Der ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury
im Rahmen des aristotelischen Wissenschaftsmodells
Autor: Werner Müller
Inhalt:
0. Abstract
1. Einleitung
2. Der Gottesbeweis der im Proslogion 2-4
2.1 Die Grundlagen des Gottesbeweises
2.2 Die Struktur des Gottesbeweises
3. Anselms Gottesbeweis als apodiktischer Syllogismus
3.1 Der Beweis im aristotelischen Wissenschaftsmodell
3.2 Anselms Gottesbeweis in der Form eines apodiktischen Syllogismus
3.3 Der Schluß vom Denken auf das Sein als notwendige Voraussetzung des Gottesbeweises
Zusammenfassung und Ausblick
Literatur
0. Abstract
Anselms Beweis von der Existenz Gottes wird bis heute kontrovers diskutiert. Zeitgenössische Kritiker bemühen ausgeklügelte Logiken, um die Gültigkeit des anselmianischen Arguments zu überprüfen. Viel naheliegender scheint es mir jedoch, Anselms Argument in Form eines aristotelisch-wissenschaftlichen Beweises zu rekonstruieren. Denn ein Teil dieses Beweisschemas liegt wörtlich in Proslogion II-IV vor und der Rest läßt sich daraus ableiten. Dieser Rest wird sich als notwendige, aber auch inakzeptable Voraussetzung des anselmianischen Arguments erweisen, die der Text nicht explizit ausspricht. Diese Arbeit ist der Versuch, jene inakzeptable Voraussetzung herauszustellen, um so die Ungültigkeit des Beweises sichtbar zu machen. Dazu werde ich den Aufbau des anselmianischen Arguments ausarbeiten, die Form eines Beweises im Sinne des aristotelischen Wissenschaftsverständnisses skizzieren und letztlich Anselms Argument dieser Form gemäß rekonstruieren.
1. Einleitung
Wer sich heute mit den Versuchen der Scholastiker, die Existenz Gottes zu beweisen auseinandersetzt, kann sich kaum einer gewissen Verwunderung entziehen: die Vernunft scheint nicht gerade das adäquate Mittel zum Erfassen dieses numinosen Gegenstandes zu sein.
Doch diese Versuche sind durchaus ernst gemeint. Vernunft hatte die Kritik an Glaubenssätzen einst ermöglicht (z. B. Streit um die Transsubstantiationslehre) und sollte nun die Überlegenheit der christlichen Theologie gegenüber konkurrierenden Heils- und Weltanschauungslehren (z. B. Islam, Judentum, byzantinische Theologie, aufkommende Wissenschaft) sichern. Heute werden Gottesbeweise im Kontext der Frage nach der Möglichkeit einer rationalen Theologie erörtert (vgl. z. B. Söhngen, G., 1952, 24-62; Schurr, A., 1966, 306-310).
Die Existenz Gottes wurde auf verschiedene Weisen zu begründen versucht. So schloß man vom Vorhandensein der kontingenten Welt auf die Existenz einer außerweltlichen, notwendigen Ursache (kosmologischer Gottesbeweis) oder auf ein Ziel, auf das hin die Welt zustrebt (teleologischer Gottesbeweis). Während diese Beweisformen von empirischen Voraussetzungen ausgehen, versucht eine dritte Gruppe von Gottesbeweisen ihr Beweisziel aus dem Begriff Gottes herzuleiten (ontologischer Gottesbeweis). Der wohl berühmteste Vertreter dieser Gruppe ist der Beweis des Anselm von Canterbury (1033-1109). Dieser löste eine heftige Kontroverse aus, die bis heute anhält. So wurde er z. B. von Thomas von Aquin und Kant verworfen, während Descartes von seiner Schlüssigkeit überzeugt war und ihn sogar als conditio sine qua non in sein metaphysisches System einbaute. Die zeitgenössischen Kritiker erachteten übereinstimmend den ersten Teil des aus zwei Schlüssen bestehenden Beweises (s.u.) als ungültig, den zweiten jedoch als gültig (vgl. Hartshorne, 1941; Findlay, 1948, 176-183; Malcolm, 1960, 41-62). Selbst der Einsatz der von der modernen Logik bereitgestellten Mittel vermochte keinen Konsens über die Gültigkeit des Beweises herzustellen. Morscher (1988, 60-84) hält ihn für ungültig nachdem er die Logiken der Existenz, der Kennzeichnungen und der Modalitäten zur Überprüfung bemüht hat. Weingartner (1998, 34-59) hält ihn im Rahmen des intuitionistischen Kalküls für gültig, allerdings um den Preis einer abgeschwächten Konklusion.
Doch ist es wirklich erforderlich, auf solche moderne und hochspezialisierte Kalküle zurückzugreifen? - Meines Wissens hat noch niemand versucht, Anselms Argument in der Form eines apodiktischen Syllogismus im Rahmen des aristotelischen Wissenschaftsverständnisses zu rekonstruieren, obwohl der Text Proslogion 2 - 4 diese Beweisform nahelegt. Die vorliegende Arbeit möchte diese Lücke schließen. Dazu werde ich zunächst den Gedankengang Anselms beschreiben, dann werde ich knapp skizzieren, was ein Beweis im Sinne des aristotelischen Wissenschaftsverständnisses ist und schließlich werde ich Anselms Argument dieser Form gemäß rekonstruieren. Dabei wird sich zeigen, daß eine Voraussetzung dieses Beweises nicht akzeptabel und somit der Beweis selbst nicht gültig ist.
[...]
Arbeit zitieren:
Werner Müller, 2001, Der ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury im Rahmen des aristotelischen Wissenschaftsmodells, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!" Gibt es s...
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Dilemma-Methode Kohlbergs und ihre Anwendung in der Praxis
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Stellung der Frau im Islam
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit, 18 Seiten
Mittelalterliche Literatur im Unterricht
Moderne Lyrik im Themenspektru...
Hauptseminararbeit, 36 Seiten
Medizinethik - Ja oder Nein zum Thema Sterbehilfe
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 26 Seiten
Strategic management: Porter’s model of generic competitive strategies...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 15 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Praktikumsbericht / -arbeit, 46 Seiten
Lesetechniken und Leseförderung in der Schule - Individuelle Förderung...
Individualisierte Förderansätz...
Hausarbeit, 16 Seiten
Just-In-Time am Beispiel der Automobilindustrie
Hauptseminararbeit, 38 Seiten
Spricht die Jugend eine eigene Sprache? Ein Überblick über Forschung u...
Hauptseminararbeit, 27 Seiten
Bericht - Allgemeines Schulpraktikum ASP
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Praktikumsbericht / -arbeit, 35 Seiten
Darstellung zweier fachdidaktischer Ansätze: Das Sportartenkonzept und...
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Hauptseminararbeit, 23 Seiten
Anerkennung der Heterogenität – eine Perspektive zur Entwicklung der ...
Hausarbeit, 17 Seiten
Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Produktionsorganisation in der Automobilindustrie
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Seminararbeit, 21 Seiten
Der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Bewegung
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Seminararbeit, 22 Seiten
Werner Müller hat den Text Der ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury im Rahmen des aristotelischen Wissenschaftsmodells veröffentlicht
Werner Müller hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare