Deutsche, die den Nationalsozialismus unterstützt hatten, gingen aber straffrei aus und bekleideten in den 50er Jahren bereits wieder hohe Posten und Ämter in der Bundesrepublik. 10 Die Kriegsgeneration vermied es, über den Krieg und die ihn ihm verursachten Greueltaten zu sprechen. Man schwieg das Kapitel der Geschichte tot. Die nun nachfolgende Generation warf Fragen auf. Sie begann sich zu fragen, wie es sein konnte, daß z.B. Lehrer und Professoren aus der NS-Zeit nun wieder unterrichten durften 11 . Sie prangerten diesen Zustand an. Viele poltische Gründe für den Beginn der Studentenunruhen gab es ebenso. Hier sollen nun einige genannt werden.
Anfang der 60er Jahre zeichnete sich der erste wirtschaftliche Einbruch nach dem „Wirtschaftswunder“ ab. Die Menschen begannen sich Sorgen, um ihren neu gewonnenen Reichtum zu machen. 12 Die NPD zog in viele Landesparlamente ein und die SPD näherte sich politisch der Mitte an. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Bildung der goßen Koalition von SPD und CDU/CSU im Jahre 1966. 13 Die FDP war die Opposition, die sich der goßen Koalition entgegenstellte. Dies stärkte die außerparlamentarischen Kräfte. 14 Eine studentische Protestbewegung, die an der Freien Universität Berlin ihren Anfang nahm, begann mit hochschulpolitischen Forderungen 15 , bald aber demonstrierte man gegen den Vietnamkrieg und die Rolle der USA in diesem Krieg. Die Studenten konnten nicht akzeptieren, dass die Vereinigten
8 Salwski/Lanz: Die neue Gewalt, S. 55
9 Salwski/Lanz: Die neue Gewalt, S. 54
10 Uetz, Harald: Schwein oder Mensch, S. 16
11 Becker, Jillian: Hitlers Kinder?, S. 18
12 Waldmann, Peter: Beruf:Terrorist, S. 143
13 Rabert, Bernhard: Terrorismus in Deutschland. S. 36
14 Waldmann, Peter: Beruf: Terrorist, S. 143
15 Waldmann, Peter: Beruf: Terrorist, S. 144
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Nicole Hänel, 2001, Links-Terrorismus in Deutschland - Eine Motivations- und Ursachenanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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