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Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Hauptseminararbeit, 2004, 27 Seiten
Autor: Marie Burgard
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Heinrich von Kleist
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes (Germanistisches Institut)
Tags: Heinrich, Kleist, Krug, Heinrich, Kleist
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 27
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V30966
ISBN (E-Book): 978-3-638-32112-9

Dateigröße: 460 KB


Textauszug (computergeneriert)

Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

von: Marie Burgard

8. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

1. Entstehungs- und Stoffgeschichte S. 3

2. Das Sündenfall - Motiv im Zerbrochnen Krug S. 5

2.1 Die sprechenden Namen S. 5
2.2 Inhaltliche Parallelen zwischen dem Zerbrochnen Krug und dem biblischen Sündenfall S. 6

3. Sophokles’ König Ödipus und Kleists Zerbrochner Krug S. 7

3.1 Parallelen S. 7
3.2 Abweichungen S. 9

4. Die Erzeugung von Komik im Zerbrochnen Krug S. 9

4.1 Der Gegensatz zwischen Juristen- und Laiensprache S. 9
4.2 Das Spiel mit der Sprache S. 10

4.2.2 Doppeldeutigkeit S. 10
4.2.3 Wortspiele S. 12

5. Justizkritik im Zerbrochnen Krug S. 14

5.1 Der historische Hintergrund S. 14
5.2 Worin besteht die Justizkritik? S. 15

5.2.1 Der Dorfrichter Adam S. 16
5.2.2 Der Schreiber Licht S. 17
5.2.3 Der Gerichtsrat Walter S. 18

6. Die zentralen Dingsymbole im Zerbrochnen Krug S. 22

6.1 Der Krug S. 22
6.2 Die Perücke S. 23

7. Kleists Zerbrochner Krug - ein Lustspiel ? S. 24

Literaturverzeichnis S. 26


 

1. Entstehungs- und Stoffgeschichte

Dem Werk Kleists liegen zunächst drei Gemälde zu Grunde: „La cruche cassée“ ein Ölgemälde von Jean Baptiste Greuze, „Le Juge, ou la Cruche cassée“ von Jean Philibert Debucourt (1787) und eine Umwandlung von Debucourts Werk in einen kolorierten Stich durch Jean Jacques Le Veau, die unter dem Titel: „Le Juge, ou la Cruche cassée - peint par Philibert Debucourt, Peintre du Roi - gravé par J. J. le Veau“ bekannt wurde. Die beiden zuletzt entstandenen Werke zeigen eine Gerichtsverhandlung in einem ländlichen Gerichtssaal, in der es offensichtlich um einen zerbrochenen Krug geht.1 Abb. 1 : Jean Jacques Le Veau : « Le juge ou la cruche casée » Dieser Kupferstich war die Grundlage eines Dichterwettstreites zwischen Ludwig Wieland, Heinrich Zschokke, Heinrich von Kleist und später auch Heinrich Geßner. Jeder von ihnen versprach, eine andere Art der Literatur um das Gemälde herum zu schreiben. Heinrich von Kleist entschied sich für ein Lustspiel, was er auch umsetzte. Im Werk selbst gibt er in der Vorrede einen Hinweis darauf, dass dieses Bild der Anstoß zu seinem Lustspiel war: „Ich nahm die Veranlassung dazu aus einem Kupferstich, den ich vor mehreren Jahren in der Schweiz sah.“2

Ludwig Wieland entschied sich für eine Satire, löste sein Versprechen jedoch nicht ein. Heinrich Zschokke legte 1825 eine Erzählung mit dem Titel „Der zerbrochene Krug“ vor. Auch Heinrich Geßner setze sein Versprechen in die Tat um: Er versah ein in einer Art von Hexametern verfasstes Werk von Karl Wilhelm Ramler, das wiederum auf dem Werk „Der zerbrochene Krug“ von Salomon Geßner beruht, mit einigen Änderungen und trug so seinen Teil zu dem Dichterwettstreit bei. „Kleist′s >zerbrochner Krug<“, so berichtet Zschokke, „hat den Preis davongetragen.“3 Doch der Erfolg den das Werk bei den befreundeten Dichtern hatte, wurde zunächst vom Theaterpublikum nicht mitgetragen. Die Uraufführung des durch Goethe inszenierten Stückes am 2. März 1808 in Weimar war ein Misserfolg. Dies wurde vor allem dem letzten Akt zugeschrieben, der sich in den Augen der Zuschauer zu lange hinzog: „und besonders im letzten Akte so entsetzlich viel und alles so breit erzählt, dass dem sonst sehr geduldigen Publikum der Geduldfaden endlich ganz riß, und gegen den Schluß ein solcher Lärm sich erhob, dass keiner imstande war, von den ellenlangen Reden auch nur eine Silbe zu verstehn.“4 Kleist selbst suchte den Grund für das Scheitern der Weimarer Aufführung in der Inszenierung Goethes. Aber nicht nur dies mag die Ursache gewesen sein, sondern auch, dass sich das Publikum von den Inhalten des Stückes getroffen fühlte:

„Hat Kleist nicht die Gesellschafts- und Rechtsordnung im ganzen verhöhnt und verlacht? Wird in der Figur des Richters als Täter nicht Heuchelei und Unredlichkeit des Justizwesens überhaupt sichtbar, und dies in einer Heiterkeit, die nur als fulminant und aufreizend bezeichnet werden kann?“5 Aus dem Scheitern der Weimarer Aufführung zog Kleist, obwohl er die Schuld dafür bei Goethe und nicht bei sich selbst sah, eine konstruktive Konsequenz: Er wandelte das ursprüngliche Ende seines Lustspiels um. Aus ursprünglich 2429 Versen wurden 1974 Verse. Das Stück wurde somit um insgesamt 20% gekürzt.6 Im März 1808 wurden Fragmente des 1., 6. und 7. Auftritts in Adam Müllers Phöbus abgedruckt. Die erste Buchausgabe erschien 1811. In ihr wurde der ursprüngliche , ungekürzte Schluss als „Variant“ mit abgedruckt, was darauf hinweist, dass dieser Schluss Kleist für die Vervollständigung des Bedeutungsgehaltes seines Stückes so wichtig war, dass er ihn für den Leser auch weiterhin zugänglich machen wollte.

2. Das Sündenfall-Motiv in Kleists Zerbrochnem Krug

2.1 Die sprechenden Namen

Unübersehbar ist das Sündenfallmotiv schon in der Namensgebung der Personen. Die Namen Adam und Eve in Entsprechung zu den beiden biblischen Figuren Adam und Eva. Licht dessen Name an sich „die Hellsicht analytischer Vernunft konnotiert“7 dient als Hinweis auf den Erzengel Luzifer. Luzifer ist zusammengesetzt aus den beiden lateinischen Worten „lux“ = „Licht“ und „ferre“ = „tragen“, im Gesamten also der Lichtbringer, als dessen Symbol die Schlange gilt. In unserem Religionsverständnis schwingt mit dem Namen Luzifer immer auch die Vorstellung einer „zerstörenden, Leid und Verderben bringenden Macht“ mit. „Die Schlange ist […] bekannt als der Verführer der Menschheit“8. So wird auch in diesem Namen ein Bezug zum Sündenfall hergestellt und gleichzeitig ein negativer Unterton vermittelt, der den Leser von Anfang an misstrauisch gegenüber dem Schreiber Licht werden lässt. Allerdings treten die mit dem Namen Luzifer verbundenen negativen Vorstellungen nur in Verbindung mit dem Hinarbeiten Lichts auf die Position als Dorfrichter in Erscheinung. Ansonsten hält er sich eher im Hintergrund, stockt nur „hin und wieder […] um die Spuren, die Adams Delikt in der vergangenen Nacht hinterlassen hat, wie ein Detektiv zu lesen.“9

Der Name Walter enthält ebenso einen Verweis zum Sündenfallmotiv. Vom Wort abgeleitet beinhaltet der Name den „Vorstellungskreis des Waltens und Verwaltens“. Er steht für die „Rationalisierung, Zentralisierung und Entpersönlichung der Justiz“.10 Repräsentiert also eine übergeordnete Instanz, die man, um die Analogie zum Sündenfall herzustellen, in Gott sehen kann.

2.2 Inhaltliche Parallelen zwischen dem Zerbrochnen Krug und dem biblischen Sündenfall

[...]


1 Vgl. Sembdner, Helmut (1998): „Heinrich von Kleist. Der zerbrochne Krug. Erläuterungen und Do- kumente.“ S. 70 - 72.

2 Kleist, Heinrich von (1993): „Der zerbrochne Krug“. S. 3.

3 Reh, Albert M. (1981): „Der komische Konflikt im Lustspiel Der zerbrochne Krug“. S. 93.

4 „Zeitung für die elegante Welt“. Leipzig 14. März 1808. Zitiert in Sembdner, Helmut 1998. S. 99.

5 Schneider, Peter (2000): „Kleists Zerbrochner Krug aus juristischer Sicht“. S. 233.

6 Vgl. Schmidt, Jochen (2003): „Heinrich von Kleist: die Dramen und Erzählungen in ihrer Epoche“. S. 77.

7 Wellbery, David E. (1997): „Der zerbrochne Krug“. S. 13.

8 Steiner, Rudolf: „Das kleine Zitat-Lexikon“. Eintrag zu „Luzifer“ URL: http://www.rudolfsteiner. de/thema/mitnehmen/lexikon_2.htm. zuletzt eingesehen am 12.04.04.

9 Wellbery (1997): S. 19.

10 Ebd.: S. 18.


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