FAU-Erlangen
Institut für Pädagogik
Lehrveranstaltung: Sozialwissenschaftliche Grundlagen der Pädagogik
Semester: Sommer 2000
Hausarbeit
„Kapital“ nach Pierre Bourdieu
von Stefanie Krämer
Inhaltsübersicht:
Pierre Bourdieus sozialisationstheoretische Ansichten und Arbeitsweisen S.3
I Die soziale Welt S.3
1a) Der soziale Raum S.4
1b) Die Felder S.5
2a) Die Klassenstruktur S.5
2b) Der Habitus Begriff S.6
II Das Kapital in Pierre Bourdieus Sozialisationstheorie S.6
1) Die Kapitalformen und ihre Bedeutung S.7
2) Die Kräfteverhältnisse zwischen den Kapitalformen S.8
3) Aufgezeigt am Beispiel des Zusammenhangs von Kapitalformen und Klassenzugehörigkeit im Bezug auf den Berufstitel S.10 Dient Pierre Bourdieus Sozialisationstheorie als Grundlage für pädagogische Arbeiten und Arbeitsweisen? S.11
Anmerkungen S.13
Literaturverzeichnis S.14
Pierre Bourdieus fundamentale sozialisationstheoretische Ansichten und Arbeiten
Bourdieu betreibt eine politisch-praktische Wissenschaft, d.h. er verwendet eine Theorie der Praxis.
Zudem untermauert er seine Thesen meist historisch, da er sich auf historisch spezifische Normen bezieht, wie z.B. Vernunft, Aufklärung, Solidarität.
Seine erkenntnistheoretische Grundeinstellung ist sehr stark an der des Philosophen Kant orientiert. Damit ist gemeint, daß sich das in der Totalität eingebundene Subjekt dieses Zustandes bewußt wird, also Erkennen der Tatsache, daß man von der Gesellschaft abhängig, beeinflußt und geformt ist und die eigene Position in ihr wahrnimmt.
Das Subjekt soll sich eben getreu nach dem aufklärerischen Motto seines eigen Verstandes und seiner eigenen Vernunft bedienen. Denn nur so kann man aus seiner persönlichen Geschichte und der theoretischen Geschichte lernen und ggf. etwas an den sozialen Gegebenheiten ändern (durch den Gebrauch der Mittel der Vernunft, was nichts anderes ist, als das Kapital).
Durch den Gebrauch dieser Vernunft, kann auch gleichzeitig die Wahrheit und Rationalität in der Gesellschaft gefördert werden. Unter Wahrheit wird hier verstanden, die Kämpfe zwischen den Kapitalformen (Konkurrenzmechanismen) zu analysieren und zu durchschauen.
Das Ziel was sich Bourdieu von seiner Theorie erhofft, ist einen Weg aufzuzeigen, der die umfassende Möglichkeit für jedes Individuum an der Freiheit teilzuhaben bietet. Der hier deklarierte Freiheitsbegriff bezieht sich auf das Erlangen von Autonomie des Einzelnen und auch gleichzeitig auf das Erlernen solidarischen Verhaltens.
Bourdieu argumentiert notwendigerweise in seiner Sozialisationstheorie aus ökonomischer Perspektive, da er die Grenzen der Ökonomie zu überwinden versucht (unsere Gesellschaft ist nun mal eine Kapitalistisch - und Konsum orientierte Gesellschaft).
Der Soziologe versucht deshalb „...in der Struktur den sozialen Klassen das Fundament der Klassifikationssystemen auszumachen, welche die Wahrnehmung der sozialen Welt strukturieren und die Gegenstände des ästhetischen ′Wohlgefallens′ bezeichnen.“
I Die soziale Welt
Die soziale Welt ist hauptsächlich als eine Ansicht zu verstehen, die in den unterschiedliche Handlungsschemata sedimentiert und festgeschrieben.“¬ Im sozialen Raum existieren Beziehungen zwischen Akteuren innerhalb eines Feldes, aber manchmal ebenso Felder übergreifend. Der Raum erhält dadurch, daß er die Eigenschaften der Konfliktbeziehungen zwischen den Akteuren hervorbringt, Konflikte und treibt zu Wettbewerbs- und Konkurrenzverhalten.
1b) Die Felder
Im sozialen Raum gibt es untergeordnete Räume, die sogenannten Felder. Diese sind relativ autonom und spiegeln die Gesellschaftsstruktur wieder. Unter anderem existieren Felder, wie z.B. „Intellektuelles und künstlerisches Feld, Feld der hohen öffentlichen Verwaltung, Feld der ökonomischen Macht, religiöses Feld usf.“
Ein Feld besteht aus Strukturen von konstitutiven Beziehungen, die zueinander meist in Spannung stehen. Dadurch und durch die Akteure in den Feldern, die durch ihr Handeln die Spannungen aufrecht erhalten oder beseitigen, zumindest verändern (Akzeptanz / Rebellion), werden die Felder in Bewegung gehalten. Das Handeln der Individuen ist dabei immer erfolgsorientiertes und berechnendes Handeln.
Ein Feld kann aufgrund dessen nur solange bestehen, wie es Menschen (z.B. Parteien, Universität) gibt, die an die Inhalte (vorgegebene Struktur) eines Feldes glauben.
2a) Die Klassenstruktur
Innerhalb eines Feldes nimmt jede Person eine Stellung ein. Die Position hängt dann von der Quantität der Kapitalformen ab, die der Akteur besitzt, wobei zu erwähnen ist, daß das ökonomische Kapital am meisten Einfluß hat.
„Positionen sind zunächst nur formal bestimmt; sie müssen durch Menschen mit entsprechenden Kompetenzen und Legitimationen ausgefüllt werden. Die Wahrnehmung formaler Zuständigkeiten setzt also beim Positionsinhaber legitime inhaltliche Handlungskompetenzen voraus. Es muß zu einer Passung zwischen Positionsgefüge und Handlungskompetenzen kommen.“
Zum selben Zeitpunkt bildet sich durch die Übereinstimmung zwischen den Akteuren homogene Gruppen, die alle eine vergleichbare Stellung innerhalb eines Feldes einnehmen (siehe auch 1a). Die Klasse existiert allerdings nur durch seinen Wortführer real, der an für seine Klasse spricht und für sie eintritt (z.B. eine Partei, oder z.B. der Papst für die Kirche). Mit Hilfe von Hierarchisierungsprinzipien werden die Grenzen für die verschiedenen Klassen festgelegt.
Diese Rangordnung ist bereits historisch verankert, weshalb jeder Akteur bis heute noch unterschiedliche Teilhabechancen an den Kapitalarten hat, man wird sozusagen schon in die Position hineingeboren. Denn z.B. ist laut einer Bourdieu’schen Untersuchung bewiesen, daß je höher die Klasse des Elternhauses ist, desto wahrscheinlicher ist der Hochschulbesuch des Kindes einmal. Die Struktur der Klassenbeziehungen wird demnach schon über Generationen hinweg erhalten.
Aber egal in welcher Rangordnung man ist, kann man sich von den Klassenzwängen lossagen, indem man die soziale Welt anders zu sehen lernt und sich nicht mit ihr abfindet (Suche nach der Wahrheit, siehe in Einleitung und unter I).
2b) Der Habitus Begriff
Der Begriff des Habitus‘ veranschaulicht die Gesellschaftlichkeit des
Akteurs, indem es die Geschmacksurteile und die gesamte Lebensform eines
Individuums verkörpert.
Der Oberbegriff Habitus kann in zwei Unterarten aufgeteilt werden:
Diese vergesellschafteten Geschmacksurteile vollziehen sich zum einen auf
der praktischen Ebene und zum anderen auf der Symbol- und
Handlungsebene, d.h. der Habitus bezieht sich auf körperliche und
sprachliche Handlungen, Verhaltensweisen und Urteile, die sich im Laufe
des Lebens ständig weiterentwickeln.
II Das Kapital in Bourdieus Sozialisationstheorie
Bourdieu geht es darum die Prinzipien des Strukturaufbaus unserer Gesellschaft und deren Verknüpfungen untereinander zu enthüllen und zu analysieren.
[....]
Arbeit zitieren:
Stefanie Krämer, 2000, Kapital nach Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag GmbH
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