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Hauptseminararbeit, 2004, 26 Seiten
Autor: Claudia Wipprecht
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Universität Erfurt
Tags: Narzissmus, Thomas, Manns, Felix, Krull, Zeichen, Selbstverliebtheit, Antike, Urbilder, Literatur
Jahr: 2004
Seiten: 26
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-32597-4
ISBN (Buch): 978-3-638-65137-0
Dateigröße: 287 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Der Narziss (griechisch Narkissos, lateinisch Narcissus) war in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der als Produkt einer Vergewaltigung des argivischen Flussgottes Kephissos an der Nymphe Leiriope entstand. Er war ein sehr schöner Jüngling, der die Liebe der Frauen als auch der Männer allesamt verschmähte. Der Seher Teiresias hatte ihm vorausgesagt, dass er so lange leben wird, bis er sich selbst kennen gelernt hätte (nach OVID, Metamorphosen 3.339-356). Ab hier gibt es unterschiedliche Geschichten, das Ableben des Narziss’ betreffend. Nach einer Überlieferung verliebte sich die Nymphe Echo in ihn. Er aber erwiderte auch ihre Liebe nicht, und sie verging aus Liebe zu ihm zur bloßen Stimme. Daraufhin bestrafte Nemesis Narziss damit, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verlieben sollte. Dies geschieht an einer Quelle bei Thespiae, wo er sein eigenes Spiegelbild erblickt und sich unsterblich verliebt. Da ihm aber das Objekt seiner Liebe, sein eigenes Spiegelbild unerreichbar bleibt, verzehrt er sich vor Sehnsucht danach und verwandelt sich letztendlich in die nach ihm benannte Narzisse. Einer anderen Überlieferung zufolge soll Narziss eine ihm völlig gleichende Schwester gehabt haben. Die beiden liebten sich innig und begleiteten sich überall hin. Als die Schwester starb, versuchte Narziss, sie ihn seinem eigenen Spiegelbild wiederzufinden. Da ihm dies nicht gelang, erstach er sich und aus seinem Blut entspross die Narzisse. Nach dem mythologischen Vorbild sind also Narzissten jene Menschen, die mit außerordentlicher Schönheit ‚geschlagen’ sind, die sich aber aus eitler Angst vor der Öffentlichkeit nur mit Menschen umgeben, die ihnen nach dem Mund reden, wie ein Echo. Diese Menschen ‚blühen’ nur in ihrer Jugend, wie die Narzisse im Frühling, und verblühen schnell, ohne auch nur den Anschein zu erwecken, jemals da gewesen zu sein. Literarisch ist der Stoff des Narziss eine relativ späte Erscheinung. Die erste literarische Gestaltung nahm Ovid in seinen „Metamorphosen“ vor. Oscar Wilde benutzte ihn als Grundlage für sein Werk „The picture of Dorian Gray“. Auch Rilke beschäftigte sich in drei seiner zahlreichen Gedichte ausführlich mit dem Mythos des Narziss. In Thomas Manns „Felix Krull“ wird nach Hans Wysling durch Verknüpfung mit dem Hermes – Mythos der „Triumph des Narziss“ erreicht.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Erfurt
BA Anglistik / Germanistik
2. Semester
Abgabedatum: 20.08.2004 (per E-mail)
H A U S A R B E I T
Narzissmus
Thomas Manns „Felix Krull“ als exemplarisches
Beispiel der Selbstverliebtheit
Studium fundamentale
Seminar
„Antike Urbilder in der europäischen Kunst und Literatur“
Hausarbeit - 6 LP
von
Claudia Wipprecht
Gliederung
1. Mythologischer Hintergrund – der Narkissos 3
2. Begriffsdefinition des Narzissmus bei Sigmund Freud 4
3. Künstlertypus bei Thomas Mann 8
4. Analyse der Sekundärliteratur 11
4.2 Hans Wysling „Narzissmus und illusionäre Existenzform“ 18
(in Auszügen) 18
Bibliographie 26
1. Mythologischer Hintergrund – der Narkissos
Der Narziss (griechisch Narkissos, lateinisch Narcissus) war in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der als Produkt einer Vergewaltigung des argivischen Flussgottes Kephissos an der Nymphe Leiriope entstand. Er war ein sehr schöner Jüngling, der die Liebe der Frauen als auch der Männer allesamt verschmähte. Der Seher Teiresias hatte ihm vorausgesagt, dass er so lange leben wird, bis er sich selbst kennen gelernt hätte (nach OVID, Metamorphosen 3.339-356). Ab hier gibt es unterschiedliche Geschichten, das Ableben des Narziss’ betreffend.
Nach einer Überlieferung verliebte sich die Nymphe Echo in ihn. Er aber erwiderte auch ihre Liebe nicht, und sie verging aus Liebe zu ihm zur bloßen Stimme. Daraufhin bestrafte Nemesis Narziss damit, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verlieben sollte. Dies geschieht an einer Quelle bei Thespiae, wo er sein eigenes Spiegelbild erblickt und sich unsterblich verliebt. Da ihm aber das Objekt seiner Liebe, sein eigenes Spiegelbild unerreichbar bleibt, verzehrt er sich vor Sehnsucht danach und verwandelt sich letztendlich in die nach ihm benannte Narzisse.
Einer anderen Überlieferung zufolge soll Narziss eine ihm völlig gleichende Schwester gehabt haben. Die beiden liebten sich innig und begleiteten sich überall hin. Als die Schwester starb, versuchte Narziss, sie ihn seinem eigenen Spiegelbild wiederzufinden. Da ihm dies nicht gelang, erstach er sich und aus seinem Blut entspross die Narzisse.
Nach dem mythologischen Vorbild sind also Narzissten jene Menschen, die mit außerordentlicher Schönheit ‚geschlagen’ sind, die sich aber aus eitler Angst vor der Öffentlichkeit nur mit Menschen umgeben, die ihnen nach dem Mund reden, wie ein Echo. Diese Menschen ‚blühen’ nur in ihrer Jugend, wie die Narzisse im Frühling, und verblühen schnell, ohne auch nur den Anschein zu erwecken, jemals da gewesen zu sein.
Literarisch ist der Stoff des Narziss eine relativ späte Erscheinung. Die erste literarische Gestaltung nahm Ovid in seinen „Metamorphosen“ vor. Oscar Wilde benutzte ihn als Grundlage für sein Werk „The picture of Dorian Gray“. Auch Rilke beschäftigte sich in drei seiner zahlreichen Gedichte ausführlich mit dem Mythos des Narziss. In Thomas Manns „Felix Krull“ wird nach Hans Wysling durch Verknüpfung mit dem Hermes – Mythos der „Triumph des Narziss“1 erreicht.
2. Begriffsdefinition des Narzissmus bei Sigmund Freud
Der Narzisst ist unfähig irgendjemanden außer sich selbst zu lieben, da er befürchtet, wenn er sich darauf einließe, jemand anderen zu lieben, würde dieser eine unermessliche Macht über ihn bekommen. Da dieser Zustand für ihn unerträglich wäre, entzieht er sich gewissermaßen dieser für ihn bedrohlichen Außenwelt und fixiert sich auf sich selbst. Somit ist er aber nicht mehr fähig, zwischen ihm und anderen Menschen zu unterscheiden: für ihn ist alles eins. Er sucht das Objekt seiner Begierde genau da, wo es unerreichbar für ihn ist, in sich selbst. Das Grundproblem des Narzissten scheint also die mangelnde Fähigkeit zu lieben zu sein.
Der Begriff des Narzissmus wurde durch Sigmund Freud in die Psychoanalyse eingeführt und bezeichnet dort im Allgemeinen die libidinöse Besetzung des Ich beziehungsweise des Selbst. Freud unterscheidet grundsätzlich zwischen primärem und sekundärem Narzissmus. Der primäre ist als Bestandteil der prägenitalen Triebentwicklung zu sehen. Der sekundäre ist eine Regression: „Die Libido wird von den Außenweltobjekten abgezogen und wieder auf das Ich verlagert.“2 Freud bezeichnet beispielsweise den schizophrenen Größenwahn als auch den ganz normalen Schlaf als einen narzisstischen Zustand, der Narzissmus ist für ihn eine Fixierung der sexuellen Energie an das Selbst.
Nach einer Definition der Amerikanischen Psychoanalytischen Vereinigung (Moore und Fine, 1967) ist der Narzissmus lediglich die ‚Konzentration seelischen Interesses auf das Selbst’ und ist hier weder etwas Krankhaftes noch werden die auf das Selbst gerichteten Interessen qualitativ bewertet. Der Begriff des Selbst spielt hier eine gewichtige Rolle und umfasst hier die Gesamtheit der seelischen und körperlichen Zustände einer Person, wie Erfahrungen, Bedürfnisse, Fähigkeiten oder Stimmungen. In der Psychoanalyse geht es aber meist um das Bild, das eine Person von sich selbst hat, was wiederum mehr oder weniger von der Realität abweicht. Ein Narzisst hat höchst irreale Selbstbilder von sich geschaffen und ist der festen Überzeugung, das diese auch der Realität entsprechen und ist somit nicht in der Lage, ein reales und angemessenes Selbst zu entwickeln. Es gibt zwei Seiten, die Charaktere eines Narzissten betreffend. Die eine ist eine stark ausgeprägte Liebe zu sich selbst, extreme Eitelkeit, Selbstbewunderung, Überheblichkeit, Arroganz und Angebertum.
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1 siehe Bibliographie; Nummer 2; Seite 6
2 „Narzissmus“, Microsoft ® Encarta ® 99 Enzyklopädie. © 1993 – 1998 Microsoft Corporation
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