Hauptseminar: Repräsentative Lese- und Mediennutzungsforschung WS 2000/2001
/HVHPRWLYDWLRQ±
)XQNWLRQHQGHV/HVHQVXQG(LQIOXVVIDNWRUHQDXI
GDV/HVHXQG/HNWUHYHUKDOWHQLP/HEHQVODXI
Inhalt:
1. Einleitung. S. 3 - 4
2. Lesemotivation
2.1 Motivationsbeschreibung und Motivationserklärung in der
Leserpsychologie. S. 4 - 10
2.2 Motivationen zum Lesen und Funktionen des Lesens. S. 10 - 11
2.2.1 Lesen zur Unterhaltung. S. 11 - 14
2.2.2 Lesen zur Information. S. 14 - 16
2.2.3 Lesen zur Weiterbildung. S. 16 - 17
2.2.4 Lesen zur Sprachbildung. S. 17 - 18
3. Einflussfaktoren auf das Leseverhalten und Gründe für das „Nicht-
Lesen “ S. 18 - 22
3.1 Lesephasen im Lebenslauf. S. 22 - 24
4. Schlussbemerkung. S. 24 - 25
5. Literatur. 26
2
1. Einleitung
Angeregt durch die technische Entwicklung der Neuen Medien, ihren sukzessiven Einzug in unseren Alltag und der damit verbundenen Annahme, dass das Lesen beziehungsweise allgemein die Bücher in unserer heutigen Welt eine immer geringere Rolle spielen und einnehmen, möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit mit den Funktionen des Lesens und den Einflussfaktoren auf das Leseverhalten im Lebenslauf beschäftigen. Entgegen langläufigen Meinungen wurde das Lesen nämlich keineswegs durch die sogenannten neuen Medien verdrängt, sondern konnte seinen Stellenwert im Vergleich zu ihnen in etwa halten. Die Nutzung anderer Medien und das Lesen von Büchern schließen sich nämlich nicht gegenseitig aus, vielmehr wird die Nutzung des jeweiligen Mediums funktionalisiert 1 , was bedeutet, dass das jeweilige Medium nach dem Prinzip der funktionalen Überlegenheit in Anspruch genommen wird.
In unserer heutigen Gesellschaft gilt Lesen eher als Schlüsselkompetenz, die überhaupt erst die aktive Teilnahme an der Mediengesellschaft ermöglicht. Ohne das Beherrschen der Kulturpraktik Lesen wäre die oben genannte Teilnahme am gesellschaftlichen Kommunikationsprozess und die Verwirklichung persönlicher Chancen und Möglichkeiten, sei es auf privater oder beruflicher Ebene, nicht gegeben. Die Schlüsselkompetenz des Lesens ist zentral für die Orientierung in der Medienwelt und den kompetenten Umgang mit den einzelnen Medien.
Der Annahme nachgehend, dass jeder Handlung und somit auch der sozialen Handlung Lesen und ihrer Anwendung im praktischen Leben eine Motivation zugrunde liegt, möchte ich in dieser Arbeit die allgemeinen und auch die individuellen Funktionen der Lektüre herausarbeiten. Darüber hinaus möchte ich aufzeigen, welche äußeren und inneren Faktoren das Leseverhalten, die Lektürewahl, die Lesedauer und so weiter beeinflussen und bedingen.
1 Vgl. Christmann, Ursula / Groeben, Norbert: Ausblick: Lesen im Medienzeitalter. In: Handbuch Lesen. Hg. v. Bodo Franzmann. München 1999. S. 205.
3
Im ersten Schritt wende ich mich der Motivationsbeschreibung und der Motivationserklärung in der Leserpsychologie zu, um darauf aufbauend die Ergebnisse zum Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend durch die Stiftung Lesen darzustellen und zu bewerten. Hierbei habe ich die Lesemotivation in vier Kategorien eingeteilt: Das Unterhaltungslesen, das Informationslesen, das Lesen zur Weiterbildung und das Lesen zur Sprachbildung. Meine Ausarbeitungen zu diesen Punkten stützen sich in erster Linie auf die Interviewaussagen von 2530 Befragten, die sich in einer quantitativen Studie zu ihrem Leseverhalten äußerten, auf die Aussagen von 120 Befragten anhand eines Leitfadeninterviews und die Ergebnisse und Erkenntnisse, die wir im Seminar „Repräsentative Lese- und Mediennutzungsforschung“ erarbeitet und zusammengetragen haben. Außerdem soll versucht werden, die Gründe für das Nicht-Lesen nachzuzeichnen und die Einflussfaktoren auf das Leseverhalten herauszuarbeiten. Im letzten Schritt meiner Ausarbeitung widme ich mich den Lesephasen im Lebenslauf, die häufig an einschneidende Ereignisse oder Veränderungen gebunden sind.
Ziel meiner Untersuchung ist es, wie oben dargelegt, die Funktionen des Lesens in der heutigen medialen Welt zu ergründen und darzustellen und herauszufinden, welchen „Wert“ die Lektüre für die einzelnen Probanden hat und damit im Lebenslauf zugewiesen bekommt.
2. Lesemotivation
2.1 Motivationsbeschreibung und Motivationserklärung in der Leserpsychologie
Nicht nur die Literaturwissenschaft, die Sozialwissenschaft und die Erziehungswissenschaft, um nur einige der in diesem Zusammenhang bedeutenden Forschungsgebiete zu nennen, befassen sich mit der
4
Lesemotivation; eine wichtige Rolle bei der Untersuchung derselbigen kommt auch der Leserpsychologie zu 2 .
Die Leserpsychologie geht zunächst vom bereits kompetenten Leser aus, das heißt, die Entwicklung vom hörenden und sprechenden zu einem lesenden und schreibenden Sprachbenutzer spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Als ein Theorierahmen von vielen gilt die kognitive Konstruktivität der Textverarbeitung. Hiermit meinen Groeben und Vorderer, dass die Textrezeption nicht ausschließlich passiv, im Sinne eines Decodierens, sondern vor allem aktiv erfolgt 3 . So zieht der Leser über das im Text Gesagte hinaus Schlussfolgerungen, zieht sein eigenes Wissen heran und integriert dieses in den im Text geschilderten Zusammenhang.
Groeben und Vorderer verweisen auch auf die Bedeutung von Hörspielen, Spielfilmen und Fernsehfilmen, die bei der Untersuchung von Leseinteressen eine sehr große Rolle spielen. Denn das Problem der Leseinteressen kann nur durch die Einbeziehung von konkurrierenden Objekten und Medien beschrieben werden.
Herausstellen möchte ich außerdem, dass sich die empirische Leserpsychologie nicht nur auf die Kanonliteratur respektive klassische und ästhetische Literatur beschränkt, sondern auch die sogenannte Trivialliteratur bis hin zur Sach- und Zweckliteratur (Kochbücher und Gebrauchstexte) beziehungsweise alle vorhandenen Lektürekategorien mit einbezieht, was vor allem für die Einteilung meiner Ergebnisse in die Kategorie „Unterhaltungslesen“ von Bedeutung ist, da diesem Aspekt die Hauptfunktion des Lesens beikommt 4 . Die beiden Autoren unterscheiden zwischen Leseinteresse und Lesemotivation, was im Alltag häufig synonym verwandt wird; hier jedoch eindeutig voneinander abgegrenzt wird.
Unter dem Begriff Motivation fasst man nach Groeben und Vorderer Aspekte der Intensität, Richtung und Form menschlichen Verhaltens, Tuns oder Handelns zusammen. Ebenso fallen hierunter Konzepte wie Trieb, Drang,
2 Vgl. Groeben, Norbert / Vorderer, Peter: Leserpsychologie: Lesemotivation - Lektürewirkung. Münster: Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung GmbH & Co 1988. Im folgenden: Groeben / Vorderer.
3 Vgl. Groeben / Vorderer S. 3.
5
Bedürfnisse, Strebungen und eben Interessen 5 . Hier untersucht die Leserpsychologie sowohl die quantitativen (Intensität, zeitliche Erstreckung und so weiter) als auch die qualitativen Aspekte (unter anderem betrachtet man hier, warum ein Individuum in einer vorliegenden Situation bestimmte Verhaltens- und Handlungsalternativen bevorzugt und andere nicht; soll meinen, dass die inhaltliche Richtung der gewählten Lektüre untersucht wird). Darüber hinaus unterscheidet die Leserpsychologie im Bereich der Lesemotivation zwischen zwei Erklärungsansätzen, nämlich dem Dispositions- und dem Situationsansatz. Der Dispositionsansatz bezeichnet ein immer wieder auftretendes Persönlichkeitsmerkmal. Als Beispiel gelte hier der Literat, der in keiner Lebenslage ohne Buch auskommt. Davon abzugrenzen ist der Situationsansatz, der die Notwendigkeit einer bestimmten Situation in den Vordergrund stellt. Beschreiben kann man mit diesem Erklärungsansatz den Schüler, der zur Bewältigung seiner Hausaufgaben ein Buch in die Hand nimmt. In der Praxis kann man die beiden Ansätze natürlich nicht so strikt und eindeutig voneinander trennen, und es kommt zu Wechselwirkungen zwischen den beiden Polen. Ebenso, wie man nicht immer eindeutig zwischen den oben genannten und beschriebenen Erklärungsansätzen differenzieren kann, fällt auch die begriffliche und inhaltliche Abgrenzung zwischen Lesemotivation und Leseinteresse mitunter schwer. Interesse, so Groeben und Vorderer, impliziert immer gewisse Werte beziehungsweise Werthaftigkeiten, die den Objekten, in meinem Fall also den Büchern, durch ein Subjekt, also dem Leser, zugeschrieben werden. Diese Interessen reichen nicht, so wie die Motivation, über eine bestimmte, zeitlich andauernde Phase hinaus, sondern sind eher punktuell gerichtet und beschränken sich auf den momentanen, nach Groeben / Vorderer den „Ist-Zustand“ 6 .
Um allgemeine Aussagen über das Leseverhalten in der Bevölkerung, Änderungen in diesem Verhalten respektive die Lektürewahl und natürlich die
4 Siehe hierzu die Ausarbeitungen unter 2.2.1.
5 Vgl. Groeben / Vorderer S. 12.
6 Siehe hierzu Groeben / Vorderer S. 14f.
6
Arbeit zitieren:
Julia Wild, 2001, Lesemotivation - Funktionen des Lesens und Einflussfaktoren auf das Lese- und Lektüreverhalten im Lebenslauf, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterrichtsstunde: Lautmalerische Elemente im Gedicht „Das Feuer“ von ...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 18 Seiten
Lesesozialisation - Grundlagen und Bedeutung des Lesens für die Sozial...
Vordiplomarbeit, 54 Seiten
Die Bedingungen intrinsischer Lesemotivation und ihre Förderung im sch...
Hausarbeit, 26 Seiten
Leseinteressen von Grundschülern und Grundschülerinnen
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Examensarbeit, 82 Seiten
Einsatz des Lesetagebuchs zur Förderung der Lesemotivation
Untersucht im Deutschunterrich...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 67 Seiten
Moderne Kinderliteratur am Beispiel Peter Härtlings 'Ben liebt Ann...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 17 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Lesen fördern - Das Konzept der Leseförderung und dessen Möglichkeiten...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Zum Lesen verführen - Entwicklung eines Konzepts zur Leseförderung
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 60 Seiten
Verschiedene Modelle des Zweitspracherwerbs und damit zusammenhängende...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Zu Gottfried Keller - Kleider machen Leute: Wie wird der Schneider Wen...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Unterrichtsentwurf, 8 Seiten
Frauenbilder - zur Konstruktion des Weiblichen in Frank Wedekinds '...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Das Verhältnis von Privatlektüre und Schullektüre
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 29 Seiten
Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit, 15 Seiten
Gewaltdarstellungen in Medien - ein pädagogisches Problem?
Vordiplomarbeit, 23 Seiten
Julia Wild hat den Text Lesemotivation - Funktionen des Lesens und Einflussfaktoren auf das Lese- und Lektüreverhalten im Lebenslauf veröffentlicht
Julia Wild hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare