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Die vom Krieg zerstörte Generation im Roman von Erich Maria Remarque "Im Westen nichts Neues"

Seminararbeit, 2004, 19 Seiten
Autor: Oleh Bey
Fach: Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Details

Veranstaltung: Deutsche Literatur der Zwischenkriegsjahre im europäischen Ausland
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes
Tags: Krieg, Generation, Roman, Erich, Maria, Remarque, Westen, Neues, Deutsche, Literatur, Zwischenkriegsjahre, Ausland
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 5  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V35265
ISBN (E-Book): 978-3-638-35235-2
ISBN (Buch): 978-3-638-90206-9
Dateigröße: 228 KB
Anmerkungen :
Nach der Aussage der Vorrede soll das Buch von einer Generation berichten, die vom Krieg zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkam. Damit ist angedeutet, dass es sich bei der durch den Krieg verursachten Zerstörung um eine innere oder geistige Zerstörung handeln muss. Auch wenn die Protagonisten des Romans den Granaten nicht entkommen, sollen sie doch die Anschauungen, Werte und Erkenntnisse der Überlebenden dieser Generation formulieren.


Zusammenfassung / Abstract

Nach der Aussage der Vorrede soll das Buch von einer Generation berichten, die vom Krieg zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkam. Damit ist angedeutet, dass es sich bei der durch den Krieg verursachten Zerstörung um eine innere oder geistige Zerstörung handeln muss. Auch wenn die Protagonisten des Romans den Granaten nicht entkommen, sollen sie nach Absicht des Autors doch die Anschauungen, Werte und Erkenntnisse der Überlebenden dieser Generation formulieren, so dass das Werk durchaus auch als Nachkriegsroman Aktualität beansprucht. Nicht der Krieg selbst, sondern eben das Problem der verlorenen Generation sei, so hat Remarque auch über den Romanprolog hinaus immer wieder in Interviews darauf betont, das Herzstück des Romans.


Textauszug (computergeneriert)

Universität des Saarlandes
FR 4.1 Deutsch als Fremdsprache
PS: Deutsche Literatur der Zwischenkriegsjahre im europäischen Ausland
3. Semester

Die vom Krieg zerstörte Generation im Roman von
Erich Maria Remarque "Im Westen nichts Neues"

von: Oleh Bey

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. Verlorene Generation 2

2. Bedeutung des Generationsbegriffs bei Remarque 4

3. Verlust der Jugend 6

3. 1 Betrogene Jugend 7
3. 2 Abbruch der Ausbildung 7

4. Der durch den Verlust der Jugend bedingte Zustand 11

5. Reaktionen auf den Zustand der Zerstörung 13

5. 1 Zukunftsorientierte Vorstellungen 13
5. 2 Flucht in die Geborgenheit 14

6. Zusammenfassung 16

Literaturverzeichnis 18


 

1. Einleitung. Verlorene Generation.

Nicht der Krieg selbst, sondern eben das Problem der verlorenen Generation sei, so hat Remarque auch über den Romanprolog hinaus immer wieder in Interviews darauf betont, das Herzstück des Romans. „Mein eigentliches Thema“, so äußerte er sich noch fast 35 Jahre später, „war ein rein menschliches Thema, dass man junge Menschen von 18 Jahren, die eigentlich dem Leben gegenübergestellt werden sollten, plötzlich dem Tode gegenüberstellt. Und was würde mit ihnen geschehen? Aus diesem Grunde habe ich auch „Im Westen nichts Neues“ eher als ein Nachkriegsbuch angesehen als ein Kriegsbuch. Ich wurde immer wieder gefragt: ‚Was wird aus uns werden? Wie werden wir nachher leben können, nachdem wir alles dieses mitgemacht haben, nachdem wir uns mit dem Tode haben auseinandersetzen müssen? Wie wird es sein, wenn man uns wieder in das Leben hineintut, und was wird mit uns geschehen?’ Und der Erfolg von „Im Westen nichts Neues“ war auch nach meiner Ansicht viel mehr der eines Nachkriegsbuches, eines Buches, in dem diese Frage eben gestellt wurde: ‚Was ist aus diesen Menschen geworden?’ Es wurde auch zum ersten Male gefragt: ‚Haben nicht Menschen einen Schaden davongetragen, dass sie im Krieg gewesen sind und alle ihre sogenannten sittlichen Gründe umschmeißen mussten?’ man hat ihnen gesagt: ‚Du darfst nicht töten.’ Aber man hat ihnen auch gesagt: ‚Du musst gut zielen, damit du triffst.’ Nachher wieder.“1

Genau die Fragen, die Remarque hier formuliert, werden auch im Roman von Bäumer und seinen Kameraden gestellt. Mit ihnen umkreist der Erzähler immer wieder die Gefühle und Gedanken, überhaupt die Befindlichkeit einer Generation, die um ihre Jugend betrogen, im Krieg seelisch zugrunde gerichtet und damit um ihre Zukunft gebracht wurde. Noch in den letzten Kapiteln des Romans klingen sie nach: Was werden unsere Väter tun, wenn wir einmal aufstehen und vor sie hintreten und Rechenschaft fordern? Was erwarten sie von uns, wenn eine Zeit kommt, wo kein Krieg ist? Jahre hindurch war unsere Beschäftigung Töten – es war unser erster Beruf im Dasein. Unser Wissen vom Leben beschränkt sich auf den Tod. Was soll danach geschehen? Und was soll aus uns werden?2

Die Antwort darauf geben die Schlussworte des Buches: Wenn wir jetzt zurückkehren, sind wir müde, zerfallen, ausgebrannt, wurzellos und ohne Hoffnung. Wir werden uns nicht mehr zurechtfinden können. Man wird uns auch nicht verstehen [. . .] Wir sind überflüssig für uns selbst, wir werden wachsen, einige werden sich anpassen, andere sich fügen, und viele werden ratlos sein; - die Jahre werden zerrinnen, und schließlich werden wir zugrunde gehen.3 Zum Verständnis des Romans ist es nun wichtig herauszuarbeiten, dass der behandelte Bedeutungsbereich zwar einzig von den vier Schülern einer Klasse getragen und aufgebaut wird, der Erzähler jedoch mit den Mitteln der Verallgemeinerung für die ganze Generation spricht. Weiterhin versuche ich auf der inhaltlichen Ebene die einzelnen Elemente der inneren Zerstörung zu analysieren, insbesondere die als Gegenwelt zur Kriegsrealität idealisierte Welt der ‚Jugend’. Wesentlich für ein angemessenes Verstehen des Generationsthemas ist allerdings nicht nur die Erarbeitung von Inhalten, die Darstellung und Analyse von Mentalitäten und Konflikten, sondern auch die Frage, wie diese strukturell im zeitlichen Rahmen entwickelt werden. Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass das Kriegsgeschehen auf der Gegenwartsebene vermittelt wird, indem die Generationsproblematik in den Rückblenden des Romans erläutert wird.

Während die Generationserfahrungen vor Ausbruch des Krieges sehr stark durch den persönlichen Werdegang und die zerstreuten Rückerinnerungen Bäumers geprägt sind, werden die Zukunftserfahrungen der Frontgruppe erzählerisch aus der Handlung des Romans entwickelt. Doch mit dem Auftauchen des schikanösen Lehrmeisters Himmelstoß an der Front wird die Frontgruppe erneut mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Daraus ergibt sich ein kollektives Gespräch der Jugendlichen über ihre Zukunft. Aber es endet in Ratlosigkeit, sein Ergebnis ist für alle deprimierend. Der Krieg habe ihnen alles verdorben, ihnen die Zukunftsaussichten genommen: Wir sind keine Jugend mehr. Wir wollen die Welt nicht mehr stürmen. Wir sind Flüchtende. Wir flüchten vor uns. Vor unserem Leben. Wir waren achtzehn Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mussten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug, traf in unser Herz. 4

2. Bedeutung des Generationsbegriffs bei Remarque

Der Krieg ist ein Zustand, den alle Mitglieder der Gruppe als „verdammter Lausekrieg“5 ansehen, also innerlich ablehnen. Darüber hinaus empfinden sie ihn als einen massiven Eingriff in ihr Leben, dessen Kontinuität gewaltsam gestört ist: „Seit wir hier sind, ist unser früheres Leben abgeschnitten“, „Der Krieg hat uns weggeschwemmt“6. Er zerstört alle Perspektiven sinnvollen Handelns, so dass Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst ihr Denken bestimmt. Klagen wie „was soll aus uns werden“ durchziehen leitmotivisch den ganzen Roman.

Die im Motto angesprochene innere Zerstörung veranschaulicht Remarque an vier Schülern einer Klasse, also an ein paar Jungen Menschen von ca. 20 Jahren und von ähnlicher sozialer Herkunft. Dieser Umstand ist schön aktualisiert in dem langen Etappengespräch nach der Schanznacht. Als die drei Schüler Müller, Kropp und Bäumer allein sind, können sie ihre Klage formulieren: „Es ist das gemeinsame Schicksal unserer Generation. [. . .] Der Krieg hat uns für alles verdorben“7. Der Generationsbegriff wird hier in einem eingeschränkten Sinne verwendet, denn Tjaden und Westhus sind wohl genauso alt wie die Schüler, befinden sich aber als Arbeiter und Handwerker in einer anderen sozialen Stellung und kommen bei den Klagen der Schüler, vom Krieg zerstört zu sein, nicht zu Wort und sind auch nicht mitgemeint. Am Beispiele einer Gruppe der Oberschüler konkretisiert sich hier der Begriff der Generation.

[...]


1 Schneider, S.121f.

2 Remarque, S.260f („Im Westen nichts Neues“ wird zitiert nach der Ausgabe im Propyläen-Verlag 1929)

3 Remarque, S.286f

4 Remarque, S.91

5 Remarque, S.81

6 Remarque, S.25f

7 Remarque, S.91


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