Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 4
2 Zionismus 5
2.1 Geschichte 5
2.2 Zionistische Instrumentalisierung von Religion 6
2.3 Zionismus vs. Orthodoxie. 8
3 Religion in Gesellschaft und Politik 9
3.1 Zivilreligion in Israel. 9
3.2 Religion in der Politik. 11
3.2.1 Politische Parteien. 11
3.3 Religion in der Gesellschaft 15
3.3.1 Religiöse Gruppierungen. 16
3.4 Diaspora. 18
3.5 Der Zionismus im Nahostkonflikt 19
4 Schluss. 20
5 Bibliographie 21
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1 Einleitung
Die Beschäftigung mit Israel oder der palästinensischen Bevölkerung in Gaza, Westjordanland und Ost-Jerusalem kann niemals ohne den Kontext des Nahostkonflikts betrachtet werden. In dieser Auseinandersetzung mischen sich politische Absichten und religiöse Einstellungen - beide Seiten reklamieren sakrale Stätten und heiligen Boden auf dem Territorium des früheren Palästina, beide bemühen die jeweilige heilige Schrift für ihre politische Argumentation und ihr politisches Handeln. Der Nahostkonflikt, der als ein prominentes Beispiel für die uferlose Vermischung von Religion und Politik genügend Material böte, soll in dieser Arbeit allerdings nicht das Hauptthema sein. I m Rahmen der Betrachtung des Verhältnisses von Politik und Religion in der Region soll hier der Schwerpunkt auf der Betrachtung von Religion, Politik und Gesellschaft in Israel liegen, wenngleich beachtet wird, dass dies immer Auswirkungen auf die palästinensische Bevölkerung hat.
Da aber in Israel, das auf Grund seiner Entstehungsgeschichte und der Geschichte der Juden überhaupt eine heterogene Gesellschaft hat, dementsprechend viele unterschiedliche Ausprägungen von Religiosität und politischen Richtungen herrschen, beschränkt sich die Betrachtung hier auf den Zionismus. Dieser Ideologie, deren Gedankengut älter als der Staat Israel selbst ist, wird dabei ein beträchtlicher Einfluss auf den gesellschaftlich-politischen Prozess zugeschrieben. Wie jede Weltanschauung hat der Zionismus Anhänger und Widersacher, ist aber auf Grund seiner historischen Rolle bei der Staatsgründung keine marginale Erscheinung, sondern ein Phänomen, dessen Einfluss sich in allen Jahrzehnten in der israelischen Politik widerspiegelt.
Der Bezug des Zionismus auf religiöse Werte und die Verunglimpfung zionistischer Argumentation durch z.B. orthodoxe Juden zeigt, dass Religion auch in Israelwenngleich im Kontext der arabischen Nachbarstaaten relativ säkular - noch stark in andere gesellschaftliche Bereiche hineinspielt. Die Durchsetztheit der israelischen Gesellschaft mit religiösen Inhalten spiegelt sich in vielen Bereichen wieder: Im Bezug des Zionismus auf das Heilige Land, das den Kindern Israels zustehe, in der anhaltenden Debatte um religiöse Themen in der israelischen Politik und in den Verwerfungen zwischen Säkularisten und Orthodoxen denen eine große Mehrheit
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von Bürgern gegenüber steht, die nicht streng gläubig sind, aber viele der jüdische n Rituale praktizieren.
Religionsangehörigkeit ist in Israel immer noch ein Politikum, das zeigen schon die Begriffe jüdischer Staat und Judenstaat die von vornherein terminieren, welcher Glaubensrichtung hier Priorität eingeräumt wird. So bald Religion aber ein Politikum ist, zeigt sich, dass es nicht mehr in erster Linie um die Suche nach Erfüllung und Glück im Glauben geht, sondern in Wahrheit um diesseits bezogene, irdische Ziele. Neben den Streitigkeiten in der Gesellschaft und dem breiten Spektrum politischer Parteien in Israel, von denen bezeichnender Weise die meisten auf religiöse Inhalte rekurrieren, soll vor allem der Zionismus als politische Ideologie gezeigt werden, bei der es von Anfang an mehr um Staatlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Macht denn um Transzendenz, Glaube und religiöse Bestimmung ging.
2 Zionismus
2.1 Geschichte
Das Ziel des Zionismus ist die Rückkehr der in der Diaspora lebenden Juden ins Heilige Land. Die Einwanderung nach Palästina begann Ende des neunzehnten Jahrhunderts und verlief in mehreren Wellen, den sog. "Alijas". Die Immigranten siedelten auf palästinensischem Boden, das zu Kolonialzeiten noch dem britische n Mandat unterstand. In der 1917 verabschiedeten Balfour- Deklaration sprach die britische Regierung den jüdischen Siedlern ein Recht auf eine Heimstätte in Palästina zu und trat ihnen das Mandatsgebiet schließlich 1948 ab. Im selben Jahr erfolgte die Unabhängigkeitserklärung und Staatsgründung Israels. Für die massive Einwanderung nach Palästina im Vorfeld des zweiten Weltkriegs ist ein schon im neunzehnten Jahrhundert in Europa virulenter Antisemitismus in Europa verantwortlich, der in Hitlers drittem Reich mit der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden seine n Höhepunkt erreichte . Aus der feindliche n Umgebung in der Diaspora und der Besinnung auf die Jahrhunderte lange Verfolgungsgeschichte der Juden entstand die politische Idee und die praktische Notwendigkeit in die historische Heimat Zion auszuweichen. Ein wichtiger Beförderer des zionistischen Gedankenguts war Theodor Herzl, der 1896 das Buch "Der Judenstaat" schrieb, dessen gleichnamiges Programm die ultimative Lösung der
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Judenfrage darstellen sollte. Ein Jahr später organisierte Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel, auf dem die Fundamente für das Programm zur Rückkehr der Juden in das Land Israel gelegt wurden.
Nach der ersten Alija im neunzehnten Jahrhundert folgten weitere Juden ab 1907. In dieser zweite n Einwanderungswelle kamen - im Gegensatz z ur ersten Alijaweniger Orthodoxe, sondern viel mehr osteuropäische Juden des sog. neuen Jishuvs, der neuen jüdischen Gesellschaft ins Land. Aus dieser Zeit entstammen die Kibbuzim, sozialistisch organisierte selbst- versorgende Kommunen, deren Bewohner sich vor allem über körperliche Arbeit auf dem Feld als gute Juden 1 definierten, nicht durch ein intensives Studium der Thora. Die meisten Immigranten
der ersten beiden Alijas wanderten auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wieder aus. Die wenigen, die blieben, wurden später die Begründer des Staates Israel - wie z.B. David Ben Gurion, der erster Ministerpräsident von Israel wurde.
Diese Juden, die den neuen Jishuv - die jüdisch-zionistische Gemeinschaftgründeten, unterschieden sich von traditionell- orthodoxen Juden auch durch ihre Einstellung zum Staat: Der Zionismus sieht als nationale Ideologie im Staat den Versorger und Beschützer des Volkes, während die ursprüngliche jüdische Gemeinde der Diaspora auf den Staat nicht angewiesen war, da sie ihre eigene Wirtschaft und Infrastruktur aufbaute.
2.2 Zionistische Instrumentalisierung von Religion
Bei der Übergabe des palästinensischen Bodens von den Briten an die Juden ist auch die Art und Weise bzw. die Personen und deren Argumentation im Zuge der Staatsgründung interessant. Einer der wichtigsten Verhandlungspartner der Briten zur Zeit der Balfour- Erklärung war Chaim Weizmann. Seine erfolgreiche Beeinflussung der Briten wird auch seinen Verdienste n im Bereich der 2 Munitionsentwicklung an der Universität Manchester zugeschrieben ; die primäre
1 Der Entwurf des "neuen Juden" und des neuen Jishuvs war auch dafür verantwortlich, dass es
Holocaust-Überlebende - absurder Weise - teilweise schwer hatten, in Israel in den 50er Jahren
einzuwandern. Sie gehörten zu den "alten Juden" der Diaspora und passten nicht in diesen neuen
Entwurf.
2 Schreiber, Friedrich; Wolffsohn, Michael: Nahost - Geschichte und Struktur des Konflikts, 4. Auflage,
Augsburg, 1996, S.29.
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Motivation für die Abgabe der Gebiete wird jedoch gewesen sein, dass die Mandatsmacht kein großes Interesse mehr gehabt hat, das besetzte Gebiet zu halten. Weizmann schriebt seine Verdienste jedoch nicht den günstigen Umständen zu, sondern zog das in der Bibel angelegte Siedlungsrecht hinzu und schrieb den 3 Ausgang der Verhandlungen der günstigen Beeinflussung der Briten durch Gott zu .
Auch David Ben-Gurion argumentierte später bei der Staatsgründung ähnlich: Nur wer im eigenen Land politische Souveränität genieße, könne die heilige Schrift richtig lesen, so seine Rechtfertigung .
Dieses Hinzuziehen von religiösen Motiven um die politischen Gründe zu rechtfertigen ist eine typisch zionistische Argumentationsweise, die auch oft von Orthodoxen kritisiert wird (siehe 2.3.). Abraham Isaac Kook, einer der markantesten Zionisten bedient sich ebenfalls religiöser Autoritäten, wenn er dem Zionismus eine universalhistorische Rolle zuschreibt: Für Kook steht Israel im göttlichen Heilsplan hierarchisch an der Spitze, die Bußfertigkeit der Juden solle wegbereitend für den 4 ewigen Frieden der Menschheit sein. Damit geht die Aufgabe des jüdischen Volkes,
in Israel den Gebote n Gottes zu leben, über den eigenen Mikrokosmos hinaus. Kook stellt damit auch den Zionismus als einen speziellen Nationalismus weitaus höher als andere Nationalismen, die sich aus kultureller Geschichte begründen. Eine Generation später wird sich kaum noch auf die zu erwartende Erlösung bezogen, sondern die Heilssuche wird durch eigenes Zutun beschleunigt: Das Land, das ihren Vätern gegeben worden sei, so die zweite Generation der Zionisten nach der Staatsgründung, sei für immer Israel. Es fand e ine Radikalisierung und Theologisierung der Argumentation statt, so dass Kooks Sohn Zvi Yehuda in den Sechziger Jahren schrieb es könne "keinen Zweifel daran geben, dass es hier keine arabischen Gebiete und keine arabischen Böden gibt, sondern nur Böden Israels (…)". Deshalb "haben wir die Verpflichtung, sie (die Erde Israels) zu befreien und sie nie aufzugeben. Denn dieses ganze Land in all seinen biblischen Grenzen gehört zur 5 Herrschaft des Volkes Israel" .
Die Zionisten, die sich zwar mythologischer und religiöser Inhalte bedienen, in den seltensten Fällen e ine tiefe Kenntnis der jüdischen Religion vorweisen können.
3 Bernstein, Reiner: Der verborgene Frieden - Politik und Religion im Nahen Osten, Jüdische
Verlagsanstalt Berlin, 2000, S.99.
4 Bernstein, Reiner: Der verborgene Frieden - Politik und Religion im Nahen Osten, Jüdische
Verlagsanstalt Berlin, 2000, S. 93.
5 Ebd., S. 105.
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Arbeit zitieren:
Julia Gebert, 2004, Der Zionismus und sein Einfluss, München, GRIN Verlag GmbH
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