Thema:
Medientheorie: Pierre Bourdieu - Über das Fernsehen
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Zur Person - Pierre Bourdieu 4
3. Präambel 5 6
4. Eine unsichtbare Zensur 6 8
5. Verstecken durch Zeigen 8 10
6. Die zirkuläre Zirkulation der Nachricht 10 12
7. Die Dringlichkeit und das „Fast - Thinking“ 12 13
8. Echt falsche und falsch echte Debatten 13 15
9. Widersprüche und Spannungen 15
10. Bourdieu ein kritischer Medientheoretiker? 15 17
11. Fazit 18 19
12. Literaturliste 19
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1. Einleitung
Im Jahr 2004 ist das Wort „Ekelfernsehen“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache auf den 5.Platz beim Wettbewerb „Wort des Jahres“ gewählt worden. Mit dieser Einteilung kürt die Gesellschaft jährlich Ausdrücke, die den öffentlichen Sprachgebrauch des jeweiligen Jahres geprägt haben. „Ekelfernsehen“ hat es dank zahlreicher „Real-Life“-Formate, wie z.B. „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“, „Fear Faktor“ oder „BigBrother“ immerhin bis unter die ersten fünf Plätze geschafft. Das beweist, dass in diesem Jahr viel über die Entwicklung des Fernsehens diskutiert wurde. Bei all diesen Formaten mussten Menschen Dinge tun, die die bisherigen Ekelgrenzen im Fernsehen überwunden und somit eine erhöhte Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Immer wieder stand der Begriff der Menschenwürde in diesen Diskussionen im Vordergrund. Doch muss es tatsächlich so weit kommen, dass Menschen vor Millionen von Zuschauern vorgeführt werden, bis die Öffentlichkeit sich kritisch mit diesem Medium auseinandersetzt? Es scheint so. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. In der Wissenschaft gab es schon immer Forscher, die der Entwicklung der Massenmedien, insbesondere dem Fernsehen, kritisch gegenüberstanden. Auch der französische Soziologe und Kulturwissenschaftler Pierre Bourdieu gehört dazu. In seinem Vortrag „Über das Fernsehen“ im Jahr 1998 setzt er sich sehr kritisch mit dem Medium Fernsehen auseinander. Im folgenden Text werde ich diesen Vortrag analysieren. Ich werde die zentralen Aussagen seiner Rede herausarbeiten und eine Verbindung herstellen zum deutschen TV - Markt. Hierbei werde ich prüfen, ob die Befunde, die Bourdieu zum französischen Fernsehen gemacht hat, auch auf Deutschland übertragbar sind. Anschließend werde ich untersuchen, ob Bourdieu, so wie Stefan Weber es vorschlägt, zu den kritischen Medientheoretikern gezählt werden kann.
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2. Zur Person Pierre Bourdieu
Pierre Bourdieu wird am 01.Oktober 1930 im französischen Denguin im Béarn geboren. Ab 1950 studiert er in Paris an der Faculté des Lettres und an der Ecole Normale Supérieure. Letztgenannte ist einer der berühmtesten französischen Bildungseinrichtungen und gilt als „Intellektuellen - Schmiede“ (vgl. Treibel 204). 1954 erlangt er die Agrégation in Philosophie und ist anschließend bis 1957 als Gymnasiallehrer am Lycée de Moulins beschäftigt. Von 1958 bis 1960 arbeitet er als Assistent an der Faculté des Lettres in Algier und qualifiziert sich damit für die Forschung. Ab 1964 ist Bourdieu Professor für Kultursoziologie an der Ecole Pratique des Hautes Etudes en Sciences Sociales, ab 1981 Professor für Soziologie am Collége de France. 1985 wird er Direktor des Centre de Sociologie Européenne du Collége de France und der École des Hautes Études en Science Sociales in Paris. Er stirbt am 23. Januar 2002 in Paris. Bourdieu gilt als bedeutendster französischer Soziologe der Nachkriegszeit. Außerdem tritt er als Kulturphilosoph und Zeitkritiker in Erscheinung. „Seit den sechziger Jahren versucht er, in seinen Arbeiten das Verhältnis von Bewusstsein, sozialem Handeln und objektiver gesellschaftlicher Struktur zu verdeutlichen“ (Microsoft 2004). Weiterhin setzt er sich intensiv mit den Intellektuellen auseinander. Er stellt fest, dass sie „als Beherrschte Teil der Herrschenden“ (Bourdieu 1989, 31) seien. Das bedeutet
„Intellektuelle sitzen nicht unmittelbar an den Schalthebeln der Macht, aber
da sie als Meinungsführer und bürgerliche Gruppierung Macht und Einfluss
besitzen, gehören sie dennoch zu den Herrschenden“ (Treibel 205).
Das meistbekannte Werk Bourdieus in Deutschland ist „Die feinen Unterschiede“ aus dem Jahr 1982. Weitere bekannte Werke sind unter anderem „Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft“ (1987), „Homo Academicus“ (1988) und „Die Intellektuellen und die Macht“ (1991).
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3. Präambel
Pierre Bourdieu hielt seinen Vortrag „Über das Fernsehen“ 1998 am Collège de France in Paris. Sie wurde auch vom Fernsehen ausgestrahlt. Bourdieu beginnt mit der Rechtfertigung seines Auftritts im Fernsehen. Er vertritt die Ansicht, dass Wissenschaftler, Künstler, Intellektuelle und Schriftstellter Fernseha uftritte nicht pauschal ablehnen sollten. „Ich denke sogar, dass man in bestimmten Fällen förmlich dazu verpflichtet ist“ (Bourdieu 1998, 17). Allerdings nur dann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Für die Aufzeichnung seiner Vorlesung hat Bourdieu sich diese selbst gestaltet. Er hat keine Begrenzung seiner Redezeit, wie es in vielen anderen Fernsehformaten der Fall ist. Er kann das Thema, über das er berichten möchte, frei wählen und es existiert kein Moderator der ihn „im Namen der Technik, der „Zuschauer-denenman erklären muss“, der Moral, der Schicklichkeit usw. zur Ordnung ruft“ (ebd. 17). Er hat also eine „unübliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel“ (ebd. 17). Neben den bestimmten Voraussetzungen, die eine Fernsehsendung erfüllen sollte, fordert Bourdieu auf, vor einem Auftritt in sich zu gehen und die Zusage zu einem solchen von der Beantwortung der folgenden Fragen abhängig zu machen:
„Geht das, was ich zu sagen habe, jeden an? Bin ich bereit, meine Rede
formal so zu gestalten, dass sie alle verstehen? Verdient sie, von allen
verstanden zu werden? Mehr noch: Soll sie überhaupt von alle
verstanden werden?“ (ebd. 18).
Erst wenn diese Bedingungen, also die bestimmten Voraussetzungen und die positive Beantwortung der Fragen, erfüllt sind, erst dann sollte man sich zu einem Auftritt im Fernsehen bereit erklären. Personen, die sich diese Fragen nicht vorher stellen, unterstellt Bourdieu selbstdarstellerische Vorlieben. Diese Personen gehen nicht ins Fernsehen um zu informieren, sondern um als Personen wahrgenommen zu werden. Bourdieu beruft sich auf Gilles Deleuze und geht sogar so weit zu behaupten, dass viele der Schriftsteller oder Künstler nur deswegen neue Arbeiten fertig stellen, um anschließend zur Präsentation derselben neue Einladungen zu Fernsehauftritten zu erhalten. „Der
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Bildschirm wurde auf diese Weise eine Art Spiegel des Narziss, eine Stätte narzisstischer Zurschaustellung“ (ebd. 16f). Schon diese Kritik kann leicht auf Deutschland übertragen werden. Im Jahr 1998, als der Vortrag gehalten wurde, gab es unzählige Talkshow -Formate im deutschen Fernsehen. „Normale“, unprominente Menschen haben vor laufender Kamera intimste Dinge aus ihrem Privatleben erzählt. Auch diesen Personen kann man unterste llen, dass sie nur zu Zwecken der Eigendarstellung diese Shows besuchen. Die Möglichkeit Bedingungen an den Moderator oder die Show zu stellen, wie von Bourdieu gefordert, war den Gästen nicht gegeben. Die „Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel“ (ebd. 17) war also nur den Fernsehredakteuren überlassen. Mittlerweile sind diese Talkshow -Formate überwiegend vom Bildschirm verschwunden. Dafür gibt es zurzeit viele Talkshows mit Prominenten. Hier gilt: „Je höher die Prominenz, umso bessere Möglichkeiten Bedingungen zu stellen.“ Große Persönlichkeiten können die Talkshowmacher, mit der Androhung zur Konkurrenz zu gehen, erpressen und somit ihre Bedingungen durchsetzen. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, zu behaupten, dass die Künstler und Wissenscha ftler nur arbeiten, um in diesen Shows auftreten zu können. Vielmehr glaube ich, dass es ums Geld geht. Die Künstler sind darauf angewiesen viel Werbung für ihr „Produkt“ zu machen, damit dieses vielfach verkauft werden kann. Und Talkshow -Auftritte sind dafür ein beliebtes Mittel.
4. Eine unsichtbare Zensur
Bourdieu stellt fest, dass ein Auftritt im Fernsehen in der Regel einer Zensur unterliegt. Das liegt unter anderem daran, dass gewisse Voraussetzungen schon vorgegeben sind und man nicht einfach das sagen kann, was man möchte. Man ist auf die Fragen des Moderators angewiesen und soll, wenn möglich, nur diese beantworten und nicht abschweifen. Hinzu kommt, dass die Redezeit beschränkt wird. Diese Umstände veranlassen Bourdieu zu der These, dass bei solchen
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Arbeit zitieren:
Christoph Tautz, 2004, Pierre Bourdieu - Über das Fernsehen (Medientheorie), München, GRIN Verlag GmbH
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