Die Nordportaltür des Baptisteriums in
Florenz von Lorenzo Ghiberti
von: Nicole Giese
Inhaltsangabe
1. Einleitung S. 2
2. Beschreibung der Nordportaltür S. 3
3. Die Entstehungsgeschichte S. 5
3.1 Die Vorgeschichte S. 5
3.2 Der Wettbewerb von 1401 S. 6
3.3 Vergleich der Konkurrenzreliefs S. 7
3.4 Die Herstellung der Tür S. 10
4. Fazit S. 12
5. Literatur S. 13
6. Anhang S. 14
1. Einleitung
Die Bronzetür des Nordportals des Baptisteriums San Giovanni in Florenz gilt als Einleitung der Renaissance in Italien und damit auch in Europa. Das Hauptwerk der Florentiner Kunstgeschichte im ersten Viertel des Quattrocento, das vom Bildhauer Lorenzo Ghiberti ausgeführt wurde, ist nicht nur stilistisch sondern auch durch seine Entstehungsgeschichte kunsthistorisch besonders interessant. Deshalb beschäftigt sich diese Hausarbeit insbesondere mit den geschichtlichen Umständen und der Frage, warum ausgerechnet Lorenzo Ghiberti den Auftrag für die zweite Bronzetür erhielt. Zuerst beginne ich mit einer kurzen Beschreibung der Nordportaltür, die aber nur einen Überblick geben soll und sich nicht mit den dargestellten Szenen im Detail auseinandersetzt. Der Hauptteil dieser Arbeit wird sich anschließend mit der Entstehung der Tür beschäftigen, wobei das Hauptaugenmerk auf den Vergleich der beiden Konkurrenzreliefs und die Entscheidung der Jury fallen soll. Im Fazit fasse ich die genannten Aspekte noch einmal zusammen, um zu einer abschließenden Klärung meiner Ausgangsfrage zu gelangen.
2. Beschreibung der Nordportaltür
Die Bronzetür am Nordportal des Baptisteriums San Giovanni in Florenz entstand durch Lorenzo Ghiberti in den Jahren 1403 bis 1424. Über dem Portal befinden sich heute drei überlebensgroße Bronzefiguren von Giovan Francesco Rustici mit Beihilfe von Leonardo da Vinci. Sie stellen Johannes den Täufer lehrend zwischen einem Pharisäer und einem Leviten dar und stammen aus den Jahren 1506 bis 1511. Das Bildprogramm der Nordtür zeigt in 28 Relieffeldern Szenen aus dem Alten Testament, die vier Kirchenväter und die vier Evangelisten. Die Reliefs in Vierpassrahmung, die wiederum in quadratische Felder eingelassen sind, werden mit Pflanzendekor und 48 Prophetenköpfen an den Ecken umrahmt. Zur besseren Übersicht der Szenen habe ich ein Schema der Nordportaltür entworfen, was dem Anhang beigefügt ist. Die Nummerierung der Szenen bezieht sich auf jenes Schema.
Die Leserichtung des Bildprogramms verläuft von unten nach oben und in den Registern von links nach rechts über beide Türen hinweg. In der untersten Reihe werden die vier lateinischen Kirchenväter Augustinus (I), Hieronymus (II), Gregorius (III) und Ambrosius (IV) dargestellt. Darüber befinden sich die vier Evangelisten Johannes (A), Matthäus (B), Lukas (C) und Markus (D). Im dritten Register beginnt die Abfolge der 20 Szenen mit der Vita Christi. Es sind der Reihe nach folgende Ereignisse dargestellt: Verkündigung Mariä (1), Geburt Christi (2), Anbetung der Könige (3), Christus und die Schriftgelehrten (4), Taufe Christi (5), Christi Versuchung (6), Vertreibung der Händler aus dem Tempel (7), Christus wandelt auf dem Meer (8), Verklärung Christi (9), Lazari Erweckung (10), Einzug in Jerusalem (11), Das letzte Abendmahl (12), Christus am Ölberg (13), Gefangennahme Christi (14), Geißelung Christi (15), Christus vor Pilatus (16), Kreuztragung (17), Kreuzigung Christi (18), Auferstehung (19) und Pfingsten (20). Die Prophetenköpfe zwischen den Vierpässen sind bis auf einen nicht genau bestimmbar. Bei einem Kopf handelt es sich aber nachweislich um ein Selbstbildnis des 26-jährigen Ghibertis. Er stellt sich mit einem Turban dar. Es befindet sich über der Künstlerinschrift an der rechten oberen Ecke des ersten Bildes der dritten Reihe von unten (im Schema ist die Position durch einen schwarz eingefärbten Kopf markiert). Darunter befindet sich die Signatur „OPUS LAVRENTII FLORENTINI“, was bedeutet „das Werk des Lorenzo aus Florenz“. 1
Die Rückseite der Tür ist hingegen sehr schlicht gehalten. Darauf befinden sich lediglich 28 Löwenköpfe in Rundmedaillons. Sie sind jeweils als Entsprechung zur Vorderseite in einem hochrechteckigen Bildfeld angebracht. Bei der Herstellungstechnik der Bronzetür handelt es sich nach Vasari um einen damals „üblichen Guss mit einer weichen Legierung [...]. Jede Tafel wurde einzeln gegossen und sodann in einem langwierigen Arbeitsprozess ziseliert und teilweise vergoldet.“2 Am Architrav und Türpfosten der Nordtür befindet sich an der Vorderseite ein Rahmenfries aus Blumen, Blättern und Zweigen, das eine Vielfalt von kleinen Tieren wie Vögeln, Eichhörnchen und anderen beherbergt. Die Innenseite der Rahmung ist dagegen mit einem schlichten Blumenfries dekoriert. Während sich das Relief nach außen prachtvoll entfaltet und schon fast vollplastische Elemente aufweist, zeigen die inneren Flächen nur ein flaches fortlaufendes Bandmotiv mit Rosen und Lilien.
[...]
1 Übersetzung nach Paolucci, Antonio: Die Bronzetüren des Baptisteriums in Florenz. München 1997, S.76. (Kurztitel: Paolucci: Bronzetüren des Baptisteriums, 1997.)
2 Paolucci: Bronzetüren des Baptisteriums, 1997, S.75.
Arbeit zitieren:
Nicole Giese, 2004, Die Nordportaltür des Baptisteriums in Florenz von Lorenzo Ghiberti, München, GRIN Verlag GmbH
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Gerhard Straehle
Korrektur.
Liebe Nicole,
ich habe nur die ersten Zeilen Deiner Hausarbeit gelesen,weshalb ich sie gar nicht beurteilen kann. Ich kann Dich also nur auf einen kleinen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam machen: Du schreibst, dass die "Nordtür in 28 Relieffeldern Szenen aus dem ALTEN TESTAMENT (zeigt)", was natürlich nicht zutrifft, wie Du selbst darlegst, wenn Du im folgenden die erzählenden Szenen, Relieffeld für Relieffeld, mit ihrem Titel benennst. Und da erweist es sich schnell, dass alle Szenen der Nordtür - angefangen mit der Verkündigung an Maria bis zum Pfingstwunder - aus dem NEUEN TESTAMENT stammen.
Gruß Gerhard Straehle
am Tuesday, January 11, 2005-