Hochschule Bremen
Fachbereich 8 - Soziale Arbeit
Seminar: Entwicklungspsychologie
1. Semester
Wie entwickelt sich die Wahrnehmung des Menschen
in den ersten drei Lebensjahren?
von: Karsten Thabo Piehl
Inhaltsangabe
1. Einführung 1
2. Was wird in der Wahrnehmungspsychologie unter Wahrnehmung verstanden? 2
2.1 Verschiedene psychologische Ansätze 2
2.2 Eine Definition von Wahrnehmung 2
2.3 Bewusste und Unbewusste Wahrnehmung 2
2.4 Worin unterscheiden sich Empfindung und Wahrnehmung? 3
3. Wie nimmt der Mensch die Reize aus der Umwelt und aus dem Körperinneren wahr? 4
3.1 Wo findet die Wahrnehmung statt ? 4
3.1.1 Die Wahrnehmungskette 4
3.2 Über welche Wahrnehmungskanäle verfügt der Mensch? 6
3.3 Die Reizverarbeitung 7
3.4 Wahrnehmung und Kognition 9
3.5 Wahrnehmung und Bewegung
4. Wie vollzieht sich die Wahrnehmungsentwicklung? 11
4.1 Die Stufen der Wahrnehmungsentwicklung nach Affolter 11
4.2 Die Entwicklungsstadien nach Piaget 12
4.3 Wie entwickeln sich die Wahrnehmungssysteme des Menschen? 14
4.3.1 Die Pränatale Wahrnehmungsentwicklung 14
4.3.2 Welche Wahrnehmungsfunktionen entwickeln sich nach der Geburt? 15
4.3.3 Die Postnatale Wahrnehmungsentwicklung 15
4.3.4 Wahrnehmungsentwicklung im ersten Lebensjahr 16
4.3.5 Wahrnehmungsentwicklung im zweiten und dritten Lebensjahr 18
5. Eigene Stellungnahme 19
6. Quellenverzeichnis 21
1. Einführung
Durch meine Tätigkeit als Leiter eines Kinderbetreuungsteams sowie durch meine Erfahrungen in verschiedenen pädagogischen Bereichen (Kindergarten, Schule, Wohnheim für Behinderte,...) während meiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger konnte ich feststellen, dass es auch bei sogenannten „Regelkindern“ viele Defizite im Bereich der Motorik, der Sprache, der Kognition und im Sozialverhalten zu erkennen gibt. Besonders aufgefallen ist mir das in der Intergrations- Kindertagesstätte, in der ich meine Abschlussprüfung gemacht habe. Ich war in einer Gruppe von 18 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren tätig. Bei vier dieser Kinder wurde entweder bereits eine bestehende Behinderung, oder die Gefahr einer solchen diagnostiziert. Wie ich durch meine Beobachtungen und durch die Gespräche mit meinen Kolleginnen feststellte, waren in dieser Gruppe jedoch nur vier Kinder „regelentwickelt“. Bei einigen Kindern konnte man deutlich eine Neigung entweder zur Hyper- oder zur Hypoaktivität erkennen, als auch Schwierigkeiten darin, ihre Kräfte zu kontrollieren, oder das Gleichgewicht zu halten. Es fiel ihnen schwer sich zu konzentrieren, sie ließen sich rasch auch von nebensächlichen und uninteressanten Ereignissen ablenken und verfügten nicht über eine ausreichende Daueraufmerksamkeit. Darüber hinaus hatten sie es schwer, sich in die Gruppe zu integrieren.
Weiter ist mir insbesondere durch meine Arbeit mit Erwachsenen als Dozent in einer Heimvolkshochschule und durch meine persönlichen zwischenmenschlichen Beziehungen im Allgemeinen aufgefallen, dass sich die Wirklichkeiten von einzelnen Personen ziemlich unterscheiden können. Es scheint, als ob die Menschen die Wirklichkeit unterschiedlich wahrnehmen. Aber so individuell wie die Wahrnehmungsbilder der einzelnen scheinen mögen, so individuell haben sich die Menschen auch entwickelt.
Aus diesem Zusammenhang heraus frage ich mich, wie sich die menschliche Wahrnehmung in den ersten Jahren entwickelt, welche Rolle diese Entwicklung bei der Bildung eines Wahrnehmungsbildes spielt und welche Faktoren einen Einfluss darauf haben. Anhand meiner Literaturreschere für diese Arbeit habe ich einen Einblick darüber erhalten, wie viele psychologischen Forschungen versuchen, die Wahrnehmung und deren Entwicklung zu ergründen. Demnach ist Wahrnehmung ein weitreichender Begriff, der zu erklären den Rahmen dieser Arbeit überschreiten wurde, den ich hier daher einzuschränken versuche. Ich möchte die Eingangsfrage in dieser Studienarbeit überwiegend auf die Theorie der Wahrnehmungspsychologie bearbeiten. Besonders im 3. und 4. Teil gehe ich aber auch auf die theoretischen Grundlagen der Kognitions-, und der Entwicklungspsychologie ein. Um die Wahrnehmung eines Menschen möglichst genau erforschen zu können, arbeiten die Psychologen aus den oben genannten Teilgebieten eng mit Physiologen, Physikern und Chemikern zusammen. Diese naturwissenschaftlichen Forschungsgebiete geben wertvolle Informationen über die Physiologie des menschlichen Körpers und dessen sensorischen Fähigkeiten, durch die der Menschen sich selbst und die Welt wahrnehmen kann. Anfangs möchte ich klären, was in der Wahrnehmungspsychologie unter Wahrnehmung verstanden wird. In Teil 3 gehe ich auf die Wahrnehmungssysteme und den Wahrnehmungsprozess ein, um dann in Teil 4 auf die Entwicklung der Wahrnehmung zu kommen.
2. Was wird in der Wahrnehmungspsychologie unter Wahrnehmung verstanden?
2.1 Verschiedene psychologische Ansätze
Für das Studium der Wahrnehmung wird von den Wahrnehmungspsychologen der sogenannte physiologische und der phänomenologische Ansatz beschrieben. (vgl.: Hellmuth Benesch; Grundlagen der Psychologie; Weinheim; 1992; Band 2 S.14) Der physiologische Ansatz analysiert die eingehenden Informationen über die Umwelt und die Grundlagen sensorischer Prozesse. Der phänomenologische Ansatz versucht zu erforschen, wie dem Menschen die Dinge erscheinen, welche Empfindung die Information beim Einzelnen hervorruft. Beide Ansätze widersprechen sich nicht, vielmehr ergänzen sie sich. Denn die „phänomenologische Beschreibung (stellt) Fakten fest, die zu Erklären die Aufgabe der psychologischen und physiologischen Analysen ist.“ (Benesch; 1992; Band 2 S.14)
2.2 Eine Definition von Wahrnehmung
In den Lehrbüchern der Psychologie lassen sich unterschiedliche Definitionen für den Begriff „Wahrnehmung“ finden. Der Schwerpunkt liegt entweder auf dem Aspekt der Aufnahme von Informationen oder auf deren Verarbeitung, oder auf beiden Aspekten. Eine wahrnehmungspsychologische Definition lautet: „Wahrnehmung beschreibt alle Prozesse, sowie das Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Sinneseinflüssen (Reizen) aus der Umwelt und dem Körperinneren“ (Hermann Hobmair; Psychologie; Köln 1997; S.83)
2.3 Bewusste und unbewusste Wahrnehmung
Unterschiedliche Psychologen versuchen die Wahrnehmung von Menschen zu ergründen. Guski (1979) beschreibt eine deutliche Trennung in Art und Form von Wahrnehmungsprozessen. Er unterscheidet zwischen der bewussten und der unbewussten Wahrnehmung. (vgl.: R. Guski; Wahrnehmung; Stuttgart, Berlin, Köln; 1979; S.11) Unter bewusster Wahrnehmung (auch aktive Wahrnehmung) versteht er die willkürliche und gesteuerte Aufnahme von Informationen aus der Umwelt. Der Mensch lenkt bewusst seine Aufmerksamkeit auf die ihm dargebotenen, und nach der individuellen Motivation heraus entstehende Selektion von Sinneseindrücken. Die Sinnesorgane spezifizieren sich durch die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Teil der dargebotenen Reize und versuchen diese besonders genau wahrzunehmen. Die unbewusste Wahrnehmung beschreibt Guski als eine Vielzahl von alltäglichen Wahrnehmungen, die sich der Mensch nicht, oder nicht sofort vergegenwärtigt. So auch z.B. die Signale aus dem Körperinneren, die Information über die Lage und die Stellung des Körpers im Raum (z.B. beim stetigen Gleichgewicht halten), oder über die Anspannung der Muskeln geben (z.B. beim Gehen). Aber auch externe Signale aus der Umwelt, die im Augenblick für das Ausführen bestimmter Handlungen/bzw. zur Durchsetzung von bestimmten Zielen irrelevant sind, ordnet Guski der unbewussten Wahrnehmung zu. Diese vorerst zurückgestellten Informationen können später teilweise wieder rekonstruiert werden. Weiterhin handelt es sich bei der unbewussten Wahrnehmung um aufgenommene Informationen, die der bewussten Wahrnehmung dazu verhelfen, die aktive Suche anzuregen (z.B. schwache Gerüche, Bewegungen im Blickfeld, Geräusche außerhalb unseres Blickfeldes). Dieser Wahrnehmungsprozess läuft bedeutend schneller ab, als der Prozess der bewussten Wahrnehmung.
2.4 Worin unterscheiden sich Empfindung und Wahrnehmung?
[...]
Arbeit zitieren:
Dipl. Soz. Päd. Karsten Thabo Piehl, 2004, Wie entwickelt sich die Wahrnehmung des Menschen in den ersten drei Lebensjahren?, München, GRIN Verlag GmbH
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