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1. Einleitung 2
2. Die Novelle 2
2.1 Eigenschaften der Novelle 2 4
2.2 Aufgabe I: Entwicklung der Novelle aus dem Exemplum 4
2.2.1 Boccaccio: 'Decamerone' X, 4 (1348) 4 5
2.2.2 Cervantes: 'Die Stimme des Blutes' (1613) 6 8
2.2.3 Kleist: 'Die Marquise von O ' (1810) 8 9
2.2.4 Goethe: 'Novelle' (1828) 9 11
3. Aufgabe II: Probleme humaner Selbstfindung, Identitätsbehauptung und
Identitätsgefährdung, dargestellt an Kleist: 'Die Marquise von O ' 11
3.1 Die Marquise 11 12
3.2 Der Graf F 13
3.3 Der Vater 13
3.4 Die Mutter 14
4. Fazit 15
5. Literatur 16
2
1. Einleitung
Die Novelle entstand aus dem Exemplum, emanzipierte sich als eigenständige literarische Gattung. Was aber ist ein Exemplum, was genau ist eine Novelle? Und wo liegen die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten dieser Formen? Ich möchte im ersten Teil dieser Hausarbeit diese Fragestellungen möglichst einfach beantworten. Ich werde weiterhin die Entstehung der Novelle von ihren Anfängen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts an Auszügen von Boccaccios Decamerone (1348), Cervantes' Die Stimme des Blutes (1613), Kleists Die Marquise von O... (1810) und Goethes Novelle (1828) beispielhaft erläutern. Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann eines dieser Werke, Die Marquise von O... auf Identitätsbehauptung, bzw. -gefährdung, Selbstfindung und Selbstbewußtwerdung der Haupt-Charaktere untersuchen.
2. Die Novelle
2.1 Eigenschaften der Novelle
Um die nachfolgenden Punkte verständlicher zu machen, werde ich nun kurz die Eigenschaften einer Novelle beschreiben.
Die Novelle ist eine kurze Form der Epik. Sie unterscheidet sich insofern von der "herkömmlichen" Erzählung, als dass sie einen straffen, auf ein einzelnes Ereignis hin komponierten Aufbau mit dramatischem Moment hat. Durch eine Novelle will etwas Neues, etwas Interessantes, bzw. Merkwürdiges mitgeteilt werden. Der Name dieser Form stammt von ital. "Novella", Neuigkeit, ab. Man kann die Novelle durch fünf Punkte treffend charakterisieren 1 :
1
Die folgenden Angaben stammen aus Braak, Ivo; Neubauer, Martin: Poetik in Stichworten: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe. Eine Einführung. 7. Aufl. Unterägeri: Verlag Ferdinand Hirt, 1990. (=Hirts Stichwortbücher). S. 267f.
3
1. Die "wahre, unerhörte" Begebenheit
,,Goethe zu Eckermann, 25.1. 1827: 'Wissen Sie was, wir wollen es die Novelle nennen; denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit. Dies ist der eigentliche Begriff, und so vieles was [...] unter dem Titel Novelle geht, ist gar keine Novelle, sondern bloß Erzählung oder was Sie sonst wollen.'" (Ebd., S. 272, Z. 19-23)
Der Anspruch auf Wahrheit stellt vielleicht das wichtigste Merkmal der Novelle dar. Eine Novelle soll den Anschein haben, dass sie sich tatsächlich ereignet haben könnte und ist oft gegenwarts-, bzw. ortsbezogen.
Der goethische Anspruch der Novelle auf Unerhörtheit: Die Novelle soll etwas Neues, noch nicht Dagewesenes, also tatsächlich "Unerhörtes" berichten. Die Urform der Novelle ist das ungewöhnliche Ereignis, zum Beispiel Berichte über Katastrophen und Skandale.
Neu ist auch das Bekenntnis zum persönlichen Schicksal, zum Erleben des Einzelnen.
2. Szenischer Ausschnitt
Die Szenen sind oft örtlich sehr begrenzt, statt einer Milieuschilderung gibt es einzelne einprägsame Szenen und Bilder.
3. Mensch und Schicksal
Die Figuren sind eng mit dem Vorfall, der Krise, verbunden und müssen um ihr Glück kämpfen.
4. Verdichtung zur Krise
Die Erzählung wird konzentriert auf das Wichtigste, es gibt einen gerafften Zeitablauf.
Die Struktur ist dem Drama verwandt: Die Ausgangssituation und die Hauptcharaktere werden bereits zu Beginn vorgestellt, darauf folgt die Krise, der Höhe- und Wendepunkt, und schließlich der Abfall und Ausklang der Geschichte.
4
5. Höhe- und Wendepunkt
Anders als im Roman konzentriert sich in der Novelle alles auf nur ein krisenhaftes Ereignis; wiederum ähnlich wie in einem Drama. Durch dieses Ereignis erfährt der Protagonist eine schicksalhafte Wendung. Der Wendepunkt wird oft durch ein sog. "Dingsymbol", ein gegenständliches Zeichen des Wendepunktes, eingeläutet, und schließlich erfüllt.
2.2 Aufgabe I: Entwicklung der Novelle aus dem
Exemplum
2.2.1 Boccaccio: 'Decamerone' X, 4 (1348)
Ich werde nun die Eigenarten und die geschichtliche Entwicklung der Novelle versuchen thesenhaft aufzuzeigen. Beginnen werde ich mit Boccaccio. Seine Novellensammlung gilt in der europäischen Literatur als der Urvater der Novelle. Das Dekameron wurde für Jahrhunderte Vorbild der europäischen Novellendichtung. 2
In X, 4 muss sich der Mensch im Kampf mit den großen beherrschenden Kräften der Welt, Schicksal und Liebe, bewähren.
1. Der Anspruch auf die "unerhörte Neuigkeit" wird erfüllt durch ein Gespräch, durch welches die einzelnen Episoden des Decamerone eingeleitet werden.
2. Als Bühne wurde das Städtchen Bologna gewählt. Eine Stadt die real existiert, und so ebenfalls den unter 1. verlangten Anspruch auf Authenzität erfüllt.
3. Schon die "Einleitung" erklärt, um was es gehen wird: Nämlich darum, dass ein Verliebter alles hingeben wird, nur um den Gegenstand seiner Liebe zu
2
Vgl. Knörrich, Otto (Hrsg.): Formen der Literatur. In Einzeldarstellungen. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag,
1981. (=Kröners Taschenausgabe; Bd. 478). S. 260f.
Arbeit zitieren:
Ralf Klossek, 2004, Die historische Entwicklung der Novelle bis ins 19. Jahrhundert (Boccaccio- Cervantes- Kleist- Goethe), München, GRIN Verlag GmbH
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