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Platons Sophistes - zur Überwindung der Sophistik und ihrer metaphysischen Implikationen

Hauptseminararbeit, 2000, 22 Seiten
Autor: Christian Glasmeyer
Fach: Philosophie - Philosophie der Antike

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2000
Seiten: 22
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V3095
ISBN (E-Book): 978-3-638-11869-9

Dateigröße: 277 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit zeichnet die wesentlichen Gedanken im Sophistes nach und geht hierbei auch auf die Kontexte (hauptsächlich Eleatismus und Sophistik) des Dialogs ein.391 KB



Textauszug (computergeneriert)

Platons Sophistes - zur Überwindung der Sophistik 
und ihrer metaphysischen Implikationen

Christian Glasmeyer

Inhalt

KONTEXTE DES SOPHISTES 1
THEAITETOS UND PARMENIDES 1
SOPHISTIK 4
PARMENIDES UND GORGIAS 8
DER "Sophistes": 10
SCHEIN UND NICHTSEIN 10
SEIENDES 12
DIALEKTIK 15
NICHTSEIN 16
IRRTUM UND WAHRHEIT 17
DER SOPHIST 20
SCHLUs: 20
BIBLIOGRAPHIE: 21

Die folgende Arbeit über den Sophistes unternimmt den Versuch, diesen komplexen Dialog auch im Kontext der in ihm angesprochenen philosophischen Hintergrunde zu behandeln. Das Ziel ist die Darstellung des im "Sophistes" von Platon aufgezeigten Weges, die Sophistik endgültig zu überwinden. Jene ist fest mit den grundlegenden metaphysischen Konzepten und Problemen ihrer Zeit verquickt, nicht zuletzt wohl dies bescherte ihr die Festigkeit und Widerstandsfähigkeit, die so oft im "Sophistes" beschworen wird.

Kontexte des "Sophistes":
Theaitetos und Parmenides
Wie im Dialog Theaitetos verabredet,1 treffen sich zu Beginn des Sophistes Theaitetos, Sokrates und Theodoros wieder, um das aporetisch geendete Gespräch fortzusetzen. Der hier bekundete Bezug der beiden Dialoge aufeinander verweist auch auf eine thematische Kontinuität, so wurde beispielsweise bereits im Theaitetos die Möglichkeit des Irrtums diskutiert. Dort hieß es allerdings noch: .Also ist "Falsches meinen" etwas anderes als Nichtseiendes meinen"2; aber gerade dies wird im Sophistes verbunden: "Denn, das Nichtseiende meinen oder aussagen, das ist es doch wohl, was den Irrtum im Denken und Reden ausmacht."3 Die Intention des Theaitetos war eine Bestimmung des "Wissens", sowie, hiermit zusammenhangend, die Möglichkeit von wahrer und falscher Meinung herauszustellen. Dieser Fragekomplex taucht im Sophistes wieder auf, ist doch hier die Möglichkeit des Scheins, der falschen Meinung, die Bedingung für eine Definition des Sophisten: "Vom Sophisten aber behaupten wir doch, das er eben in dieser Gegend [des Scheins, des Irrtums] seine Zuflucht gesucht habe und steif und fest geleugnet habe, das es überhaupt Irrtum gebe."4 Das aporetische Ende des Theaiteto" hatte deshalb die Untersuchung über das Wesen des Sophisten vereitelt, für die Fragestellung des Sophistes war es somit existentiell nötig, über den Theaitetos hinauszugehen und zumindest jene Überlegungen nun zu einem positiven Schluss zu bringen, die für eine Definition des Sophisten unumgänglich sind.

Chronologisch steht zwischen dem Theaitetos und dem Sophistes höchstwahrscheinlich der Parmenides, auch thematisch kann dieser Dialog als Zwischenstuck angesehen werden.5 Im Parmenides deutet sich bereits an, was im "Sophistes" nachher zur Klärung des Problems des "Nichtseienden" fuhren wird: Die dialektische Verbindung der Kategorien6 "Verschiedenheit", "Selbigkeit", "Ruhe", "Bewegung" und "Sein".7 Die Philosophie Parmenides, der Platon den gleichnamigen Dialog gewidmet hat, blickt auf lange und intensive Rezeptionsgeschichte zurück, der berühmteste Interpret aus neuerer Zeit ist wohl Martin Heidegger ist, bei dem der Begriff des "Sein" wieder in den Mittelpunkt ruckt.8 Auch für Platon und die Sophisten war Parmenides bereits eine historische Figur, dessen Philosophie neu erschlossen und interpretiert werden muste.9 Im Sophistes ist es der "Fremde aus Elea", der Heimat des Parmenides, der sich gegen seinen "Vater" wendet, weil dessen Dogma von der Unerforschlichkeit des
Nichtseienden der Klärung des sophistischen Wesens im Wege steht.10 Wahrend allerdings die platonische Behandlung der Lehre des Parmenides durch die Verhaltenheit der Kritik seitens des Fremden noch von einer gewissen Hochachtung zeugt, ist im Gegenzug die Behandlung der Thematik durch den Sophisten Gorgias weit weniger schmeichelhaft. In seiner Schrift "Über das Nichtseiende" soll er versucht haben, aus den Prämissen des Parmenides zu folgern, das:

  1.  nichts ist,
  2. wenn aber doch etwas wäre, es nicht erkannt werden könne,
  3. selbst, wenn es erkannt werden könne, es dennoch nicht mitgeteilt werden konne.11

[...]

1 Vgl. Platon, Theaitetos, 210d.
2 Ebd. 189b.
3 Platon, Sophistes 260c.
4 Ebd. 260d.
5 Vgl. Walter Brocker: Platos Gespräche. 3. A. Frankfurt a. M. 1985, S. 387. Im folgenden zitiert als: "Brocker "Platos Gespräche".
6 Ob nun die im Sophistes vorgestellten Kategorien Ideen im platonischen, also transzendenten Sinne sind, oder doch "nur" Kategorien im sprachlichen, ob die Idee des "Sein" gleich der Spitze einer ontologischen Seinspyramide (Idee des Sein, Ideen, Dinge) über allem steht oder ob die Qualitäten der "klassischen" Ideen sich im "Sophistes" gravierend verändern,"ist schwer zu entscheiden. Die Meinungen der Sekundarliteratur sind in diesem Punkt durchaus geteilt. In dieser Arbeit werden sie als Ideen aufgefasst, die allerdings in ihrer sprachlich/ dialektischen Artikulation Kategorien gleichen, wobei die Erkenntnis derer Verbindung untereinander Aufschluss gibt über die Natur des Seienden.
7 Vgl. Platon, Parmenides 142b-155e; vgl. Platon, Sophistes 258ef. Hinzu kommen im Parmenides noch die Kategorien "Grenze","Gestalt", "Ort","qualitative Gleichheit", "qualitative Ungleichheit", "quantitative Gleichheit", "quantitative Ungleichheit", "Berührung", "Altersein", "Jüngersein" und "Zeit". Zur weiteren Spezifikation der Kategorien, sowie des Argumentationsganges im "Parmenides" vgl. Brocker, Platos Gesprache, S. 414-420.
8 Vgl. Martin Heidegger: Sein und Zeit. 17. durchgeseh. A. Tübingen 1993, S. 1. Es ist auch wohl kein Zufall, das der erste Satz aus "Sein und Zeit" ein Platon-Zitat aus dem "Sophistes" ist, in dem Platon die Notwendigkeit der Frage nach dem Seienden konstatiert.
9 Vgl. bspw. Platon, Sophistes, 236dff u. 244eff.
10 Vgl. ebd. 236dff.
11 Vgl. Pseudo-Aristoteles, De Melisso Xenophane Gorgia 979a10-980b26; vgl. Sextus Empiricus, Adversus Mathematicos VII 65-87. Der Überlieferung durch den pseudo-aristotelischen Text wird heute allerdings der Vorrang eingeräumt. (Vgl. Bernard H. F. Taureck : Die Sophisten zur Einführung.


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