Universität Regensburg Institut für Volkskunde Sommersemester 2000 Proseminar: Kleidung, Mode, Outfit
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Magisterstudiengang Volkskunde
Abgabedatum: 09.05.2001
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1. Einführung
2. Begriffsklärung
3. Geschichte der Trachtenbewegung
4. Tracht und Gesellschaft in jüngerer Zeit
5. Literaturverzeichnis
1
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In den letzten Jahrzehnten hat sich das Kleidungsverhalten in Bezug auf Tracht grundlegend geändert und hat, zum Teil bis in unsere Tage der Fall, neben Bayern vor allen Dingen in Österreich zunehmend Eigenheiten des Folklorismus angenommen.
Dies erfordert natürlich für die Kleidungsforschung eine eingehende Beschäftigung mit Erscheinungsformen und Ursachen, die „aus einem differenzierten Geflecht sozialer und historischer Bedingungen heraus zu interpretieren“ 1 sind. Dabei spielt Hans Moser eine bedeutende Rolle, der um 1962 „das Problem zum Gegenstand des Faches“ 2 Volkskunde gemacht und eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung ins Rollen gebracht hat.
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Vorweg sollen dazu noch Begriffe wie Folklore und Tracht einer kurzen Erläuterung unterzogen werden, um den anschließenden Kontext auf einer angemessenen Wissensgrundlage besser verstehen zu können.
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Die beiden Begriffe werden mitunter gleichwertig gebraucht. Sie leiten sich ethymologisch vom englischen ORUHab, das ist die Kunde oder Überlieferung, also vornehmlich mündlich tradiertes Kulturgut eines bestimmten Volkes (IRON) 3 , was auch der ursprünglichen Bedeutung entspricht 4 .
Seit jedoch nach 1945 das Wort IRONORUH über das Französische verstärkt in die Schweiz und damit in den deutschen Sprachraum eindringt, ist ein markanter
1 Bausinger (1969), S. 2.
2 Hörandner (1982), S. 10.
3 Nach Wörterbuch Volkskunde, S. 228.
4 Vgl. Kienle, S. 127: Folklore ist die Ä.XQGHYRQ9RONVJODXEHQNXQVWEUlXFKHQ³
2
Bedeutungswandel zu verzeichnen. Erste Folklore-Abende mit Musik-, Trachten- undBrauchvorführungen - zu vergleichen mit unseren heutigen Heimatabendendienen als Werbemittel diverser Fremdenverkehrsorte 5 . Hierbei werden aber die Phänomene langsam aus einem gewachsenen regionalen und funktionalen Rahmen gelöst und in einer neuen Funktion und in neuen Zwecken vorgeführt 6 , denen der Unterhaltung und Belustigung von Urlaubsgästen. Daneben dienen auch kitschige Heimatfilme der Vermarktung einer nur scheinbaren Realität und kristallisieren somit einen neuen Bedeutungsaspekt von Folklorismus heraus, der immer mehr in wirklichkeitsfremde Gefilde abdriftet und zwar auf lächerliche Art und Weise - dies wird auch in der umgangssprachlichen Bedeutung des französischen Adjektivs IRONORULTXH zum Ausdruck gebracht 7 . Wie schon erwähnt, hat der Volkskundler Hans Moser Initiative ergriffen und der modernen Trachtenforschung eine aktuelle Problematik zugewiesen. Er sieht im Folklorismus die „Vermittlung und Vorführung von Volkskultur aus zweiter Hand“ 8 , wobei die deutlichsten Phänomene im öffentlichen Brauchwesen erkennbar sind - Volkstracht wird „nur noch als dekoratives Element“ 9 eingesetzt. Geschäftsinteressen, die zunehmende Medienpräsenz und der daraus unter anderem resultierende Massentourismus bewirken dabei ein undurchschaubares Dickicht an Vielfältigkeit einer möglichst bunten Folklore, die vielleicht gerade deshalb auch in bisherige Reliktgebiete vordringt. 10 Das Ursprüngliche wird dabei nachgeahmt, ja sogar verfälscht. Der Tourist möchte gerne etwas Urwüchsiges, Urzeitlich-Mythisches zu Gesicht bekommen, die Bevölkerung nimmt die von ihr erwartete Rolle an, und sei es nur aus ökonomischen Gründen. Neue Bräuche ohne jegliche regionale Grundlage werden sogar dafür eingeführt beziehungsweise eindrucksvollere brauchfremde Elemente zu Hilfe genommen 11 oder Bräuche an andere Orte und Termine verfrachtet 12 . Das
5 Nach Strübin, S. 69-70.
6 Nach Bausinger (1969), S. 5.
7 Nach Wörterbuch Französisch, S. 244.
8 Moser (1962), S. 180. S. auch Bausinger (1969), S. 3 u. Hörandner (1982) S. 11.
9 Moser (1964), S. 11.
10 Nach Bausinger (1969), S. 10-12
11 Nach Moser (1964), S. 35.
12 Nach Moser (1964), S. 18.
Arbeit zitieren:
Manfred Sailer, 2000, Trachtenbewegung und Folklorismus in Österreich, München, GRIN Verlag GmbH
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