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Hausarbeit, 2003, 16 Seiten
Autor: Andreas Keller
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Tags: Einführung, Geschichte, Forschungsgebiet, Parapsychologie, Bedeutung, Ethnologie, Magie
Jahr: 2003
Seiten: 16
Note: gut
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-33221-7
Dateigröße: 95 KB
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Ludwig-Maximilian-Universität München
Institut für Ethnologie und Afrikanistik
Proseminar: „Magie“
Fachsemester: 1
Einführung in Geschichte und Forschungsgebiet der
Parapsychologie und ihre Bedeutung für die Ethnologie
von: Andreas Keller
Gliederung
1. Einleitung S 1
2. Begriff und Wesen S 1
3. Geschichte S 2
4. Systematisierung von PSI S 6
4.1. Außersinnliche Wahrnehmung S 6
4.1.1. Telepathie S 6
4.1.2. Hellsehen S 7
4.1.3. Präkognition S 7
4.2. Psychokinese S 8
4.3. Interpretationsprobleme S 9
4.3.1. Außerkörperliche Erfahrungen / Out-of-body-experiences S 9
4.3.2. Survival of Death S 9
5. Bedeutung für die Ethnologie S 11
5.1. Begriff „Magie“ S 11
5.2. Parapsychologie und Magie S 11
6. Schluss S 12
1. Einleitung
Viele Wegbereiter neuer kontroverser wissenschaftlicher Theorien sahen sich mit Spott, Ablehnung oder gar Hass konfrontiert, wenn sie damit alte Weltbilder zum Einsturz bringen wollten. Heute gibt es kaum eine Wissenschaft, die sich mehr diesen Widerständen ausgesetzt sieht als die Parapsychologie. Kategorische Ablehnung oder leichtgläubige Zustimmung, sie entzweit die Wissenschaftswelt und auch die Bevölkerung, da sie Erscheinungen erforscht, die zwar viele meinen schon selbst wahrgenommen zu haben, aber in unserem heutigen Wissenschaftsbild keinen Platz finden können. Die Rede ist von „paranormalen“ Erscheinungen, welche die Menschen in allen Zeiten und Kulturen kannten und vor Rätsel gestellt haben: dem „zweiten Gesicht“, Telepathie, Spuk und Ähnliches. Durch den Versuch, wissenschaftliche Erklärungsmodelle für diese Phänomene zu finden, tangieren sie nicht nur Physik, Theologie und Psychologie, sondern auch die Ethnologie, die sich ja auch mit Magie, Schamanismus und den Religionen fremder Kulturen beschäftigt. Diese Arbeit kann und will keine Beweise für oder wider die Parapsychologie liefern, auch will sie sich nicht mit der Legitimation dieser Forschungen befassen oder irgendeine Wertung abgeben. Sie will lediglich einen Überblick über die Geschichte und die verschiedenen Teilgebiete dieser kontroversen Wissenschaft bieten, um mit diesem Hintergrund dann auf ihre Bedeutung für die Ethnologie einzugehen.
2. Begriff und Wesen
Der Begriff „Parapsychologie“ wurde 1889 von dem Psychologen und Philosophen Max Dessoir vorgeschlagen: „Bezeichnet man nach Analogie von Wörtern wie Paragenesie, Paragoge, Paragraph, Parakope, Parakusis, Paralogismus, Paranoia, Parergon u.s.f. mit Para – etwas, das über das Gewöhnliche hinaus oder neben ihm hergeht, so kann man vielleicht die aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens heraustretenden Erscheinungen parapsychische, die von ihnen handelnde Wissenschaft „Parapsychologie“ nennen. […] Das Wort ist nicht schön, aber es hat meines Erachtens den Vorzug, ein bisher noch unbenanntes Grenzgebiet zwischen dem Durchschnitt und den abnormen, pathologischen Zuständen kurz zu kennzeichnen“ (Dessoir 1889: 342).
Die Parapsychologie ist bei den Sozialwissenschaften einzuordnen und wird als ein Teilgebiet der Psychologie gesehen. Der Gegenstandsbereich dieser Wissenschaft ist nicht exakt definiert, allgemein kann man aber sagen, dass sie sich der Erforschung von „Psi“ widmet, einem hypothetischen Oberbegriff, der die psychische Kraft umschreibt, welche Urheber der paranormalen Phänomene sein soll (Bonin 1976: 382-383). Aufgabe der Parapsychologie ist es, Erklärungen für behauptete parapsychische Erscheinungen zu finden, wobei auch „konventionelle“ Antworten wie Versuchsfehler oder Täuschungen möglich sind – die Legitimität dieser Wissenschaft hängt also nicht von der tatsächlichen Existenz von Psi ab (Bauer 1997). Es gibt sogar Parapsychologen, welche die Aufgabe ihrer Disziplin darin sehen, dass sie vorläufig nicht erklärbare Phänomene genauer untersucht und dann der Physik, Psychologie oder Chemie zuordnet, wo sie dann eingehender erforscht werden. Jedoch hält die Mehrzahl der Parapsychologen Psi für bewiesen und widmet sich der Untersuchung der Außersinnlichen Wahrnehmung und der Psychokinese (Bonin 1976: 383).
3. Geschichte
Berichte über Phänomene, die heute als parapsychisch bezeichnet werden, finden sich schon weit zurückliegend in der Menschheitsgeschichte. So deuten Parapsychologen Geschichten des Alten Testaments, wie den Fall der Hexe von Endor oder Josephs und Daniels Traumdeutungen, als paranormale Ereignisse (Bonin 1976: 80). Auch das antike Orakel von Delphi oder die von jüdischen Mystikern im Mittelalter entwickelte „Kabbala“ sollen parapsychische Phänomene dokumentieren (Rýzl 1969: 35), um nur wenige Beispiele zu nennen. Obwohl sich viele Gelehrte des Mittelalters und der frühen Neuzeit auch vage mit dem beschäftigten, was heute als Parapsychologie bezeichnet wird, wurde der erste Schritt hin zu einer wissenschaftlichen Untersuchung im 18. Jahrhundert getan, als Franz Anton Mesmer mit seiner Theorie des „animalischen Magnetismus“1 Furore machte und vor allem in Paris zum Star avancierte, bevor er durch einen vernichtenden Untersuchungsbericht der Académie française einen Großteil seiner Popularität einbüßte (Bonin 1976: 333).
Als in Europa die Begeisterung über den Mesmerismus schon lange nachgelassen hatte, kam Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika der Spiritismus auf, der davon ausgeht, dass der „Geist“ oder das Bewusstseinszentrum eines Menschen nach dessen Tod noch weiter lebe und sich selbständig oder unter Zuhilfenahme eines „Mediums“ den Lebenden mitteilen könne. Auslöser waren Kate und Margaretta Fox, zwei junge Mädchen aus Hydeville im US-Bundesstaat New York, die ein Klopfen und Knallen hörten, das anscheinend vom Geist eines Mannes ausgelöst wurde, der unter ihrem Haus begraben war. Bald begannen die Schwestern, mit dem Geist zu kommunizieren und öffentliche Vorstellungen zu geben (Blackmore 1994: 971-972), und in Europa und den USA bildeten sich schnell spiritistische Zirkel, in denen Medien sich in Trance versetzten und so Kontakt mit den „Geistern“ aufnehmen wollten.
[...]
1 Mesmer ging davon aus, dass menschliche Körper ein „magnetisches Fluidum“ abstrahlen. In seinen Kuren ließ er „Fluidum“ von Magnetiseuren auf Patienten übertragen, um sie so zu heilen (Bonin 1976: 314).
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