Entwicklung der Sprache beim Kind
von Claudia Benzing
Gliederung
1. Bedingungen für die Sprachentwicklung
· Auditive Faktoren
· Organische Faktoren
· Visuelle Faktoren
· Kognitive Faktoren
· Emotionale Faktoren
· Der Fall des Mädchens Genie
2. Die Stufen der Sprachentwicklung
· 1. Phase: Die vorsprachliche Phase
· 2. Phase: Die Phase der Spracheinführung
· 3. Phase: Der Ausbau des sprachlichen Systems
· 4. Phase: Der Ausbau des sprachlichen Systems - die
kommunikative Flexibilität
3. Wie kann Sprachentwicklung positiv beeinflusst werden?
· Förderung des Hörens
· Förderung der Kommunikationsbereitschaft
· Vorbildfunktion der Bezugspersonen
4. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Sprachentwicklung
5. Spracherwerb bei Zwillingen
6. Schlusswort
7. Literaturverzeichnis
1. Bedingungen für die Sprachentwicklung
Damit das Kind Sprache normal entwickeln kann, muss es von Geburt an neuromotorische, sensorische und mentale Strukturen besitzen, die es während der gesamten Entwicklung behält.
Auditive Faktoren:
Das Kind muss ein gutes Gehör besitzen, damit Geräusche der Umwelt wahrgenommen werden können und auch Sprache der Bezugspersonen (Eltern) gehört werden kann. Durch Hören wird das Interesse an Sprache und damit am Kontakt zur Außenwelt geweckt.
So wird zum Beispiel die Lallphase vor allem durch auditive Reize gesteuert - das Kind hört neben der Umwelt auch sich selbst und wird so zur Nachahmung und Wiederholung motiviert. Auch die Lautstärke reguliert es durch Anpassung an die Umwelt.
Hierbei ist auch die Bedeutung des vorgeburtlichen Hörens nicht zu unterschätzen. Es ist medizinisch erwiesen, dass der Fötus mit sechs Monaten über sein Innenohr auf Laute reagiert. Das Ungeborene hört vor allem die Stimme seiner Mutter - zum einen nimmt es sie über das Mitschwingen des Knochenskeletts wahr, zum anderen über die Bauchdecke und das Fruchtwasser. So wird zwar nicht verstanden, was die Mutter sagt, aber der Fötus nimmt den Klang und den Rhythmus der Stimme der Mutter wahr. Genauso werden auch die Geräusche der Umwelt gehört, zum Beispiel die Stimme des Vaters und auch Musik.
Eine Studie hat gezeigt, dass bereits vier Tage alte Säuglinge die Muttersprache anderen Sprachen vorziehen. Durch einen präparierten Schnuller wurde die Saugrate der Säuglinge gemessen und diese war bei der eigenen Muttersprache deutlich höher, als bei anderen Sprachen.
Hören ist also ein wesentlicher Grundstein zum Erwerb von Sprache.
Organische Faktoren:
Der Mund- und Rachenraum des Kindes müssen frei von Missbildungen sein, um eine normale Sprachentwicklung zu durchlaufen.
Hinderlich für eine gute Sprachentwicklung sind zum Beispiel eine Kieferdeformation, eine Gaumenspalte oder ein gespaltenes Zäpfchen.
Visuelle Faktoren:
Das Sehen ist eine weitere wichtige Grundvoraussetzung für Sprache. Der gegenseitige Blickkontakt löst die Kommunikation aus und hält sie aufrecht. Sprache wird auch visuell wahrgenommen - Gestik und Mimik sind mit Sprache verbunden. Durch Beobachtung von Mundbildern und Gesichtsausdruck können verschiedene Begriffe schneller erlernt werden.
Kognitive Faktoren:
Normale Sprachentwicklung und ausreichende intellektuelle Fähigkeiten sind eng miteinander verbunden. Das Kind muss in der Lage sein Sprache aufzunehmen und kognitiv zu verarbeiten, um eine eigene Sprache normal entwickeln zu können. Kinder mit Hirnschädigungen und geistigen Behinderungen sind in ihrer Sprachentwicklung immer verzögert und bedürfen der speziellen Förderung, um Sprache erwerben zu können. Dass Denken strukturiert den Sprachgebrauch und umgekehrt nimmt die Sprachentwicklung Einfluss auf die kognitive Entwicklung.
Emotionale Faktoren:
Es ist wichtig, dass die Bezugspersonen auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, seine Mitteilungen aufgreifen und ihm Liebe und Fürsorge entgegenbringen. So wird ein Vertrauen aufgebaut, das die Bereitschaft zur Kommunikation fördert.
Das Kind lebt so in einer Umgebung in der es Sprache erlernen kann ohne Sprachangst zu entwickeln. Es weiß, dass es ernst genommen wird und es kann sich ausprobieren.
Der Fall des Mädchens Genie
Dieser Fall zeigt sehr deutlich wie sehr Sprachentwicklung von der Umwelt des Kindes abhängt.
Genie wurde im April 1957 geboren und lebte vom vierten bis zum elften Lebensmonat aufgrund eines angeborenen Hüftleidens mit einer geschienten Hüfte.
[...]
Arbeit zitieren:
Claudia Benzing, 2001, Entwicklung der Sprache beim Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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