Inhaltsverzeichnis
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12.1 PRIMÄRLITERATUR 28
12.2 SEKUNDÄRLITERATUR 28
12.3. BEGLEITLITERATUR 28
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Nietzsche läßt Zarathustra sich vom Lehrer des Übermenschen weiter entwickeln und darüber hinaus zum Verkünder der ewigen Wiederkehr werden. Diesem Wiederkehrgedanken gibt Nietzsche eine zentrale Bedeutung. Er setzt ihn als grundlegende Annahme für ein freieres Leben; wobei er Freiheit als Absolutum ausschließt. Er glaubt eher in Anlehnung zu dem Begriff Wahrscheinlichkeit, statt Wahrheit, an „Freischeinlichkeit“ („ Menschliches Allzumenschliches“ Bd. 2, 1, S. 167), statt Freiheit. In „Der Wille zur Macht“ gilt ihm der Wiederkehrgedanke als Gedanke der Abrechnung. Er sieht ihn, sobald er eine Realität erfahren würde, als schweren Gedanken für die Menschheit. Historisch bezeichnet er ihn als Mitte, und weltgestaltend als Pendant zum Christentum. Erst durch dessen Realisation hält Nietzsche jedoch eine menschenwürdigere, besser „lebenswürdigere“, Weiterentwicklung der Menschheit für möglich. Obwohl er seine These der ewigen Wiederkehr nicht zureichend wissenschaftlich begründen kann, gibt er sie nicht auf.
Als klassischer Philologe hat er sich mit dem vorsokratischen Verständnis des Leben als zyklische Kreisbewegung befaßt und war schon in dieser Zeit fasziniert von dessen Wirkung auf die damaligen Menschen. Das platonische und christliche Weltbild erscheint ihm dagegen als lebensfeindlich. Die altgriechischen Daseinsauffassungen haben ihn sein ganzes Schaffen hindurch beeinflußt, so daß er schließlich in „Zarathustra“ seine Visionen lebendig werden läßt.
In der Auseinandersetzung mit Nietzsches „Zarathustra“ faszinierte mich die existentielle Bedeutung des Wiederkehrgedankens und die Vorbedingungen, diesen Gedanken letztlich schöpferisch leben zu können. Die Vorstellung, daß alles identisch wiederkehrt, verführt zu der Annahme, daß dann auch nichts neu entstehen kann. Zarathustra betont jedoch das schöpferische Über-Sich-Hinausschaffen. So stellte sich mir die Frage, wie es möglich sein kann, dies miteinander zu vereinbaren.
Zarathustras Entwicklung und weitere Ausführungen in Nietzsches Gesamtwerk ließen mich eine Erklärung finden. Deshalb stellt meine Seminararbeit eine Betrachtung
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besonders des dritten und vierten Teils von „Also sprach Zarathustra“ dar, die der Frage nach geht, wie und warum Zarathustra zum Verkünder der ewigen Wiederkehr wird.
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Zarathustra, als /HKUHU GHV hEHUPHQVFKHQ, sieht sich - und den Menschen überhaupt - gefangen durch metaphysisch gesetzte Werte und Daseinsauffassungen. Im Kapitel „Von der Erlösung“ dramatisiert Nietzsche die von der Metaphysik geschaffene und der Religion verwaltete )HVWOHJXQJ GHV =HLWEHJULIIV. Die gedankliche Vorstellung von Zeit als linear, auf ein Ziel gerichtet entstand aus der Erfahrung von Leid und schuf wiederum Leid. Der Mensch im Gegensatz zu anderen Lebewesen kann sich eine Vorstellung von sich und der Welt machen und sich als Lebewesen erfahren und reflektieren. So erlebt er sich als vergänglich, als übergehend von Augenblick zu Augenblick, was er Zeit nennt;
- aus dem Blickwinkel der Gegenwart rückblickend Vergangenheit und vorwärts schauend Zukunft.
Sein eigenes Dasein empfindet der Mensch seit der Vorstellung des wahren vollkommenen Seins in der Antike als unvollkommen. Nietzsche schreibt dazu in „Der Wille zur Macht“:
„Dies ist eine MDPPHUYROOH Geschichte: der Mensch sucht nach einem Prinzip, von wo aus er den Menschen verachten kann, - er erfindet eine Welt, um diese Welt verleumden und beschmutzen zu können: tatsächlich greift er jedesmal nach dem Nichts und konstruiert das Nichts zum ‚Gott‘, zur ‚Wahrheit‘ und jedenfalls zum Richter und Verurteiler GLHVHVSeins...“ (461, S. 321)
Diese Daseinsauffassung ist nach Nietzsche ein $NW GHV :LOOHQV, der eigentlich ein schöpferisch Schaffender Lebenswille ist. Nietzsche nennt ihn „:LOOH]XU0DFKW“. In einem determiniert unvollkommenen Dasein aber fühlt sich der Mensch schuldig für
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sein unvollkommenes Handeln und unfähig ein „wahres Sein“, das er sich als Ziel linear in die Zukunft gesetzt hat, zu erreichen.
Nietzsches Zarathustra, konfrontiert mit der OLQHDUHQ =HLWDXIIDVVXQJ und der Erkenntnis, daß der menschliche Wille als Schaffender seine Daseinsbestimmung sich selbst bestimmt hat, sieht in diesem menschlichen Konstrukt die Vorbedingungen für den Gedanken des Leids am Dasein.
Das als unvollkommen betrachtete Leben in linearer Abhängigkeit mit Anfang und Ende hat im Rückblick immer eine unvollkommene Vergangenheit, die in die Gegenwart hinein greift. Der Wille kann in seinem Schaffen nicht rückwärts. Es entsteht immer ein „Es war“, das hinsichtlich des Wollens unvollkommen bleibt und den Menschen am Leben an sich leiden macht. Das Leben erscheint als Strafe.
Zarathustra, der mit der Lehre des „Übermenschen“ den Willen als Schaffenden lehrt, steht vor der Aufgabe, den Willen aus seiner selbst gesetzten „Vergangenheit“ zu befreien:
„Wille - so heisst der Befreier und Freudebringer: also lehrte ich euch, meine Freunde! Und nun lernt dies hinzu : der Wille selber ist noch ein Gefangener. Wollen befreit: aber wie heisst Das, was auch den Befreier noch in Ketten schlägt? ‚Es war‘ (...)“ (Z. 1 :„Von der Erlösung“, S .179)
„Alles ‚Es war‘ ist ein Bruchstück, ein Rätsel, ein grausiger Zufall - bis der schaffende Wille dazu sagt: ` aber so wollte ich es!` “ (ebd., S. 181).
Damit der schaffende Wille dies sagen kann muß er sein 9HUKlOWQLV ]XU =HLW XQG ]XP'DVHLQ ändern.
Der schaffende Wille ist im menschlichen Schaffen als sich selbst bewußter Wille zur Macht möglich. Dieser sich selbst bewußte Wille kann in der Selbstüberwindung seine selbst gesetzten Ketten sprengen. Zarathustra, der dies weiß, spürt in sich, daß er dies tun muß. Doch fehlt ihm noch der Mut.
1 Z.: immer NI ETZSCHE, FRIEDRICH; Also sprach Zarathustra; Colli, Giorgio und Montinari, Mazzino (Hrsg.); Kritische Studienausgabe; München, 1993, 3.Auflage
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Die stillste Stunde mahnt Zarathustra, vom Lehrenden zum Befehlenden zu werden. Befehlen ist eine Fähigkeit, die Zarathustra als Dynamik der Selbstüberwindung des Lebens aus dem „Willen zur Macht“ gelehrt hat:
„(...) Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann.“ (Z.:„Von der Selbst-Ueberwindung“, S. 147)
„(...) dass Befehlen schwerer ist als gehorchen.“ (ebd., S. 147) „Und diess Geheimniss redete das Leben selber zu mir. ‚Siehe, sprach es, ich bin das, ZDVVLFKLPPHUVHOEHUEHUZLQGHQPXVV‘“ (ebd., S. 148) „Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern - so lehre ich's dich - Wille zur Macht!“ (ebd., S. 149) „(...) alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.“ (ebd., S. 149)
Zarathustra steht also vor seiner selbst gesetzten Aufgabe, als Lehrer des Übermenschen nun seinen eigenen Weg der Wandlung, - der Selbstüberwindung zu gehen. Die stillste Stunde, seine „zornige Herrin“ (Z:„Die stillste Stunde“, S. 187) befiehlt ihm, da er noch nicht selber befehlen kann:
„Oh Zarathustra, du sollst gehen als ein Schatten dessen, was kommen muss: so wirst du befehlen und befehlend vorangehen.“ (Z:„Die stillste Stunde“, S. 189) „So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe werden.“ (ebd., S. 190)
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Zarathustra macht sich auf den Weg in die Einsamkeit. Als Wanderer wird ihm bewußt, daß er zur Selbstüberwindung über sich selbst steigen muß, als sein „letzter Gipfel“ („Der Wanderer“, S. 194).
Berge aber sieht Zarathustra als aus dem Meer, aus der Tiefe kommend; - so muß er sich auch diesem tiefen Meer seiner selbst stellen. Dieses erscheint ihm zunächst als schlafendes, träumendes Weltenmeer. Im Schlaf leidet es an seinen Traumvorstellungen als Erinnerungen aus der Vergangenheit oder als Erwartungen in die Zukunft. Zarathustra kann für die träumende Tiefe Leid in beide Richtungen erahnen und würde das Meer gern aus den schlimmen Träumen befreien wollen. Aber dies erscheint ihm als zu groß, noch außerhalb von sich selbst. So spottet er sich selbst einer ohnmächtig mitleidenden Liebe und erkennt nicht seine innere Aufgabe.
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Er stellt sich seinem inneren Meer noch nicht, sondern fährt auf einem Schiff, wo er seine Version des Traumes träumt und den Seeleuten als rätselhafte Vision erzählt:
Im Traum besteigt er einen Berg. Seine Wanderung unternimmt er in Finsternis. Jegliche Art von Sonne ist ihm untergegangen. Die alten metaphysischen Vorstellungen hat er selbst verworfen; es gibt nichts, was ihm von einer jenseitigen Ferne Licht in die dunkle Landschaft bringen könnte.
Der *HLVW GHU 6FKZHUH erinnert Zarathustra, daß er selbst sich seinen Weg vorgeschrieben hat, indem er ihn gelehrt hat. Die Schwermut liegt jedoch auf ihm und zehrt an seinen Kräften. Sie ist zwar selbst nur ein „Zwerg“ -QLKLOLVWLVFKH*HGDQ NHQYHUVWULFNXQJHQ (wie z. B. Schopenhauers Denken des Wollens als Leid an sich) geprägt von den DOWHQ PHWDSK\VLVFKHQ .RQVWUXNWHQ, klein verglichen mit dem wirklich Lebendigen -, deren Gedanken aber wiegen schwer wie Blei.
In „Der Wille zur Macht“ schreibt Nietzsche zum Prozeß des Niedergans metaphysischer Sinnbestimmung:
„Der ganze ,GHDOLVPXV der bisherigen Menschheit ist im Begriff, in 1LKLOLVPXV umzuschlagen. - in den Glauben an die absolute :HUWORVLJNHLW, d.h. Sinnlosigkeit. Die Vernichtung der Ideale, die neue Öde; (...)“ („Der Wille zur Macht“.617, S. 419)
Zarathustra sieht sich und den Menschen überhaupt von Abgründen (Schmerz) umgeben. Auch ein Mitleiden zeigt sich ihm als Abgrund, der die Depression nicht aufheben kann. Nur seinen eigenen Mut kann er als Gegenkraft zur „Depression“ ausmachen; einen Mut, der spielerisch (mit Leichtigkeit) angreift. So beginnt Zarathustra im Traum dem Wort der stillsten Stunde: „Du mußt noch Kind werden und ohne Scham“ (Z:„Die stillste Stunde“, S. 189) nachzugehen.
Er wagt ein *HGDQNHQVSLHO, in dem er seinem schwersten Gedanken Raum gibt. Es ist der dem linearen Zeit- und Wertbegriff entgegengesetzte *HGDQNH GHU HZLJHQ :LHGHUNHKU, und zwar nicht als gedachter leerer Zeitkreis, sondern als identische Wiederkehr in der Zeit, die unendlich ist ohne Anfang und Ende. Nach dieser Vorstel-
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lung müßte alles, was im Augenblick ist, bereits schon einmal dagewesen sein und sich im Unendlichen wiederholen.
Im Traum weckt der Gedanke bei Zarathustra eine Kindheitserinnerung, - das Heulen eines Hundes.
Da verändert sich die Traumlandschaft. Er befindet sich in einer unfruchtbaren Gegend „im ödesten Mondschein“ (Z:„Vom Gesicht und Räthsel“, S. 197). Sein Gedanke bringt ihm tiefste Einsamkeit und nur ein fahles Licht in der Finsternis. Die erste Vorstellung aufgrund seines Gedankens nimmt ihm zwar die Schwere der nihilistischen Depression des nicht Herauskommens aus der Verstrickung der alten metaphysischen Vorstellungswelt, bringt ihm aber gleichzeitig eine neue furchteinflößende nihilistische Gedankenwelt. Im trostlosen Traumschauplatz trifft er auf einen jungen Hirten, in dessen Rachen sich eine schwarze Schlange fest gebissen hat. Dies könnten die unausgesprochenen furchteinflößenden Gedanken Zarathustras sein, die wie eine Schlange würgen oder vergiften können:
„(...) alle verschwiegenen Wahrheiten werden giftig.“ (Z:„Von der Selbst-Ueberwindung“, S. 149)
Zarathustra will zunächst die Schlange herausreißen, doch dies mißlingt ihm. Wäre es gelungen, so hätte sich der junge Hirt wohl nicht mit den Gedanken auseinandersetzen müssen, hätte sich aber auch nicht verwandeln können. Zarathustra ergeht sich nun nicht in Mitleid, sondern er wird zum Befehlenden. Der Wille zur Macht, das Leben, das sich selbst überwindet befiehlt, der Schlange den Kopf abzubeißen, - ein aktives Tun, statt ein Erleiden. Der Hirte ist verwandelt, umleuchtet und lacht.
Wie im Traum stellvertretend der Hirte die nihilistischen Gedanken überwinden mußte, so muß Zarathustra in sich seine schwersten Gedanken, seine inneren Ketten überwinden.
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Arbeit zitieren:
Elke Rosenberger, 1998, Nietzsches Zarathustra und der Gedanke der ewigen Wiederkehr, München, GRIN Verlag GmbH
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