Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 1
2. Hauptteil
2.1 Die qualitative Methode der Objektiven Hermeneutik
2.1.1 Grundlagen der qualitativen Sozialforschung 2
2.1.2 Kurzbeschreibung der Objektiven Hermeneutik 3
2.2 Methodologische Grundlagen der Objektiven Hermeneutik 5
2.3 Operationalisierung der Methode
2.3.1 Der Textinterpretation vorausgehende Operationen 7
2.3.2 Die Textinterpretation
2.3.2.1 Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation 8
2.3.2.2 Geschichten erzählen 10
2.3.2.3 Lesartenbildung 10
2.3.2.4 Konfrontation der Lesarten mit dem Kontext und Bildung
der Fallstrukturhypothesen 11
2.3.3 Fallstrukturgeneralisierung 12
2.4 Empirische Anwendung der Objektiven Hermeneutik 13
3. Schluss 15
4. Literaturverzeichnis 16
II
1. Einleitung
Die nachfolgende Arbeit befasst sich mit einer Methode der qualitativen Sozialforschung, der sogenannten Objektiven Hermeneutik. Als Textgrundlage hierzu dient das folgende Buch:
Wernet, Andreas (2000):
Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik.
Opladen: Leske + Budrich.
Aus der Reihe: Qualitative Sozialforschung. Band 11 In diesem Buch wird zunächst die methodologische Position der Objektiven Hermeneutik in Stichworten erläutert, bevor im zweiten Kapitel auf die Prinzipien der eigentlichen textinterpretatorischen Kernprozedur eingegangen wird. Das dritte Kapitel behandelt diesen Vorgang anhand von drei relativ kurzen Beispielen, die die Verfahrensweise der Bedeutungsexplikation erklären sollen. Das vierte Kapitel schließlich stellt eine durchgeführte Fallrekonstruktion vor, die über die bloße Operation der Textinterpretation, wie sie in Kapitel III gezeigt wird, hinausgeht. Hier werden zusätzlich die der Textinterpretation vorausgehenden Prozeduren, ebenso wie die abschließende Fallstrukturgeneralisierung, näher erläutert. All diese Operationen werden in Kapitel IV unter Rückgriff auf ein Interview mit einem Lehrer als Textgrundlage durchgeführt. Das abschließende fünfte Kapitel fasst noch einmal in einer Kurzübersicht alle zuvor behandelten wesentlichen Regeln, Maximen und praktischen Hinweise zur Textinterpretation zusammen.
Im Folgenden sollen in dieser Arbeit verschiedene Aspekte der Objektiven Hermeneutik behandelt werden. Zunächst erfolgt eine theoretische Einordnung, in der kurz die Position qualitativer Sozialforschung dargestellt wird, worauf ein erster Überblick über die Methode der Objektiven Hermeneutik und schließlich eine methodologische Einordnung folgt. Das darauffolgende Kapitel wird sich mit der Operationalisierung der Methode befassen, während abschließend noch ein Beispiel für ihre empirische Anwendung demonstriert wird.
Da sich die Arbeit nahezu ausschließlich auf o.g. Literatur bezieht (mit Ausnahme von Kap. 2.1.1), und die Argumentationsstruktur teilweise jener in der Vorlage entspricht, wird im laufenden Text in der Regel auf Quellenverweise verzichtet. Diese werden nur bei wörtlichen Zitaten und Verweisen auf weitere Literatur angegeben.
1
2. Hauptteil
2.1 Die qualitative Methode der Objektiven Hermeneutik
2.1.1 Grundlagen der qualitativen Sozialforschung
Unter dem Begriff der „qualitativen Forschung“ werden sehr unterschiedliche theoretische, methodologische und methodische Zugänge zur Erforschung der sozialen Wirklichkeit verstanden. Qualitative Forschung lässt sich auf verschiedenen Ebenen einerseits als eigenständige Ergänzung, andererseits als Gegensatz, Abgrenzung und besondere Akzentuierung im Verhältnis zur vorwiegend am einheitswissenschaftlichen, also naturwissenschaftlich- experimentelle n Paradigma orientierten experimentellen, modelltheoretischen und quantitativen Sozialforschung begreifen. Qualitative und quantitative Forschung schließen sich jedoch nicht grundsätzlich gegenseitig aus. Abhängig von der jeweiligen Fragestellung eignen sich etwa die qualitativen Methoden dazu, Typizitäten oder Mechanismen zu entdecken, mit Hilfe quantitativer Methoden können Repräsentativität, allgemeine Muster oder Modelle herausgearbeitet werden; beide Ansätze ergänzen sich somit im Hinblick auf eine „Erfassung der ‚Ganzheit’ sozialer Phänomene.“ 1 Allen Spielarten der qualitativen Sozialforschung gemein ist der Ausgangspunkt des Versuchs eines in erster Linie sinnverstehenden und deutenden Zugangs zu der sozialen Wirklichkeit, welche als interaktiv „hergestellt“ und in sprachlichen wie nicht-sprachlichen Symbolen repräsentiert gedacht wird. Immer soll dabei das Bild, das von den zu erschließenden Wirklichkeitsausschnitten geliefert wird, ein möglichst detailliertes und vollständiges sein. Die qualitative Forschung bemüht sich ebenfalls darum, auf rein methodische Vorentscheidungen zu verzichten, welche die Folge haben können, das Spektrum möglicher Erfahrungen und somit das der möglichen Erkenntnisse zu reduzieren. Ein zusätzliches, für alle qualitativen Forschungsansätze zutreffendes Moment ist die bewusste Einbeziehung des Forschers und der Kommunikation mit den Probanden als konstitutives Element des Erkenntnisprozesses. Hier wird auf die systematische Reflektion der
1 Flick u.a. 1995, S. 4
2
Interaktion des Forschers mit seinen „Gegenständen“ als Teil der Konstruktion des Gegenstandes selbst abgezielt. Epistemologisch vertritt die qualitative Forschung den Standpunkt, dass die soziale Wirklichkeit zureichend nur als ein sinnhaft durch Kommunikation und Interaktion der Menschen konstituiertes Gebilde begriffen und nur auf dem Wege der Rekonstruktion kollektiver Deutungsmuster verstanden werden kann.
2.1.2 Kurzbeschreibung der Objektiven Hermeneutik
Die Methode der Objektive Hermeneutik sieht sich als ein Verfahren der Textinterpretation, welches den Anspruch vertritt, die Gültigkeit der Interpretation an intersubjektive Überprüfbarkeit zu binden. Es wird hier von einem spezifischen Verständnis von Sozialwissenschaften, nämlich der Interpretation, ausgegangen. Diese verfolgt das Ziel, die zu untersuchende soziale Welt verstehend zu erfassen. Das Hauptanliegen der Objektiven Hermeneutik ist die „methodische Kontrolle der wissenschaftlich-empirischen Operation des Verstehens.“ 2 Entscheidend für die von Ulrich Oevermann begründete und entwickelte textinterpretatorische Methode der Objektiven Hermeneutik ist die Arbeit mit Protokollen. „Aus der Perspektive des methodischen Zugriffs stellen Texte Protokolle der Wirklichkeit dar.“ 3 Forschungstechnisch betrachtet stellt das Protokoll den Gegenstand der Forschung dar. Protokolle werden als die adäquate Repräsentation der als textförmig geltenden sozialen Wirklichkeit angesehen. Das gesellschaftliche Handeln in dieser Wirklichkeit richtet sich nach allgemein verbindlichen und intuitiv bekannten Regeln. „Jede soziale Praxis bewegt sich in einem Raum regelerzeugter Möglichkeiten.“ 4 Eine objektive Geltungsüberprüfung einer Interpretation wird sich folglich nicht auf das materiale Wissen oder auf die lebensweltliche Vertrautheit mit dem Forschungsgegenstand berufen. Es gilt vielmehr, die aus den Regeln ableitbaren Implikationen eines Textes zu verdeutlichen, denn es wird ja davon ausgegangen, dass soziales Handeln regelgeleitet ist.
2 Wernet 2000, S. 11
3 Ebd.
4 Ebd., S. 13
3
Arbeit zitieren:
Michael Peus, 2004, Die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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