Inhaltsverzeichnis
I KLÄRUNG DES BEGRIFFES PROPAGANDA 1
II DIE GRUNDFUNKTIONEN DER PROPAGANDA 4
III DIE PLAKATPROPAGANDA 7
1 PLAKATPROPAGANDA IM DEUTSCHEN REICH. 9
2 DEUTSCHE PLAKATPROPAGANDA IN WEIßRUßLAND. 13
IV SPRACHE IN DER NS-PROPAGANDA 21
1 MONUMENTALSUCHT UND PSEUDOMONUMENTALSTIL 22
1.1 Superlativ-Manie. 22
1.2 Redundanz. 24
1.3 Nominalstil. 26
2 DER PSEUDOSYMBOLISMUS 29
2.1 Biologisch-medizinische Verbrämung. 29
2.2 „Blut- und Boden“- Terminologie. 31
V ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG 32
VI LITERATURVERZEICHNIS 34
I Klärung des Begriffes Propaganda 1
I Klärung des Begriffes Propaganda
Propaganda ist ein Begriff, der höchstwahrscheinlich für all unsere Zeitgenossen mit einer äußerst negativen Konnotation behaftet ist. Man bringt ihn zuerst in Verbindung mit dem zweiten Weltkrieg und allgemein mit der Verbreitung politischer und weltanschaulicher Ideen und Meinungen, die das Ziel haben, das allgemeine Bewußtsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.
Ursprünglich stammt die Bezeichnung Propaganda aus dem 17. Jahrhundert. „Congregatio“ und „Collegium de Propaganda Fide“ waren Einrichtungen, gegründet von Papst Gregor XV. zur Pflege der Heidenmission. Urban VIII. errichtete wenig später eine Pflanz- und Schulstätte für Missionare, die ebenfalls der Ausbreitung des Glaubens diente.
Doch ehe aus der geistlichen die weltliche Propaganda wurde, erfuhr das Wort einen Bedeutungswandel. Propagare heißt ausbreiten, ausdehnen, sich zeitlich verlängern und sich hinziehen ( à propagare bellum = den Krieg in die Länge ziehen/ verlängern; anm.d.Verf.). Es heißt aber auch, sich durch Ableger und Schößlinge fortpflanzen. Die Propaganda, wie wir sie heute verstehen, hat keine philologische Entwicklung durchgemacht, sondern einen Sprung. Sie geht unmittelbar aus der Amtsbezeichnung „Congregatio de Propaganda Fide“ hervor. Da für das Volk dieser Titel aber zu lang war, wurde er ohne Rücksicht auf seine grammatikalische Richtigkeit auf „Die Propaganda“ gekürzt.
Auch zur Zeit Goethes wurde die Bezeichnung in diesem Sinne verwendet. Er schreibt 1787 aus Rom: „Am Dreikönigstage“ ... „waren wir in der Propaganda.“ Damit war, wie oben beschrieben, die Propaganda-Kongregation gemeint, der sämtliche missionarische Tätigkeiten der katholischen Kirche unterstellt waren. Da sich diese Mission auch auf nichtchristliche Gebiete erstreckte, zog sie in der Aufklärung den Argwohn der Gegner auf sich, die glaubten die katholische Kirche wolle durch zentral gesteuerte geheime Unterwanderung Proselyten machen. Somit erhielt das Wort langsam einen negativen Beigeschmack und wurde mit Verschwörungsvorstellungen assoziiert.
Der Begriff Propaganda konnte sich allmählich wandeln. In der Französischen Revolution wurde der Ausdruck stark säkularisiert und politisiert. Denn die
I Klärung des Begriffes Propaganda 2
Revolutionäre selbst bezeichneten sich als ‘missionaires’ und ‘apôtres’ für ein neues politisches ‘crédo’. Ihre Gegner allerdings glaubten sich und das übrige Europa bedroht durch eine „ im Geheimen wirkende Organisation", die sie als Propaganda bezeichneten. Bis etwa 1850 mußte, wenn man die Propaganda meinte, eine Gesellschaft, d.h. eine Personengruppe gemeint sein und damit verbunden eine fortschrittliche Ideologie repräsentiert werden.
Erst anschließend, nach etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts, erfuhr das Wort einen Bedeutungswandel. Nun war nicht mehr eine Institution, Gruppierung oder Zentrale zur Steuerung der Ideen bezeichnet, sondern der Akt der Verbreitung an sich, z.B. die Werbung für politische Ideen der Linken Parteien, die als positiv angesehen wurde.
In „Meyers Lexikon“ findet sich 1907 in der 6. Auflage eine weitere Umdeutung des Begriffes Propaganda. Er bezeichnet nun alles, was zu tun hat mit der Verbreitung von Erzeugnissen, wie Waren, Schriften, Reklame und Anzeigen. Im ersten Weltkrieg wurde er zum „Schlagwort der psychologischen Kriegsführung“. Die Kriegspropaganda erhielt in Hitlers Werk „Mein Kampf“ sogar ein eigenes Kapitel. Seine Leitsätze für die richtige Propaganda lauten wie folgt, daß sie ein Mittel sei, das vom Gesichtspunkt des Zweckes aus beurteilt werden müsse. Sie diene nicht objektiv der Wahrheit, sondern ihrer selbst und habe sich nach dem jeweiligen geistigen Niveau des Volkes zu richten. Laut Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, sollte es Aufgabe der Propaganda sein, den, den sie erfassen wolle, ganz mit ihren Ideen zu durchtränken, ohne daß er es überhaupt merke.
Die Propaganda wurde mehr und mehr eine Institution zu einem bestimmten Zweck, ja gar eine Macht. Sie dient nun nicht mehr dem Auftrag den Glauben zu verbreiten, sondern wird genutzt um Menschen zu beeinflussen und ihren „Glauben“ zu erwecken. 1 Um den Begriff vom Negativaspekt zu entbinden, setzte man das Verbot durch, d as Wort mit Reklame oder Werbung gleichzusetzen. Die Propaganda sollte vielmehr positiv aufgewertet werden, indem man ihr negative Kontrastworte, wie, Agitation, Hetze und Lügenkampagne gegenüberstellte und sie zum gesetzlich geschützten Begriff erklärte. Denn sie sollte nicht abgewertet werden, vielmehr sollten die Begriffe Agitation und Hetze für die feindliche Beeinflussung des Volkes verwendet werden um
1 Vgl.: Sternberger: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. S. 110-116.
I Klärung des Begriffes Propaganda 3
somit den Gegner zu beschreiben, der laut der Nationalsozialisten durch Haß- und Vernichtungswillen gekennzeichnet ist.
Schon zur damaligen Zeit gab es Beobachter, die feststellten, daß auch die nationalsozialistische Sprachlenkung nicht vermochte, der Propaganda die negative Wirkung zu nehmen, sondern sie wurde im Laufe der Zeit durch die Geschehnisse i m dritten Reich mehr und mehr negativ behaftet und letztendlich zu einem „Greuelwort“, dessen Akzentuierung sich bis heute gehalten hat.
So definiert sich die nationalsozialistische Propaganda aus den Maßnahmen des Nationalsozialismus zur einheitlichen A usrichtung des Volkes in allen politischen Fragen. 2
2 Vgl.: Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. S. 475-480
II Die Grundfunktionen der Propaganda 4
II Die Grundfunktionen der Propaganda
Der Nationalsozialismus versuchte das ganze deutsche Volk im politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich im Unbewußten zu halten und auf die Stufe des intuitiven Erfassens zurückzuwerfen. Das verfälschte Gefühl sollte dabei die Stelle des Verstandes übernehmen. 3 Und dies ist genau das, was der Nationalsozialismus rigoros ausnutzte um die Menschen für sich einzunehmen, genauer gesagt, die Menschen in ihrem Unwissen über die unbewußte Wirkung der Propaganda und bestimmter Parolen zu manipulieren.
Denken findet beim Menschen gewöhnlicherweise in Form von Sprache statt. Die Sprache ist sozusagen Medium für unsere Gedanken. Sprachfreies Denken, also Denken, das nicht im Medium Sprache stattfindet, könnte man als intuitives Denken bezeichnen, das den Menschen auf eine primitivere Stufe zurückstellen würde. Die nationalsozialistische Propaganda machte sich genau dieses Prinzip zu eigen. Unreflektierte innere Regungen wurden ausgenutzt und der Appell an die unmittelbare, unkontrollierte Eingebung geschah im besonderen auf der unbewußten Ebene. Der Eingriff in den Sprachmechanismus, der es ermöglicht den Menschen von seinem Sprachverhalten her zu lenken wurde bewußt ausgenutzt. Mit Hilfe der Macht des Wortes kann, wie es im 3. Reich geschah, auch die Lüge zum Macht-Werkzeug mißbraucht werden. So konnte und kann man das Volk auf bestimmte Verhaltensnormen festlegen. Folglich kann der Mensch, der diese Lenkung aus eigenen Stücken nicht bemerkt, mit Mitteln der Sprache unbewußt gehalten werden und seine Personalisation kann auf ein Minimum reduziert werden. Auf diese Weise hat sich der nationalsozialistische Staat einen getreuen, gehorsamen Untertanen erzogen. 4 Dovifat beschreibt die Propaganda als eine Form der Werbung, als
„planmäßig geordneter Einsatz persönlicher, geistiger und technischer Führungsmittel zur Eroberung der breitesten Öffentlichkeit für ein publizistisches Ziel.“ 5
Denn die Sprachregelung zu dieser Zeit funktionierte Begriffe um oder eliminierte sie und ließ sie durch eine gleichgeschaltete Presse propagieren. Diese Sprachregelung betraf nicht nur einzelne Worte, sondern zog sich durch sämtliche Äußerungen und
3 Bork: Missbrauch der Sprache. S. 5.
4 Ebd: S. 10-12.
5 Dovifat: Zeitungslehre I. S. 127.
II Die Grundfunktionen der Propaganda 5
„richtete“ sie dem System gemäß aus. Dabei ist zu sagen, daß das gesprochene Wort eine noch viel stärkere psychologische Wirkung hatte, als das geschriebene Wort, was man auch damals bereits genau wußte 6 :
„Denn das mögen sich alle die schriftstellernden Ritter und Gecken von heute besonders gesagt sein lassen: die größten Umwälzungen auf dieser Welt sind nie durch einen Gänsekiel geleitet worden! Nein, der Feder blieb es immer nur vorbehalten, sie theoretisch zu begründen. Die Macht aber, die die großen historischen Lawinen religiöser und politischer Art ins Rollen brachte, war seit urewig nur die Zauberkraft des gesprochenen Wortes.“ (...) „Worte, die Hammerschlägen ähnlich die Tore zum Herzen eines Volkes zu öffnen vermögen 7 .“
Die propagierende Sprache findet sich in der Zeit des Nationalsozialismus in nahezu allen Bereichen des geschriebenen und des gesprochenen Wortes. Ich stelle sogar die Behauptung auf, dass das ganze System des Nationalsozialismus auf Propaganda beruht. Denn die Nationalsozialisten ließen keine Möglichkeit aus, ihren Einfluss auf das deutsche Volk auszuüben.
„Zwölf Jahre lang herrschten die Nationalsozialisten uneingeschränkt in Deutschland. Während dieser Zeit durchdrangen sie - auch in Form eines spezifischen Sprachgebrauchs - mit ihrer Ideologie und Propaganda nahezu alle Lebensbereiche der Deutschen. Die mündliche und schriftliche Allgegenwart ihrer rassenideologischen, militaristischen, auf Führung und Gefolgschaft fixierten Interpretation von Volk und Gesellschaft - verbreitet vor allem auch durch die neuen Medien Rundfunk und Film - war eines ihrer wesentlichen Herrschaftsmittel.“ 8
Die Angehörigen der NSDAP und ebenso das Volk bekamen, um ein Beispiel anzuführen, die Sprache und die Ideologie des Nationalsozialismus durch die Worte des Völkischen Beobachters eingehämmert, denn dieses „Kampfblatt“ der NSDAP beinhaltete alle Kennzeichen der Propaganda, des Flugblattes und des Plakates, welche im besonderen propagandistische Züge aufwiesen. Des Weiteren ist Hitlers Werk „Mein Kampf“ ein wesentliches Mittel der Propaganda gewesen, da es als Vorbild für die Sprache des Dritten Reiches diente. Auch Organisationen, wie z.B. der Bund Deutscher Mädel und die Hitlerjugend, zu deren Mitgliedschaft die deutsche Jugend verpflichtet wurde, hatten zum Ziel, den deutschen Nachwuchs i m Sinne des Nationalsozialismus zu erziehen und zu beeinflussen, so daß es von vornherein keine Möglichkeit gab sich dem System zu entziehen.
„Erst die Totalität der politischen Macht gab dem NS-System die Möglichkeit, sich das Monopol der
Meinungsführung zu sichern, seine offenen oder geheimen publizistischen Gegner zu verdrängen und bis in den letzten Schlupfwinkel zu verfolgen, ungestraft und unverantwortlich Lügen als Wahrheit auszugeben, kurz, die Allgegenwärtigkeit der publizistischen Propaganda organisatorisch, technisch und politisch sicherzustellen.“ 9
6 Vgl.: Bork Siegfried: Mißbrauch der Sprache. S. 13.
7 Hitler: Mein Kampf. S. 116.
8 Kinne/ Schwitalla: Sprache im Nationalsozialismus. S. 1.
9 Hagemann Walter: Publizistik im Dritten Reich. S. 27.
II Die Grundfunktionen der Propaganda 6
Ziel dieser Arbeit soll sein, dem Leser einen Einblick zu verschaffen in das von Propaganda durchwirkte, bzw. das von Propaganda getragene System des Nationalsozialismus. Zur Verdeutlichung hierfür beschränke ich mich auf Beispiele aus der Plakatpropaganda und werde anschließend eingehen auf die Merkmale der Sprache der Propaganda, denn alles, was darüber hinaus ginge, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. In erster Linie entstammen die angeführten s prachlichen Beispiele dem „Völkischen Beobachter“, Auszügen aus Reden und aus Hitlers „Mein Kampf“.
Arbeit zitieren:
Yvonne Fischer, 2001, Propaganda im Nationalsozialismus - eine Analyse der sprachlichen und gestalterischen Mittel der nationalsozialistischen Propaganda, München, GRIN Verlag GmbH
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