Die Frauendarstellungen von Gönnersdorf - Erste Anzeichen eines urzeitlichen Sport
Seite:
Gliederung:
3 - 5
1. Die Ursprungstheorie des Sport von Popplow
6
2. Zeitliche Einordnung der Ausgrabungsfunde (Datierung)
7
3. Die Jägerkultur des Madalénien
8 - 9
4. Der Fundplatz Gönnersdorf
10 13
5. Die Frauenstatuetten
14
6. Die gravierten Frauendarstellungen (Schieferplatten)
15 23
7. Ausgewählte Darstellungen
24
8. Deutung der Darstellungen nach Bosinski
25 29
9. Idee eines weiteren Ansatzes (Pferdedarstellung mit Frau)
30 31
10. Ähnliche Fundorte in Europa
32
11. Zusammenfassung
Anhang:
Literaturverzeichnis
33
Abbildungsverzeichnis
34 - 36
Informationsmaterial zum Eiszeitmuseum Monrepos
1. Die Ursprungstheorie des Sport von Popplow
„Die Leibesübungen sind eine der ausgeprägtesten Erscheinungen unserer Zeit. Unvorstellbar, sich Fußball, Boxen, Schwimmen, Turnen. Leichtathletik, Skilauf und all die vielen anderen Sportarten aus unserm heutigen Leben fortzudenken! Wo wir uns auch immer befinden mögen, überall ist Sport, sind Leibesübungen um uns. ... Vergessen wir aber über der Tatsache, dass Leibesübungen uns auf Schritt und Tritt begegnen, nicht allzu leicht die Frage, wie es dazu gekommen ist, dass Spiel und Sport zum Lebenselement des heutigen Menschen wurden?“ 1
Es existieren eine Vielzahl an Antworten auf die Frage nach dem Ursprung des Sport. Wie verschieden die einzelnen Theorien sind, zeigt sich u.a. in den unterschiedlichen geistigen bzw. ideologischen Positionen und in der Angabe der Quelle, aus der das einmal als Leibesübung, einmal als Sport und schließlich als Körperübung bezeichnete Phänomen entsprang.
Immer wenn Fakten der Vergangenheit gedeutet werden sollen, vor allem solche aus Zeiten ohne schriftliche Überlieferung, kann die subjektive Interpretation des jeweiligen Betrachters nie ausgeschlossen werden.
In dieser Arbeit soll auf die Ursprungstheorie des Sport von Popplow eingegangen werden, da seine Ursprungstheorie meiner Ansicht nach weniger ideologisch geprägt ist und einen direkten Bezug zu den gravierten Frauendarstellungen von Gönnersdorf erlaubt.
Popplow setzt die Anfänge der Leibesübungen in die jüngere Altsteinzeit, das Paläolithikum, ca. 2,5 Mill. Jahre bis 9000 v.Chr. (Der Beginn der Jungsteinzeit ist von Region zu Region unterschiedlich.).
Die älteste Form der Leibesübungen ist für ihn der Tanz, dessen Spuren sich in Fels- und Höhlenzeichnungen, in Lehm erstarrten Fußspuren und Handabklatschbildern zum Teil 60 000 bis 80 000 Jahre erhalten haben. 2
1
Zitat: Popplow, Ulrich: Ursprung und Anfänge der Leibesübungen, In: Olympisches Feuer, 5, 1955, 1, Seite 5
2 vgl. Popplow, Ulrich: Aufgabe und Sinn einer Urgeschichte der Leibesübungen. In: Leibeserziehung 10, 1959,
Seite 312
3
Motivation man lediglich aus den gefundenen Kampf- und Jagdgeräten schließt, noch keine Leibesübungen. Diese frühsten Übungen nennt er körperliche Übungen. Für Popplow sind sie lediglich eine Vorstufe der Leibesübungen. „Es fehlen diesen Übungen die Verankerung in einer geistigen Einstellung und die entsprechende seelische Durchformung.“ 4
Das Ausprobieren eines angefertigten Speeres im Wurf wäre für Popplow zwar auch schon eine Leistung menschlicher Intelligenz, die den Körper zur Ausführung dieser Übung einsetzt. Es ist aber hierzu keine eigentlich geistige Einstellung notwendig, in dem Sinne eines Abstan- des von der Umwelt, der man eine eigene schöpferische Leistung gegenüberstellt. Dieser geistig schöpferische Durchbruch ist erst im kultischen Tanz der jüngeren Altsteinzeit erfolgt. Was vor diesem Durchbruch an rhythmischer tanzähnlicher Bewegung lag, verweist Popplow wie die ersten Stein- und Speerwürfe auf die Vorstufe der Leibesübungen.
Neben den körperlichen Übungen, und neben den dem kultischen Tanz vorausgehenden, unbewusst rhythmischen Bewegungen, nennt Popplow als dritte Quelle, aus denen die Leibesübungen entstanden, das Spiel.
3 Zitat: Überhorst, Horst (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Band 1, Seite 13
4 Zitat: Popplow, Ulrich: Ursprung und Anfänge der Leibesübungen, In: Olympisches Feuer, 5, 1955, 1, Seite 10
4
„Im kultischen Tanz also manifestieren sich die ersten eigentlichen Leibesübungen. Der Tanz hatte nach Popplow mehrere Funktionen.
Der Jagdtanz und der Fruchtbarkeitstanz (von beiden gibt es eine große Zahl von Höhlen- Zeichnungen) hatten
1. einen äußeren Nützlichkeitswert. Sie sollten z. B. dem Jäger helfen, mit magischen
Kräften, die durch die Tanzenden entbunden wurden, eine große Zahl von Tieren zu töten.
2. Darüber hinaus aber gewann der Urmensch durch die Ekstase, in die er sich
hineintanzte, seelische Kräfte, mit deren Hilfe er erst das Dasein, den Existenzkampf, das Leben zu bewältigen vermochte.
Auch Popplow betont ausdrücklich, selbst wenn er einschränkend sagt, „dass es nicht ganz treffend ist, wenn man vom religiösen Ursprung des Tanzes spricht“ die religiöse Natur dieser durch den Tanz entbundenen seelischen Kräfte. Ein solcher Tanz „schafft zugleich die Bin- dung zum Göttlichen.“ Der Tanzende erlebt in der Ekstase eine Überwirklichkeit, deren Natur ihm göttlich zu sein scheint.
3. Die dritte Funktion, die der Tanz des Steinzeitmenschen gehabt hat, ist nach Popplow
eine soziale gewesen,
d. h. der Tanz ist in jener Zeit immer Gemeinschaftssache gewesen, deren Anlass, Ort und Zeit von der Gemeinschaft geregelt worden ist. Popplow nennt den Tanz eine Art Antriebszentrum des kulturellen Lebens für die steinzeitlichen Jäger.“ 56
5 Zitat: Überhorst, Horst (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Band 1, Seite 13-14
6 vgl. Überhorst, Horst (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen, Band 1, Seite 11-17
5
2. Zeitliche Einordnung der Ausgrabungsfunde (Datierung )
Für die absolute Datierung der Gönnersdorfer Funde wurde die C 14 - Datierung an fünf Proben angewandt, von denen drei aus Knochenkollagen im Laboratoire de Radiocarbone der Universität Lyon I und zwei an Molluskengehäusen (Gehäuse von Weichtieren wie z.B. Schnecken – Anm. d. Verf.) durch das C14- Labor des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln gewonnen wurden. Unter Berücksichtigung der C 14 - Datierungen, der stratigraphischen Einordnung (Schichtung von Sedimentgesteinen und Ablagerungen) der Siedlungsschicht und der Molluskenfauna wird die Gönnersdorfer Siedlungsschicht in die zweite Hälfte des Böllinginterstadials bzw. an den Beginn der älteren Tundrenzeit (Dryas II), ca. 10500 v.Chr., eingeordnet (also gegen Ende der letzten Eiszeit). 7
Zwei Ergebniswerte sollen hier beispielhaft genannt werden:
Ly 117212660 a B.P. ± 370 a = 10710 a ± 370 a B.C.
Schicht d: KN 1 980 12910 a B.P. ± 105 a = 10960 a ± 105 B.C.
7 vgl. Höck, Christiane: Die Frauenstatuetten von Gönnersdorf und Andernach, Köln, 1992, Seite 15-16
6
3. Die Jägerkultur des Madalénien
Der Siedlungsplatz Gönnersdorf gehört zur Kultur des Magdalénien (nach der Höhle von La Madeleine bei Tursac (Département Dordogne, Frankreich) benannte Kulturstufe der jüngeren Altsteinzeit in Mittel- und Westeuropa (etwa 17 000-10 000 v. Chr.)). Die Menschen dieser Zeit waren Jäger und Sammler. Man lebte in Höhlen
und Freilandstationen mit Zelt- und Hüttengrundrissen. In der von großen Tierherden durchzogenen Graslandschaft (so auch im Neuwieder Becken – Rentiere und Pferde gab es in großen Herden) eines kontinentalen Klimas war die Siedlungsweise durch dorfartige "Basislager" an günstig gewählten Plätzen und Jagdlager am Wanderweg der Tierherden gekennzeichnet. Der Siedlungsplatz Gönnersdorf z.B. war ein solches Basislager, dass immer zur selben Jahreszeit von (sehr wahrscheinlich) derselben Menschengruppe bewohnt wurde. Dies hat man daran herausgefunden, dass in verschiedenen Abfallgruben immer nur Überreste von Jungtieren derselben Altersstufe gefunden wurden.
8
8 Vgl. Eduard Franken, Stephan Veil: Der Magdalenien-Fundplatz Gönnersdorf. Die Steinartefakte von
Gönnersdorf, 1998
7
Arbeit zitieren:
Michael Westerberg, 2003, Die Frauendarstellungen von Gönnersdorf - Erste Anzeichen eines urzeitlichen Sport?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Porträt des Euripides Typus Rieti im Archäologischen Museum Zürich...
Referat (Ausarbeitung), 22 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Michael Westerberg's Text Die Frauendarstellungen von Gönnersdorf - Erste Anzeichen eines urzeitlichen Sport? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Michael Westerberg hat den Text Die Frauendarstellungen von Gönnersdorf - Erste Anzeichen eines urzeitlichen Sport? veröffentlicht
Michael Westerberg hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare